[Book To Screen] Thirteen Reasons Why

THIRTEEN REASONS WHY / TOTE MÄDCHEN LÜGEN NICHT

Worum es in Thirteen Reasons Why (dt. Tote Mädchen lügen nicht) geht, ist schnell geklärt.

Nach dem verblüffenden Selbstmord einer Teenagerin (Hannah) kommt ein Mitschüler (Clay) in den Besitz von Kassetten, die das Rätsel um ihren tragischen Entschluss lösen könnten.

Netflix adaptierte das Buch von Jay Asher in 13 jeweils 50+ Minuten langen Episoden. Und nun stellt sich wieder einmal die altbewährte Frage: Was war zuerst da, das Huhn oder das Ei? … Nein, ernsthaft jetzt. Was ist besser? Buch oder Bildschirmadaption?

Ich selbst habe mir Anfang April nicht nur die Serie angeschaut, sondern gleichzeitig ebenfalls das Buch gelesen. Ein direkter Vergleich sozusagen. Und ich habe meine Schlüsse gezogen. Denn natürlich gibt es deutliche Unterschiede zwischen Buch und TV-Serie. Ob diese nun gut oder schlecht sind, erfahrt ihr gleich. ^^

Für mein Urteil und einige leichte Spoiler, einfach nach dem Cut weiterlesen.

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[Rezension] Martin-Niels Däfler: So klappt’s mit dem Burn-out

Burn-out ist das Stichwort des Jahrhunderts. Doch haben Sie sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, was mit den »Leistungsverweigerern«, den »Waschlappen« unter uns passiert, mit denen, die als »Low-Performer« tituliert werden und um ihre Karriere fürchten müssen? Für all die bedauernswerten Menschen, die ihren Burn-out nicht allein hinbekommen, gibt es hier ein 30-Tage-Programm, das Schritt für Schritt weiterhilft. Lernen Sie in diesem Buch, wie Sie Ihren Stresslevel auf ein gesellschaftlich akzeptables Maß heben können, welche Artikel in ein Büro-Survival-Paket gehören, wenn es abends spät wird, und wie Sie mit weniger Schlaf auskommen. (Inhaltsangabe: Gütersloher Verlagshaus)

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Martin-Niels Däfler ist Professor im Fachbereich Kommunikation an der FOM Hochschule in Frankfurt am Main. Er studierte BWL in Würzburg und Australien, war in beratender Funktion u.a. beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband tätig und gibt nun nebenbei Vorträge, Workshops, Firmen- und Managercoachings, veröffentlicht Bücher und Fachartikel zum Thema Kommunikation, Gelassenheit, Karriere und Stress. Sein Hauptaugenmerk liegt auf der Frage, was im Beruf wirklich glücklich macht.

Burn-out: Das Statussymbol der Neuzeit

Der Burn-out. In einer Zeit, in der teure Uhren, Autos und Designerkleidung kaum mehr Aufsehen erregen, ist er das Statussymbol schlechthin, mit dem sich der leistungsstarke Mensch von heute noch schmücken kann. Das hier vorgestellte Buch von Martin-Niels Däfler wirft einen völlig neuen Blick auf dieses besondere Kennzeichen unserer Einzigartigkeit und zeigt, wie man ohne große Schwierigkeiten das Ziel Burn-out erreichen kann.

Die Roadmap to Burn-out besteht aus mehreren einzelnen Lektionen, beginnt aber mit der wohl simpelsten Variante: dem Selbsttest. Hier wird persönliches Verhalten und vorhandene Denkmuster untersucht und auf den Kopf gestellt. Mit diesem Auftakt gibt Däfler den Ton für sein Buch an: mit viel schwarzem Humor, Wortwitz und Ironie nimmt er die Stärken der Ohne-mich-geht-hier-gar-nichts-Gesellschaft zum Thema.

Sag der Work-Life-Balance Goodbye!

