Rezensionen

[Rezension] E.L. James: Fifty Shades of Grey – Fifty Shades 1 (dt. Shades of Grey – Geheimes Verlangen)

Achtung: Aufgrund der expliziten Erotik-Szenen empfehle ich das Buch erst ab 18 Jahren.

Anastastia -Ana- Steele ist 21, Literaturstudentin und in der Liebe und ihren Facetten absolut unerfahren. Doch dann lernt sie während eines Interviwes für ihre Uni-Zeitung den selbstbewussten und unverschämt gutaussehenden Unternehmer Christian Grey kennen. Und eigentlich möchte sie ihn zu schnell wie möglich wieder vergessen, denn ihre Begegnung mit Christian hat Ana mehr als nur verwirrt.

Doch so sehr sich Ana auch bemüht, sie bekommt Christian nicht aus dem Kopf. Und auch Christian gibt zu, dass er die unschuldige Ana will – allerdings zu seinen eigenen Bedingungen.

Geschockt von den sexuellen Vorlieben des Unternehmers zögert Ana. Denn trotz seines beruflichen Erfolges, seines Reichtums und seiner liebenden Familie ist Christian Grey ein Mann mit dunklen Seiten, wird gequält von inneren Dämonen und seiner Vergangenheit.

Christian entführt Ana in eine dunkle und gefährliche Welt der Liebe, voller Leidenschaft und Schmerz, während Ana nicht nur Christian’s Geheimnisse zu lüften versucht, sondern auch ihr eigenes dunkles Verlangen entdeckt…

Fifty Shades of Grey“ ist der Auftaktband der Fifty Shades Trilogie aus der Feder der britischen Autorin E.L. James (Erika Leonard), die unter dem Namen Snowqueens Icedragon mit dem Schreiben von Fanfiction began, und wurde im Juni 2011 veröffentlicht.

Dieses Buch scheint aktuell in aller Munde zu sein, und ob man nun will oder nicht, man kann ihm einfach nicht entkommen. Und irgendwann erreicht man den Punkt, an dem man zumindest einmal einen genaueren Blick auf dieses Werk werfen möchte, allein schon, um mitreden zu können. Das war auch für mich der Hauptgrund, dieses Buch überhaupt zu lesen: Bevor ich lästere, will ich wissen worüber ich mich eigentlich lustig mache.

„Mostly he was courteous, formal, slightly stuffy – like he’s old before his time. He doesn’t talk like a man of twentysomething.“

Den meisten Lesern dürfte die eigentliche Entstehungsgeschichte von Christian und Ana bekannt sein. E.L. James veröffentlichte „Fifty Shades“ zunächst unter dem Titel „Master of the Universe“ als Twilight-Fanfiction unter dem Pseudonym Snowqueen’s Icedragon. Nach Diskussionen über den sexuellen Aspekt des Werkes löschte E.L. James die Geschichte und veröffentlichte sie erneut auf ihrer eigenen Webseite. Nachdem immer mehr Leser auf die Geschichte aufmerksam wurden, schrieb E.L. James „Master of the Universe“ um (und löschte die Geschichte aus dem Netz), ersetzte Bella und Edward mit Ana und Christian, fügte neues Material hinzu und veröffentlichte letztendlich ihre Fifty Shades Trilogie, zunächst als Ebook und Print-on-Demand, jetzt im großen Stil.

Und so erinnern Ana und Christian recht oft an ihre literarischen Vorbilder. Doch der Reihe nach.

Anastasia Steele, die eigentlich viel lieber Ana genannt wird (und es schreit förmlich nach Isabella – Bella) ist 21 und Literaturstudentin mit einer Vorliebe für klassiche britische Literatur. Blass, mit braunen Haaren und großen blauen Augen hält sie alle anderen weiblichen Wesen für hübsch, nur nicht sich selbst.

Die Figur der Ana ist so vollgepackt mit Klischees, dass es fast schon wehtut. Sie ist unglaublich naiv, hat -obwohl sie doch Literatur studiert- einen eher begrenzten Wortschatz. Und natürlich hat sie keine Ahnung von der Liebe, hatte noch nie einen Freund und ist -man ahnt es schon- noch Jungfrau. Absolute Unerfahrenheit plus Naivität, eine „brilliante“ Mischung, wie dieses Zitat deutlich zeigt:

„You. Are. Mine,“ he says, each word a staccato. „Do you understand?“ He’s so earnest.

Christian Grey ist mit seinen erst 27 Jahren bereits ein erfolgreicher Unternehmer, CEO von Grey Enterprises Holdings Inc., und mit seinen grauen Augen und dunklen kupferfarbenen Haaren „...the epitome of male’s beauty.“ Er ist vom ersten Moment an von Ana fasziniert, seitdem sie in sein Büro gefallen ist, und versucht sie davon zu überzeugen, eine „Beziehung“ mit ihm einzugehen…eine Beziehung mit ihm als Dominant, und ihr als devoter und unterwürfiger Gespielin. Nebenbei macht er ihr teure Geschenke – Bücher im Wert von 14.000 Dollar, ein MacBook, ein BlackBerry, ein Auto- zum einen, um sich bei ihr einzuschmeicheln, zum anderen, um sie noch besser verfolgen zu können.

