Rezensionen

[Rezension] Thomas Hardy: Far From the Madding Crowd (dt. Am grünen Rand der Welt)

Die unabhängige und temperamentvolle Bathsheba Everdene ist nach Weatherbury gekommen, um ihre Position als Gutsherrin auf einem der größten Anwesen in der Gegend einzunehmen. Ihre kühne Präsenz zieht drei sehr unterschiedliche Bewerber an: den benachbarten Gutsherren Boldwood, den Soldaten Sergeant Troy und den Schäfer Gabriel Oak. Die drei Männer beeinflussen ihre Entscheidungen und verkomplizieren ihr Leben – und ihre Position als unabhängige Frau.

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Thomas Hardy (1840 – 1928) war ein britischer Schriftsteller und Dichter, dessen Schreiben größtenteils durch die Romantik inspiriert wurde. Als viktorianischer Realist kritisierte Hardy oft die gesellschaftlichen Gegebenheiten seiner Zeit. Zu seinen bekanntesten Werken zählen „Far from the Madding Crowd“ (1874), „The Mayor of Casterbridge“ (1886), „Tess of the d’Urbervilles“ (1891) und „Jude the Obscure“ (1895).

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Zeitlos schöner Klassiker

Mit Bathsheba Everdene hat Thomas Hardy eine Protagonistin geschaffen, die den Leser vor eine gewisse Herausforderung stellt. Bathsheba ist kein einfacher Mensch. Sie spielt mit jenen Männern, die Interesse an ihr zeigen, hat eitle Züge und wirkt zuweilen herzlos und kalt. In einer Zeit, in der das Frauenbild und die Erwartungen an eine Frau starken gesellschaftlichen Normen unterliegt ist es wenig überraschend, dass ein solch starker Charakter wie Bathsheba versucht, auf ihre eigene Art und Weise aus diesen Zwängen auszubrechen.

But a resolution to avoid an evil is seldom framed till the evil is so far advanced as to make avoidance impossible.
Thomas Hardy: Far from the Madding Crowd, Seite 140

Das Erbe ihres Onkels bringt sie genau in diese Position. Plötzlich Gutsherrin, hat sie auf einmal das Sagen, kann über ihr Leben selbst bestimmen – und trägt die Verantwortung für ihre Angestellten. Vor allem hier kommt Bathsheba ihre Selbstsicherheit zugute, muss sie sich doch in einer Männerdomäne durchsetzen, und entfaltet langsam aber sicher ihre Flügel.

Fesselnde Landschaften und greifbare Charaktere

Hardy begeistert vor allem mit seinen Landschaftsbeschreibungen und seiner Gabe, den zahlreichen Figuren Leben einzuhauchen. Fast schon poetisch lesen sich seine Spaziergänge durch das südliche England, gelingt es ihm doch die Natur auf eine Art zu beschreiben, die diese Erläuterungen zum Teil der eigentlichen Geschichte machen, statt nur wie Füllmaterial zu wirken.

The scene was a public path, bordered on the left hand by a river, behind which rose a high wall. On the right was a tract of land, partly meadow and partly moor, reaching, at its remote verge to a wide undulating heath.
Thomas Hardy: Far from the Madding Crowd, Seite 95

Ähnlich wie eine Blüte entfaltet sich auch die Handlung des Romans. Jede Entscheidung die Bathsheba trifft, setzt eine Kette von Ereignissen in Bewegung, die nicht nur sie selbst, sondern auch die Männer in ihrem Umkreis vor Herausforderungen stellt. Schäfer Gabriel Oak ist Ratgeber und Gewissen, fungiert als Fels in der Brandung wenn alle Dämme brechen. Gutsherr und Nachbar William Boldwood könnte Bathsheba alles bieten, was sie sich wünscht. Und Soldat Troy ist jung und ambitioniert, mit Träumen von Erfolg und Anerkennung – ähnlich wie Bathsheba selbst.

Kopfkino mit Herz und Verstand

Alle Charaktere in Hardys Roman, selbst kleine Nebenrollen, welche gerade einmal zwei Seiten füllen, sind fantastisch aufgebaut, und verleihen dem Roman eine unglaubliche Tiefe. Realistische Charaktere, die einen Einblick in ihre eigene Gefühlswelt bieten und ein Bild im Kopf des Lesers entstehen lassen, das zusammen mit den großartigen Beschreibungen der Landschaft zu einem wahren Kopfkino wird sind die Dinge, die an Hardys Roman begeistern. Die Tatsache, das es hier natürlich auch um eine Liebesgeschichte geht, rückt dabei fast schon in den Hintergrund.

I shall do one thing in this life – one thing certain – that is, love you, and long for you, and keep wanting you till I die.
Thomas Hardy: Far from the Madding Crowd, Seite 37

Mit Klassikern ist es oft so eine Sache. Man liebt sie, man hasst sie, man betrachtet sie eher mit Desinteresse. Klassiker wie „Far From the Madding Crowd“ aber sind es, die bis heute begeistern. Eine Protagonistin wie Bathsheba Everdene, die nicht frei ist von Fehlern ist, aber die mit ihrer Leidenschaft und Charakterstärke doch das Herz der Leser erobert, und ein langsam und stetig an Spannung zunehmender, fast schon poetischer Roman sind auch heute noch aktuell. Wer sich an einem Klassiker versuchen will, dem sei diesen Buch wärmstens ans Herz gelegt.

Am grünen Rand der Welt von Thomas Hardy
Far from the Madding Crowd
432 Seiten (Paperback)
Verlag: dtv
Erschienen: Mai 2015 (Erstveröffentlichung: 1874)
ISBN: 978-3-423-14401-8

Für die englische Ausgabe: Penguin English Library Edition | 486 Seiten | ISBN: 9780141198934

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