[Rezension] Marissa Meyer: Cinder – Lunar Chronicles 1 (dt. Wie Monde so silbern)

cinderCinder lebt zusammen mit ihrer Stiefmutter und ihren beiden Stiefschwestern in New Beijing. Zwischen Menschen und Androiden geht Cinder ihrer Arbeit als eine der besten Mechanikerinnen der Stadt nach und erwirtschaftet damit den Lebensunterhalt für ihre „Familie“, wird jedoch keinesfalls von allen akzeptiert. Denn Cinder ist ein Cyborg und gilt damit bei vielen nicht einmal als vollwertiger Mensch. Einzig ihre jüngere Stiefschwester Peony scheint sich nicht an Cinders metallener Hand und Bein zu stören.

Doch dann erkrankt Peony an Letumosis, einer unheilbaren und hochansteckenden Krankheit und Cinder befindet sich plötzlich im Zentrum der wissenschaftlichen Forschung nach einem Gegenmittel wieder – als freiwillige Testperson.

Und dann ist da natürlich noch Prinz Kai, der zukünftige Thronerbe von New Beijing, der einen seiner Androiden in Cinders Obhut gegeben hat und dem jungen Mädchen auch so häufiger über den Weg zu laufen scheint.

Schon bald findet sich Cinder in einem wahren Wirbelwind wieder, der ihr gesamtes bisheriges Leben gehörig durcheinander bringt.

Cinder“ ist nicht nur der erste Teil einer auf bisher 4 Bände ausgelegten Reihe „Lunar Chronicles„, sondern auch der Debütroman der amerikanischen Autorin Marissa Meyer. Die deutsche Ausgabe des Buches erscheint Ende 2013 unter dem Titel „Wie Monde so silbern“ bei Carlsen.

Cinder“ hat mich von der ersten Seite an sofort in seinen Bann gezogen. Normalerweise stehe ich Neuadaptionen von klassischen Märchen teilweise doch eher skeptisch gegenüber, denn oftmals geht ein solches Vorhaben nach hinten los, aber allein schon die Tatsache dass es sich bei Cinder um einen Cyborg handelt hat in diesem Fall mein Interesse geweckt. Der restliche Plot tat dann sein Übliches.

Mit Cinder stellt uns Marissa Meyer eine durch und durch sympathische Protagonistin zur Seite, ihres Zeichens Cyborg. Ihr Körper ist mit Kabeln durchzogen, einige Gliedmaßen bestehen aus Metall, eine Software läuft im Einklang mit ihrem restlichen Denken. Cinder kann weder Tränen vergießen noch erröten, besitzt jedoch einen eingebauten Lügendetektor und kann sich mit dem Nachrichten- und Informationsnetzwerk New Beijings verbinden. Sie ist weder komplett menschlich noch ein reiner Androide, und genau diesen Status als „Mensch zweiter Klasse“ bekommt sie tagtäglich zu spüren. Zumindest seitens derer die wissen, dass es sich bei der überaus talentierten Mechanikerin um einen Cyborg handelt, denn normalerweise ist Cinder sehr darauf bedacht, ihre metallenen Körperteile bestmöglichst zu verbergen.

Auf den ersten Blick scheint Cinder eine gewisse Freiheit zu genießen, schließlich ist es ihr erlaubt als Mechanikerin Geld zu verdienen. Doch dieser erste positive Eindruck verflüchtigt sich schon nach sehr kurzer Zeit. Denn Cinder gehört ihrer Stiefmutter Adri, die als Cinders Erziehungsberechtigte fungiert und das Mädchen arbeiten lässt, um den Lebensunterhalt aller zu finanzieren. Inklusive teurer Ballkleider, versteht sich.

Hier versteckt sich auch eine deutliche Gemeinsamkeit zum eigentlichen Märchen, das als Vorlage für Cinder dient. Ganz traditionell in eine typische Aschenputtelthematik verpackt ist Cinder das Mädchen für alles, und kann sich doch selbst nichts von ihrem hart verdienten Geld gönnen. Wenn man denn von einem neuen Fuß absieht.

Geschickt verwebt Meyer die klassischen Elemente des Aschenputtel-Märchens mit ihrer eigenen, modernen Welt und Geschichte. So ist auch hier ein Ball das große Thema für Adri und ihre beiden Töchter. Ein Ball, zu dem Cinder nicht gehen darf, und eigentlich auch nicht möchte. Bis sie Prinz Kai kennenlernt.

Kai, eigentlich Kaito, ist der Prinz und zukünftige Herrscher von New Beijing und dem Eastern Commonwealth. Er ist charmant und trotz seiner Stellung keinesfalls eingebildet oder gar egoistisch. Der Mädchenschwarm sucht verzweifelt nach einem Heilmittel für die Letumosis-Krankheit, die ihm bereits die Mutter nahm und nun den Vater befallen hat. Nebenbei versucht er eine Möglichkeit zu finden, einer Allianz mit Königin Levana von Luna aus dem Weg zu gehen.

