[Montagsfrage] Fantastische (Buch-)Welten und wo sie zu finden sind

Die Montagsfrage ist eine wöchentliche Aktion von Buchfresserchen.

Welche Bücherwelten magst du am liebsten und wieso?

Auch wenn ich allgemein gesehen wenig Fantasy lese, mag ich doch fantastische Welten am liebsten (Klar, Dystopien spielen auch in anderen Welten, auf vom Prinzip ist das ja immer noch „unsere“ Welt, nur in einer anderen Realität.. quasi. Ihr versteht schon. ^^).

Für die Montagsfrage habe ich mich mal auf vier Welten beschränkt, die mich zum einen entweder schon seit Jahren begleiten, oder aber einfach so faszinieren, dass ich dort selbst gerne einmal hinreisen möchte. 😉

A Darker Shade of Magic

  • Red London ist einfach unglaublich interessant und faszinierend, aber auch White London hat seine interessanten Seiten. Und Magie ist ja schon immer so ein Ding, welches mich begeistert. Vor allem ein gut geschriebenes magisches Setting.

Lord of the Rings

  • Elben, Zwerge, Orks und und und. LotR ist die Mutter aller Fantasyromane für mich, und allein deshalb schon ist Mittelerde eine Welt, die mich begeistert. 🙂

Saga

  • Der Weltraum. Unendliche Weiten. – Ihr versteht was ich meine, oder? Allein die Möglichkeiten, die das Setting von Saga bietet, sind gefühlt grenzenlos und immer voller neuer Überraschungen.

Throne of Glass

  • Erilea, mit seinen vielen Völkern (HEXEN!!) und Ländern, bei denen einfach für jeden Geschmack etwas dabei ist. Ich find es toll, und trotz des Hypes machen Maas Romane Spaß.

[Rezension] Cameron Bloom & Bradley Trevor Greive: Penguin Bloom

Wie ein kleiner Vogel einer Familie die Lebensfreude zurückschenkte

Penguin Bloom ist schon jetzt ein absoluter Publikumsliebling. Die lustigen, einfach zauberhaften Fotos der frechen Elster und ihrer australischen Adoptivfamilie gingen über die sozialen Medien durch die ganze Welt. Was die Fans nicht kennen, ist die bewegende Geschichte hinter den großartigen Bildern. Es ist die wahre Geschichte der Familie Bloom, die nach einem tragischen Unfall beinahe zerbricht und durch den witzigen kleinen Vogel namens Penguin gerettet wird. (Inhaltsangabe: Knaus)

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Der Australier Cameron Bloom begann seine Karriere als Surf-Fotograf, und reiste später als Fotograf durch die ganze Welt. Seine Arbeiten wurden in internationalen Zeitschriften wie Harper’s Bazaar, Vogue und dem Gourmet Traveller veröffentlicht. „Penguin Bloom“ ist sein erstes Buch. Bradley Trevor Greive wurde in Tasmanien geboren, und gilt seit der Veröffentlichung seines Buches „The Blue Day Book“ als internationaler Bestsellerautor, dessen Werke in über 100 Ländern erschienen sind. Im Jahr 2014 wurde ihm der Order of Australia für seinen Beitrag zur Literatur und zum Naturschutz verliehen.

Cameron Bloom und Sam Bloom: Das Märchen einer Liebe

Die Geschichte von Cameron und Sam beginnt wie im Märchen. Die beiden verlieben sich, heiraten, gründen eine Familie. Ihre Liebe ist die eine, erste, perfekte Liebe, die in Literatur und Film oft erzählt wird, aber die man nie so ganz glauben mag. Für Sam und Cameron ist ihre Liebe aber eben genau so eine Romanze.

Sam war meine erste, letzte und einzige Freundin, die zählte – ich wusste, dass ich die Liebe meines Lebens gefunden hatte.
Cameron Bloom: Penguin Bloom, Seite 13

Das Ehepaar reist viel und mit großer Leidenschaft. Für Cameron als Fotograf bietet jeder Trip zusätzlich noch die Möglichkeit, atemberaubende Fotos zu schießen. Doch das Reisen muss der Aufmerksamkeit weichen, welche die stetig wachsende Familie Bloom verlangt. Und beide Elternteile, sowohl Sam als auch Cameron, sehen darin keinen Nachteil. Wie wichtig Familie für die Blooms ist, wird in diesem Buch immer wieder deutlich.

