[Rezension] Niah Finnik: Fuchsteufelsstill

Die siebenundzwanzigjährige Juli steht mitten im Leben – manchmal sogar ein bisschen zu sehr. Sie ist Autistin und jeder Tag bedeutet eine gewaltige Masse an Emotionen, die es zu meistern gilt. Als Juli nach einem missglückten Suizidversuch auf eine psychiatrische Station kommt, trifft sie dort auf die überschwänglich-herzliche Sophie und auf Philipp, der mal mehr und mal weniger er selbst, aber stets anziehend für Juli ist. Die drei nehmen Reißaus und verbringen ein gemeinsames Wochenende, nachdem nichts mehr so ist wie zuvor. (Inhaltsangabe: Ullstein Buchverlage)

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Niah Finnik, geboren 1988, studierte Industriedesign und ist, wie die Protagonistin ihres Debütromans „Fuchsteufelsstill“ (2017) Autistin. Ihre besondere Sicht auf die Welt kennzeichnet auch Finniks Schreiben. Inzwischen arbeitet sie an weiteren Romanprojekten.

Das Autismus-Spektrum und seine Facetten

Bei Autismus bzw. der Autismus-Spektrum-Störung handelt es sich um eine vielgestaltige, komplexe neurologische Entwicklungsstörung, bei der zwischen Frühkindlichem Autismus, Asperger-Syndrom und Atypischem Autismus unterschieden wird, wobei der Begriff Autismus-Spektrum-Störung immer mehr die frühere Klassifikation ablöst, da die Übergange zwischen den früher bekannten „Krankheitsbildern“ immer fließender werden. In erster Linie handelt es sich um eine Störung der Informations- und Wahrnehmungsverarbeitung, die die soziale Interaktion, die Kommunikation und das soziale Verständnis beeinflusst.

Psychische Störungen dagegen waren unsichtbar. Jeder hatte schon einmal Trauer, Angst und Freude erlebt, doch diese Gefühle waren nicht eins zu eins auf die Symptome einer psychischen Krankheit übertragbar. Freude glich keiner Manie, Trauer war weit von einer Depression entfernt, und Unsicherheit hatte nichts mit Autismus gemeinsam. Trotzdem dachte jeder, er könne mitreden. Ich hatte keinen Schimmer, warum Zwanghaftigkeit und Hysterie eine Krankheit waren, Intoleranz dagegen nicht.
(Niah Finnik: Fuchsteufelsstill, Pos. 1580-1584)

So komplex wie Autismus in all seinen Facetten, so vielfältig sind auch die Betroffenen. Finniks Hauptperson Juli findet Farben anstrengend – Reizüberflutung ist eine typische Begleiterscheinung – aber analysiert sich selbst. Gemütszustände definiert sie in Prozenten, Routinen und feste Abläufe sind ihr Anker, um durch den Tag zu kommen. Fehlt ein Teil ihrer Routine, wie zum Beispiel eine Zutat für das Frühstück, so isst Juli nicht. Der Ausbruch aus Mustern bedeutet für Juli das Aufleben ihrer Angst. Neue und unbekannte Dinge lassen ihre Angst Gestalt annehmen – ein pelziges Tier mit Krallen, das sie verfolgt.

Wo ist die Grenze zwischen normal und verrückt?

In der Tagesklinik, die sie nach ihrem Selbstmordversuch besucht, trifft Juli – neben Mia aus der Galaxie Anorexie – auf zwei Personen, die ihr geregeltes, nach festen Strukturen verlaufendes Leben aus der Bahn werfen. Sophie, die an einer bipolaren Störung leidet, und immer wieder ins manisch-depressive verfällt, ist das genaue Gegenteil von Juli. Laut, energiegeladen, mutig, offen. Wo Juli zurückschreckt, nimmt Sophie die Dinge einfach in die Hand. Philipp, der dritte in diesem ungewöhnlichen Bunde, leidet an Schizophrenie, entfernt verdeutlicht durch seine unterschiedlichen Verhaltensmuster und Reaktionen.

Je mehr Zeit ich mit Menschen verbrachte, desto mehr schien ich mich in einen Igel zu verwandeln. Sobald das Chaos um mich herum zu groß wurde, rollte ich mich ein und versank in meinen Gedanken.
(Niah Finnik: Fuchsteufelsstill, Pos. 1451-1452)

Finnik könnte hier den Weg einschlagen, den viele Leser erwarten würden, und eine Geschichte erzählen, die letztendlich die Akzeptanz des Anders-seins vermitteln soll, denn Krankheiten definieren nicht den Menschen. Doch Finnik wählt eine andere Route. Ihre Charaktere streben nicht nach Verständnis. Warum auch? Irgendwie ist ja jeder Mensch ein bisschen verrückt, und wo genau ist denn die Grenze zwischen normal und verrückt?