Was mir am meisten Kopfschütteln verursacht hat ist die Tatsache, das Ana -die Jungfrau Ana- Christian sofort verfällt und sogar einen Art Einverständniserklärung unterschreibt, nur um mit ihm in die Kiste springen zu dürfen. Mit einem Mann der immer plötzlich dort auftaucht, wo sie gerade ist, der über alle Aspekte ihres Lebens bestimmten will (Schlaf, Essverhalten, Besuche im Schönheitssalon usw.), der ihr Handy orten lässt und ein absoluter Kontrollfreak ist. Und der es sexuell erregend und befriedigend findet sich mit den härteren Gangarten des Liebesspiels zu beschäftigen. Nicht zu vergessen natürlich den mehrmals abgedruckten zehnseitigen Vertrag, der alle Regeln und Pflichten festlegt, die Ana zu erfüllen hat, sollte sie eine „Beziehung“ mit Christian eingehen, sowie die eingesetzten Spielzeuge und Praktiken aufzählt, die Christian einzusetzen gedenkt.

„I have rules, and I want you to comply with them. They are for your benefit and for my pleasure. If you follow these rules to my satisfaction, I shall reward you. If you don’t, I shall punish you, and you will learn…“

Stilistisch bewegt sich „Fifty Shades of Grey“ auf dem Niveau einer, höflich ausgedrückt, mittelmäßigen Fanfiction. So tauchen in Ana’s Gedankenwelt viel zu oft die Ausdrücke „oh my...“ oder auch „Holy crap/cow/Moses„. Nicht zu vergessen auch Ana’s Subconscious -ihr Unterbewusstsein, das ein bisschen als schlechtes Gewissen fungiert- sowie ihre Inner Goddess, die alles was Christian mit ihr anstellt als absolut fantastisch empfindet.

My inner goddess has stopped dancing and is staring, too, open-mouthed and drooling slightly.

Weiterhin scheint James gerne Ausdrücke einzubauen, die ihr vielleicht gerade an anderer Stelle über den Weg gelaufen sind, wie zum Beispiel „mighty fine“ oder „drinking him in„. Diese verschwinden aber nach einer etwa zwanzigseitigen Daueranwesenheit spurlos.

Die eigentlichen Erotikszenen erweisen sich als wenig einfallsreich, den letztendlich ist der Verlauf immer ein- und derselbe. Ana tut irgendetwas, das Christian anziehend findet, wie zum Beispiel das ständige Herumkauen auf ihrer Unterlippe, und die beiden landen im Bett. Oder aber Ana stellt eine Frage die Christian nicht passt, und er bringt sie mit Sex zum Schweigen. Für den Aufbau einer emotionalen Bindung bleibt da wenig Raum, auch wenn Ana sich das noch so sehr wünscht. Letztendlich ist dies eher eine Art Abhängigkeit, denn Ana sucht ja sogar die Schuld bei sich, wenn Christian einen offensichtlichen Fehler gemacht hat.

Der Grund, warum ich das Buch überhaupt beendet habe, war, dass es trotz aller Unglaubwürdigkeit, Realitätsferne und stilistischer Mängel ungemein amüsant war. Denn all die eben erwähnten negativen Aspekte tragen dazu bei, an Lachanfällen nahezu zu ersticken während man sich diesem Machwerk widmet. Und obwohl der Schreibstil einem Schauer über den Rücken jagt, und man am liebsten den Kopf gegen die Wand schlagen möchte, habe ich es geschafft bis zum Ende durchzuhalten.

Fifty Shades of Grey“ erweist sich als Lachnummer, die man einfach nicht ernst nehmen kann. Der gutaussehende, arrogante Kerl, das schöne, unerfahrene Mädchen, eine gehörige Portion dunkler Erotik und eine mögliche Liebe, die selbst die größten Hindernisse überwinden kann – all das sind Argumente, um das Buch zu einem Verkaufsschlager zu machen. Letztendlich erweist sich „Fifty Shades of Grey“ als Twilight für Erwachsene. Schlechter Schreibstil, flache, stereotypische und nervig-naive Charaktere sowie ein mehr als flacher Plot, dafür aber 500 Seiten stark.

Ein Buch, das ich niemandem empfehlen kann oder will. Allerdings ist gegen das Lesen aus Neugierde nichts einzuwenden.

bewertung 1 stern

Fifty Shades of Grey: Shades of Grey 1 von E.L. James
514 Seiten (Broschiert)
Verlag: Vintage
Erschienen: April 2012
ISBN: 978-0345803481
ca. 9 €

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2 Gedanken zu „[Rezension] E.L. James: Fifty Shades of Grey – Fifty Shades 1 (dt. Shades of Grey – Geheimes Verlangen)“

  1. Es gibt also doch noch Leserinnen, die ähnlich unbeeindruckt von diesem völlig überbewerteten Inallermunde-Papier waren. Danke für die super Rezension und die lange Beschreibung….ich muss nämlich gestehen, dass ich es nicht über die ersten Seiten hinaus geschafft hab. Da ich bei jedem zweiten Satz mit den Augen rollen musste, war das Buch schnell zurückgeschickt als bestellt.

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