Als die Kinder alt genug sind, soll eine Urlaubsreise nach Thailand das Fernweh in den Kindern wecken, und in den Eltern befriedigen. Doch was als kleiner Traum beginnt, entwickelt sich zum großen Unglück. Ein lockeres Geländer, ein Sturz in mehrere Meter Tiefe. Eine schwerwiegende Schädelverletzung, Wirbelsäulenschaden, Rollstuhl. Sam, Powerfrau und Energiebündel, ist nach über einem halben Jahr Krankenhaus an den Rollstuhl gefesselt, gelähmt und unfähig, ihre Beine zu bewegen.

Ein Schicksalsschlag, der eine Familie auf eine harte Probe stellt

Cameron Bloom erzählt davon, wie das Schicksal, das seine Frau erleiden musste, nicht nur sie selbst, sondern auch die Familie beeinflusst. Schmerzen und Verzweiflung quälen Sam, sie verfällt in Depression, verliert jede Energie.

Doch dann kommt Penguin in das Leben der Familie. Die kleine australische Elster fällt als kleines Vogelküken aus ihrem Nest, bricht sich den Flügel, und wird von Familie Bloom aufgenommen. Penguin wird zum Symbol der Hoffnung und Stärke, vor allem für Sam. Gemeinsam gehen die beiden ihren Weg, schreiten wieder voran ins Leben.

Engel gibt es in allen Formen und Größen.
Cameron Bloom: Penguin Bloom, Seite 31

Penguin gibt Sam Hoffnung, und Cameron Bloom gelingt es mit seinen Fotografien, die Geschichte von Penguin Bloom perfekt einzufangen. Die Bilder zeigen nicht nur, wie sehr sich Penguin selbst in ihre neue Familie integriert – bei der sie nun, als inzwischen ausgewachsene Vogeldame mit eigenen Kindern nicht mehr wohnt, sie aber immer noch erkennt – sie dienen auch als bildliche Veranschaulichung von Sams Schwierigkeiten, im Alltag wieder zurechtzukommen.

Penguin Bloom: Die Social Media Sensation

Penguin Bloom“ ist ein wundervolles Buch, das eine bewegende und vor allem wahre Geschichte erzählt, und nebenbei noch großartige Fotografien zu bieten hat. Abgerundet wird das Werk von einem Epilog von Sam Bloom persönlich, der sozusagen ihre Seite der Geschichte darlegt, und sich an all jene richtet, die mit Krankheitsgeschichten wie ihrer eigenen konfrontiert werden, sei es persönlich oder im nahen Umfeld. Ihre Worte gehen ans Herz, genau wie jede Fotografie, jeder Text im Buch.

Und wie verloren, einsam, besiegt oder verletzt wir uns auch immer fühlen mögen – wenn wir die Liebe der anderen annehmen und auch sie so sehr lieben, wie es uns möglich ist, wird das helfen, uns wieder ganz werden zu lassen.
Cameron Bloom: Penguin Bloom, Seite 168

Penguin Bloom“ hat viele Facetten: Tiergeschichte, Drama, Liebesgeschichte, Familienroman, Komödie. Aber „Penguin Bloom“ ist vor allem eines: Die wahre Geschichte einer Familie, voller Höhen und Tiefen, und trotz größter Probleme voller Hoffnung. Denn ein Licht am Ende des Tunnels gibt es immer. So hat Sam Bloom an den Weltmeisterschaften im Paracanoe teilgenommen.

Penguin Bloom von Cameron Bloom und Bradley Trevor Riley
Penguin Bloom: The Odd Little Bird who saved a Family
208 Seiten (Hardcover)
Übersetzung: Ralf Pannowitsch
Verlag: Knaus
Erschienen: Februar 2017
ISBN: 978-3-8135-0761-4

Ich bedanke mich ganz herzlich beim Knaus-Verlag für das so freundlich zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

 

[Aktion] 30 Days of Reading #30DaysOfReading2017

Lesen in den Alltag zu integrieren ist ja immer eine schöne Theorie, jedoch weicht die Realität dann doch sehr oft von der schicken Idealvorstellung ab.