Menschen, die von psychischen Krankheiten betroffen sind, werden oft mit den typischen Vorurteilen unserer Gesellschaft konfrontiert: Sie werden ausgeschlossen, missverstanden, sind selbst Schuld an ihrer Krankheit. „Stell dich nicht so an“ ist nur einer dieser Sätze, die diesbezüglich bestimmt schon einige Betroffene über sich ergehen lassen mussten. Es mangelt oft an Verständnis, denn anders als bei körperlichen Krankheiten ist hier der Gesundheitszustand oft nicht direkt erkennbar.

Fuchsteufelsstill ist ein Romandebüt, das sich mit seiner poetischen Leichtigkeit einem ernsten Thema widmet

Trotz der doch eigentlich ernsten Thematik verhilft Finniks Schreibstil „Fuchsteufelsstill“ zu einer gewissen Leichtigkeit. Fast schon poetisch beschreibt sie die Welt, die Juli sieht. Als eher gehemmter, ruhiger und verschlossener Mensch ist Juli eine nüchterne Beobachterin, doch die Flut von Fakten und Bildern, die selbst kleine Worte in ihrem Kopf auslösen, ist überwältigend. Julis Welt ist wie das Bild ihrer „Krankheit“ ein Spektrum voller Reize, Farben, Fakten, Menschen. Ein Spektrum, das sie oft zu überwältigen droht.

Wenn das Gehirn durch einen Defekt gestört wurde, hieß das vor allem, keine Wahl zu haben. Es war unmöglich, eine Auszeit von sich selbst zu nehmen, ebenso unmöglich war es, alle Gedanken und Taten zu kontrollieren. Manche passierten einfach.
(Niah Finnik: Feuchsteufelsstill, Pos. 965-966)

Die Handlung in „Fuchsteufelsstill“ mag manchmal etwas absurd wirken, doch letztendlich ist es Julis Geschichte, ihre Welt, wie sie sie wahrnimmt. Das Trio Juli, Sophie und Philipp bewegt sich aus seiner Komfortzone heraus, entflieht seinen Mustern und Strukturen, ist aber nie gänzlich frei. In „Fuchsteufelsstill“ beeindruckt Niah Finnik mit ihrem wundervoll poetischen Schreibstil, der uns eine Gedankenwelt näherbringt, die so komplex ist, dass es manchmal schwer wird wirklich jedes Detail zu erfassen. Zwischen all den Sinneseindrücken findet Finnik einen Mittelweg, der diesen Roman zu etwas ganz Besonderem macht: Zu einem kleinen literarischen Schatz.

Fuchsteufelsstill von Niah Finnik
304 Seiten (Klappenbroschur)
Verlag: Ullstein
Erschienen: April 2017
ISBN: 9783961010035

Ich bedanke mich ganz herzlich beim Ullstein Verlag und Netgalley für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

[Rezension] Eleanor Catton: Die Anatomie des Erwachens

Die siebzehnjährige Victoria hat eine Affäre mit ihrem Musiklehrer. Ihre Freundinnen sehen sich durch dieses unerhörte Ereignis auf einen Schlag mit der Macht ihrer Weiblichkeit konfrontiert. Plötzlich stehen die Mädchen im Rampenlicht der Öffentlichkeit, in dem die kleinste Bewegung zu einer Darbietung wird und das noch den intimsten Ort in eine Bühne verwandelt. In der Theaterklasse kommt jemand auf die Idee, ein Stück über Victoria und den Musiklehrer zu inszenieren. Die Grenzen zwischen dem Privaten und dem Öffentlichen geraten unerbittlich in Auflösung. Und schließlich kommt es zwischen Realität und Spiel zur Kollision. Die Anatomie des Erwachens erzählt vom sexuellen Erwachen und von der damit einhergehenden Entfesselung von Kräften, die schwer zu verstehen und noch schwerer zu bändigen sind. (Inhaltsangabe: btb)

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Eleanor Catton – Jahrgang 1985 – wurde in Kanada geboren, wuchs aber in Neuseeland auf. Sie studierte Englisch an der University of Canterbury und Kreatives Schreiben an der Victoria University of Wellington. Im Moment unterrichtet sie Kreatives Schreiben an der Manukau Institute of Technology. Ihr Debütroman „Die Anatomie des Erwachens“ (engl. The Rehearsal) fungierte als Masterarbeit und erschien 2008 auf dem englischen Buchmarkt. In Deutschland ist sie vor allem durch ihren 2013 erschienen Roman „Die Gestirne“ bekannt geworden, für den sie als jüngste Autorin aller Zeiten den Man-Booker-Preis erhielt.

