[Rezension] Alexi Zentner: Das Flüstern des Schnees

das flüstern des schneesFür ihn war der Wald nicht gut oder böse. Für ihn war der Zauber teil der Wirklichkeit, keine Gunst oder Strafe, und er wusste, das Einzige, worauf er zählen konnte, war er selbst. (S.236)

Es ist die klirrende Kälte, die das Glas des Schulhausthermometers zerbersten lässt. Die den reißenden Fluss mit Eis überzieht, so dass, was darin verloren ging, wie unter einer milchigen Scheibe verborgen bleibt. Die das gesamte Dorf monatelang unter einer undurchdringlichen Haube aus Schnee begräbt.

Dreißig Jahre nachdem sein Großvater wieder nach Sawgamet kam, um seine geliebte, aber lange verstorbene Frau ins Leben zurückzuholen, ist auch Stephen heimgekehrt. An diesem magischen Ort, wo die Geheimnisse der Einwohner weitergeflüstert werden, bis sie zu märchenhaften Erinnerungen gefrieren. Wo sich das Leben zu Geschichten verdichtet, und Geschichten auf einmal lebendig werden. Und wo sich nun auch Stephen der Mahnung des Großvaters stellen muss, dass wir nur die eine Wahl haben: entweder wir lieben, und zwar ganz und gar – oder uns bleibt nur der Tod.
(Inhaltsangabe: Randomhouse.de)

~oOo~

Alexi Zentner hat bereits einige Kurzgeschichten veröffentlicht, doch bei „Das Flüstern des Schnees“ handelt es sich um den ersten Roman des in Amerika lebenden Kanadiers, der unter dem Titel „Touch“ im Jahr 2011 auf den Markt gebracht wurde.

Das Flüstern des Schnees“ ist der Winter in Form des geschriebenen Wortes. Klirrende Kälte und sanfte Flocken sind auf jeder Seite zu finden, zwischen den Zeilen, in jedem Satz, in jeder einzelnen Silbe. Zentners Roman ist Magie, ist Winterkälte in all ihren Facetten.

Zentner schafft Atmosphäre. Ein verschneites Dörfchen, das zusammen mit seinen Bewohnern alljährlich für mehrere Monate im Weiß versinkt. Ein Dorf, in der Goldgräberzeit erst wirklich zum Leben erwacht und das inzwischen nur dank der Holzfällerei überhaupt noch bestehen kann.

Geschickt wird hier eine Geschichte über mehrere Generationen gewoben – der Sohn bzw. Enkel , Stephen, erzählt die Geschichte des Vaters und Großvaters und wächst dem Leser als Hauptstimme des Buches sehr schnell ans Herz. Doch die anderen Charaktere, sein Vater und Großvater sowie zahlreiche Nebencharaktere bleiben oft auf Distanz, als ob eine dünne Wand aus Eis Leser und Figuren voneinander fernhalten möchte.

Die Mystik des Handlungsortes ist allgegenwärtig, tatsächliche Magie scheint ihren Weg in die tiefsten Wälder Kanadas gefunden zu haben. Magisch ist auch Zentners Schreibstil. Voller Details und Facetten zeichnet Zentner ein Bild anhand von wirklich wundervollen Beschreibungen. Einfühlsame und warme Worte, weich wie eine Neuschneedecke, wechseln sich ab mit eisiger Härte.

Aber wie es so ist mit den Winterthemen, bin ich mit dem Roman nicht hundertprozentig warm geworden. Dies lag vor allem an den Charakteren und den manchmal etwas zu verwirrenden Zeitsprüngen, die den Fluss der Geschichte doch mehr unterbrochen haben als zur Faszination des Romans beizutragen.

Das Flüstern des Schnees“ ist ein geheimnisvoller, mystischer Winterroman in dem sich Leben, Tod und die allgegenwärtige Liebe zusammenfinden. Zentners wundervoller Schreibstil sollte auf jeden Fall dazu beitragen dem Roman seine Aufmerksamkeit zu schenken, kann jedoch nicht über die kleinen Schwächen hinwegtäuschen.

bewertung 3 sterne

Das Flüstern des Schnees von Alexi Zentner
Touch
Übersetzung: Werner Löcher-Lawrence
288 Seiten (Hardcover)
Verlag: btb
Erschienen: Oktober 2013
ISBN: 978-3-442-75289-8

Vielen herzlichen Dank an den btb Verlag für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s