[Rezension] Peter Abrahams: Was geschah in Echo Falls?

Eigentlich hat die dreizehnjährige Ingrid schon genug um die Ohren mit dem Fußballtraining, der Vorbereitung auf die heißersehnte Rolle in „Alice im Wunderland„, ihren in letzter Zeit seltsamen Eltern, die irgendwie ihren Bruder Ty zu bevorzugen scheinen und ihrem exzentrischen Großvater.

Doch dann geschieht ein Mord in der sonst eher beschaulichen Kleinstadt Echo Falls, in der die schlimmsten Delikte bisher nur übermäßiger Alkoholkonsum waren. Und durch einen dummen Zufall scheint Ingrid die Letzte zu sein, die das Opfer lebend gesehen hat – abgesehen vom Mörder selbst.

Ungewollt gerät Ingrid mitten hinein in die Ermittlungen. Während die Polizei im Dunkeln zu tappen scheint, versucht Ingrid den Fall auf eigene Faust aufzuklären, um zu beweisen, dass sie mit all dem nichts zu tun hat. Mit Hilfe ihres großen Idols, Sherlock Holmes, begibt sie sich auf eine gefährliche Suche und findet bald schon heraus, dass Echo Falls gar nicht so harmlos ist, wie es scheint…

Bei „Was geschah in Echo Falls?“ handelt es sich um den Auftaktband einer auf mehrere Bände ausgelegten Reihe aus der Feder des amerikanischen Autors Peter Abrahams. Das erste Jugendbuch des Thriller-Autors erschien bereits im Jahre 2007 als deutsche Hardcover-Ausgabe, und ist seit August 2011 als Taschenbuch erhältlich.

Einigen mag vielleicht gleich zu Beginn folgender Gedanke kommen: Klingt nach Flavia de Luce. Irgendwie mag das ja im Ansatz durchaus stimmen, schließlich geht es in beiden Buchreihen um eine junge weibliche Hauptperson, die in Kriminalermittlungen gerät – aber da hören die Gemeinsamkeiten auch schon wieder auf. Denn im Gegensatz zu Flavia stolpert Ingrid eher zufällig in die Mordermittlungen hinein. Und ganz nebenbei erschienen Abrahams Bücher (2006) eher als die Romane von Bradley (2009). Vergleich sind also keineswegs angebracht, denn bei beiden Reihen handelt es sich um völlig eigenständige Werke.

Mit der dreizehnjährigen Ingrid hat Abrahams eine Hauptperson geschaffen, mit der sich die meisten Leser recht gut identifizieren können. Sie ist nach der Lieblingsschauspielerin ihrer Mutter benannt, spielt mit großer Begeisterung Fußball, hat ab und an so ihrer Schwierigkeiten mit Mathe und träumt von der Hauptrolle im neuen Theaterstück ihrer Schaupspieltruppe, der Prescott Players. Nebenbei hat auch ihre Familie so einige seltsame Anwandlungen. Alles in allem wirkt Ingrid als unglaublich normal und keinesfalls perfekt – und genau das macht sie sympathisch.

Sie macht Fehler, trifft auch mal eine falsche Entscheidung, und ist dennoch einfach liebenswert. Dank einer dieser Fehlentscheidungen gerät Ingrid mitten hinein in der Ermittlungen um den Mord an Müll-Katie. Denn schließlich hat sie die Dame zum letzten Mal lebend gesehen, und wegen eines Missgeschicks hält Ingrid sich auf einmal für eine mögliche Hauptverdächtige.

Mit dem Genie Sherlock Holmes als Vorbild macht sie sich daran, ihre Unschuld zu beweisen, indem sie den wahren Mörder findet. Wie ihr Held auch lernt sie die Straßenpläne ihrer Heimatstadt auswendig – Sherlock Holmes war dafür bekannt jede Straße in London beim Namen nennen zu können – und sucht überall nach Indizien. Und falls das jetzt zu mutig klingt: Auch Ingrid hat Angst, oft sogar. Wieder ein Punkt, der das Mädchen umso glaubhafter macht.

Auch die auftretenden Nebencharaktere sind Abrahams durchaus gelungen, haben Persönlichkeit und wirken, je nachdem, sympathisch, seltsam, nervig oder undurchsichtig. Besonders ans Herz gewachsen ist mir der Polizeichef von Echo Falls, Gilbert L. Strade – jedem, der ein bisschen in Sachen Sherlock Holmes bewandert ist wird dieser Name ein Lächeln auf das Gesicht zaubern.

Abrahams schreibt auf eine leicht ironische und sarkastische Art und Weise, flüssig-frisch und frei von der Leber weg und unterstreicht damit den Charakter seiner Hauptperson noch besser. Angenehm ist auch, dass der Autor hier nicht auf die inzwischen nahezu überall zu findende Ich-Erzählweise zurückgreift, es ihm aber trotzdem gelingt, dem Leser Einblicke in Ingrid’s Gefühlswelt und Gedanken zu geben.

Doch auch die Spannung kommt nicht zu kurz. Bis zum letzten Moment lässt Abrahams den Leser zappeln, und schafft ein Finale, das einem den Atem raubt und um die Figuren zittern und bangen lässt, auch wenn die eigentliche Auflösung dem aufmerksamen Leser schon vorher klar sein wird.

Was geschah in Echo Falls?“ ist ein mehr als spannendes Buch, das junge wie auch ältere Leser gleichermaßen begeistern kann und mit liebenswerten, glaubhaften Charakteren und einer spannenden Geschichte überzeugt. Abrahams hat mit seinem Debüt im Jugendbuchbereich ganze Arbeit geleistet. Und Stephen King bezeichnet dieses Buch bestimmt nicht umsonst als sein absolutes Lieblingsbuch. Definitiv lesenswert.

bewertung 4 sterne

Was geschah in Echo Falls? von Peter Abrahams
Down The Rabbit Hole
349 Seiten (Broschiert)
Verlag: Bloomsbury K&J
Erschienen: August 2011
ISBN: 978-3833350801
8,95 €

Ich bedanke mich ganz, ganz herzlich beim Verlag Bloomsbury K&J für das so freundlich zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

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