[Montagsfrage] Fanfiktion?

Die Montagsfrage ist eine Aktion von Buchfresserchen.

Fanfiktion – was ist das eigentlich genau? Wikipedia sagt dazu folgendes:

Fan-Fiction/Fanfiction oder kurz Fanfic oder auch nur FF, deutsch manchmal auch Fanfiktion oder Fangeschichte(n), ist die Bezeichnung für Werke, die von Fans eines literarischen oder trivialliterarischen Originalwerkes (zum Beispiel eines Films, einer Fernsehserie, von Büchern, Computerspielen usw.) oder auch real existierender Menschen (z. B. von bekannten Schauspielern, Musikern oder Sportlern) erstellt werden, welche die Protagonisten und/oder die Welt dieses Werkes bzw. die jeweiligen Personen in einer neuen, fortgeführten oder alternativen Handlung darstellen. Obwohl ähnliche Weiterentwicklungen populärer Geschichten einst eine wichtige kreative Treibkraft vieler Kulturen waren, werden dem heute durch das Urheberrecht enge Grenzen gesetzt, sodass sich Fanfiction heute meistens im nichtkommerziellen „Untergrund“ von Fangemeinden abspielt.

Und ja, ich habe schon einmal Fanfics geschrieben – allerdings nie veröffentlicht. Damals waren das Werke zu Harry Potter oder auch zu der Manga-Serie Clover von CLAMP. Ganz andere Ausmaße hat meine Begeisterung für die Welt von BBCs Sherlock angenommen, die letztendlich in einem Rollenspiel auf Twitter geendet hat. Aber das ist eine andere Geschichte. 🙂

Ich lese übrigens immer noch gerne Fanfics. Meist tatsächlich immer noch zu Harry Potter oder einigen Mangas, die ich schon vor Jahren toll fand. Ganz selten nur zu aktuellen Filmen und Serien. Warum, das kann ich nicht einmal sagen. Vielleicht hängt da ein wenig Nostalgie drin.

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[Readathon] Dewey’s 24 Hour Read-a-thon – 10th Anniversary

Der Readathon wurde im Oktober 2007 ins Leben gerufen. Nach Dewey’s Tod im Jahr 2008 wurde der Readathon ihr zu Ehren umbenannt und findet seitdem zweimal im Jahr statt. Gelesen wird für 24 Stunden, wobei natürlich der Spaß und Austausch mit den Mitlesern im Vordergrund steht. Um das noch zu erleichtern, sind die Startzeiten international angepasst. Für Deutschland heißt das im Klartext:

Samstag, 21. Oktober 14 Uhr – Sonntag, 22. Oktober 14 Uhr

Ich werde diesmal mitlesen, einfach aus Spaß an der Freude, und weil es eben ein Jubiläums-Marathon ist. Das muss einfach sein, oder nicht?

Wer mitlesen möchte: Infos und Anmeldung findet ihr auf der Webseite zu Dewey’s 24-Hour Read-a-thon.

[Katja liest die Deutscher Buchpreis Shortlist] Robert Menasse: Die Hauptstadt #dbp17

In einem anderen Beitrag hatte ich bereits meine Idee angekündigt, die Werke auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2017 lesen zu wollen und habe die sechs nominierten Romane auch einmal kurz vorgestellt. Inzwischen bin ich mit meiner kleinen Leseaktion vorangekommen und stelle hier einmal kurz meine Eindrücke zu den einzelnen Büchern vor. So ganz nebenbei ist auch die Preisverleihung an mir vorbeigezogen und hat „Die Hauptstadt“ von Robert Menasse als Gewinner des Deutschen Buchpreises 2017 auserkoren.

