[Rezension] Sarah Armstrong: Nachts schwimmen

Tagsüber kämpft Rachel um das Leben ihrer kranken Mutter, nachts entspannt sie sich beim Schwimmen. Eines Abends ist sie nicht allein. Auch Quinn, der Arzt ihrer Mutter, liebt es, in der Dunkelheit durchs Wasser zu gleiten. Jeden Tag fiebert Rachel nun dem Sonnenuntergang entgegen. Den Momenten, wenn sie nebeneinander ihre Bahnen ziehen, reden und sich näherkommen. Die leidenschaftliche Affäre ist unausweichlich, obwohl sie wissen, dass ihre Gefühle nicht sein dürfen. Denn Quinn ist mit Marianna verheiratet, und die wünscht sich nichts sehnlicher als ein Kind..
(Inhaltsangabe: Diana Verlag)

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Nachts schwimmen“ ist der zweite Roman der in Australien geborenen Autorin Sarah Armstrong. Wenn sie nicht gerade schreibt, unterrichtet sie zusammen mit ihrem Mann – ebenfalls Schriftsteller – Kreatives Schreiben und lebt in der Nähe von Sydney.

Wir schneien nur in das Leben von Menschen hinein, holen uns, was wir brauchen, und verschwinden wieder.
(Seite 60)

In „Nachts schwimmen“ erzählt Armstrong die Geschichte von drei ganz normalen Menschen, die alle auf ihre Art und Weise mit ihrem Schicksal hadern. Rachel pflegt ihre Mutter, sieht ihr quasi beim Sterben zu, und ist extra dafür aus der Stadt zurückgekehrt. Quinn arbeitet nur zwei Tage die Woche in der Kleinstadt, und nimmt sich der Behandlung von Rachels Mutter an. Den Rest der Woche verbringt er bei seiner Frau Marianna in der Stadt.

Der unerfüllte Kinderwunsch von Marianna und Quinn ist ganz zentrales Thema in der Beziehung der beiden, und belastet Quinn emotional schwer. So ist es vielleicht leichter zu verstehen, warum er sich mehr und mehr zu Rachel hingezogen fühlt, in deren Nachbarhaus er während der zwei Tage Kleinstadtdienst wohnt, und mit der alles so viel einfacher, freier zu sein scheint, als es jemals mit Marianna möglich wäre.

Armstrong erzählt eine klassische Dreiecksgeschichte: ein verheirateter Mann sucht sich eine Geliebte. Doch schon auf den ersten Seiten des Romans wird klar, dass es hier kein Schwarz und Weiß gibt, keine Schuldigen, keine Opfer.

Wirklich keiner der einzelnen Hauptcharaktere ist durchweg sympathisch, aber die geschickten Wechsel in der Erzählperspektive – die auf den allgegenwärtigen Ich-Erzähler verzichtet – liefern tiefere Einblicke in die Gefühle und die Gedankenwelt von Quinn, Rachel und Marianna und machen deren Handlungen zwar nicht weniger fragwürdig, aber doch um so nachvollziehbarer.

Die Willkürlichkeit eines Schicksalsschlags – egal ob es einen von sich aus ereilte oder man die Fehler anderer zu spüren bekam – bedeutete auch, dass man nichts tun konnte, um es zu vermeiden. Alles Wissen, alle Angst, alle Schutzvorkehrungen waren vergeblich.
(Seite 230)

Obwohl der Schreibstil von Armstrong locker und leicht wirkt, und sich sehr flüssig liest, schwingen stets düstere Untertöne mit. Die Krankheit von Rachels Mutter, der drohende Tod, sowie der unerfüllte Kinderwunsch und natürlich der eigentliche „Betrug“ klingen in jeder Zeile, in jedem Wort mit. Immer präsent, jedoch ohne aufdringlich zu werden, spielt die Autorin auf mit dem Wechsel von Hoffnung und Verlust.

Lügen war etwas Schrittweises. Wenn man die Entscheidung traf, in einer Angelegenheit zu lügen, wurde es viel leichter, auch bei etwas anderem zu lügen. Und dann bei allem.
(Seite 277)

Mit „Nachts schwimmen“ hat Sarah Armstrong einen Roman geschaffen, der sich auf sensible Weise mit hoch emotionalen Themen auseinander setzt. Die einzelnen Hauptcharaktere sind zwar nicht sympathisch, aber authentisch, mit Stärken und mehr als einem Fehler. Der einzige negative Punkt ist die leichte Vorhersehbarkeit des Romans, denn Armstrong hält sich mit plötzlichen und überraschenden Wendungen zurück. Das „was“ erahnt man leicht, doch das „wie“ fesselt einen ans Buch. Definitiv eine Empfehlung wert.

bewertung 4 sterne

Nachts schwimmen von Sarah Armstrong
His Other House
Übersetzung: Ute Brammertz
448 Seiten (Klappbroschur)
Verlag: Diana Verlag
Erschienen: Juli 2015
ISBN: 978-3-453-29070-9

Vielen herzlichen Dank an den Diana Verlag für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

diana verlag logo

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2 Gedanken zu “[Rezension] Sarah Armstrong: Nachts schwimmen

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