Die Anatomie des Erwachens: Ein Roman über das Schauspiel des Erwachsenwerdens

Was Eleanor Catton hier mit gerade einmal Anfang zwanzig geschaffen hat, ist wahrlich bewundernswert. Im Fokus dieses Romans über das Erwachsenwerden stehen eine Reihe von Jugendlichen und ihre ersten Erfahrungen im Bereich Beziehung und – wie sollte es auch anders sein – Sexualität, die gleichzeitig aber auch erstickt und beeinflusst wird von den Vorstellungen, Ansichten und Leitlinien der Erwachsenen.

„Denn am Ende bricht alles zusammen. […] Für das Opfer, die Schülerin, die missbraucht wurde. Ringsum stürzt alles ein wie ein Kartenhaus.“
Eleanor Catton: Die Anatomie des Erwachens, Seite 264

Im Fokus des Buches steht ein Skandal. Victoria, eine achtzehnjährige Schülerin, hat eine Affäre mit ihrem Musiklehrer. Sie wird von der Schule suspendiert, er verliert seinen Job. Der eigentliche Verlauf der Affäre bleibt hierbei im Dunkeln, verborgen hinter einer Reihe von anderen Geschichten und Perspektiven.

Entweder sie merkt, dass sie beobachtet wird; dann verändert sich unter der Beobachtung ihr Verhalten, bis das, was Sie sehen, nur noch eine Vorführung ist, die nichts mit der Realität zu tun hat. Und wenn sie nicht merkt, dass sie beobachtet wird, dann ist das, was Sie sehen, etwas Unvorbereitetes, nicht zur Vorführung Geeignetes, etwas Grobes und Unverfeinertes […].
Eleanor Catton: Die Anatomie des Erwachens, Seite 191

Letztendlich aber fungiert der Skandal als Bindeglied zwischen zwei Handlungssträngen. Da wären die Saxophonlehrerin und ihr Studio, in dem sie ihre Schülerinnen nicht nur unterrichtet, sondern auch mit fast schon voyeuristischer Begeisterung beobachtet und seziert. Durch die Eltern der Schülerinnen als auch durch die jungen Mädchen selbst – eine davon Victorias Schwester Isolde – wird der Skandal in das Studio getragen, schwingt mit zwischen den Zeilen, vermischt sich mit den Geschichten der anderen Charaktere. Vorhang auf für den zweiten Haupthandlungsstrang: Eine Gruppe von Theaterstudenten nimmt die Affäre als Anlass, ein Stück zu inszenieren.

Ein Skandal lässt die Imagination zur Realität werden

Beweggründe, Verhaltensweisen und Charaktere werden zerlegt, auf körperlicher und emotionaler Ebene. Die Grenzen verschwimmen, Wahrheit und Fiktion vermischen sich. Keiner der Charaktere, die Catton zu Wort kommen lässt, weiß tatsächlich, was zwischen Victoria und dem Musiklehrer geschehen ist. Aus Fragmenten setzen sie sich ihre Version der Dinge zusammen, und auch der Leser selbst ist dazu verdammt, sich diesem Puzzlespiel zu stellen, bei dem Szenen langsam ineinander fallen wie ein Satz Spielkarten.

Es ist das Element der Gefahr, das jedes Glücksflattern in ihrer Brust in eine mächtige, pochende Furcht verwandeln wird. Das ist mein Trumpf: die Wucht ihres Gefühls, die gewaltige Freisetzung ihrer Beklemmung, wenn sie endlich kapituliert und reagiert,
Eleanor Catton: Die Anatomie des Erwachens, Seite 248

Vergangenheit und Gegenwart überlappen, Imagination wird zu Realität, wenn sich die unterschiedlichen Perspektiven vermischen, und selbst die Ansichtsweisen der Erwachsenen, die in ihrer idealen Rollenwelt gefangen sind, in der sie selbst fehler- und tadellos daherkommen, unzuverlässig erscheinen.

Es gibt Menschen, die sehen nur die Rolle, die wir spielen, und es gibt Menschen, die sehen nur den Schauspieler dahinter. Und es ist etwas Seltenes und Merkwürdiges, wenn jemand die Fähigkeit besitzt, beides gleichzeitig zu sehen.
Eleanor Catton: Die Anatomie des Erwachens, Seite 377

Catton testet mit „Die Anatomie des Erwachens“ die Grenzen des Erzählens, die Grenzen ihrer eigenen Fähigkeit als Schreiberin. Der Roman bietet bei aller Liebe keinen leichten Stoff, und gerade zu Beginn fühlt sich der Leser zwischen den einzelnen Fragmenten von Szenen und dem wechselnden Erzählstil, der den Ton der Teenager mit knallhartem Realismus und theatralischem Ausdruck vermischt, vor allem zu Beginn allein gelassen. Doch genau wie man den Charakteren Zeit lassen muss, ihre Ängste und ihr Verlangen zum Ausdruck zu bringen, muss sich der Leser selbst Zeit lassen, hinter die Kulissen zu schauen.