Robert Menasse: Die Hauptstadt
Der Gewinner des Deutschen Buchpreises 2017

Fenia Xenopoulou, Beamtin in der Generaldirektion Kultur der Europäischen Kommission, steht vor einer schwierigen Aufgabe. Sie soll das Image der Kommission aufpolieren. Aber wie? Sie beauftragt den Referenten Martin Susman, eine Idee zu entwickeln. Die Idee nimmt Gestalt an – die Gestalt eines Gespensts aus der Geschichte, das für Unruhe in den EU-Institutionen sorgt. David de Vriend dämmert in einem Altenheim gegenüber dem Brüsseler Friedhof seinem Tod entgegen. Als Kind ist er von einem Deportationszug gesprungen, der seine Eltern in den Tod führte. Nun soll er bezeugen, was er im Begriff ist zu vergessen. Auch Kommissar Brunfaut steht vor einer schwierigen Aufgabe. Er muss aus politischen Gründen einen Mordfall auf sich beruhen lassen; »zu den Akten legen« wäre zu viel gesagt, denn die sind unauffindbar. Und Alois Erhart, Emeritus der Volkswirtschaft, soll in einem Think-Tank der Kommission vor den Denkbeauftragten aller Länder Worte sprechen, die seine letzten sein könnten. (Inhaltsangabe: Suhrkamp Verlag)

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Robert Menasse, geboren 1954 in Wien, studierte Germanistik Philosophie und Politikwissenschaften und lehrte als Gastdozent am Institut für Literaturtheorie an der Universität von Sao Paulo, wo er sich vor allem mit philosophischen und ästhetischen Theorien beschäftigte. Seit seiner Rückkehr lebt Menasse hauptsächlich in Wien als Literat und kulturkritischer Essayist. Seine Werke wurden in mehrere Sprachen übersetzt.

Am Anfang war das Schwein

Die EU ist nicht zum ersten Mal Thema in einem Werk von Menasse. Bereits in Essays und Sachbüchern hat er sich als ein glühender Verfechter des Ursprungskonzeptes der EU erwiesen – umso überraschender der eher komödienhafte Aufbau seines Brüsselromans.

In einem gekonnt inszenierten Auftakt schickt Menasse ein Schwein durch Brüssel. Auf der wilden Hatz durch die Straßen der Stadt läuft das Schwein an so einigen Menschen vorbei, die sehr schnell als Akteure in diesem ungewöhnlichen Epos herausstellen. Menasse spinnt ein Netz aus Charakteren und Geschichten, schafft Verbindungen wo man zunächst gar keine erkennen kann.

Da ist zum Beispiel Fenia, die so gar nicht kulturinteressierte Dame, die unbedingt in eine bessere Position möchte und die Jahrestagsfeierlichkeiten als ihre Chance zum Aufstieg sieht. Da ist Kai-Uwe Frigge, mit dem Fenia etwas am Laufen hat, und der mit so einigen Wassern gewaschen ist. Oder Kriminalkommissar Brunfaut. Oder auch Mateusz Oswiecki, seines Zeichens Widerstandskämpfer. David de Vriend, an Demenz leidender Auschwitz-Überlebender. Martin Susmann, ein fast schon depressiver EU-Beamter. Oder Professor Erhardt.

Eine glühende Rede zur Rettung der EU

Professor Erhardt ist das, was Menasse in seinen Werken zur EU bisher immer war: ein glühender Verfechter des Systems Europa, welches sich wieder mehr auf das Gemeinsame beschränken sollte statt den eigenen Vorteil. Die Interessen der Gemeinschaft verfolgen, und nicht als Einzelkämpfer agieren.

In seiner Rede fordert Erhardt sogar die Errichtung einer neuen europäischen Hauptstadt in Auschwitz. Der ungewöhnliche Umgang mit dem Thema Auschwitz und Holocaust könnte bitter aufstoßen, wäre da nicht das Gegengewicht in der zutiefst feinfühlig erzählten Geschichte von David de Vriend. Statt sich über den Umgang des Romans mit der Thematik Gedanken zu machen, wird der Leser eher wachgerüttelt und hinterfragt sich selbst – die eigene Ignoranz, die gerade im derzeitigen weltpolitischen Klima mehr als gefährlich ist.