Der einzige Weg zum schnellen Burn-out ist klar. Und einfach. Doch ohne die eigene Mitarbeit geht hier gar nichts. Ein wenig muss man sich ja schon selbst zum Burn-out zwingen, die stets gepredigte Work-Life-Balance über Bord werfen, und sich stattdessen eine Überlebensausrüstung für das Büro zuzulegen, sodass langen Arbeitstagen und -nächsten nichts mehr im Wege steht. Zusätzlich bietet der Autor auch noch eine Liste mit kleinen Argumentationshilfen, sollte man einen eher fürsorglichen Chef besitzen, der vom optimalen WUPSen (Wochenende/Urlaub/Pausen/Schlaf) im Sinne der Selbstoptimierung noch nie etwas gehört hat, und der den ärztliche attestierten Burn-out damit nur behindert.

Der übervolle Schreibtisch als Symbol der persönlichen Unentbehrlichkeit, stetiger Koffeinkonsum, keine Freizeit, keine Hobbies, kein Privatleben, Schlafentzug, Ja-Sagen, sogar leistungssteigernde Drogen schlägt Däfler zum Abschließen der Mission Burn-out vor, getoppt mit Verhaltensregeln und Erfolgswörterbüchern, dank denen man sich noch mehr als Gestresster fühlen kann.

So klappt’s mit dem Burn-out – Stressmanagement mal anders

Der eine oder andere liest vielleicht hier schon zwischen den Zeilen, und findet den tatsächlichen Ratgeber Däflers zum Erhalt von Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Mit seiner wundervoll ironischen Auflistung aller möglichen Risiken und Stressfallen, zahlreichen absurden Wortschöpfungen und einer gehörigen Prise Witz und Humor liefert der Autor auf eine ganz andere Art und Weise Ratschläge und Maßnahmen, die zum Überdenken der eigenen Arbeitsweise führen.

So klappt’s mit dem Burn-out“ ist ein Ratgeber der etwas anderen Art, der den Leser mehr als einmal zum Lachen bringt, und dem es doch gelingt, eigene Verhaltensweisen zu hinterfragen. Frech, locker, humorvoll. So muss es sein.

So klappt’s mit dem Burn-out von Martin-Niels Däfler
224 Seiten (Klappenbroschur)
Verlag: Gütersloher Verlagshaus
Erschienen: Juli 2016
ISBN: 978-3-579-08648-4

Ich bedanke mich ganz herzlich beim Gütersloher Verlagshaus für das so freundlich zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

 

[Aktion] Leselaunen 05.04.2017

Leselaunen“ findet einmal in der Woche statt und ist eine Art Zustandsbericht über das eigene Leseverhalten und andere persönliche Dinge. Ursprünglich kommen die Leselaunen von Nicole von Novembertochter, inzwischen hat Lara von Bücherfantasien die Aktion übernommen.

Aktuelles Buch?

Thirteen Reasons Why
Tote Mädchen lügen nicht
Jay Asher

Es hat Gründe, warum ich ausgerechnet jetzt dieses Buch lese. Einige werden wahrscheinlich mitbekommen haben, dass es zu Thirteen Reasons Why jetzt eine Serienadaption auf Netflix gibt – die ich auch schon begonnen habe zu schauen. Und so auch gar nicht schlecht finde. Aber ich bin unheimlich neugierig, und das Buch lesen geht schneller als 13 Folgen á 50+ Minuten zu schauen. Daher lesen und gucken parallel. ^^

Inhalt laut Verlagswebseite von cbt:

Als Clay Jensen aus der Schule nach Hause kommt, findet er ein Päckchen mit Kassetten vor. Er legt die erste in einen alten Kassettenrekorder, drückt auf »Play« – und hört die Stimme von Hannah Baker. Hannah, seine ehemalige Mitschülerin. Hannah, für die er heimlich schwärmte. Hannah, die sich vor zwei Wochen umgebracht hat. Mit ihrer Stimme im Ohr wandert Clay durch die Nacht, und was er hört, lässt ihm den Atem stocken. Dreizehn Gründe sind es, die zu ihrem Selbstmord geführt haben, dreizehn Personen, die daran ihren Anteil haben. Clay ist einer davon …

Momentane Lesestimmung?

