[Rezension] April Genevieve Tucholke: Between the Devil and the Deep Blue Sea

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„You stop fearing the devil when you’re holding his hand.“

Echo ist ein verschlafenes kleines Küstenstädtchen, in dem nicht viel aufregendes passiert. Gemeinsam mit ihrem Bruder Luke lebt Violet White im Citizen, dem Familienanwesen ihrer Großmutter Freddie, das sich auf einer Klippe direkt am Wasser befindet.

Doch dann tritt River West in das Leben der Zwillinge, und mietet sich im Gästehaus des langsam verfallenden Anwesens ein. Und mit seiner Ankunft ereignet sich auf einmal Sonderbares. Ein vom Teufel entführtes Kind, Hexenjagd und Mord…

Ist River einfach nur ein Lügner mit einem schiefen Lächeln, oder steckt mehr dahinter? Schließlich hat Freddie Violet schon immer vor dem Teufel gewarnt. Doch würde der Teufel tatsächlich in der Gestalt eines etwas seltsamen doch eigentlich ganz normalen Jungen auftauchen?

Während in Echo der Teufel am Werk zu sein scheint, verfällt Violet immer mehr Rivers Charme. Und verhält sich ganz so wie River es geplant hat…

~oOo~

Between the Devil and the Deep Blue Sea“ ist ein im Jahr 2013 erschienener Roman und das Debüt der amerikanischen Autorin April Genevieve Tucholke, dessen Fortsetzung unter dem Titel „Between the Spark and the Burn“ erscheint.

Stürmische See, Mondschein, Dunkelheit, zwei Menschen die sich am Rande einer steilen Klippe an den Händen halten. Die Atmosphäre, welche das Cover ausstrahlt, war es, die mich überhaupt erst auf das Buch aufmerksam gemacht hat. Versprochen wird eine Gothic-Horror-Romanze, doch besonders der angepriesene Gruselfaktor waren ausschlaggebend für mich, einen Blick in das Buch zu werfen. Und zumindest einen Teil seiner Versprechens erfüllt „Between the Devil and the Deep Blue Sea„.

I prayed to Freddie about my parents being gone. And about the money running out. And being so lonely sometimes that the damn sea wind howling through my window felt closer to me than the brother I had upstairs. And I prayed to Freddie about the Devil. I asked her to keep my hand out of his. I asked her to keep me safe from evil. But, for all my praying, the Devil still found me.

Zu Beginn präsentiert sich Tucholkes Roman in einem mysteriösen, teilweise dezent gruseligem Gewand. Dies liegt aber vor allem daran, dass sich die Autorin hier klassischer Elemente bedient, die sich in so vielen Gruselromanen und Horrorfilmen finden: alte, langsam verfallende Herrenhäuser, die tosende See, grausame Legenden, Gerede vom Teufel, dazu als Handlungsort eine Kleinstadt in der jeder jeden kennt und in der kaum etwas aufregendes geschieht.

Violet White, aus deren Perspektive die Geschichte erzählt wird, war mir zunächst ganz sympathisch. Sie liest – definitiv ein großer Pluspunkt – und ist ein wenig verschroben. So zieht sie zum Beispiel gerne die alten Kleider ihrer Großmutter an. Das mag seltsam klingen, aber irgendwie passt es zu ihr. Wo Violet ruhig und unerfahren ist, tritt ihr Bruder Luke als Womanizer auf, dessen einziges Interesse sein gestählter Oberkörper und Mädchen sind. Doch wie es immer so ist bei solchen Roman: Nichts ist wie es auf den ersten Blick scheint.

My habit of reading more than I socialised made me use odd, awkward words without thinking.

Während ihre Eltern – beides Künstler – auf einer Europareise sind, geht Violet und ihrem Bruder langsam aber sicher das Geld aus. Immerhin wird erwähnt, dass es theoretisch ein kleines bisschen illegal ist wenn zwei Siebzehnjährige ganz allein auf sich gestellt sind. Das war es aber auch schon, denn an sich interessiert sich niemand so wirklich für das Schicksal der Geschwister White.

River West, Retter in der Not sozusagen, ist ein unglaublich von sich selbst überzeugter Kerl, der auf keine Frage eine wahre Antwort geben kann, und Violet von Anfang an belügt. Natürlich hat er seine Gründe, aber was mich in den Wahnsinn getrieben hat war und ist Violets unfassbare Naivität. River ist der Erste, den sie überhaupt jemals richtig geküsst hat, und, um die versprochene Romanze einzuleiten, in den sie sich Hals über Kopf verliebt. Und obwohl sie an ihm zu zweifeln beginnt, und sich sogar eingesteht dass sie ihn hasst und er ein Lügner ist, lässt sie ihn immer noch bei sich wohnen und erlaubt ihm, sich mehr und mehr in ihr Leben einzumischen.

I smiled, and then laughed. River backed you into a corner and crooked-smiled at you, until you felt too stupid to keep asking him things. And then he acted like it all mattered less than nothing, and so you started to think so too.

Wo sich Violet und River als unsympathische Hauptcharaktere erweisen, könnte man meinen es finden sich ein oder zwei Nebencharaktere, die das Herz des Lesers, oder, in diesem Fall mein Herz, erobern. Doch leider ist dem nicht so. Gut, in Sachen Luke lässt sich streiten, und an sich ist mir Violets Bruder tatsächlich noch der liebste Charakter. Violets beste Freundin und Nachbarin allerdings, die den „wundervollen“ Namen Sunshine trägt, ist fast schon eine Zumutung. Sie ist sich „ihrer Rundungen bewusst“ und macht alles an, das nicht bei drei auf dem Baum ist. Zwar sind einige gute Ansätze vorhanden, allerdings nicht genug um bei mir ein Sympathieverhältnis aufzubauen.

Handlungstechnisch wirkt das gesamte Buch eher episodenhaft. Der Anfang, in dem das Haus beschrieben wird, sowie das Ende, sind atmosphärisch und bieten zumindest ein wenig des versprochenen Grusels. Dank Tucholkes sehr flüssigen Schreibstil liest sich „Between the Devil and the Deep Blue Sea“ sehr schnell, wenn man denn über die Schwächen bei der Charakterentwicklung und einige fast schon an Twilight erinnernde Momente hinwegsieht. Nebenbei entfaltet sich auch noch eine „höchst verworrene“ Familiengeschichte, deren Ausgang aber viel zu vorhersehbar ist.

Between the Devil and the Deep Blue Sea“ verspricht Grusel, bietet aber eher eine supernaturale Lovestory, in der eine liebeskranke Siebzehnjährige und ein Lügner mit schiefem Lächeln die Hauptrolle spielen. Ein paar Horrorelemente hätten dem Buch wirklich gut getan. Nichtsdestotrotz unterhält die Geschichte, was vor allem an Tucholkes Art zu Schreiben liegt. Ob ich allerdings die Fortsetzung lesen möchte, ist fraglich.

bewertung 3 sterne

Between the Devil and the Deep Blue Sea von April Genevieve Tucholke
368 Seiten (Paperback)
Verlag: Faber & Faber
Erschienen: April 2014 (Erst-VÖ August 2013)
ISBN: 978 – 0571307906

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