[Rezension] Teresa Monestiroli: Die Schokoladendamen

die schokoladendamen

„Ich benannte die Schokolade nach meinem mir kostbaren Kindermädchen Emilia, das mir geholfen hat, meine vier Kinder großzuziehen. Ohne sie und ohne all die anderen wunderbaren Frauen, die so viele Jahre mit mir gearbeitet haben, hätte ich es nie geschafft, die Fabrik über den Zweiten Weltkrieg hinaus zu bewahren und sie in so gutem Zustand meinen Söhnen zu vermachen.“
– Olga Zaini –

Olga Zaini und ihr Mann Luigi, Schokoladenfabrikant der gleichnamigen Firma in Mailand, führen ein erfolgreiches Leben und eine gute Ehe. Als Luigi 14 Jahre nach ihrer Hochzeit stirbt und Olga mit vier Kindern und einer Schokoladenfabrik zurücklässt, steht die junge Frau vor der Entscheidung ihres Lebens: Mutig wählt sie den schwierigeren Weg und wird zu einer der ersten Geschäftsfrauen des Landes. (Inhaltsangabe: Elisabeth Sandmann Verlag)

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Teresa Monestiroli studierte in Mailand Philosophie und ist inzwischen selbstständige Autorin, nachdem sie über zehn Jahre als freie Reporterin gearbeitet hat.

die schokoladendamen 1Im Ferienhaus ihrer Eltern nahe des Lago Maggiore lernte Olga Luigi Zaini kennen, seines Zeichens Gründer und Inhaber einer Schokoladenfabrik, die seit 1913 bestand. Noch bleibt es bei einer simplen Bekanntschaft, doch nach dem Tod seiner Frau heiratet er die über zwanzig Jahre jüngere Olga, die sich fortan um die beiden Kinder aus seiner ersten Ehe, Piero und Rosetta, sowie auch später um die gemeinsamen Kinder Vittorio und Luisa kümmert. Natürlich, wie bei den wohlhabenderen Familien üblich, unterstützt von Kindermädchen und Hauspersonal.

Olga Zaini ist noch nicht einmal vierzig Jahre alt als sie Witwe wird und sieht sich vor der immensen Aufgabe, dem Wunsch ihres verstorbenen Mannes folge zu leisten und das Unternehmen weiterzuführen, welches damals um die einhundert Mitarbeiter beschäftigte.

die schokoladendamen 2Für die damalige Zeit ist Olga eine mehr als fortschrittliche und moderne Frau. Sie besitzt ein Diplom als Buchhalterin, und trotz der Extravaganz und Ausgefallenheit mit der sie – vor allem aufgrund ihrer Garderobe – oft von sich reden machte besitzt sie unternehmerisches Fingerspitzengefühl, sowie die soziale Ader ihres Mannes.

Sie führt weiter, was ihr Mann begonnen hat, und unterstützt ihre Angestellten wo sie nur kann: bei der Wohnungssuche, bei der Übernahme von medizinischen Kosten und längeren krankheitsbedingten Ausfällen, und das alles sogar noch bis weit über die Dauer des Arbeitsverhältnisses hinaus.

Kein Wunder also, dass ihre Belegschaft Olga auch noch unterstützt und ihr zur Seite steht, als die Fabrik in den Wirren des Zweiten Weltkrieges fast vollständig zerstört wird. Es gelingt der Unternehmerin, die Schokoladenfabrik innerhalb von sechs Monaten wieder aufzubauen – unterstützt von den „Schokoladendamen“. Es sind letztendlich die Frauen, die in dieser Zeit das Unternehmen leiten und wieder zum laufen bekommen, während die Männer im Krieg kämpfen.

die schokoladendamen 3Die Schokolade der Familie Zaini ist in ganz Italien bekannt und beliebt, und war oft Vorreiter für heute bekannte Ideen im vielfältigen Reich der Schokolade, von der ersten Blockschokolade zum Backen – benannt nach Olgas Kindermädchen Emilia – bis hin zu Sammelbildern von berühmten Sportlern als Beigabe in den Packungen.

In „Die Schokoladendamen“ erzählt Teresa Monestiroli in einer einfachen, aber sehr kurzweiligen Art und Weise vom Leben der Olga Zaini, die in vielen Dingen ihrer Zeit weit voraus war. Die persönliche und auch glaubwürdige Note verleihen hierbei Briefe und Bilder aus dem Familienarchiv, sowie Erzählungen der beiden Enkel Antonella und Luigi, die Kinder von Olgas Sohn Vittorio, die heute das Mailänder Schokoladenunternehmen führen.

Olga Zaini war schön und mondän, aber auch eine couragierte und selbstständige Frau, die die Vision ihres Mannes fortführte und weiter ausbaute, und der es allen gesellschaftlichen Normen zum Trotz gelang, ein Unternehmen zunächst allein, und später mit der Hilfe ihrer Söhne, zu führen, und über eine gefährliche Zeit hinweg zu retten. Ein Beweis dafür, dass auch damals schon Frauen definitiv viel mehr können als nur hinter dem Herd stehen.

Die Schokoladendamen von Teresa Monestiroli
104 Seiten (Gebunden)
Übersetzung: Karin Schuler
Verlag: Elisabeth Sandmann
Erschienen: August 2015
ISBN: 978-3-945543-03-0

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2 Gedanken zu “[Rezension] Teresa Monestiroli: Die Schokoladendamen

  1. Vielen Dank für diesen Buchtipp. Der Titel ist direkt auf meine Wunschliste gewandert. Er passt perfekt zu meinem Blogschwerpunkt.

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