Die Anatomie des Erwachens ist genial und brutal ehrlich

In „Die Anatomie des Erwachens“ findet Eleanor Catton ihren ganz eigenen Ton, um eine Geschichte über das Erwachsenwerden zu erzählen. Mit einem Ohr für den Zauber der Sprache und der Macht des geschriebenen Wortes, dem Wissen um die Kraft der Musik und den Zauber des Theaters, hat Catton einen brutalen, ehrlichen und faszinierenden Roman geschaffen, der die eigene Selbstinszenierung und deren Wirkung nach außen untersucht, der wie die Jugendlichen in der Pubertät verschiedene Identitäten untersucht und fallen lässt. „Die Anatomie des Erwachens“ ist vielleicht nicht perfekt, doch was ist schon perfekt? Virtuos geschrieben ist Cattons Roman aber definitiv ein Werk, welches man lesen sollte.

Die Anatomie des Erwachens von Eleanor Catton
The Rehearsal
400 Seiten (Taschenbuch)
Übersetzung: Barbara Schaden
Verlag: btb
Erschienen: Juli 2016
ISBN: 978-3-442-74894-5

Ich bedanke mich ganz herzlich beim btb-Verlag für das so freundlich zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

[Rezension] Cameron Bloom & Bradley Trevor Greive: Penguin Bloom

Wie ein kleiner Vogel einer Familie die Lebensfreude zurückschenkte

Penguin Bloom ist schon jetzt ein absoluter Publikumsliebling. Die lustigen, einfach zauberhaften Fotos der frechen Elster und ihrer australischen Adoptivfamilie gingen über die sozialen Medien durch die ganze Welt. Was die Fans nicht kennen, ist die bewegende Geschichte hinter den großartigen Bildern. Es ist die wahre Geschichte der Familie Bloom, die nach einem tragischen Unfall beinahe zerbricht und durch den witzigen kleinen Vogel namens Penguin gerettet wird. (Inhaltsangabe: Knaus)

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Der Australier Cameron Bloom begann seine Karriere als Surf-Fotograf, und reiste später als Fotograf durch die ganze Welt. Seine Arbeiten wurden in internationalen Zeitschriften wie Harper’s Bazaar, Vogue und dem Gourmet Traveller veröffentlicht. „Penguin Bloom“ ist sein erstes Buch. Bradley Trevor Greive wurde in Tasmanien geboren, und gilt seit der Veröffentlichung seines Buches „The Blue Day Book“ als internationaler Bestsellerautor, dessen Werke in über 100 Ländern erschienen sind. Im Jahr 2014 wurde ihm der Order of Australia für seinen Beitrag zur Literatur und zum Naturschutz verliehen.

Cameron Bloom und Sam Bloom: Das Märchen einer Liebe

Die Geschichte von Cameron und Sam beginnt wie im Märchen. Die beiden verlieben sich, heiraten, gründen eine Familie. Ihre Liebe ist die eine, erste, perfekte Liebe, die in Literatur und Film oft erzählt wird, aber die man nie so ganz glauben mag. Für Sam und Cameron ist ihre Liebe aber eben genau so eine Romanze.

Sam war meine erste, letzte und einzige Freundin, die zählte – ich wusste, dass ich die Liebe meines Lebens gefunden hatte.
Cameron Bloom: Penguin Bloom, Seite 13

Das Ehepaar reist viel und mit großer Leidenschaft. Für Cameron als Fotograf bietet jeder Trip zusätzlich noch die Möglichkeit, atemberaubende Fotos zu schießen. Doch das Reisen muss der Aufmerksamkeit weichen, welche die stetig wachsende Familie Bloom verlangt. Und beide Elternteile, sowohl Sam als auch Cameron, sehen darin keinen Nachteil. Wie wichtig Familie für die Blooms ist, wird in diesem Buch immer wieder deutlich.

Als die Kinder alt genug sind, soll eine Urlaubsreise nach Thailand das Fernweh in den Kindern wecken, und in den Eltern befriedigen. Doch was als kleiner Traum beginnt, entwickelt sich zum großen Unglück. Ein lockeres Geländer, ein Sturz in mehrere Meter Tiefe. Eine schwerwiegende Schädelverletzung, Wirbelsäulenschaden, Rollstuhl. Sam, Powerfrau und Energiebündel, ist nach über einem halben Jahr Krankenhaus an den Rollstuhl gefesselt, gelähmt und unfähig, ihre Beine zu bewegen.

Ein Schicksalsschlag, der eine Familie auf eine harte Probe stellt

Cameron Bloom erzählt davon, wie das Schicksal, das seine Frau erleiden musste, nicht nur sie selbst, sondern auch die Familie beeinflusst. Schmerzen und Verzweiflung quälen Sam, sie verfällt in Depression, verliert jede Energie.

