[Rezension] James Dashner: Die Auserwählten – Im Labyrinth

Als Thomas in einem dunklen Lift erwacht, ist sein Name das einzige, woran er sich noch erinnern kann. Seine restlichen Erinnerungen erscheinen wie ausradiert.

Doch Thomas ist nicht alleine. Denn als sich die Türen des Lifts öffnen, findet er sich umgeben von Jungen, die ihn auf der Lichtung willkommen heißen. Ganz wie er können sie sich an nichts erinnern. Alles was sie wissen ist, dass sich jeden Morgen das Tor zum Labyrinth öffnet, das die Lichtung umgibt, und sich am Abend wieder schließt. Es gibt regelmäßige Lieferungen mit Nahrungsmitteln… Und alle 30 Tage kommt ein neuer Bewohner auf die Lichtung.

Alles scheint einem festen Plan zu unterliegen. Doch dann ändert sich plötzlich alles. Und eines ist klar: Sie müssen einen Ausweg  finden, und das schnell. Aber das Labyrinth birgt tödliche Gefahren und Geheimnisse – von denen Thomas mehr zu wissen scheint als die Anderen…

Die Auserwählten: Im Labyrinth“ ist der erste Band der neuesten Buchreihe des amerikanischen Autors James Dashner, und gleichzeitig das erste Werk des Bestseller-Autors auf dem deutschen Buchmarkt.

Allein das Cover zeigt schon deutlich, dass der Leser es hier nicht mit einer locker-leichten Geschichte zu tun bekommt. Kontrolliert und kalt der Blick des Jungen, der sich regelrecht in den Betrachter hineinzubohren scheint… Und mit seinen labyrinthartigen Strukturen recht gut zur Handlung passt.

Wie Thomas, so wird auch der Leser mitten hinein in eine Welt geworfen, von der er nicht die leiseste Ahnung hat. Fremde Jungen, die mit seltsamen Begriffen wie Strunk, Neppdepp und Klonk um sich werfen und sich selbst Lichter nennen – passend zur Lichtung, auf der die Jungen leben. Eben diese Lichtung scheint der einzige Ort zu sein, an dem man sich sicher fühlen kann. Denn draußen im Labyrinth lauern Gefahren, die man sich nicht einmal in seinen schlimmsten Träumen vorzustellen vermag.

Thomas als Hauptperson ist zwar das perfekte Bindeglied zwischen Leser und Handlung, bleibt jedoch ein Rätsel. Denn zum einen kann er sich an nichts mehr als seinen Namen erinnern – seine Vergangenheit, sein Alter, seine Eltern, alles scheint verloren – zum anderen aber weiß er Dinge über die Lichtung und das Labyrinth, die er gar nicht wissen kann. Und warum kommt Thomas einigen Jungen bekannt vor?

Dashner wählt hier ganz bewusst nicht die Ich-Perspektive als Erzählmittel, sondern bleibt auf Distanz. Und genau das ist einer der Gründe, warum dieses Buch so ungemein faszinierend ist, denn der Leser hat eben nicht den vollkommenen Einblick in die f der Hauptperson, und so bleiben nicht nur das Labyrinth sondern auch Thomas ein Rätsel.

Doch auch die Nebencharaktere weisen allesamt Potential auf, sind entweder sympathisch oder verhasst, und haben doch alle eine ganz eigene Persönlichkeit und wirken keineswegs wie Lückenbüßer. Sie wachsen ans Herz, mit all ihren guten und schlechten Seiten, und gerade Minho hat das Zeug, zum heimlichen Helden der Geschichte aufzusteigen.

Dem Autor gelingt es dank seines klaren und direkten Schreibstils, die bedrückende Atmosphäre dieses Buches perfekt zu vermitteln. Die Geheimnisse des Labyrinths, die teilweise erschreckend-nüchterne Grausamkeit der Jungen, das Gefühl unter Beobachtung zu stehen – all diese Dinge sind greifbar, wirken ungemein real und jagen dem Leser durchaus den ein oder anderen Schauer über den Rücken.

Trotz allem sind mir auch ein paar Kleinigkeiten negativ aufgefallen. Zum einen scheint Dashner eine Vorliebe für die Formulierung „Gut, das.“ zu haben. Die Häufigkeit dieser beiden Worte ist mir nach etwa einem Drittel des Buches ziemlich sauer aufgestoßen. Und auch das Ende ist leider vorhersehbar, denn dem aufmerksamen Leser werden wahrscheinlich die entsprechenden Details nicht entgehen, die zur Auflösung der Geschichte führen, und leider viel zu früh in die Handlung eingestreut werden.

Die Auserwählten: Im Labyrinth“ ist ein mehr als gelungener Auftakt zu einer durchaus vielversprechenden Reihe. Eine spannende Geschichte, voller Rätsel und Gefahren, einer interessanten Hauptperson und liebenswerten und vor allem starken Nebencharakteren. Ein Buch, das positiv aus all den aktuellen Jugendbuchveröffentlichungen heraus sticht und definitiv einen Blick wert ist.

bewertung 4 sterne

Die Auserwählten: Im Labyrinth von James Dashner
The Maze Runner
496 Seiten (Hardcover)
Verlag: Chicken House (Carlsen)
Erschienen: April 2011
ISBN: 978-3551520197
16,95 €

Vielen herzlichen Dank an Chicken House und Buchbotschafter.de für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

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