Es läuft! So richtig gut, um ehrlich zu sein. Am Wochenende habe ich die zweite Hälfte von Kiss of Deception gelesen, sowie Bourbon Kings von J.R. Ward begonnen und beendet. Ab und an habe ich eine Schwäche für Familiendynastien, auch wenn es mir ein wenig auf den Wecker geht, dass ja alle so unglaublich gut aussehend sind. *seufz* Interessant genug um die Geschichte weiterzuverfolgen sind die Charaktere aber immerhin.

Zitat der Woche?

“No one knows for certain how much impact they have on the lives of other people. Oftentimes, we have no clue. Yet we push it just the same.”

Jay Asher: Thirteen Reasons Why

Und sonst so?

Ich lese, ich lerne ein wenig (weil ich muss), ich arbeite… the usual. Und ich freue mich auf meine zwei freien Tage vor Ostern. Lesezeit. Yay! Hoffentlich. Ansonsten schlägt die Frühjahrsmüdigkeit zu.. und der Heuschnupfen. Das Niesen nervt, aber allzu schlimm ist es immerhin noch nicht.

[Rezension] Kendare Blake: Three Dark Crowns

In every generation on the island of Fennbirn, a set of triplets is born: three queens, all equal heirs to the crown and each possessor of a coveted magic. Mirabella is a fierce elemental, able to spark hungry flames or vicious storms at the snap of her fingers. Katharine is a poisoner, one who can ingest the deadliest poisons without so much as a stomach-ache. Arsinoe, a naturalist, is said to have the ability to bloom the reddest rose and control the fiercest of beasts. But becoming the Queen Crowned isn’t solely a matter of royal birth. Each sister has to fight for it. And it’s not just a game of win or lose . . . it’s life or death. The night the sisters turn sixteen, the battle begins. The last queen standing gets the crown. (Inhaltsangabe: Pan Macmillan)

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Kendare Blake wurde in Seoul, Korea, geboren, lebt aber heute in Kent, Washington. Bevor sie ihre Leidenschaft, das Schreiben, zum Beruf machte, studierte sie Creative Writing in London. Hierzulande bekannt ist sie vor allem für ihr Romandebüt „Anna im blutroten Kleid“ („Anna Dressed in Blood„), welches bei Heyne erschienen ist. „Three Dark Crowns“ ist erschien 2016 auf dem englischsprachigen Buchmarkt, und wird 2017 von Penhaligon als „Der schwarze Thron: Die Schwestern“ in Deutschland veröffentlicht.

Drei Schwestern zwischen Macht, Magie und Intrigen

Three Dark Crowns“ ist vielleicht nicht gerade High Fantasy, aber lässt sich definitiv dem fantastischen Genre zuordnen. Mit Fennbirn schafft Blake eine Insel, eingeschlossen vom Nebel, regiert von Königinnen, deren männlichen Gefährten auch nur das eine sind: Gefährten, ohne auch nur irgendeine Macht in Sachen Regierung zu haben.

Gewählt wird die regierende Königin aus Drillingen, nach deren Geburt sie zusammen mit ihrem Gefährten Fennbirn verlassen muss. Die drei Schwestern sind alle mit magischen und außergewöhnlichen Fähigkeiten ausgestattet, und dazu verdammt, an Beltane, nach ihrem sechszehnten Geburtstag, gegeneinander anzutreten. Die letzte Überlebende wird zur neuen Königin gekrönt.

Every gift is light and dark.
Kendare Blake: Three Dark Crowns

Was ein wenig nach Avalon klingt, entpuppt sich schnell als geschickt konstruiertes Machwerk voller Intrigen und Machtkämpfen. Gleich zu Beginn wird der Leser mitten hinein in die Welt von Fennbirn geworfen, ohne dass Blake sonderlich viele Erklärungen liefert. Doch hat man einmal die Fülle an Charakteren und Orten grob sortiert, steht dem Genuss des Romans nichts mehr im Wege.