Doch dann kommt Penguin in das Leben der Familie. Die kleine australische Elster fällt als kleines Vogelküken aus ihrem Nest, bricht sich den Flügel, und wird von Familie Bloom aufgenommen. Penguin wird zum Symbol der Hoffnung und Stärke, vor allem für Sam. Gemeinsam gehen die beiden ihren Weg, schreiten wieder voran ins Leben.

Engel gibt es in allen Formen und Größen.
Cameron Bloom: Penguin Bloom, Seite 31

Penguin gibt Sam Hoffnung, und Cameron Bloom gelingt es mit seinen Fotografien, die Geschichte von Penguin Bloom perfekt einzufangen. Die Bilder zeigen nicht nur, wie sehr sich Penguin selbst in ihre neue Familie integriert – bei der sie nun, als inzwischen ausgewachsene Vogeldame mit eigenen Kindern nicht mehr wohnt, sie aber immer noch erkennt – sie dienen auch als bildliche Veranschaulichung von Sams Schwierigkeiten, im Alltag wieder zurechtzukommen.

Penguin Bloom: Die Social Media Sensation

Penguin Bloom“ ist ein wundervolles Buch, das eine bewegende und vor allem wahre Geschichte erzählt, und nebenbei noch großartige Fotografien zu bieten hat. Abgerundet wird das Werk von einem Epilog von Sam Bloom persönlich, der sozusagen ihre Seite der Geschichte darlegt, und sich an all jene richtet, die mit Krankheitsgeschichten wie ihrer eigenen konfrontiert werden, sei es persönlich oder im nahen Umfeld. Ihre Worte gehen ans Herz, genau wie jede Fotografie, jeder Text im Buch.

Und wie verloren, einsam, besiegt oder verletzt wir uns auch immer fühlen mögen – wenn wir die Liebe der anderen annehmen und auch sie so sehr lieben, wie es uns möglich ist, wird das helfen, uns wieder ganz werden zu lassen.
Cameron Bloom: Penguin Bloom, Seite 168

Penguin Bloom“ hat viele Facetten: Tiergeschichte, Drama, Liebesgeschichte, Familienroman, Komödie. Aber „Penguin Bloom“ ist vor allem eines: Die wahre Geschichte einer Familie, voller Höhen und Tiefen, und trotz größter Probleme voller Hoffnung. Denn ein Licht am Ende des Tunnels gibt es immer. So hat Sam Bloom an den Weltmeisterschaften im Paracanoe teilgenommen.

Penguin Bloom von Cameron Bloom und Bradley Trevor Riley
Penguin Bloom: The Odd Little Bird who saved a Family
208 Seiten (Hardcover)
Übersetzung: Ralf Pannowitsch
Verlag: Knaus
Erschienen: Februar 2017
ISBN: 978-3-8135-0761-4

Ich bedanke mich ganz herzlich beim Knaus-Verlag für das so freundlich zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

 

[Rezension] Martin-Niels Däfler: So klappt’s mit dem Burn-out

Burn-out ist das Stichwort des Jahrhunderts. Doch haben Sie sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, was mit den »Leistungsverweigerern«, den »Waschlappen« unter uns passiert, mit denen, die als »Low-Performer« tituliert werden und um ihre Karriere fürchten müssen? Für all die bedauernswerten Menschen, die ihren Burn-out nicht allein hinbekommen, gibt es hier ein 30-Tage-Programm, das Schritt für Schritt weiterhilft. Lernen Sie in diesem Buch, wie Sie Ihren Stresslevel auf ein gesellschaftlich akzeptables Maß heben können, welche Artikel in ein Büro-Survival-Paket gehören, wenn es abends spät wird, und wie Sie mit weniger Schlaf auskommen. (Inhaltsangabe: Gütersloher Verlagshaus)

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Martin-Niels Däfler ist Professor im Fachbereich Kommunikation an der FOM Hochschule in Frankfurt am Main. Er studierte BWL in Würzburg und Australien, war in beratender Funktion u.a. beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband tätig und gibt nun nebenbei Vorträge, Workshops, Firmen- und Managercoachings, veröffentlicht Bücher und Fachartikel zum Thema Kommunikation, Gelassenheit, Karriere und Stress. Sein Hauptaugenmerk liegt auf der Frage, was im Beruf wirklich glücklich macht.

Burn-out: Das Statussymbol der Neuzeit

Der Burn-out. In einer Zeit, in der teure Uhren, Autos und Designerkleidung kaum mehr Aufsehen erregen, ist er das Statussymbol schlechthin, mit dem sich der leistungsstarke Mensch von heute noch schmücken kann. Das hier vorgestellte Buch von Martin-Niels Däfler wirft einen völlig neuen Blick auf dieses besondere Kennzeichen unserer Einzigartigkeit und zeigt, wie man ohne große Schwierigkeiten das Ziel Burn-out erreichen kann.

