[Rezension] Paul Mesa: Die kleine Göttin der Fruchtbarkeit

Willkommen im Kleinen Schoßhotel. Richtig gelesen. Dem Grafikbüro ist damals ein kleines, aber entscheidendes „L“ abhanden gekommen, und das nicht nur auf dem Namensschild, sondern auch auf Massen an Prospekten, Servietten, Visitenkarten, Gläsern, Tellern… Hotelbesitzerin Madame hat den neuen, vielleicht etwas ungünstigen Namen kurzerhand als Schoß der Familie interprätiert und die einzelnen Zimmer nach diversen Onkeln und Tanten benannt.

Bica Teves ist 1,49 cm, trinkt am liebsten einen Galao (portugiesische Kaffeevariation aus Espresso und Milch), arbeitet als Zimmermädchen im Schoßhotel und hat vor kurzem ihre Mutter Maria zu Grabe tragen müssen. Eben diese Mutter ist nun plötzlich von den Toten auferstanden und geistert durch Bicas Wohnung. Und nicht nur das. Bica ist auch noch verliebt. In Galao, der eigentlich gar nicht so heißt. Jeden Abend wartet Bica in ihrem Auto vor seinem Haus.

Und dann ist da auch noch Frau Kindermann, eine Journalistin, die der Meinung ist, im Schoßhotel laufen unanständige Dinge ab. Es wurden doch nicht etwa Bica und Galao beobachtet? Nicht gerade förderlich, dass Bica neuerdings jedes Kondom das sie findet unauffällig mit einer Spritze durchlöchert.

Paul Mesa schmückt seine Werk „Die kleine Göttin der Fruchtbarkeit“ mit herrlich skurrilen Geschichten und Details.

Bica ist einfach eine wundervolle, sympathische Hauptperson, eine kleine Portugiesin mit deutsch-französischen Einstreuungen, und einer großen Persönlichkeit. Zart, phantasiebegabt, eigensinnig und überraschend schlagfertig. Und verzweifelt versucht sie ihrer Familientradition treu zu bleiben, denn schon als kleines Kind hat sie von ihrer Mutter eingetrichtert bekommen: Wenn bis zu ihrem Tod keine Enkel da sind, die nachrücken können, dann kommt Mama nicht in den Himmel.

Wir begleiten Bica, deren tote Mutter plötzlich ins Leben zurückkehrt, auf ihrem Weg durch allerlei Missverständnisse und Erlebnisse, bishin zur ihrer Reise nach Lissabon, auf der Suche nach ihrem leiblichen Vater.

Das mag vielleicht nach Kitsch klingen, doch das ist es nicht. In keinem einzigen Wort. Stattdessen das wahre Leben, mit Höhen und Tiefen, wie es eben so ist. Mesa setzt Bica, aus deren Sicht das Buch geschrieben ist, wunderbar in Szene – naiv, charmant und irgendwie auch weise. Und nicht nur das, denn „Die kleine Göttin der Fruchtbarkeit“ ist nebenbei nicht nur eine wundervoll skurrile Erzählung, sondern auch eine Hommage an das fantastischste Getränke überhaupt: Kaffee. In all seinen Variationen, Farben, Geschmäckern. Am Ende findet man nicht nur ein schöne Geschichte, sondern auch das Rezept für den angeblich besten Kaffee der Welt.

Wer schöne Geschichten mag, wird diese hier lieben. Und Bica muss man einfach lieben.

bewertung 3 sterne

Die kleine Göttin der Fruchtbarkeit von Paul Mesa
240 Seiten (Hardcover)
Verlag: Kindler
Erschienen: Juli 2010
ISBN: 978-3463405667
17,95 €

Ich bedanke mich ganz, ganz herzlich beim Autor Paul Mesa, der mir freundlicher Weise ein Rezensionsexemplar seines Buches zugesendet hat.

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Ein Gedanke zu “[Rezension] Paul Mesa: Die kleine Göttin der Fruchtbarkeit

  1. Hallo Rabenlady!
    ..und jetzt rate mal welches Buch ich schon seit einer gewissen Zeit auf meiner Wunschliste habe. 😉
    Nein nein nein, ich darf mir doch keins mehr kaufen – und dann lese ich diese zauberhafte Rezension hier. Ohje!
    Liebe Grüße, Tanja

    PS: Wünsche dir ein duftes Wochenende!

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