Facettenreiche Charaktere und gekonnte Persektivwechsel vor düsterem Fantasy-Setting

Blake bewegt sich im Wechsel durch die Geschichten der drei Kandidatinnen für den Thron, und haucht hierbei allen drei Hauptcharakteren Leben ein. Obwohl weder Mirabella, Arsinoe noch Katherine durchweg sympathisch sind, sind sie und ihre Geschichten interessant genug, um den Leser bei Laune zu halten. Auch charakterlichen unterscheiden sich die drei Königinnen, auch wenn die Schubladen, in die sie gepackt werden, zunächst vielleicht etwas klischeehaft wirken. So ist da zum einen die fast schon jungenhafte, sture Arsinoe, die mädchenhafte, warmherzige Mirabella, und die ruhige, schüchterne, unsichere Katherine. Dank der mit ihnen verknüpften Hintergrundgeschichten und der Nebencharaktere werden alle drei aber zu gleichwertig interessanten Teilen der Geschichte.

Three Dark Crowns“ ist keinesfalls weich und romantisch. Blake schreibt in prägnanten, kurzen Sätzen, die sich perfekt in das dunkle und kalte Bild von Fennbirn und dem Schicksal der zukünftigen Königinnen einreihen. Der Erzählstil selbst, bei dem sich Blake nicht der Allzweckwaffe Ich-Perspektive bedient, sondern aus der Sicht einer dritten Person schreibt, baut eine zusätzliche Distanz auf, die sich aber nicht negativ auswirkt, im Gegenteil. Stattdessen unterstreicht dieses Erzählmittel die Hilflosigkeit der drei Mädchen, und die Ausweglosigkeit der gesamten Situation.

No one really wishes to be a queen.
Kendare Blake: Three Dark Crowns

Mit „Three Dark Crowns“ liefert Kendare Blake einen gelungen Auftakt für ihr neue Reihe, der zwar noch einige Fragen offen lässt, aber definitiv Lust auf mehr macht. „Three Dark Crowns“ bietet interessante Charaktere, ein fantastisches Setting, Intrigen, Machtkämpfe, und Magie. Die perfekte Mischung.

Three Dark Crowns von Kendare Blake
432 Seiten (Paperback)
Verlag: Macmillan Children’s Books
Erschienen: September 2016
ISBN: 9781509804559

[Aktion] Leselaunen 29.03.2017

Leselaunen“ findet einmal in der Woche statt und ist eine Art Zustandsbericht über das eigene Leseverhalten und andere persönliche Dinge. Ursprünglich kommen die Leselaunen von Nicole von Novembertochter, inzwischen hat Lara von Bücherfantasien die Aktion übernommen.

Aktuelles Buch?

The Kiss of Deception
Mary E. Pearson

Nachdem Der Kuss der Lüge bzw. die englische Ausgabe The Kiss of Deception mir gefühlt überall begegnen, lese ich das Buch jetzt endlich auch. Brav geshoppt via Gutschein. ^^

Allzu weit gekommen bin ich noch nicht, aber im Moment liest sich das Buch recht gut. Es ist zwar ein wenig vorhersehbar, und vielleicht sogar klischeebehaftet, aber ganz ehrlich, das sind die meisten Bücher dieser Art. Muss ja nicht schlecht sein. ^^

Inhaltsangabe laut Luebbe One:

Lia ist die älteste Tochter im Königshaus Morrighan. Gerade mal 17 Jahre alt, soll sie mit einem Prinzen verheiratet werden, den sie noch nie in ihrem Leben gesehen hat. Doch das Mädchen entscheidet sich, ihr bisheriges Leben hinter sich zu lassen. Sie flieht und heuert weit entfernt von zu Hause in einer Taverne an. Dort lernt sie zwei Männer kennen, die sofort ihre Aufmerksamkeit erregen. Was sie nicht weiß: Die beiden sind auf der Suche nach ihr. Einer wurde ausgesandt, um die Königstochter zu töten. Und der andere ist ausgerechnet jener Prinz, den sie heiraten sollte. Schnell fühlt Lia sich zu beiden hingezogen …

Momentane Lesestimmung?

