[Rezension] L. Marie Adeline: S.E.C.R.E.T.

secretCassie Robichaud lebt in New Orleans und arbeitet als Kellnerin im Café Rose. Seit dem Tod ihres Mannes hat sich Cassie nicht mehr für andere Männer interessiert, und ihr Leben scheint nur aus ihrer Arbeit und einsamen Nächten in ihrem kleinen Apartement zu bestehen. Und dem Beobachten der Cafégäste, wobei sie vor allem verliebte Paare insgeheim beneidet.

Als eine Kundin ein Notizbuch im Cafè zurücklässt ahnt Cassie nicht, dass dies der Beginn eines neuen Lebensabschnittes ist. Das Buch, voll von erotischen Fantasien und Erlebnissen, die in einer für Cassie schockierenden Präzession und Genauigkeit verfasst sind, führen sie zu S.E.C.R.E.T., einer im verborgenen agierenden Organisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Frauen zu helfen ihre geheimsten, wildesten Fantasien auszuleben und ihre Sexualität auf ein neues, höheres Level zu heben.

Als Teilnehmerin des S.E.C.R.E.T.-Programmes findet sich Cassie bald auf einer Reise wieder, die ihr die Türen zu ihren geheimsten Fantasien öffnet; eine Reise, die Cassie’s Leben und sie selbst bald schon von Grund auf verändert.

No judgements. No limits. No shame.

Bei „S.E.C.R.E.T.“ handelt es sich um einen erotischen Roman aus der Feder der kanadischen Autorin L. Marie Adeline, der im Februar 2013 erscheint.

Erotische Romane schießen aktuell wie Unkraut aus dem Boden und finden ihren Weg in die Bestsellerlisten. Früher im geheimen und verborgenen gelesen, wird dieses Genre seit dem Medienrummel um „Fifty Shades of Grey“ gesellschaftstauglich. Was das nun über die Qualität aussagt, sei dahingestellt.

In „S.E.C.R.E.T.“ treffen wir auf Cassie Robichaud, 35, Witwe, Kellnerin, Single und hatte vor 5 Jahren zum letzten Mal Sex. An sich ist Cassie ein angenehmer und im Großen und Ganzen auch glaubwürdiger Charakter. Sie heiratete ihre Highschoolliebe, zog mit ihm nach New Orleans, fand Arbeit und war eigentlich glücklich. Bis ihr Mann anfing zu trinken. Von Cassie’s Vergangenheit erfährt der Leser in mehreren kleinen Schritten, und auf diese Weise gelingt es der Autorin, ihrer Protagonistin Leben einzuhauchen. Denn genauso seltsam wie Cassie’s Alltagsleben, bei dem ein Kinobesuch schon als Großereignis zählt, auch klingen mag, so wahrscheinlich und realistisch ist es auch.

Der Tod ihres Mannes befreit sie zwar in gewisser Weise, aber nachdem Cassie ihr gesamtes Leben nur einem Mann gewidmet hat, fehlt es ihr an Mut und Selbstvertrauen, sich auf eine neue Beziehung oder ein Abenteuer einzulassen. Sie hält sich für unscheinbar, wenig beachtenswert und erst recht nicht begehrenswert, und zeigt das auch in einigen Aspekten. Selbst die Einladung auf ein Date von ihrem Chef Will lehnt sie ab, obwohl dieser deutliches Interesse an ihr zeigt.

Nachdem Cassie von S.E.C.R.E.T. erfährt ändert sich ihr Leben vollständig. Man fühlt, dass Cassie’s Selbstvertrauen, Selbstbild und Selbstwertgefühl sich verändern, und in diesem Fall glaubt man es auch. Die Autorin schafft es, vor allem da sich Cassie’s durchlebte Fantasien auf fast ein Jahr erstrecken, die „Transformation“ die die junge Witwe erlebt, nachvollziehbar darzustellen, denn man behält während des Lesen den zeitlichen Aspekt stehts im Hinterkopf.

Eben jene erotischen Episoden und Fantasien waren für mich eine Überraschungen. Nicht aufgrund ihrer Orginalität, denn auch hier wird letztendlich nur das S.E.C.R.E.T.-Standardprogramm in unterschiedlichen Variationen geboten, sondern aufgrund der Art und Weise wie Adeline eben jene Szenen beschreibt. Es gelingt ihr ohne die fast schon vulgäre Wortwahl auszukommen, die einem zum Beispiel in Sylvia Day’s „Crossfire„-Reihe begegnet. Dem Leser ist völlig klar, was gerade vonstatten geht, wird aber nicht anhand gewisser Formulierungen sofort wieder abgeschreckt.

Das mag nun alles recht positiv klingen, aber es zeigten sich auch Kritikpunkte auf. Die Idee einer geheimen Organisation die Frauen helfen will, die das Vertrauen in ihre sexuelle Energie und Anziehungskraft verloren haben, mag interessant sein, ist aber ein bisschen zu viel, vor allem wenn man die Art und Weise sieht, wie sich S.E.C.R.E.T. im Buch präsentiert. Die erotischen Abenteuer, die Cassie durchlebt, sind zwar schön formuliert und angenehm zu lesen, aber nach der dritten Episode verschwindet die Spannung und Faszination etwas, denn leider wirken die erotischen Abenteuer schon bald eher wie das Abarbeiten einer Strichliste: Cassie wird an einen Ort/in eine Situation geschickt, ein fremder Mann taucht auf der sie fragt ob sie diesen Schritt akzeptiert, er befriedigt sie oder sie haben Sex. Einzig das „Wo“ varriert immer wieder etwas.Und obwohl ich immer wieder gerne gelesen habe, was die einzelnen Abenteuer in Cassie verändern, wirkten diese Stellen schon bald wie Lückenfüller zwischen den erotischen Episoden.

Ganz besonders gegen Ende übertreibt es die Autorin doch etwas. Die Schwärmerei für einen Millionär scheint ja schon zum Pflichtteil zu gehören, muss aber in meinen Augen nicht immer sein, und die Burlesque-Szene war zuviel des Guten, und wurde nur noch von den Ereignissen auf den letzten Seiten getoppt. Dramatisch, aber eben einfach zu viel.

S.E.C.R.E.T.“ ist flüssig und angenehm geschrieben und ein nettes Buch für zwischendurch, bei dem der Leser einfach abschalten und genießen kann – wenn man denn über die kleinen Schönheitsfehler und die bald schon einkehrende Eintönigkeit hinwegsehen kann. Ein erotischer Roman mit einer glaubwürdigen Protagonisten mit Persönlichkeit, und definitiv einen Blick wert wenn man sich für dieses Genre erwärmen kann.

bewertung 3 sterne

S.E.C.R.E.T. von L. Marie Adeline
288 Seiten
Verlag: Transworld
Erschienen: 14. Februar 2013
ISBN: 978-0385346443
ca. 6 € (eBook)

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