Die Roadmap to Burn-out besteht aus mehreren einzelnen Lektionen, beginnt aber mit der wohl simpelsten Variante: dem Selbsttest. Hier wird persönliches Verhalten und vorhandene Denkmuster untersucht und auf den Kopf gestellt. Mit diesem Auftakt gibt Däfler den Ton für sein Buch an: mit viel schwarzem Humor, Wortwitz und Ironie nimmt er die Stärken der Ohne-mich-geht-hier-gar-nichts-Gesellschaft zum Thema.

Sag der Work-Life-Balance Goodbye!

Der einzige Weg zum schnellen Burn-out ist klar. Und einfach. Doch ohne die eigene Mitarbeit geht hier gar nichts. Ein wenig muss man sich ja schon selbst zum Burn-out zwingen, die stets gepredigte Work-Life-Balance über Bord werfen, und sich stattdessen eine Überlebensausrüstung für das Büro zuzulegen, sodass langen Arbeitstagen und -nächsten nichts mehr im Wege steht. Zusätzlich bietet der Autor auch noch eine Liste mit kleinen Argumentationshilfen, sollte man einen eher fürsorglichen Chef besitzen, der vom optimalen WUPSen (Wochenende/Urlaub/Pausen/Schlaf) im Sinne der Selbstoptimierung noch nie etwas gehört hat, und der den ärztliche attestierten Burn-out damit nur behindert.

Der übervolle Schreibtisch als Symbol der persönlichen Unentbehrlichkeit, stetiger Koffeinkonsum, keine Freizeit, keine Hobbies, kein Privatleben, Schlafentzug, Ja-Sagen, sogar leistungssteigernde Drogen schlägt Däfler zum Abschließen der Mission Burn-out vor, getoppt mit Verhaltensregeln und Erfolgswörterbüchern, dank denen man sich noch mehr als Gestresster fühlen kann.

So klappt’s mit dem Burn-out – Stressmanagement mal anders

Der eine oder andere liest vielleicht hier schon zwischen den Zeilen, und findet den tatsächlichen Ratgeber Däflers zum Erhalt von Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Mit seiner wundervoll ironischen Auflistung aller möglichen Risiken und Stressfallen, zahlreichen absurden Wortschöpfungen und einer gehörigen Prise Witz und Humor liefert der Autor auf eine ganz andere Art und Weise Ratschläge und Maßnahmen, die zum Überdenken der eigenen Arbeitsweise führen.

So klappt’s mit dem Burn-out“ ist ein Ratgeber der etwas anderen Art, der den Leser mehr als einmal zum Lachen bringt, und dem es doch gelingt, eigene Verhaltensweisen zu hinterfragen. Frech, locker, humorvoll. So muss es sein.

So klappt’s mit dem Burn-out von Martin-Niels Däfler
224 Seiten (Klappenbroschur)
Verlag: Gütersloher Verlagshaus
Erschienen: Juli 2016
ISBN: 978-3-579-08648-4

Ich bedanke mich ganz herzlich beim Gütersloher Verlagshaus für das so freundlich zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

 

[Rezension] Antoine Leiris: Meinen Hass bekommt ihr nicht

meinen hass bekommt ihr nicht

Am 13. November 2015 sah Antoine Leiris seine Frau Hélène zum letzten Mal – sie wurde an diesem Tag mit neunundachtzig weiteren Personen im Konzertsaal Le Bataclan Opfer der Terroranschläge in Paris. Während die Welt geschockt und in tiefer Trauer versuchte, eine Erklärung für das Unfassbare zu finden, postete der vierunddreißigjährige Journalist auf Facebook einen offenen Brief. In bewegenden Worten wandte er sich darin an die Attentäter und verweigerte „den toten Seelen“ seinen Hass – und den seines siebzehn Monate alten Sohnes Melvil. Die Botschaft ging um die Welt. Er, der an jenem Tag die Liebe seines Lebens verlor, hatte nur eine Waffe: seine Worte. Das Grauen, der Verlust und die Trauer haben Antoine Leiris‘ Leben erschüttert. Ehrlich und ergreifend schildert er Momente aus einem zerstörten und doch so zärtlichen Alltag zwischen Vater und Sohn – und sagt damals wie heute, dass das Leben trotzdem weitergehen soll. Antoine Leiris trotzt dem Terror und der Gewalt mit einer bewegenden und hoffnungsvollen Botschaft: „Meinen Hass bekommt ihr nicht“. (Inhaltsangabe: Blanvalet)

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Antoine Leiris – Jahrgang 1981 – war Kulturredakteur bei den französischen Radiosendern France Info und France bleu. Inzwischen arbeitet er in Paris als freier Journalist.

