Rezensionen, Rund ums Buch

[Katja und der Deutsche Buchpreis] Die Longlist Leseproben 2018 #dbp18

Die Longlist des Deutschen Buchpreises 2018 wurde am 14. August 2018 veröffentlicht. 20 Titel wurden nominiert und natürlich erschien auch in diesem Jahr das Leseproben-Heft „Die Nominierten 2018“, in dem nicht nur ein kurzer Auszug aus allen aufgelisteten Romanen enthalten ist, sondern auch Informationen zu den einzelnen Autorinnen und Autoren.

Ich selbst kann ja nicht umhin dem Deutschen Buchpreis eine gewisse Aufmerksamkeit zu schenken, sowohl privat als auch auf meinem Blog. Aus diesem Grund habe ich mich durch die einzelnen Leseproben gearbeitet und meinen kurzen Ersteindruck quasi zu Papier gebracht – und teile diesen gerne mit euch.


Meine Meinung zu den Leseproben


Carmen-Francesca Banciu: Lebt wohl, Ihr Genossen und Geliebten!

Das Buch hatte mich bereits auf den ersten Blick angesprochen, und die Leseprobe hat dieses Gefühl nur noch bestätigt. Die Autorin schreibt über die Beziehung zu ihrem Vater, der wie eine graue Eminenz, wie ein Schatten über ihrem Leben zu schweben scheint. Und auch der auf dem Cover zu sehende Rabe spielt eine entscheidende Rolle.

Nach dem Tod wird er ein Rabe sein
Mit pechschwarzem, schimmerndem Federkleid

Die Versform hat mich positiv überrascht. Als bekennender Fan von Gedichten und ungewöhnlichen Erzählmethoden ist dies ein kleines Highlight, und auch die bereits in der Leseprobe auftauchenden Wiederholungen verleihen der Erzählung eine gewisse Tiefe, deren Eindringlichkeit man sich allein auf diesen wenigen Seiten nur schwer entziehen kann. Für mich ist Lebt wohl, Ihr Genossen und Geliebten auf meiner persönlichen Topliste gerade sehr weit nach oben gewandert.

Maria Cecilia Barbetta: Nachtleuchten

Auch ein Buch, welches bereits auf den ersten Blick meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat. Sofort aufgefallen ist mir der fast schon sogartige Schreibstil, der durch die langen, fließenden Satzkonstrukte nur noch verstärkt wird. Die Leseprobe selbst gibt Einblicke in das Familienleben, in die Beziehung der Tochter zu den Eltern.

Wache hatte die Tochter wie so oft in der Nacht gehalten. Mit ihrer kleinen Statuette in der Hand hatte sie an der Schlafzimmertür der Erwachsenen gestanden und das Ohr so lang dagegengepresst, bis sie feststellen konnte, dass Frieden herrschte und sie nicht einschreiten musste.

Die Leseprobe zu Nachtleuchten hat mich nur noch darin bestärkt, dem kompletten Roman auch eine Chance zu geben. Dem Sog kann ich mich nicht entziehen: Ich will wissen, wo die Reise hingeht.

Maxim Biller: Sechs Koffer

Den Herrn Biller kennt man ja unter anderem aus dem TV. Sein Buch hat mich schon bei der kurzen Vorstellung im Rahmen der Longlist neugierig gemacht. Die Leseprobe hat diesen Zustand noch verschlimmert.

Was, fragte er sich, soll aus diesem Kind werden, wenn es erwachsen ist? Warum stellt sich der Junge die Welt immer so dunkel und hässlich vor?

Die Sätze fliegen dahin, fügen sich zusammen und malen ein Bild, welchem man sich kaum entziehen kann. Der Mann schreibt nicht schlecht und ich bin Feuer und Flamme herauszufinden, ob das Buch den Standard der Leseprobe halten kann.

Susanne Fritz: Wie kommt der Krieg ins Kind

Mit diesem Werk war ich mir eher unsicher, muss ich gestehen. Und alles in allem konnte auch die Leseprobe daran nichts ändern.

So schreibt sie ihren Namen als Gefangene, konzentriert, so schön sie kann. […] Noch einmal steht ihr Name für das zivile Leben, das vorerst hinter ihr liegt.