Die Lesestimmung ist definitiv da, aber das Lesetempo nicht so ganz. Nach der Leseparty am Wochenende, bei der ich so einige Bücher verschlungen habe, ist ein ganz klein wenig die Luft raus. Ich lese, aber eben nicht so viel auf einmal.

Zitat der Woche?

Beschränkte Menschen sehen die Welt nicht, wie sie ist. Sie sehen nur, was sie sehen wollen. […] Sie entdecken die Fehler nicht, weil sie zu faul sind, um sich aus dem Alltagstrott herausreißen zu lassen. […] Solchen Menschen muss man ihre Unzulänglichkeiten vor Augen führen.
(Jonas Karlsson: Das Zimmer, Seite 24)

Zu Das Zimmer von Jonas Karlsson habe ich erst eine Rezension verfasst, und dieses Zitat kam mir wieder in den Sinn. O-Ton des herrlich von sich selbst überzeugten Hauptcharakters Björn.

Und sonst so?

Die böse Zwischenprüfung, die mir Mitte März bevorstand, ist vorbei und erledigt (und fühlt sich an wie eine mittlere Katastrophe, aber reden wir da nicht mehr drüber). Im Moment lenke ich mich mit den schönen Dingen ab: Bücher und Serien. Gerade binge ich die 12. Staffel Grey’s Anatomy. 🙂

[Rezension] Jonas Karlsson: Das Zimmer

Von unausstehlichen Kollegen umgeben, in ein Großraumbüro gepresst, kann Björn sein Glück kaum fassen, als er eines Tages ein kleines, geheimes Zimmer entdeckt. Ein Büro nur für sich, auf demselben Stockwerk, im Flur gleich neben der Tonne für das Altpapier und dem Aufzug. Hier drinnen sind das Chaos und die Enge der Bürowabenwelt vergessen, Björn hat plötzlich Spaß an seiner Arbeit. Alles wäre gut, gäbe es da seine Kollegen nicht. Die treibt Björns bizarres Verhalten fast zur Verzweiflung. Und zu allem Übel tun sie auch noch so, als existiere dieses Zimmer überhaupt nicht. (Inhaltsangabe: Luchterhand Literaturverlag)

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Der Schwede Jonas Karlsson, Jahrgang 1971, zählt in seinem Geburtsland zu den bekanntesten und angesehensten Schauspielern, und gewann bereits zweimal den schwedischen Filmpreis. In seinem schriftstellerischen Dasein hat er bereits Kurzgeschichtensammlungen, Romane und ein Theaterstück veröffentlicht, doch erst sein Roman „Das Zimmer“ brachte ihm auch internationale Bekanntheit ein.

Büroalltag – Arbeitswahn, Kaffeeklatsch, Zeitpläne

In der modernen Arbeitswelt entwickelt sich das typische Bild eines Büroangestellten schnell zu dem der entseelten Arbeitsdrohne, ein wandelnder Terminkalender, der roboterartig seine Tätigkeit verrichtet. Effizienz vor Individualität, und alles, alles für den Job.

Beschränkte Menschen sehen die Welt nicht, wie sie ist. Sie sehen nur, was sie sehen wollen. […] Sie entdecken die Fehler nicht, weil sie zu faul sind, um sich aus dem Alltagstrott herausreißen zu lassen. […] Solchen Menschen muss man ihre Unzulänglichkeiten vor Augen führen.
(Jonas Karlsson: Das Zimmer, Seite 24)

In der Behörde – die von Karlsson nie wirklich näher definiert wird – geht alles seinen gewohnten, ja, fast schon gemütlichen Gang. Kaffeepausen, mehr oder weniger organisiertes Chaos, der typische Tratsch zwischen Kollegen betten sich in das Rahmenkonstrukt aus standardisierten Arbeitsabläufen. Büroalltag. Der Chef hat das Sagen, gibt Anweisungen, die Angestellten erfüllen die an sie gestellten Aufträge.