„Tonausfall. Ich höre nur noch mein Herz, das aus meiner Brust auszubrechen versucht. Die Wörter hallen in meinem Kopf nach wie ein nie enden wollendes Echo. Eine Sekunde, lang wie ein Jahr. […] Hélène ist im Bataclan.“
(Seite 11)

Selten habe ich ein Buch gelesen, welches mich so stark in seinen Bann zieht, dass selbst ellenlange Wartezeiten in der Arztpraxis einem vorkommen wie nur wenige Minuten. Es wurde viel geschrieben und berichtet über die Anschläge in Paris. Die Bilder ziehen auch jetzt, fast ein Jahr später, noch immer lebhaft an einem vorbei, wann immer die Worte Bataclan und Paris in einem Satz fallen. So schrecklich diese Bilder sind, umso schlimmer ist es doch, sich vorzustellen wie dieser Anschlag das Leben so vieler Menschen erschüttert hat.

Antoine Leiris gehört zu diesen Menschen, verlor er doch an diesem Abend seine Frau. Und er gehört zu jenen, denen es gelungen ist, die wahren Fluten von Gefühlen und Eindrücken, die in einem solchen Moment über dem eigenen Selbst hereinbrechen, in Worte zu fassen. Und das auf unglaublich berührende Art und Weise.

Mit einem Post auf Facebook, den Leiris kurz nach den Anschlägen veröffentlicht, findet er Worte. Worte, die bitter nötig sind dort, wo gerade nur Fassungslosigkeit und Sprachlosigkeit herrschen. Worte, die später zum Titel seinen Buches werden sollten.

„Freitag Abend habt ihr das Leben eines außerordentlichen Wesens geraubt, das der Liebe meines Lebens, der Mutter meines Sohnes, aber meinen Hass bekommt ihr nicht.“
(Seite 59)

In „Meinen Hass bekommt ihr nicht“ berichtet Leiris über die ersten Tage, Wochen, nach dem Anschlag. Die Zeit nach diesem einen Augenblick, der ihm den Boden unter den Füßen hinfort gerissen hat. Von jetzt auf gleich ist er allein, allein mit seinem kleinen Sohn, der zu diesem Zeitpunkt gerade einmal 17 Monate alt ist. Ein Mann, der nicht weiß, wie es weitergehen soll, doch der weiß, dass es weitergehen muss. Für seinen Sohn.

Leiris lässt den Leser teilhaben an seinen tiefsten Gefühlen. Am Warten und Hoffen auf den erlösenden Anruf nach dem Anschlag, auf die Stimme seiner Frau, die ihm sagt „Alles ist in Ordnung“. Doch dieser Anruf kommt nicht.

„Warten ist ein Gefühl ohne Namen. Als ich ihm eine letzte Geschichte vorlese, trägt es alle Namen zugleich. Es ist Kummer, Hoffnung, Traurigkeit, Erleichterung, Überraschung, Schrecken.“
(Seite 19)

Er schreibt über seinen neuen Alltag. Die Routine, die ein Leben mit einem Kleinkind fordert. Eine Routine, die Leiris selbst letztendlich dazu zwingt, zu funktionieren, weiterzumachen, nicht aufzugeben. Aber er schreibt auch über seinen Kummer, seine Verzweiflung, über Trauer und Schmerz und Hilflosigkeit.

Und über die Liebe. Diese unglaubliche Liebe zu seiner Frau – unendlich sanft und zärtlich, voller Vertrauen und Leidenschaft. Eine Liebe, die durch nichts und niemanden zerstört werden kann. Denn Antoine Leiris hat nicht aufgehört seine Frau zu lieben, auch wenn das Fundament, auf dem diese Liebe gebaut ist, und umso zerbrechlicher erscheint. Eine Liebe, die weiterlebt, in ihrem gemeinsamen Sohn.

„Ich habe keinen Anfang, kein Ende, und jede weitere Stunde verstört mein ganzes Sein. Meine Gegenwart muss Vergangenheit werden, und ich irre durch diesen Alltag ohne Zeit, durch diese Tage ohne Stunden.“
(Seite 131)

In „Meinen Hass bekommt ihr nicht“ schreibt sich Leiris alles von der Seele. Liebe, Kummer, Sorgen, Schmerz, Wut, Angst. Alles findet seinen Weg auf das Papier, schonungslos und ungefiltert. Und genau das macht ihn aus, den Zauber, der diesem Buch innewohnt. Leiris lässt es nicht zu, dass die Täter sich an seinem Hass bereichern. Stattdessen lebt er weiter, mit seinem Sohn, um mit dem was ihm geblieben ist, ein glückliches Leben zu führen – und den Tätern damit ins Gesicht zu lachen.

„Nein, ich werde euch nicht das Geschenk machen, euch zu hassen. Auch wenn ihr es darauf angelegt habt; auf den Hass mit Wut zu antworten würde bedeuten, derselben Ignoranz nachzugeben, die euch zu dem gemacht hat, was ihr seid.“
(Seite 60)

Es ist schwer, tatsächlich in Worte zu fassen, welche Achterbahnfahrt an Gefühlen „Meinen Hass bekommt ihr nicht“ bei mir ausgelöst hat. Fakt ist, dass das Buch mir noch lange in Erinnerung bleiben wird, mich wahrscheinlich nie wieder ganz verlassen wird. Denn was Leiris hier mit uns teilt, ist ehrlich, schmerzhaft, und doch voller Liebe und Hoffnung. Lesen! Unbedingt!