Menasse als Puppenspieler

In „Die Hauptstadt“ lenkt Menasse seine Figuren ganz geschickt. Von der ersten Seite an trägt jede Bewegung, jede Bemerkung, jedes ungesagte Wort seiner Hauptcharaktere zur Inszenierung seines Romanes bei. Alles hat seinen Grund und seine Berechtigung, jeder Charakter seine Aufgabe und jeder Handlungsstrang, sei er auch noch so absurd, seine Bedeutung.

Der Roman ist fabelhaft konstruiert, voller elegant geschriebener Pointen. Ein Gedankenexperiment der etwas anderen Art, ein Mix aus Komik, Tragik, Vergangenheit und Gegenwart – ein ambitioniertes Konstrukt, welches die Ansichten von Menasse in ein neues Gewand verpackt. „Die Hauptstadt“ mag zwar nicht mein absoluter Favorit sein, jedoch hat sich der Autor auf erfrischende Art und Weise einem Thema gewidmet, welches aktueller ist denn je. Allein deswegen ist der Roman zurecht durch den Buchpreis in den Fokus der Allgemeinheit gerutscht. Und mehr möchte ich eigentlich auch gar nicht verraten, denn „Die Hauptstadt“ sollte jeder für sich selbst entdecken.

Die Hauptstadt von Robert Menasse
459 Seiten (Hardcover)
Verlag: Suhrkamp
Erschienen: September 2017
ISBN: 978-3-518-42758-3

Aus gegebenem Anlass möchte ich hier auch noch die Kolumne von Mely Kiyak für Die Zeit in den Raum werfen, die sich mit dem Buchpreis, dem Thema des Gewinnerromans und der Handhabung dieser eigentlich sehr aktuellen Thematik durch das öffentlich-rechtliche Fernsehen.

[Katja liest die Deutscher Buchpreis Shortlist] Sasha Marianna Salzmann: Außer sich #dbp17

In einem anderen Beitrag hatte ich bereits meine Idee angekündigt, die Werke auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2017 lesen zu wollen und habe die sechs nominierten Romane auch einmal kurz vorgestellt. Inzwischen bin ich mit meiner kleinen Leseaktion vorangekommen und stelle hier einmal kurz meine Eindrücke zu den einzelnen Büchern vor.

Sasha Marianna Salzmann: Außer sich

Sie sind zu zweit, von Anfang an, die Zwillinge Alissa und Anton. In der kleinen Zweizimmerwohnung im Moskau der postsowjetischen Jahre verkrallen sie sich in die Locken des anderen, wenn die Eltern aufeinander losgehen. Später, in der westdeutschen Provinz, streunen sie durch die Flure des Asylheims, stehlen Zigaretten aus den Zimmern fremder Familien und riechen an deren Parfumflaschen. Und noch später, als Alissa schon ihr Mathematikstudium in Berlin geschmissen hat, weil es sie vom Boxtraining abhält, verschwindet Anton spurlos. Irgendwann kommt eine Postkarte aus Istanbul – ohne Text, ohne Absender. In der flirrenden, zerrissenen Stadt am Bosporus und in der eigenen Familiengeschichte macht sich Alissa auf die Suche – nach dem verschollenen Bruder, aber vor allem nach einem Gefühl von Zugehörigkeit jenseits von Vaterland, Muttersprache oder Geschlecht. (Inhaltsangabe und Coverbild: Suhrkamp Verlag)

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Sasha Marianna Salzmann wurde 1985 in Wolgograd geboren und emigrierte 1995 mit ihrer Familie nach Deutschland. Sie studierte Literatur, Theater, Medien an der Universität Hildesheim und Szenisches Schreiben an der Berliner Universität der Künste. Salzmann ist Theaterautorin, Essayistin und Dramaturgin. Seit 2013 ist sie Hausautorin des Maxim Gorki Theaters in Berlin und war dort bis 2015 Künstlerische Leiterin des STUDIO Я. An „Außer sich„, ihrem Romandebüt, begann sie bereits 2012/2013 während eines Aufenthaltes in Istanbul zu arbeiten und beendete den Roman in den folgenden Jahren während mehrerer Türkeiaufenthalte.

