[Rezension] Daniele Bresciani: Ein Jahr wie dieses

ein jahr wie dieses

Die 14-jährige Viola musste ihren Vater tot in seinem Bett finden. Von diesem Moment an hat sie kein Wort mehr gesprochen, doch sie kann nicht aufhören, an das große Geheimnis zu denken, das ihr Vater mit ins Grab genommen hat. Mit einem zerfallenden Buch und einer alten Fotografie versucht das Mädchen die Lebensgeschichte ihres Vaters zu rekonstruieren. Gemeinsam mit ihrer Freundin Leslie taucht sie in das rauschende London der 1980er Jahre ein, in dem der junge Giacomo einst in eine große Liebesgeschichte verwickelt war. (Inhaltsangabe: Heyne Verlag)

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Daniele Bresciani arbeitet seit 1989 als Journalist und lebte in den frühen 90er Jahren in London. Derzeit ist er stellvertretender Leiter der Vanity Fair Italia und hegt eine Leidenschaft für antike Bücher. „Ein Jahr wie dieses“ ist sein erster Roman und erschien 2013 in Italien.

Die Grundidee von Brescianis „Ein Jahr wie dieses“ verspricht eine gefühlvolle und bewegende Geschichte voller Drama und Herzschmerz, in der eine Tochter versucht mehr über die Vergangenheit ihres verstorbenen Vaters herauszufinden.

Ich wünsche mir so, dass sie meine Fehler nicht wiederholt, und würde ihr auch deshalb gerne von dir erzählen, von uns und unserer Liebe und wie es geschehen kann, dass man eine solch große Liebe erlebt und sie dann doch verrät.
(Seite 260)

Bresciani bedient sich geschickt zweier Handlungsstränge. In der Gegenwart muss sich Viola zunächst gegenüber ihrem Stiefbruder behaupten, bis sie auf ein Internat gebracht wird. Doch auch dort hat es Viola nicht leicht und findet nur Zugang zu ihrer Zimmerpartnerin Leslie, die sich nicht an „der Stummen“ zu stören scheint.

Während dieses Internatsaufenthalts erfährt sie dank Briefen und Aufzeichnungen immer mehr vom Leben ihres Vaters, von dessen erster Liebe, die er nie vergessen hat. Gerade diese Kapitel machen den eigentlichen Pluspunkt des Romans aus und Giacomo läuft Viola recht schnell den Rang als Hauptperson ab.

Das mag daran liegen, dass Viola trotz aller Mühen des Autors immer recht farblos bleibt. Ja, der Tod ihres Vaters hat sie traumatisiert, jedoch blieben ihre inneren Beweggründe und Gedanken oft eher flach und nicht nachvollziehbar – und das obwohl Viola mit dem Leser auf eben jener gedanklichen Ebene kommuniziert, und nicht im Rahmen der wörtlichen Rede.

Die Tage verstreichen gleichförmig, für mich ist es immer noch ein Leben wie auf einem anderen Planeten ohne Jahreszeiten und immer künstlichem Licht. Die Tage verstreichen und ringsherum nichts als dunkle steile Bergwände.
(Seite 70)

Ein Jahr wie dieses“ könnte eine ganze Bandbreite an Emotionen abdecken, hat die Idee hinter dem Roman doch großes Potential. Leider gelingt es Bresciani nicht, die nötige Tiefe aufzubauen, die eine solche Geschichte unbedingt benötigt um restlos zu begeistern.

Alles in allem bleibt „Ein Jahr wie dieses“ von Anfang bis Ende eher oberflächlich. Ein guter Roman, der zwar nicht langweilig ist, dem aber das gewisse – emotionale – Etwas fehlt, und bei dem Viola der Rang als Hauptcharakter vom eigenen Vater abgelaufen wird. Schade. Man hätte so viel mehr aus dieser Geschichte machen können.

Ein Jahr wie dieses von Daniele Bresciani
Ti volevo dire
416 Seiten (Taschenbuch)
Verlag: Heyne
Erschienen: November 2015
ISBN: 978-3-453-41928-5

Ich bedanke mich ganz herzlich beim Heyne Verlag für das so freundlich zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

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