Meinen Hass bekommt ihr nicht von Antoine Leiris
Vous n’aurez pas ma haine
144 Seiten (Hardcover)
Übersetzung: Doris Heinemann
Verlag: Blanvalet
Erschienen: Mai 2016
ISBN: 978-3-7645-0602-5

Ich bedanke mich ganz herzlich beim Verlag Blanvalet für das zur so freundlich zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

blanvalet

[Rezension] Daniele Bresciani: Ein Jahr wie dieses

ein jahr wie dieses

Die 14-jährige Viola musste ihren Vater tot in seinem Bett finden. Von diesem Moment an hat sie kein Wort mehr gesprochen, doch sie kann nicht aufhören, an das große Geheimnis zu denken, das ihr Vater mit ins Grab genommen hat. Mit einem zerfallenden Buch und einer alten Fotografie versucht das Mädchen die Lebensgeschichte ihres Vaters zu rekonstruieren. Gemeinsam mit ihrer Freundin Leslie taucht sie in das rauschende London der 1980er Jahre ein, in dem der junge Giacomo einst in eine große Liebesgeschichte verwickelt war. (Inhaltsangabe: Heyne Verlag)

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Daniele Bresciani arbeitet seit 1989 als Journalist und lebte in den frühen 90er Jahren in London. Derzeit ist er stellvertretender Leiter der Vanity Fair Italia und hegt eine Leidenschaft für antike Bücher. „Ein Jahr wie dieses“ ist sein erster Roman und erschien 2013 in Italien.

Die Grundidee von Brescianis „Ein Jahr wie dieses“ verspricht eine gefühlvolle und bewegende Geschichte voller Drama und Herzschmerz, in der eine Tochter versucht mehr über die Vergangenheit ihres verstorbenen Vaters herauszufinden.

Ich wünsche mir so, dass sie meine Fehler nicht wiederholt, und würde ihr auch deshalb gerne von dir erzählen, von uns und unserer Liebe und wie es geschehen kann, dass man eine solch große Liebe erlebt und sie dann doch verrät.
(Seite 260)

Bresciani bedient sich geschickt zweier Handlungsstränge. In der Gegenwart muss sich Viola zunächst gegenüber ihrem Stiefbruder behaupten, bis sie auf ein Internat gebracht wird. Doch auch dort hat es Viola nicht leicht und findet nur Zugang zu ihrer Zimmerpartnerin Leslie, die sich nicht an „der Stummen“ zu stören scheint.

Während dieses Internatsaufenthalts erfährt sie dank Briefen und Aufzeichnungen immer mehr vom Leben ihres Vaters, von dessen erster Liebe, die er nie vergessen hat. Gerade diese Kapitel machen den eigentlichen Pluspunkt des Romans aus und Giacomo läuft Viola recht schnell den Rang als Hauptperson ab.

Das mag daran liegen, dass Viola trotz aller Mühen des Autors immer recht farblos bleibt. Ja, der Tod ihres Vaters hat sie traumatisiert, jedoch blieben ihre inneren Beweggründe und Gedanken oft eher flach und nicht nachvollziehbar – und das obwohl Viola mit dem Leser auf eben jener gedanklichen Ebene kommuniziert, und nicht im Rahmen der wörtlichen Rede.

Die Tage verstreichen gleichförmig, für mich ist es immer noch ein Leben wie auf einem anderen Planeten ohne Jahreszeiten und immer künstlichem Licht. Die Tage verstreichen und ringsherum nichts als dunkle steile Bergwände.
(Seite 70)

Ein Jahr wie dieses“ könnte eine ganze Bandbreite an Emotionen abdecken, hat die Idee hinter dem Roman doch großes Potential. Leider gelingt es Bresciani nicht, die nötige Tiefe aufzubauen, die eine solche Geschichte unbedingt benötigt um restlos zu begeistern.

Alles in allem bleibt „Ein Jahr wie dieses“ von Anfang bis Ende eher oberflächlich. Ein guter Roman, der zwar nicht langweilig ist, dem aber das gewisse – emotionale – Etwas fehlt, und bei dem Viola der Rang als Hauptcharakter vom eigenen Vater abgelaufen wird. Schade. Man hätte so viel mehr aus dieser Geschichte machen können.

Ein Jahr wie dieses von Daniele Bresciani
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416 Seiten (Taschenbuch)
Verlag: Heyne
Erschienen: November 2015
ISBN: 978-3-453-41928-5

Ich bedanke mich ganz herzlich beim Heyne Verlag für das so freundlich zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

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