Eine Zukunft voller Vorurteile

Eine sichere Zukunft für ihre Kinder. Bessere Chancen. Ein besseres Leben. Das ist es, was die Eltern von Ali und Anton antreibt – und was die Zwillinge von der Sowjetunion nach Deutschland bringt. Doch die Diskriminierung folgt ihnen bis auf den Schulhof. Heimat, Migration, Antisemitismus und Vorurteile sind zentrale Themen in dem Romandebüt von Salzmann.

Die Suche von Ali nach ihrem Bruder wird vielmehr zu einer Suche von Ali nach sich selbst. Was definiert uns als Mensch? Geschlecht? Herkunft? Religion? Lassen sich Lücken finden in diesem Netz? Lassen sich Konventionen und Ansichten aufbrechen? Der Titel des Romans, „Außer sich„, ist Programm. Es geht um Identität, um das eigene Selbst, um das, was man im Innern fühlt, und um das, was man nach außen trägt. Ein Hunger fast schon danach, das eigene Selbstempfinden zu erforschen.

Geschichte der Generationen

Salzmann schafft es, mit Ali eine Hauptperson zu kreieren, die den Leser dazu zwingt, alles in Frage zu stellen. Die eigenen Ansichten. Das eigene Selbst. Die eigene Wahrnehmung. Genau wie Ali sich selbst und ihr Geschlecht in Frage stellt. Die Sinneseindrücke und Erlebnisse, die sich durch Alis Geschichte ziehen, sind erschreckend und greifbar, so voller Substanz und Lebendigkeit wie man es nur selten in Form des geschriebenen Wortes erlebt.

Außer sich“ erstreckt sich über mehrere Generationen. In Form von Erinnerungen fließen die Geschichten von Valja und Kostja, den Eltern, Etina und Sascha, den Großeltern, in Alis Erzählung ein. Die einen müssen sich im Deutschland nach der Wende zurechtfinden. Die anderen waren dazu bestimmt, etwas Großes zu leisten, und arbeiteten als Ärzte im zweiten Weltkrieg – und mussten sich den Vorurteilen gegenüber Juden stellen.

Von der Suche nach der eigenen Identität

In diese Familiengeschichte fließt immer wieder die Realität. Ali in Istanbul. Die Proteste auf dem Taksim-Platz in der Türkei. Salzmann gelingt es, politische Themen einfließen zu lassen, ohne mit dem Finger auf bestimmte Personen zu zeigen. Ihre gesamte Prosa ist wie ihre Erzählung selbst: anders, verwinkelt und vertrackt, voll von russischen oder jüdischen Wortfetzen und Sätzen.

Was nach Familiengeschichte klingt, wird zu einer wahren Metamorphose, und ich bin immer noch erschüttert davon, wie viel Tiefe in etwas mehr als 360 Seiten stecken kann. Salzmann greift aktuelle Themen auf, ohne mit erhobenem Zeigefinger zu agieren. Ihr Schreibstil ist lebendig, fließend, und ein Kunstwerk an sich. Genau wie „Außer sich“ ein Kunstwerk ist, bei dem die Grenzen verschwimmen, nicht nur auf zeitlicher und geschichtlicher Ebene, sondern auch zwischen Fiktion und Wirklichkeit. Doch was bleibt letztendlich übrig? Um das herauszufinden, müsst ihr den Roman lesen. Und ich empfehle euch wärmstens, das auch zu tun!