Meyer gelingt es, ihre Charaktere ungemein glaubhaft darzustellen, und ihnen Leben und Persönlichkeit einzuhauchen. Die Gespräche und amüsanten Wortgefechte zwischen Cinder und Kai haben mich mehr als nur einmal breit lächeln lassen, und ganz besonders positiv sticht hervor, dass es sich hier nicht um die typische Liebe auf den ersten Blick handelt, die so vielen Young Adult Romanen heutzutage zu Grunde liegt. Im Gegenteil. Die beiden Hauptpersonen mögen sich, Kai flirtet und Cinder findet ihn interessant, aber sie verlieben sich nicht Hals über Kopf. Ein absolutes Plus.

Und auch die Nebencharaktere können sich sehen lassen. Zum einen wäre da die mysteriöse Königin Levana, eine grausame Frau mit geheimnisvollen Kräften, die es ihr ermöglichen die Wahrnehmung Anderer zu kontrollieren. Zum anderen Dr. Erland, der im Auftrag des Prinzen nach einem Letumosis-Gegenmittel forscht. Bei beiden handelt es sich um interessante Charaktere mit Potential, deren Geschichte nach und nach enthüllt wird. Unsterblich verliebt habe ich mich ebenfalls in Cinders Androiden Iko, ein kleines, freches Maschinchen mit einer Schwäche für schöne Dinge und einer ganz außergewöhnlichen Persönlichkeit.

Einzig Cinders Familie, Adri, Peony und Pearl, bleiben ein wenig auf der Strecke und zeigen kaum mehr Facetten als man von Stiefmutter und -schwesterm Aschenputtels erwarten würde. So ist Adri grausam und ungerecht zu Cinder, gleichzeitg weiß sie aber dass sie ohne die Arbeit ihrer Ziehtochter kaum ihr Leben finanzieren könnte und bemüht sich, das Mädchen stets zu kontrollieren. Die beiden Schwestern kopieren das Verhalten der Mutter, einzig Peony empfindet für Cinder schwesterliche Zuneigung und Freundschaft.

Meyer fesselt, nicht nur mit ihren wunderbaren Charakteren, sondern auch mit ihrem Schreibstil. Flott und frech haucht sie ihrer Welt leben ein, und begeistert den Leser auf jeder Seite mehr und mehr. Ihre unkomplizierte Erzählweise macht es leicht der Geschichte zu folgen, die Seiten fliegen nur so dahin.

Die von Meyer geschaffene Welt ist voll technisiert, jedoch auch gezeichnet. Nach vier Weltkriegen ist die Angst vor einem erneuten Konflikt groß, und erklärt das Verlangen der Erdbevölkerung alles zu tun um den Frieden mit Luna zu halten. Koste es was es wolle. Doch nicht nur die Angst vor einem Krieg mit den Lunar beschäftigt die Menschen, denn die Krankheit Letumosis stellt eine Bedrohung dar, gegen die niemand etwas tun kann. Ein Virus, unsichtbar und tödlich, der jeden erschaudern lässt und Familien auseinander reißt. Es ist nur verständlich, dass bei der Suche nach einem Heilmittel alle Register gezogen werden, und mehr oder minder Freiwillige zu Versuchskaninchen mutieren.

Trotz allem gab es ein paar Kleinigkeiten, die mich gestört haben. Zum einen die etwas farblos bleibenden Familienmitglieder Cinders. Zum anderen die Tatsache, dass ich bereits nach wenigen gelesenen Seiten ahnte, worauf es bei dieser Geschichte wohl hinauslaufen wird, und es der Autorin nicht gelungen ist, mich am Ende doch noch komplett zu überraschen. Und Cinder, so wundervoll sie als Charakter war und ist, erwieß sich in einigen Situation als etwas langsam und schwer von Begriff. Aber diese kleinen Beanstandungen sind minimal und mindern das Lesevergnügen keineswegs.

Cinder“ begeistert mit einer tollen Ideen und ganz wunderbaren Charakteren. Eine Geschichte voller Humor, Spannung, Gefahr und Intrigen, voller Hoffnung, Verzweiflung und Verrat. Eine Geschichte die von der ersten Seite an fesselt und nicht mehr los lässt. Eine Geschichte, die auch ohne dominante Lovestory funktioniert. Frisch, anderes und definitiv zu empfehlen.

bewertung 4 sterne

wie monde so silbernCinder: Lunar Chronicles 1 von Marissa Meyer
400 Seiten (Broschiert)
Verlag: Puffin
Erschienen: Januar 2012
ISBN: 978-0141340135
ca. 7,50 €

(dt. Ausgabe 18,99 €, Hardcover, ISBN 978-3-551-58286-7, Dez 2013)

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2 Gedanken zu “[Rezension] Marissa Meyer: Cinder – Lunar Chronicles 1 (dt. Wie Monde so silbern)

  1. Hihi,

    uiii, es schneit ja auf deinem Blog! 🙂

    Ich kann dir bei deiner Rezi eigentlich nur zustimmen. Klar, die Geschichte ist etwas vorhersehbar, aber das sind Märchen auch und ich liebe sie trotzdem. Und ein paar Charaktere sind ein bisschen ungenau und schwarz/weiß. Aber das schiebe ich einfach auf Aschenputtel-Relikte.
    Ansonsten war ich auch einfach nur begeistert von der Mischung aus Märchen und Zukunft/ Cyborg. Von mir gibts definitiv ebenfalls eine Leseempfehlung, ich war genauso gefesselt von dem Buch.

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