Obwohl ich sehr viel lese, gibt es bei mir immer wieder Tage, an denen ich so gar nicht lese. Ein Video von LittleBookOwl hat mich zu einer Idee inspiriert: Ich werde für 30 Tage versuchen, wirklich jeden Tag zu lesen, und das auch entsprechend dokumentieren. Vielleicht gelingt es mir ja dadurch, auch in der Woche eine gewisse Leseroutine zu entwickeln – und selbst wenn nicht, ist es doch auch einfach ein interessanter Selbstversuch. Denn angeblich Stellen sich Routinen nach 30 Tagen ein. 😉

30 Days of Reading

Startschuss: 02. Juni 2017
Finish: 01. Juli 2017

Die gelesenen Seiten werde ich natürlich entsprechend dokumentieren und immer mal wieder mitteilen (ich denke, ein Update pro Woche sollte dafür reichen). Natürlich kann jeder mitmachen, der keine Scheu vor solchen kleinen Experimenten hat. 🙂

Da die Nachfrage kam:

Hashtag für Twitter, Instagram und Co:

#30DaysOfReading2017

[Montagsfrage] Früher Hui, jetzt Pfui?

Die Montagsfrage ist eine wöchentliche Aktion von Buchfresserchen.

Gibt es ein Buch, dass du früher richtig gern mochtest, aber inzwischen nicht mehr?

Am Anfang dachte ich noch, hey, total einfach! Natürlich die Twilight-Reihe!

Aber mochte ich die Reihe wirklich „richtig gerne“? Wenn ich ehrlich bin, dann nicht. Den ersten Band habe ich damals verschlungen, den zweiten fand ich schon nicht mehr so toll, an den dritten konnte ich mich nach einer Weile schon gar nicht mehr erinnern, und der vierte war… ja. Okay, halt. Aber sonst?

Kurz, richtig großes Kino oder Lieblingsbuchreihe war Twilight nie, also kann ich es ja schwer nicht mehr mögen, wenn ich es nie so richtig gerne hatte. Doch welches Buch oder welche Reihe nennt man dann bei so etwas am allerbesten?

Ich gehöre ja zu den Menschen, die Angst davor haben Bücher zu lesen, die sich früher (in den jungen Jahren *hust*) so richtig mochten. Eben weil ich mir die positive Erinnerung an eben jene Werke nicht kaputt machen will. Die Erwartungen wären auch anders und höher, weil man das Buch ja mal so toll fand.

So geht es mir mit den ersten beiden Harry Potter Bänden. Ich liebe Harry Potter. Ich vergöttere Harry Potter. Die Bücher, die Filme, die Spin-Offs, einfach alles aus dem Potterverse. Weil toll. Punkt, Ende, Aus.

ABER die ersten beiden Bände sind wirklich an jüngeres Publikum gerichtet. Sie sind immer noch schön, und aus Nostalgiegründen würde ich den Büchern durchaus 5 Sterne geben, aber wenn ich die Bücher mal ganz losgelöst von allem betrachten würde, dann wären sie ok, aber auch nur ok.

Ich lese Harry Potter immer mal gerne wieder. Und die Nostalgie gewinnt, immer. Ich mag die Bücher einfach. Und jetzt hör ich lieber auf, mich um Kopf und Kragen zu reden. ^^

[Rezension] S. Jae-Jones: Wintersong

All her life, Liesl has heard tales of the beautiful, dangerous Goblin King. They’ve enraptured her mind, her spirit, and inspired her musical compositions. Now eighteen and helping to run her family’s inn, Liesl can’t help but feel that her musical dreams and childhood fantasies are slipping away. But when her own sister is taken by the Goblin King, Liesl has no choice but to journey to the Underground to save her. Drawn to the strange, captivating world she finds—and the mysterious man who rules it—she soon faces an impossible decision. And with time and the old laws working against her, Liesl must discover who she truly is before her fate is sealed. (Synopsis: Titan Books)

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S. Jae-Jones – auch JJ genannt – ist Künstlerin, Adrenalinjunkie und ehemalige Lektorin. Geboren in Los Angeles lebt sie nun in North Carolina. Sie ist eine der Mitveranstalterinnen für den Pub(lishing) Crawl Podcast, und rege in der Welt des Internets unterwegs, u.a. auf ihrem eigenen Blog, Twitter, Instagram und Facebook. „Wintersong“ ist ihr Romandebüt, und stieg auf Platz 3 der New York Times Bestsellerliste ein.