Außer sich von Sasha Marianna Salzmann
366 Seiten (Hardcover)
Verlag: Suhrkamp
Erschienen: September 2017
ISBN: 978-3-518-42762-0

[Katja liest die Deutscher Buchpreis Shortlist] Marion Poschmann: Die Kieferninseln #dbp17

In einem anderen Beitrag hatte ich bereits meine Idee angekündigt, die Werke auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2017 lesen zu wollen und habe die sechs nominierten Romane auch einmal kurz vorgestellt. Inzwischen bin ich mit meiner kleinen Leseaktion vorangekommen und stelle hier einmal kurz meine Eindrücke zu den einzelnen Büchern vor.

Marion Poschmann: Die Kieferninseln

Gilbert Silvester, Privatdozent und Bartforscher im Rahmen eines universitären Drittmittelprojekts, steht unter Schock. Letzte Nacht hat er geträumt, dass seine Frau ihn betrügt. In einer absurden Kurzschlusshandlung verlässt er sie, steigt ins erstbeste Flugzeug und reist nach Japan, um Abstand zu gewinnen. Dort fallen ihm die Reisebeschreibungen des klassischen Dichters Basho in die Hände, und plötzlich hat er ein Ziel: Wie die alten Wandermönche möchte auch er den Mond über den Kieferninseln sehen. Auf der traditionsreichen Pilgerroute könnte er sich in der Betrachtung der Natur verlieren und seinen inneren Aufruhr hinter sich lassen. Aber noch vor dem Start trifft er auf den Studenten Yosa, der mit einer ganz anderen Reiselektüre unterwegs ist, dem Complete Manual of Suicide. (Inhaltsangabe und Coverbild: Suhrkamp Verlag)

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Marion Poschmann, 1969 in Essen geboren, studierte Germanistik, Philosophie und Slawistik, dazu noch Szenisches Schreiben an der Berliner Hochschule der Künste. Sie lebt als freie Schriftstellerin in Berlin und wurde für ihre Prosa und Lyrik vielfach ausgezeichnet. Ihr Roman „Die Sonnenposition“ stand bereits 2013 auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises.

Matsushima. Die Kieferninseln. Eine – vertraut man Reiseführern und Internetportalen – der drei schönsten Landschaften in Japan. Ein Gebiet mit ca. 250 Inseln, alle mit Kiefern bewachsen. Für die Japaner, bei denen die Betrachtung der Natur und deren Beschreibung als Kunstform gilt, üben die Kieferninseln eine wahre Anziehungskraft aus. Matsuo Basho, einer der bedeutendsten Haiku-Dichter der japanischen Literaturgeschichte, beschrieb diese Inseln auf seiner Reise – eine Reise, die auch Poschmanns Hauptcharakter Gilbert Silvester unternimmt.

Teetrinker und die Mystik

Die Umstände allerdings, die sind komplett verschieden. So bringt Gilbert – seines Zeichens übrigens Bartforscher im Rahmen eines Drittmittelprojektes – ein Traum dazu, Hals über Kopf nach Tokio zu fliegen. In ein Teetrinkerland, von dem er selbst als Verfechter der Kaffeekultur so gar nichts hält. Zu viel Mystik, wenig Handfestes. Gilbert ist stur, fast schon verbohrt in seinen Meinungen und Ansichten und nicht in der Lage, das eigene Verhalten zu hinterfragen. Warum regt sich seine Frau nur auf? Es ist schließlich sein gutes Recht zu verschwinden, nachdem sie ihn betrogen hat. Dass die Idee des Betruges nur auf einem Traum basiert, ist für Gilbert nicht von Bedeutung.

Gilberts schicksalhafte Reise wird zu einer Pilgerfahrt der besonderen Art als er auf den jungen Petrochemiestudenten Yosa Tamagotchi trifft, der sich aus Prüfungs- und Versagensangst vor den nächsten Zug werfen möchte. Yosa träumt von einem besseren Ort für sein Vorhaben, hält sich aber nicht würdig genug für die großen, schönen, bedeutungsvollen Plätze, die in seinem Handbuch zum Suizid vorgestellt werden.

