[Rezension] Nick Cave: The Death of Bunny Munro (dt. Der Tod des Bunny Munro)

the death of bunny munroBunny Munro verkauft Schönheitsprodukte und den kleinen Traum von Hoffnung an einsame Hausfrauen. Doch der plötzliche Tod seiner Frau Libby bringt den Weiberhelden völlig aus dem Konzept. Geplagt von Erinnerungen und dem Verdacht sein Gefühl für die Realität zu verlieren, begibt sich Bunny auf einen seltsamen Roadtrip entlang der Südküste Englands – mit seinem Sohn im Gepäck.

Während Bunny versucht seine Waren und sich selbst „an die Frau“ zu bringen, wartet sein neunjähriger Sohn Bunny Junior geduldig im gelben Punto, dessen Enzyklopädie der einzige Freund und Begleiter nach dem plötzlichen Tod seiner Mutter ist.

Altersschwache Väter, rachsüchtige Geliebte, eifersüchtige Ehemänner und die Geister seiner Vergangenheit lassen Bunny nicht los. Und schon bald muss er einsehen, dass er über kurz oder lang seinen Preis zahlen muss.

„[…] the Munro home seems peaceful – no phantoms or ghosts, no clanking of chains, no voices calling from beyond the grave – just a father and his son sleeping, the night hushed and respectful, in a manner fitting a man who will quite soon be dead.“

The Death of Bunny Munro“ ist der zweite Roman des Musikers Nick Cave, und feierte sein Debüt im September 2009. Die deutsche Ausgabe erschien unter dem Titel „Der Tod des Bunny Munro“ 2009 in gebundener Form bei Kiepenheuer&Witsch und 2011 als Tachenbuch bei Fischer.

Bunny Munro ist ein Schürzenjäger wie er im Buche steht. Er denkt ständig an Frauen, träumt von ihnen wenn er bestimmte Musik hört oder einfach nur mit seinem Punto durch die Straßen fährt. Und obwohl Bunny verheiratet ist, schreckt er nicht davor zurück, mit einer schönen Regelmäßigkeit dem Alkohol zu frönen und Frauen zu verführen. Mit seinem mehr als gesunden Selbstbewusstsein gelingt ihm das auch meist, obwohl er sich seit Jahren auf ein- und dieselbe Masche zu beschränken scheint.

Zunächst mag Bunny Munro unsympathisch und egoistisch zu sein, und in einigen vielen Situationen ist er genau das. Doch trotzdem liebt Bunny seinen Sohn. Und seine Frau.

Libby Munro, die seit Jahren an Depressionen leidet, kümmert sich um ihren gemeinsamen Sohn während Bunny, wie so oft, nicht zu Hause ist und seiner Lieblingbeschäftigung nachgeht. Ihr plötzlicher Tod wirft sowohl Bunny als auch seinen Sohn komplett aus der Bahn. Es wird deutlich, dass der plötzliche Roadtrip vor allem eine Flucht ist. Eine Flucht vor Erinnerungen, eine Flucht vor der Trauer, und eine Flucht vor Libby’s Geist.

Nick Cave schafft es auf faszinierende Weise, dem Leser Einblick in Bunny’s Gefühlswelt zu ermöglichen, und einen unglaublich Ich-bezogenen Menschen, den man zunächst nicht mögen kann und will, plötzlich sympathisch und, in gewisser Weise, auch bemitleidenswert erscheinen zu lassen. So verspürt man nicht nur einmal den Drang, Bunny anzuschreien wenn sein Sohn erwähnt er wird wohl langsam erblinden wenn Bunny nicht dafür Sorge trägt, dass Bunny Junior seine Augentropfen bekommt, und der liebende Vater diesen Einwurf erneut komplett übergeht und ignoriert.

Bunny Junior selbst ist wohl die faszinierendste Figur des Buches. Er liebt seinen Vater abgöttisch, verzieht ihm alles, wartet geduldig im Auto und stellt seinen eigenen Bedürfnisse zurück; alles, um seinen Vater die Zeit nach dem Verlust seiner Frau leichter zu machen. Und das, obwohl Bunny Junior seine Mutter ebenfalls vermisst.

„It occurs to him that with each tick of the clock the memory of his mother fades, and she slips away. He feels, with a rush of iced wind across his heart, that even by just lying there he is losing her, little by little. He closes his eyes and attempts with reasonable success to ransack his memory and conjure up images from her. He hopes by doing this that he will prevent her from melting away completely. He wants, deep down, to remember her back into existence.“

The Death of Bunny Munro“ liest sich wie die Lyrics aus Cave’s Feder. Er berührt das Herz des Lesers sowie dessen Verstand, auf die eine oder andere Weise. Ein Roman, der uns eine besondere Vater-Sohn-Beziehung zeigt. Zornig, humorvoll, philosophisch, modern, gespickt mit einem Spritzer Mystery, und einen ganz eigenen Stil, einer eigenen Sprache, mit der man zunächst warm werden muss, die aber letztendlich perfekt für diese Geschichte ist. Ein Buch, das einen nicht mehr loslässt, das berührt, betrifft und zum Nachdenken anregt. Oder, wie David Peace bereits sagte: „..read it half in stitches, half in tears.“

bewertung 4 sterne

The Death of Bunny Munro von Nick Cave
304 Seiten (Hardcover)
Verlag: Canongate Books
Erschienen: September 2009
ISBN: 978-1847673763 (Taschenbuch: 978-1847677631)
ca. 22 € (Taschenbuch ca. 8 €)

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