Stilistisch kann man sich dem Werk nur schwer entziehen, denn der Schreibstil hat etwas leichtes, fesselndes, doch die eigentliche Geschichte spricht mich nicht so recht an. Sollte es das Buch aber auf die Shortlist schaffen, gebe ich ihm eventuell noch eine weitere Chance, wenn sich die Gelegenheit ergibt.

Arno Geiger: Unter der Drachenwand

Der Herr Geiger und ich werden wahrscheinlich keine Freunde mehr in diesem Leben. Auch dieses Buch von ihm spricht mich nicht an. Auch die Leseprobe hat mich nicht vom Hocker gehauen.

Ich hatte mich längst daran gewöhnt, an fremden Orten aufzuwachen.

Das Thema und die Charaktere mögen durchaus ansprechend und interessant sein, aber ich bin bereits während der Leseprobe gedanklich abgedriftet, daher wird mich der eigentliche Roman wohl auch eher nicht fesseln können.

Nino Haratischwili: Die Katze und der General

Hierzu muss ich nicht viel sagen, ich bin hier definitiv schon beeinflusst bevor ich überhaupt auch nur eine Zeile gelesen habe, denn das Buch selbst hatte ich schon vor einer Weile vorbestellt.

Hauptsache, ein paar Bücher begleiteten ihn in diese ungewisse und erschreckende Dimension, die den Namen „Krieg“ trug und von der er niemals angenommen hätte, dass sie jemals mit seinem Leben zu tun haben würde.

In der Leseprobe ist von Büchern die Rede – absoluter Pluspunkt. Auch haben mich die wenigen Seiten so in ihrem Bann gezogen, dass ich unbedingt so schnell wie möglich weiterlesen muss. Gott sei Dank besitze ich das Buch ja bereits. ^^

Franziska Hauser: Die Gewitterschwimmerin

Es freut mich regelrecht ein Werk auf der Longlist zu sehen, welches ich schon länger in meinem Regal stehen habe, allerdings bisher noch nicht gelesen habe. Die Leseprobe war daher ein netter Einblick.

Der Schmerz wird größer, als ich es für angebracht halte, als hätte ich ihn mein Leben lang in mir aufbewahrt.

Der Schreibstil hat mich sofort in seinen Bann gezogen, und auch die Charaktere selbst. Der Umgang mit Schmerz und Trauer, der Verlust eines Familienmitglieds, das was man fühlen sollte trifft auf das was man tatsächlich fühlt. Ich muss gestehen das diese Leseprobe zu meinen Lieblingen gehört.

Helene Hegemann: Bungalow

Hegemann wird ja immer wieder kritisch gesehen und das ist auch einer der Gründe, warum ich besonders neugierig auf ihr Werk war – und immer noch bin. Denn, und das fällt mir schwer zuzugeben, ihr Buch interessiert mich.

Die Millionäre und wir teilten uns dieselben Parkplätze und Grünstreifen, trotzdem klaffte zwischen uns ein tiefer Abgrund.

Die Geschichte wirkt interessant genug, um den Leser bei Laune zu halten. Die Gesellschaftskritik kommt bereits in diesem Auszug recht gut zur Sprache und ich kann mir nicht helfen, ich muss dem Buch noch ein klein wenig länger meine Aufmerksamkeit widmen. Es muss ja seine Gründe haben, warum es Hegemann auf die Longlist geschafft hat.

Anja Kampmann: Wie hoch die Wasser steigen

Eines der Bücher, die mich auf der Longlist sofort angesprochen haben, daher war ich hier ganz besonders gespannt und hatte bereits an die Leseprobe hohe Erwartungen.

Die See bei Nacht ist das Dunkelste, was einem begegnen kann.

Ob diese sich erfüllt haben, kann ich allerdings noch gar nicht so genau sagen. Ich möchte auf jeden Fall weiterlesen, so viel ist klar. Aber ich zweifle ein wenig, ob das Buch meine Erwartungen standhalten kann und mir das bietet, was ich mir erhofft habe.