Der Hype um Wintersong – nur heiße Luft oder tolles Buch?

Bücher wie dieses, um die vor oder kurz nach dem Erscheinen ein riesiger Wirbel gemacht wird, werden oft mit Skepsis betrachtet. Ich selbst bilde da keine Ausnahme. Besonders wenn Vergleiche mit einem meiner liebsten Filme – Labyrinth mit David Bowie – gezogen werden. Doch „Wintersong“ ist keine Nacherzählung oder Neuinterpretation des Filmes, bei weitem nicht. „Wintersong“ erzählt seine ganz eigene Geschichte.

Of all my mortal emotions, hope was the worst.
(S. Jae-Jones: Wintersong Pos. 4160)

Ort der Handlung ist ein historisch angehauchtes Bayern – ein Fakt, der besonders für deutsche Leser amüsant und interessant ist, denn immer wieder streut Jae-Jones deutsche Wörter und Begriffe in ihre Sätze ein, um der Handlung noch einen Hauch von Realismus und Ästhetik zu verleihen.

Elisabeth, auch Liesl genannt, ist das älteste von drei Kindern, und hilft in der Gastwirtschaft ihrer Eltern. Ihre jüngere Schwester Käthe – viel hübscher und offener als Liesl, ist verlobt, weiß das aber nicht so recht zu schätzen. Ihr Bruder Josef ist das Wunderkind der Familie, dazu bestimmt ein großer Violinist zu werden. Auch Elisabeth hat Talent. Sie spielt Klavier, komponiert, bringt ihre Gefühle und Träume mit Melodien und Noten zu Papier. Doch ihr Vater würdigt ihr Talent nicht.

Neben Mythen und Legenden steht die Entwicklung von Elisabeth im Fokus

Als Person mag Elisabeth nicht unbedingt sofort sympathisch sein. So sehr sie ihre Geschwister liebt, ist so doch eifersüchtig. Auf die Chancen, die sie nie haben wird. Die Leichtigkeit, mit der Käthe durch die Welt zieht, das Talent und die Möglichkeit mit der Musik bekannt zu werden, so wie es Josef gegönnt ist. Ihr Verhalten wird von diesen Gefühlen bestimmt, die vielleicht nicht zu der Heldin eines Märchens passen, aber Liesl umso menschlicher machen. Gerade die nicht vorhandene Perfektion macht Liesl zu dem, was sie ist. Und macht letztendlich auch eine Geschichte wie „Wintersong“ möglich.

He was reality where everything else was a reflection.
(S. Jae-Jones: Wintersong Pos. 900)

Die Kinder der Familie sind aufgewachsen mit den Mythen und Erzählungen um den Goblin King – den Erlkönig – und immer wieder erinnert sich Liesl an ihre Kindheit und den Jungen der sie fragte, ob sie ihn heiraten will. Die Grenzen verschwimmen, der Schleier zwischen den Welten lichtet sich und so wie Liesl wird auch der Leser hineingezogen in die Unterwelt, in das Reich der Kobolde und ihres Königs.

Der Koboldkönig selbst – und hier zwingen sich die Vergleiche zu Labyrinth quasi auf – ist ein Mythos, eine Figur, die sich durch Volkssagen und Legenden zieht, immer da, immer präsent, manchmal im Dunkel verborgen, doch oft auch als Betrüger und Lügner agierend. Ein lebendes, atmendes Mysterium, welches selbst mit seinem Schicksal hadert, der höheren Macht, die ihm seinen Lebensweg aufzwingt. Denn selbst der Erlkönig ist nicht frei.

There is music in your soul. A wild and untamed sort of music that speaks to me. It defies all the rules and laws you humans set upon it. It grows from inside you, and I have a wish to set that music free.
(S. Jae-Jones: Wintersong Pos. 340-341)

Die Dynamik zwischen Elisabeth und dem Erlkönig zieht sich durch das gesamte Buch. Eine Freundschaft, zarte Gefühle, Vergessen, Verzweiflung, Tod. Geschickt bringt Jae-Jones hier die Musik als leitendes Motiv ein. Die Musik, die als Grund für das Zerwürfnis und die Spannungen zwischen Elisabeth und ihrer Familie fungiert, aber zugleich eine Verbindung zwischen Elisabeth und dem Erlkönig schafft, und das gesamte Arsenal an Gefühlen und Emotionen unterstreicht.

