[Rezension] Nina Blazon: Ascheherz

Seit nun fast eineinhalb Jahren versucht das Mädchen mit den rotblonden Haaren sich ein Leben aufzubauen, nachdem sie ohne jegliche Erinnerung an ihre Vergangenheit aus den Trümmern eines Hauses gezogen wurde. Gerade arbeitet sie als Schauspielerin an einem kleinen Theater in Maymara und nennt sich, passend zu ihrer Rolle als Sommermädchen, einfach Summer. Sie ist glücklich, doch mit der Zeit fangen die Fragen wieder an, nach ihr, nach ihrem Leben, ihrer Herkunft…nach all dem, an das sie sich nicht mehr erinnern kann, und das sie mit allerlei Lügen ausschmückt. Als dann auch noch der Blutmann aus ihren Träumen plötzlich in der Realität auf sie trifft und nach ihrem Leben trachtet, beschließt Summer Hals über Kopf zu fliehen.

Sie begegnet Anzej, einem seltsamen jungen Mann, dessen Sprache sie nicht versteht, doch in dem sie auf seltsame Weise einen Verbündeten sieht, denn auch Anzej scheint auf der Flucht zu sein. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg hinaus aus der Stadt, stets in der Gewissheit dass der Blutmann ihnen folgt und landen letztendlich auf einem Schiff, das sie ins Nordland bringt, Anzejs Heimat, in der nun Krieg herrscht.

Doch Summer beginnt an der Loyalität von Anzej zu zweifeln und flieht nicht nur vor ihm, sondern auch vor dem Blutmann, der sie immer noch verfolgt. Im Nordland wird Summer von ihrer Vergangenheit eingeholt, wird mitten in den Krieg hineingezogen und steht letztendlich ihrem Henker, dem Blutmann, Auge in Auge gegenüber…

Als ich „Ascheherz“ von Nina Blazon in meinen Händen hielt, erwartete ich eigentlich nur einen typischen Romantasy-Roman, der mich für ein paar Stunden einfach nur gut unterhalten sollte. Doch weit gefehlt, denn „Ascheherz“ ist so viel mehr als das. Denn wenn man sich auf Summers Welt einlässt, die zwar auf den ersten Blick normal erscheint, aber doch fantastische Kreaturen und Völker wie Chimären, Tierläufer und Tandraj enthält, wird man in einen Sog geraten, der einen nicht mehr loslässt.

Summers Geschichte verdichtet sich immer mehr, man gerät hinein in den Krieg innerhalb des Nordlandes und erfährt immer mehr über Summers Vergangenheit. Das alles sorgt für eine Spannung, die quasi greifbar ist, und deren Geheimnisse sich erst auf den letzten Seiten wirklich komplett auflösen.

Die Charaktere sind unglaublich glaubhaft gezeichnet und bewegen sich sehr oft in Grauzonen, in denen die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen. Die Figuren sind keineswegs flach und agieren durchaus real, und selbst Summer trägt eine schwere Schuld mit sich herum und wird mit Vorwürfen konfrontiert, auf die sie zunächst keine Antworten weiß. Und doch muss sie letztendlich mit den Folgen und Konsequenzen leben.

Nina Blazon schreibt in einem wunderschönen, leichten, „federhaften“ Stil und schafft eine Geschichte voller Spannung und Poesie, in der Tod und Liebe eine sehr wichtige Rolle spielen. Gerade den Blick auf die Mystik des Todes, in der ein Kuss den Sterbenden endgültig Frieden schenkt, finde ich wundervoll gestaltet. Was ist ein ewiges Leben wert? Wenn nichts mehr einen Wert hat, weil nichts mehr vergänglich ist?

Ich kann „Ascheherz“ wirklich jedem ans Herz legen, der eine fantastische Geschichte fernab der Vampir- und Engelliteratur zu schätzen weiß, in der in einer leisen, angenehmen Sprache eine ungemein glaubwürdige und ergreifende Liebe erzählt wird.

Ein Buch das perfekt geeignet ist für kalte Winterabende, an denen man mit einer TasseTee auf dem Sofa sitzt und sich von Nina Blazon in das ferne Nordland entführen lässt.

Schon jetzt eines meiner absoluten Januar-Highlights.

bewertung 5 sterne

Ascheherz von Nina Blazon
544 Seiten (Hardcover)
Verlag: cbt
Erschienen: Januar 2011
ISBN: 978-3570160657
18,99 €

Ich bedanke mich ganz ganz herzlich beim cbt-Verlag und der wundervoll Frau Katharina Göring, die es möglich gemacht hat, das ich dieses Buch schon so viel früher lesen durfte.

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Ein Gedanke zu “[Rezension] Nina Blazon: Ascheherz

  1. ich habe mir dieses buch heute erst gekauft, und ich bin einfach nur beeindruckt davon denn ich finde es wirklich richtig toll und es ist total spannend. ich würde am liebsten gar nicht mehr aufhören zu lesen!

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