Angelika Klüssendorf: Jahre später

Klüssendorf und April kennt man von früheren Buchpreisen, ich bin in dieser Richtung allerdings ein komplett unbeschriebenes Blatt, denn gelesen habe ich von ihren Büchern bisher noch keines.

Als sich Männer für sie zu interessieren begonnen hatten, war April misstrauisch geblieben, denn es konnte auch eine Falle sein, ein Irrtum. Nun ist sie dreißig und weiß immer noch nicht, was gut oder schlecht für sie ist.

April hat mich sofort angesprochen. Klüssendorf gelingt es ihre Hauptperson so lebendig zu gestalten, als würde sie direkt neben einem sitzen. Ich bin froh meinem ersten Eindruck gefolgt zu sein, denn inzwischen befindet sich das Werk in meinem Regal und ich freue mich darauf, April noch ein wenig besser kennenzulernen.

Gert Loschütz: Ein schönes Paar

DDR und Angst, das ist es, was ich durch die wenigen Seiten der Leseprobe mitbekommen habe. Und ja, ich bin ganz positiv überrascht, hat mich das Buch doch eigentlich erst so gar nicht angesprochen.

Warum war er nicht einfach verhaftet worden? […] Eine Provokation? Ein Versuch, mich aus euren Reihen herauszubrechen?

Es ist aber immer noch nicht meins. Sollte es seinen Weg auf die Shortlist finden, denke ich vielleicht noch einmal darüber nach, es auf die Wunschliste zu packen, aber eigentlich glaube ich nicht so recht daran. Obwohl ich Vorschlägen gegenüber ja immer offen bin.

Inger-Maria Mahlke: Archipel

Ich mochte das Buch bereits als es kurz vorgestellt wurde, und mag es auch immer noch.

„Was hat Papa?“, fragt Francisca, […]. „Franco hat ihm das Herz gebrochen“, […]. Opus Die, hochkatholisch und Monarchisten, sind die Technokraten, die Franco in sein Kabinett berufen hat.

Der trockene und auf seine ganz besondere Weise herrlich amüsante Erzählstil haben mir mehr als einmal ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert und ich möchte unbedingt noch mehr lesen! Stilistisch definitiv eines meiner Highlights.

Gianna Molinari: Hier ist noch alles möglich

Dieses Buch wurde schon auf diversen Blogs und Seiten besprochen und befindet sich auch schon seit einer Weile in meinem Regal. Unter anderem einer der Gründe, warum ich mich so über die Nominierung gefreut habe. Ich kenne in diesem Jahr tatsächlich mal einige Bücher und Autoren.

Ich frage mich, wie die Oberfläche meiner Lunge beschaffen, wie dicht das Netz meiner Blutgefäße ist, was das Wohnen in der Halle mit mir machen wird. Hier ist ein neues Umfeld zu erkunden. Hier ist noch alles möglich.

Die Leseprobe war zwar nicht ganz das, was ich erwartet habe, aber hat mich dennoch gefesselt. Molinari schafft auf simple Weise eine ungemeine charakterliche Tiefe, die mich wirklich begeistert hat!

Adolf Muschg: Heimkehr nach Fukushima

Das Thema ist natürlich immer noch aktuell, schließlich erinnert sich wahrscheinlich noch jeder an die Katastrophe in Japan. Weltpolitische Themen finden sich ja immer wieder auf der Longlist, und das ist auch keinesfalls negativ aufzufassen.

Besuchen Sie uns in Japan, so lange es noch steht.

Die Leseprobe war gut, lies sich leicht und einfach verfolgen, und hat meine Meinung zumindest ein wenig ins positive geändert, denn trotz des wichtigen Themas hat mich das Buch eigentlich so gar nicht angesprochen. Nun ist aus dem nein allerdings ein vielleicht geworden.

Eckhart Nickel: Hysteria

Die Himbeeren haben mich schon im Vorschauprogramm für den Herbst / Winter neugierig gemacht, denn das Thema ist einfach zu schräg und gleichzeitig zu realistisch, um mich nicht wenigstens ein wenig anzusprechen.

Mit den Himbeeren stimmte etwas nicht.