Wintersong: Musik als Bindeglied zwischen den Welten und den Charakteren

Manch ein Leser mag Romantik und Kitsch erwarten. Doch „Wintersong“ ist mehr. „Wintersong“ lässt Elisabeth wachsen, von dem unsicheren Mädchen voller Selbstzweifel, zu einer Frau, die sich nicht davor scheut ihre Wünsche in Worte zu fassen. Ja, Jae-Jones zieht Parallelen zu Labyrinth, aber auch andere Mythen und Märchen finden ihren Weg in die Geschichte. So erinnert die Reise von Liesl durch die Unterwelt und ihr Verbleiben dort an Hades und Persephone, ja, sogar an Orpheus und Eurydike. Auch Elemente von Die Schöne und das Biest oder auch Phantom der Oper finden sich immer wieder, und mischen sich zusammen mit dem lyrischen, wunderschönen und fast orchestralen Schreibstil von Jae-Jones zu einer ganz besonderen Geschichte.

Love kept the wheel of life turning. Love created bridges between worlds. If there was nothing else I had learned, I had learned that love was greater than the old laws.
(S. Jae-Jones: Wintersong Pos. 5173-5175)

In „Wintersong“ ist nichts wie es scheint, und so ist auch das Buch selbst nicht nur eine neue Variante einer alten Geschichte. „Wintersong“ ist ein Märchen, ein Musikstück, das den Leser gefangen nimmt, verzaubert und mitreißt. „Wintersong“ ist zart, gefühlvoll, hart und grausam. Ein Fest an Gefühlen und Stimmungen, für das man eine gewisse Grundeinstellung braucht, und für das ein direkter Vergleich mit Labyrinth meiner Meinung nach der falsche Weg ist. Für sich allein ist „Wintersong“ zauberhaft, und selbst das Ende wäre für mich persönlich so perfekt, auch wenn noch einige Mysterien genau das bleiben, was sie sind – geheimnisvoll und ungeklärt.

Wintersong von S. Jae-Jones
368 Seiten (Paperback)
Verlag: Titan Books
Erschienen: Februar 2017
ISBN: 9781785655449

[Rezension] Sophia Amoruso: #GIRLBOSS

It takes a Special Kind of stubbornness to suceed as an entrepreneur. And anyway, you don’t get what you don’t ask for.
(Sophia Amoruso: #GIRLBOSS Seite 41)

Sie verkörpert den Traum aller Mädchen – Sophia Amoruso ist hip, sexy und erfolgreiche Unternehmerin. Ihre Geschichte liest sich wie ein Märchen: Sie ist ein durchschnittlicher Teenager mit einem langweiligen Nebenjob, den sie wegen der Krankenversicherung macht. Bis sie mit Anfang 20 anfängt, auf eBay Kleidung zu verkaufen: Erst ein Stück, dann zwei, und im Nu werden es immer schneller immer mehr. Acht Jahre später ist Sophia Amoruso Geschäftsführerin von »Nasty Gal«, einem der erfolgreichsten Online-Versandhändler in der Modebranche, und eine Vorzeigeunternehmerin par excellence. Ihre außergewöhnliche und unglaublich steile Karriere hat sie in diesem sehr persönlichen Buch zu Papier gebracht. Offen, ehrlich und mit viel Humor blickt sie auf ihren nicht immer einfachen Weg nach oben zurück. Und macht jungen Frauen Mut: Auch ihr könnt das schaffen! (Inhaltsangabe: Redline Verlag)

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Sophia Amoruso wurde 1984 in San Diego, Kalifornien, geboren. Nachdem Depressionen und ein Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom festgestellt wurden, verließ Amoruso die Schule und wurde zu Hause unterrichtet. Mit 22 Jahren eröffnete sie ihren Ebay-Shop Nasty Gal Vintage, aus dem später der Onlineversand Nasty Gal hervorging. Nasty Gal wurde 2012 vom Inc. Magazine zu einer der am schnellsten wachsenden Firmen gekürt. Amoruso selbst zählte laut dem Forbes Magazin 2016 zu den reichsten Self-Made-Women der Welt.