Eine Pilgerfahrt durch Japan und eine Reise zu sich selbst

Während Gilbert immer wieder in seine von Vorurteilen nur so strotzenden Monologe verfällt, begeben sich die beiden auf eine Reise der etwas anderen Art. Gemeinsam mit Poschmanns Charakteren reist der Leser in den Selbstmordwald von Aokigahara, in städtische Grenzgebiete voller kalter Betonbauten und seelenloser Menschen, zum Fuji, der im Nebel verborgen bleibt und letztendlich in den Norden, zur Bucht von Matsushima, zu den Kieferninseln.

Poschmanns Zusammenprall der Kulturen ereignet sich sehr leise. Gilbert, der ewige Besserwisser, bedient sich all der Vorurteile und Ansichten, die man in Verbindung mit einem Land wie Japan haben könnte. Doch während die Grenzen zwischen Realität und Wirklichkeit verschwimmen, und man sich zwangsweise fragen muss, was real und was fiktiv ist – vor allem auch, ob der japanische Student mit dem ungewöhnlichen Nachnamen tatsächlich existiert – so wird auch Gilbert weicher, offener für seine Umgebung.

Die Kieferninseln ist Poesie

„Die Kieferninseln“ wirkt wie eine Mischung aus japanischer Beschreibungsgabe und der Wehmut der Romantik. Ihre Liebe zur Lyrik merkt man dem Schreibstil von Marion Poschmann deutlich an. Es fließt, es verschwimmt, Worte und Sätze sind mal melancholisch-schwer, mal federleicht und gefühlvoll. Sie spielt mit ihren Figuren, ohne sie komplett zu analysieren und zu erläutern. Ein paar Geheimnisse bleiben, die Interpretation und Deutung der Details, die im Roman verstreut werden, bleibt ganz allein dem Leser überlassen.

Marion Poschmann hat hier ein wundervolles, zartes Buch geschrieben, das mit Fiktion und Realität spielt und die Grenzen gekonnt verschwimmen lässt. Ein fast schon poetisches Buch, welches den Leser in seinen Bann ziehen soll – und es auch tut.

Die Kieferninseln von Marion Poschmann
168 Seiten (Hardcover)
Verlag: Suhrkamp
Erschienen: September 2017
ISBN: 978-3-518-42760-6

[Aktion] #Buchpassion Edition: Lieblingsautorinnen und -Autoren, oder: Warum Margaret Atwood awesome ist

#Buchpassion ist eine Online-Literaturaktion, die von Janine auf ihrem Blog Kapri-ziös organisiert wird.

Worum geht es bei #Buchpassion?

#Buchpassion ist eine gemeinsame Onlineaktion von Autoren, Bloggern, Lesern und Unternehmen des Buchmarktes wie beispielsweise Verlage – jeder kann mitmachen und das auf unterschiedlichste Art und Weise! Ein großes Ziel von mir ist es, gerade auch Nicht- oder Wenigleser auf Bücher aufmerksam zu machen und von dem einen oder anderen Buch oder Autoren zu begeistern. Schließlich fetzt Lesen!

Herzstück von #buchpassion – Edition: Lieblingsautorinnen und -autoren ist eine Blog- und Webseitenparade vom 29.9.-1.10.2017. Außerdem findet am 28.9.2017 von 20:00 bis 21:30 Uhr auf Twitter eine Literaturparty unter dem Hashtag #buchpassion statt. Die Literaturparty ist zum Austausch unter Buchliebhabern gedacht und daher wird es aller 15 Minuten eine neue Frage geben, zu der wir diskutieren können. Zusätzlich wird es vom 25.9.-1.10.2017 eine Fotochallenge zu #Buchpassion – Edition: Lieblingsautorinnen und -autoren auf Instagram geben. Dafür musst du einfach ein Foto passend zum Motto des Tages posten und mit #Buchpassion taggen. (Quelle: Kapri-ziös)

Meine Lieblingsautorin, oder:
Warum Margaret Atwood awesome ist!

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