Der Schreibstil macht es einem leicht, in die Geschichte hineinzufinden, und unterstützt das fast schon wahnhafte Verhalten der Hauptperson einfach genial. Ich freue mich auf mehr.

Josef Oberhollenzer: Sültzrather

Sültzrather gehörte zu jenen Büchern, die mich von Beginn an angesprochen haben. Daher waren natürlich die Ansprüche an die Leseprobe mehr als hoch.

[…] dieses in wahrheit vielleicht naive aufbegehren gegen seine gelähmtheit, von anfang an suchtcharakter gehabt habe und ein „suchtfötus“, so F., im grunde gewesen sei […]

Und wurden bitterlich enttäuscht. Was ist schief gelaufen? Das Buch ist so gar nicht, was ich erwartet habe, und ich hatte große Schwierigkeiten, mich überhaupt bis zum Ende der Leseprobe durchzukämpfen. Schade, wirklich schade. Ob es eine zweite Chance geben wird, kann ich leider nicht sagen.

Susanne Röckel: Der Vogelgott

Cover und Titel machen neugierig und ja, vielleicht lag es gar nicht so wirklich in meiner engeren Auswahl, aber das hat sich geändert, und wie!

Wieder einmal wurde mir schmerzlich die Zersplitterung unserer Welt bewusst, deren einzelne Teile nichts voneinander zu wissen und noch weniger voneinander zu lernen scheinen […].

Düster und philosophisch, leicht und fesselnd. Ich bin mehr als positiv überrascht. Röckel hat mir hier ein kleines Highlight beschert, von dem ich unbedingt noch mehr lesen möchte.

Matthias Senkel: Dunkle Zahlen

Ein wenig Science und Anspruch sind immer die perfekten Mittel, um mich anzulocken. So auch hier, denn Titel und Inhaltsangabe machen neugierig.

Der Vorsitzende Sowakow rechte die Hand empor – schon teilte sich die Menge. Gemessen schritt er durch das Spalier nervöser Spartakiden.

Die Leseprobe selbst kann zwar so direkt noch kein eindeutiges Bild in Sachen gut oder schlecht liefern, allerdings möchte ich mehr über einzelne Details, Aspekte und die Beziehungen zwischen den auftauchenden Charakteren erfahren.

Stephan Thome: Gott der Barbaren

In der Vorstellungsrunde zur Longlist klang dieses Buch auf jeden Fall ganz interessant. Doch irgendwie springt der Funke nicht so ganz über.

Dunkel zeichneten sich die Umrisse der Schiffe vor dem sternklaren Himmel ab, und niemand außer ihm schien zu bemerken, wie das Meer anfing, geheimnisvoll zu leuchten.

Die Story mag interessant sein, allerdings kommt dies in dem kurzen Abschnitt, der uns hier geboten wird, nicht so ganz ans Licht. Vielleicht irre ich mich, aber ich denke, für mich ist das Buch als solches nichts.

Christina Viragh: Eine dieser Nächte

Die Idee ist wirklich genial und genau solche Bücher sind es, die immer mal wieder den Weg in mein Regal finden.

Schweigend bringen wir den Steigflug hinter uns. Sechstausend Meter, siebentausend Meter, unter uns Kanchanaburi, achttausend Meter, neuntausend Meter. Unter uns die Grenze zu Burma.

Es mag an der Tatsache liegen, dass die eigentlichen Erzählungen der Passagiere hier noch gar nicht richtig zum Zuge kommen, aber der erhoffte Funke war ein weniger schwächer als gedacht. Aber das muss ja nichts heißen. Interessant finde ich die Grundidee immer noch.


Manche der Leseproben haben mich begeistert, an andere kann ich mich schon jetzt, kaum 24 Stunden nach dem Lesen, nicht mehr richtig erinnern. Trotzdem stelle ich hier einmal meine eigene Top 6 zusammen und hoffe darauf, dass ein oder zwei dieser Bücher es auf die Shortlist schaffen:

  • Die Katze und der General
  • Die Gewitterschwimmerin
  • Der Vogelgott
  • Hier ist noch alles möglich
  • Lebt wohl, Ihr Genossen und Geliebten
  • Archipel

 

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