[Rezension] Alexandra Christo: To Kill a Kingdom

Princess Lira is siren royalty and the most lethal of them all. With the hearts of seventeen princes in her collection, she is revered across the sea. Until a twist of fate forces her to kill one of her own. To punish her daughter, the Sea Queen transforms Lira into the one thing they loathe most—a human. Robbed of her song, Lira has until the winter solstice to deliver Prince Elian’s heart to the Sea Queen or remain a human forever.The ocean is the only place Prince Elian calls home, even though he is heir to the most powerful kingdom in the world. Hunting sirens is more than an unsavory hobby—it’s his calling. When he rescues a drowning woman in the ocean, she’s more than what she appears. She promises to help him find the key to destroying all of sirenkind for good—But can he trust her? And just how many deals will Elian have to barter to eliminate mankind’s greatest enemy? (Source: alexandrachristo.com)

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Nachdem Alexandra Christo im Alter von 4 Jahren erfahren hat, dass sie wohl keine Fee werden könnte, wollte sie Autorin sein. Sie besitzt einen Abschluss in Kreativem Schreiben und arbeitet in London. Ihr Leben in Hertfordshire teilt sie mit einer Kollektion an Kakteen. „To Kill a Kingdom“ ist ihr Debütroman.

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Sirenen, Piraten, Meerjungfrauen, Magie und ein Prinz – wer sich ein ganz klein wenig an „Die kleine Meerjungfrau“ erinnert fühlt, liegt nicht komplett falsch. Doch mit dem bekannten Märchen von Hans Christian Andersen und der Disney-Version hat „To Kill a Kingdom“ von Alexandra Christo nicht mehr viel gemeinsam.

„Die kleine Meerjungfrau“ war gestern

Lira ist keine Meerjungfrau, sondern eine Sirene und Tochter der Königin. Erzogen zur Herzlosigkeit und Grausamkeit ist Lira in ihren Jahren zur Legende geworden. Als Princes‘ Bane raubt sie allein royalen Herren das Herz – sprichwörtlich und genau so blutig wie es klingt.

Als Erbe des Königreiches Midas hat sich Prinz Elian zur Aufgabe gemacht, Siren zu jagen und zu töten. Begleitet wird er auf seinem eigenen Schiff von einer mehr an Piraten als an königlichen Trupp erinnernde Crew, die für ihn jedoch ihr Leben aufs Spiel setzen würde.

Reale und greifbare Charaktere, deren Entwicklung nachvollziehbar ist

Die Charakterisierung der beiden Hauptpersonen scheint simpel, doch hinter Christos Protagonisten verbirgt sich weit mehr als der erste Eindruck preisgibt. Lira scheint getrieben vom Hass den sie gegenüber den Menschen empfindet. Sie tötet ohne Mitgefühl und Reue, doch zeigen sich bereits zu Beginn sanftere Züge. Christo kreiert mit Lira eine starke Frau deren körperliche Kraft als Sirene vor allem den Menschen überlegen ist. Mit dem Fluch ihrer Mutter verschwindet diese Überlegenheit – ein geschickter Schachzug der Autorin, um Weiterentwicklungspotential für ihre Protagonistin zu schaffen.

Prinz Elian genau das, was man von einem Prinzen erwartet – gutaussehend, reich, wohlerzogen. Doch unter der hübschen Verpackung tobt eine Flut von Gedanken und Gefühlen. Die Flucht in das Leben als Pirat und Sirenjäger ist gleichzeitig Flucht vor seinem Schicksal und Erbe, will er doch eigentlich gar nicht regieren und seine Freiheit aufgeben. Doch sein Pflichtbewusstsein hält ihm immer wieder vor Augen, irgendwann sein altes Leben aufgeben zu müssen.

Grausame Schönheit und düstere Töne

Christo beschreibt das Wachstum ihrer Charaktere nicht mit endlosen, tiefgründigen Mono- und Dialogen. Sie zeigt das Wesen ihrer Kreationen durch deren Handlungen, Taten und ihr Verhalten anderen gegenüber. Die Kämpfe, die sie mit sich selbst und ihrem Gewissen austragen, machen vor allem Lira und Elian ungemein greifbar und real, und räumt auch der sich langsam entwickelnden Vertrautheit zwischen den beiden – obwohl sie doch eigentlich Feinde bis aufs Blut sein sollten – Glaubwürdigkeit ein. Diese Entwicklung allein hebt sich ungemein positiv von all den Liebe-auf-den-ersten-Blick-Szenarien ab.

Some people burn so brightly, it’s impossible to put the flames out.
(Alexandra Christo: To Kill a Kingdom, Seite 216)

To Kill a Kingdom“ schlägt vom ersten Moment an einen sehr düsteren und fast schon brutalen Ton an, hält sich doch Christo keineswegs mit ihren Beschreibungen zurück. Auch die Gestaltung ihrer Welt und der einzelnen Königreiche ist ungemein faszinierend, sei es nun das goldene Reich Midas, dessen königliche Familie statt Blut Gold in den Adern trägt, Monarchen, der Berührung dazu führt seinen Seelenverwandten zu finden oder aber Regenten, die selbst der gefährlichsten Kälte widerstehen und deren Lippen blau sind wie die von Erfrorenen. Selbst was zunächst schön und herrlich erscheint, hat einen bitteren Beigeschmack.

Die Geschichte selbst arbeitet sich stetig auf den finalen Höhepunkt hin. Lira und Elian beide haben ein Ziel und tun alles in ihrer Macht stehende, dieses auch durchzusetzen. Positiv ist hier vor allem den Part, den Lira beim großen Finale spielt. Im Gegensatz zur bekannten animierten Variante sitzt sie nicht handlungsunfähig fest, sondern kämpft für sich.

Every Action will betray. Every choice will slaughter.
(Alexandra Christo: To Kill a Kingdom, Seite 199)

To Kill a Kingdom“ ist eine dunkle und erwachsenere Adaption einer bekannten Geschichte, hebt sich aber komplett davon ab. Zwar finden sich ein paar kleine Anspielungen, sowohl auf die Disney- als auch auf die Märchenversion, doch bleibt Christos Roman sich selbst treu. Wer glaubwürdige und reale Charaktere mag und eine Sirene und einen Piratenprinz bei ihrem Abenteuer begleiten will, für den ist dieses düstere Schmankerl definitiv das Richtige.

To Kill a Kingdom von Alexandra Christo
368 Seiten (Paperback)
Verlag: Hot Key Books
Erschienen: März 2018
ISBN: 9781471407390

Im Herbst 2018 erscheint das Buch auf Deutsch unter dem Titel Elian und Lira – Das wilde Herz der See beim dtv Verlag.

3 Gedanken zu “[Rezension] Alexandra Christo: To Kill a Kingdom

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