#GIRLBOSS ist alles, nur kein typisches Selbsthilfebuch

Man mag über Sophia Amoruso denken, was man möchte. Gerade vor dem Hintergrund der jüngsten Ereignisse – Amoruso trat als CEO von Nasty Gal zurück und die Firma Berichten zufolge im November 2016 eine Reorganisation der Finanzen unter Kapitel 11 des amerikanischen Insolvenzschutzgesetzes beantragte – mag ein Ratgeber in Sachen Erfolg als Geschäftsfrau etwas fehl am Platz sein. Jedoch sei zu sagen, dass #GIRLBOSS bereits 2014 auf dem englischsprachigen Buchmarkt erschienen ist, und es Amoruso trotz der jetzigen Probleme zunächst geschafft hat, ihr Unternehmen auszubauen und bekannt zu machen.

No matter where you are in life, you’ll save a lot of time by not worrying too much about what other People think about you. […] You is who you is, so get used to it.
(Sophia Amoruso: #GIRLBOSS Seite 141)

#GIRLBOSS ist definitiv kein reines Selbsthilfe- oder Ratgeberbuch, hat aber auch nichts mit simplen Memoiren gemeinsam. Amorusos Werk ist eher eine Mischung aus allen drei Komponenten, erzählt sie doch zumindest in Teilen auch ihre eigene Geschichte. Und diese Geschichte ist genau das, was der amerikanische Traum immer wieder propagiert: Vom Tellerwäscher zum Millionär. Oder, im Fall von Sophia Amoruso, von der Gelegenheitsdiebin über einen Ebay-Shop zur Besitzerin eines kleinen Modeimperiums mit über 300 Mitarbeitern.

Sophia Amoruso erzählt in kurzen, prägnanten Sätzen ihre Erfolgsgeschichte und die von Nasty Gal

Die Sprache, die Amoruso für ihr Buch wählt, ist simpel. In kurzen, prägnanten Sätzen erzählt sie ihre Erfolgsgeschichte, und macht es auch Lesern eines jüngeren Semesters einfach, ihr zu folgen. Allerdings sind einige Tipps heutzutage schon wieder veraltete, und Plattformen wie Myspace, die damals merklich zum Erfolg von Amoruso und ihrer Marke beigetragen haben, sucht heute kein Mensch mehr auf. Der Grundgedanke allerdings bleibt: Marketing via Social Media ist ein Muss, vor allem wenn man eine junge, moderne Zielgruppe ansprechen will. Was für Amoruso Myspace war, wäre heute – vor allem in Modedingen – vielleicht Instagram.

Neben all dem Witz und den kleinen Botschaften, die Amoruso dem geneigten Leser bietet, wird aber eines immer wieder deutlich: Erfolg ohne harte Arbeit? Den gibt es nicht. Mit viel Einsatz hat Amoruso ihren Shop Nasty Gal zu dem gemacht, was er ist, hat sich immer wieder an den Wünschen ihrer Kunden orientiert, und ihr Konzept geändert, wenn es gefordert war.

[…] the whole philosophy behind this book is that true success lies in knowing your weaknesses and playing to your strenghts.
(Sophia Amoruso: #GIRLBOSS Seite 67)

#GIRLBOSS ist nicht perfekt. Auch Amoruso ist nicht perfekt. Aber sie hatte Erfolg mit ihrer Idee und ihrem Konzept, und dieses versucht sie dem Leser hier nahe zu bringen, wobei sie nicht nur auf Gründung und Führung eines Unternehmens eingeht, sondern auch ihre Einstellung und Meinung zur Personalsuche und zur Chef-Mitarbeiter-Balance innerhalb einer Firma gibt. Was man davon für sich mitnimmt, ist jedem selbst überlassen. Schnell zu lesen und interessant ist ihr Buch auf jeden Fall.

#GIRLBOSS von Sophia Amoruso
240 Seiten (Softcover)
Verlag: Redline Verlag (Deutsche Ausgabe); Penguin Portfolio (Engl. Ausgabe)
Erschienen: 2014/2015
ISBN: 978-3-86881-576-4 (Deutsch) 978-0143108597 (Engl.)