[Rezension] Allen Zadoff: Boy Nobody (dt. Boy Nobody)

boy nobodyEr ist der ewige Neue in der Schule, jemand den nur wenige bemerken und über den kaum jemand nachdenkt. Er taucht an einer neuen Schule auf, in einer neuen Stadt, unter einem falschen Namen, schließt neue Freundschaften und bleibt nie lange an einem Ort. Nur lange genug bis jemand in der Familie seiner neuen Freunde plötzlich stirbt und er seinen Auftrag erfüllt hat. Er verschwindet und wartet auf eine neue Mission, ein neues Ziel.

Diese führt in nach New York. Und doch, sein neuer Auftrag erscheint nahezu unmöglich erfüllbar. In 5 Tagen soll er sein neues Ziel ausschalten: Den Bürgermeister der Stadt. An ihn versucht er über Sam, seine Tochter, heranzukommen. Doch diese Mission verläuft anders als erwartet. Während ihn Erinnerungen an seine Vergangenheit heimsuchen muss Boy Nobody sich entscheiden. Soll er seinen Auftrag erfüllen oder gegen The Program, die Organisation für die er seit Jahren arbeitet, rebellieren und damit sein Leben riskieren?

Boy Nobody“ ist ein Jugendroman aus der Feder von Allen Zadoff, der im Mai 2013 auf Englisch erschien und nun auch ab September 2013 auf dem deutschen Buchmarkt erhältlich ist. Gleichzeitig handelt es sich hier um den Auftakt einer Reihe.

Ein Jugendbuchthriller für Fans von James Patterson und Robert Muchamore. Ein Buch, das laut einigen Reviews eine Mischung aus Jason Bourne und James Bond verspricht. Und ein Buch, dessen Gestaltung ins Auge sticht: auffällige bunte Schrift auf einem sonst eher in dunklen, eintönigen Farben gehaltenen Cover, dazu der zumindest in der Taschenbuchausgabe von Orchard Books vorhandene orangefarbene Buchschnitt. „Boy Nobody“ macht zumindest optisch etwas her, und die Lobpreisungen versprechen viel. Leider in meinen Augen zu viel.

That’s my specialty. People die around me, but it never seems like my fault. It seems like bad luck following good.

Boy Nobody ist 16 Jahre alt. Ein Junge der seit seinem 11. Lebensjahr von The Program trainiert und ausgebildet wurde um als eine neue Art von Auftragskiller zu fungieren. Ein Junge, der sich kaum mehr an seine Eltern erinnern kann, und das zunächst auch nicht will. Doch sein neuer Auftrag lassen die Erinnerungen an seine Vergangenheit immer mehr an die Oberfläche treten, und geben gleichzeitig dem Leser Einblick in die Geschichte des Helden, in das wie und warum er zu dem geworden ist der er nun ist.

My life is one continual assignment. I move from world to world as I’ve been trained to do, leaving nothing but bodies behind me.

Doch obwohl zunächst das Bild des gefühllosen Auftragskillers mit allen Mittel gezeichnet wird, ist schnell klar dass sich das über kurz oder lang ändern wird. Denn unser Titelheld ist das perfekte Modell einer herzlosen Killermaschine, die plötzlich sein gesamtes Leben zu hinterfragen beginnt, als er auf sein neues Ziel trifft: Bürgermeister Jonathan Goldberg und seine Tochter Samara, kurz Sam.

Sam ist, wie unser namenloser Held, 16 Jahre alt und die ungekrönte Königin an ihrer Privatschule. Sie ist leidenschaftlich, intelligent, hat eine gehörige Portion an emotionalem Ballast mit sich herumzutragen und scheint ein Lügendetektor auf zwei Beinen zu sein. Und ist die Eintrittskarte für Nobody in die Welt des Bürgermeisters und seine einzige Möglichkeit nah genug an sein Opfer heranzukommen. Doch alles läuft so viel anderes als geplant. Denn nicht nur erinnert ihn der Bürgermeister an seinen eigenen Vater, Sam als Person bewegt etwas in seinem Herzen.

„If you don’t know what you want, how can you know who you are?“ – „I guess you can make your best choice given your circumstances, and then you live with it.“

An sich ist die Grundidee hinter der Geschichte um „Boy Nobody“ gar nicht so schlecht. Unser Titelheld wurde von The Program darauf konditioniert seinen Befehlen zu folgen, ohne Fragen zu stellen. Wie einfach es ist, ein junges Kind einer nahezu perfekten Gehirnwäsche zu unterziehen zeigt sich an den Namen, mit denen Boy Nobody die Frau, die ihn ausgebildet hat und den Mann, von dem er seine Aufträge erhält, anspricht: Mutter und Vater.

Seine Aufträge erhält er durch versteckte Links und Hinweise in E-Mails, durch falsche Facebook-Profile, die Größe von Bilddateien verrät ihm das Zeitfenster zu einer jeden Mission, über Smartphoneapps und spezielle Software kann er mit The Program kommunizieren. Dies ist eine der Ideen die ich persönlich sehr ansprechend fand, und die ein etwas anderes Licht auf die moderne Technik, Social Media und Co. wirft. Allerdings muss man sich diese Gedanken dann doch selbst machen, denn in die Tiefe geht der Autor in seinem Buch kaum.

Hier enthüllt sich auch das größte Manko des Buches. Allen Zadoff bedient sich hier sehr kurzen Kapiteln, noch kürzeren Sätzen und lässt Boy Nobody als Erzähler zu fungieren. Die eigentliche Verlauf der Handlung wird immer wieder von kleineren Rückblicken unterbrochen, was wohl in erster Linie die Spannung aufrecht erhalten soll und zum zweiten dazu dient dem Hauptcharakter mehr Tiefe und Persönlichkeit zu verleihen. Dies gelingt dem Autor leider nicht. Boy Nobody bleibt eintönig und flach, seine Beweggründe sind nicht wirklich nachvollziehbar. Alles in allem hält die gesamte Handlung keine Überraschungen bereit. Von Anfang an ist klar, worauf es am Ende hinauslaufen wird, und selbst die Wendung kurz vorm Ende des Buches ändert daran nichts.

Grief. This is what it does to people. It makes  them strangers to themselves.

Boy Nobody“ will viel, kommt seinem Ziel aber nicht nahe genug um tatsächlich zu begeistern und den Leser zu fesseln. Die Charaktere erfüllen die ihnen vorgesehenen Rollen, lassen aber Tiefe und Persönlichkeit vermissen, und auch die Handlung ist vorhersehbar und hält keine Überraschungen bereit. Die Grundidee ist interessant, aber rettet das Buch letztendlich auch nicht mehr, denn vor allem Allen Zadoffs sehr abgehackter Schreibstil trägt dazu bei den Leser auf Distanz zu halten statt ihn mitfiebern und vor Begeisterung explodieren zu lassen. Ein Buch, das viel verspricht, aber am Ende eher enttäuscht.

bewertung 2 sterneBoy Nobody von Allen Zadoff
347 Seiten (Taschenbuch)
boy nobody dtVerlag: Orchard Books
Erschienen: Mai 2013
ISBN: 978-1408327609
ca. 8 €

(Die deutsche Ausgabe erscheint unter dem Titel „Boy Nobody“ bei bloomoon, ISBN 978-3845800059, 16,99 €)

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