Eine eher eintönige Kulisse für einen Roman, doch die Konformität wird je unterbrochen, als mit Björn ein neuer Mitarbeiter in der Tür steht. Er ist die Effizienz in Person, spornt sich mit einem ausgefeilten Zeitplan, in dem sogar der Gang zur Toilette eingetaktet ist, zu Höchstleistungen an, und treibt seine neuen Kollegen mit seinem pedantischen Ordnungsfimmel in den Wahnsinn. Björn ist kein Rädchen im großen Getriebe der Bürowelt. Er hat Ziele, Aufstiegswünsche, möchte hinter die Kulissen schauen, um letztendlich selbst eines Tages im Chefsessel zu sitzen. Als der Beste von allen.

(K)Ein Rädchen im Getriebe der Arbeitswelt

Als Ich-Erzähler fungierend lässt Björn weder seine Kollegen noch seinen Chef im besten Licht erscheinen. Doch schon bald wird dem Leser klar, dass man sich auf die Sichtweise des einsamen Helden keineswegs verlassen kann. Als unzuverlässiger Erzähler zeichnet sich Björn auf möglichst positive Weise, doch zwischen den Zeilen ist schnell klar, warum der seine alte Firma verlassen musste.

Du wendest nicht den Lauf eines Stroms, indem du ihn abrupt in die entgegengesetzte Richtung umlenkst. […] Du musst seine eigene Kraft auffangen und ihn langsam, aber sicher in die von dir gewünschte Richtung ziehen. Wenn der Bogen sanft genug ist, wird der Strom nichts davon merken.
(Jonas Karlsson: Das Zimmer, Seite 121)

Genau hier setzt Karlsson an und schafft ein wahres, kleines Kunstwerk. Wahn und Wirklichkeit beginnen aufeinander zu treffen, als Björn ein Zimmer entdeckt – klein, ohne Fenster, jedoch ordentlich und strukturiert – welches keiner seiner Kollegen sehen kann. Dort, wo sich für Björn eine Tür befindet, sehen alle anderen nur eine Wand. Perfide Psychospielchen, um den unerwünschten Workaholic loszuwerden, oder ist Björn in all seinem – sogar nächtlichen – Arbeitseifer endgültig dem Wahnsinn verfallen?

Perfektionismus und Wahn in der modernen Arbeitswelt: Ein Zimmer, wo keines ist

Geschickt mit dieser Ungewissheit spielend überlässt Karlsson es dem Leser, sich ein eigenes Urteil zu bilden, schürt Zweifel und Verwirrung. Ist Björn als Außenseiter und Eindringling in das bisher ganz wunderbar funktionierende Hamsterrad Büro so sehr bei seinen Kollegen verhasst? Wem soll man am Ende glauben?

„Gelinde gesagt“, begann ich, „könnte man sagen, dass ich reich arbeitstechnisch den größten Beitrag von uns allen leiste. Ich muss sagen, dass ich es deshalb mehr als angemessen finde, wenn ich Zugang zu einem eigenen Raum bekomme, und das Zimmer ist ein Ort, an dem ich das Gefühl habe, gut arbeiten zu können.“
(Jonas Karlsson: Das Zimmer, Seite 156)

Das Zimmer“ erweist sich als kunstvoll strukturierter Roman, der trotz seines eher einfach gehaltenen, aber fast schon philosophischen Schreibstils einen wahren Sog auf den Leser ausübt, ähnlich wie das mysteriöse Zimmer auf Björn. Hineingezogen in ein groteskes und fesselndes Konstrukt, in dem die Grenzen zwischen Wahn und Wirklichkeit verschwimmen, entfaltet sich ein dramaturgisches Meisterwerk inmitten der alltäglichen Arbeitswelt. Alltagsflucht? Psychoterror? Wahnvorstellungen? Mobbing? Das sollte der Leser für sich entscheiden.

Das Zimmer von Jonas Karlsson
Rummet
176 Seiten (Hardcover)
Übersetzung: Paul Berf
Verlag: Luchterhand Literaturverlag
Erschienen: April 2016
ISBN: 978-3-630-87460-9

Ich bedanke mich ganz herzlich beim Luchterhand Literaturverlag für das so freundlich zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.