[Rezension] Celia Rees: Der Narr und das Mädchen

Als William Shakespeare der jungen Violetta und ihrem Narren Feste das erste Mal begegnet, ist er sogleich fasziniert. Die beiden kommen aus dem fernen Land Illyrien und wurden nach der Eroberung durch die Venezianer aus ihrer Heimat vertrieben.

Augenblicklich erahnt seine Dichterseele, was für ein dramatischer Stoff sich ihm hier bietet. Während Will zum einen immer mehr von der Vergangenheit des Mädchens, und der Begegnung ihrer Mutter Viola mit dem Herzog Orsino erfährt, verstrickt er sich gleichzeitig immer tiefer in die gefährliche Geschichte.

Denn der  verräterische Priester Malvolio hat ihrem Land den heiligsten Schatz entwendet, den es je bessesen hat – ein Gefäß mit Myrrhe, das einer der Weisen dem Jesukind als Geschenk überreichte. Violetta ist fest entschlossen, diese Reliquie nach Illyrien zurückzuholen und den Titel in Anspruch zu nehmen, der ihr von Geburt an zusteht.

Doch ihre Feinde trachten ihr nach dem Leben und sie ist gezwungen zu fliehen. Und während sie immer noch an ihrem Plan festhält kann sie sich bald schon nicht mehr sicher sein, wem sie noch trauen kann…

In „Der Narr und das Mädchen“ schafft Celia Rees eine Geschichte, die auf Shakespeare’s Werk „Was ihr wollt“ aufbaut.

Bereits auf der ersten Seite wird der Leser in das Buch hineingezogen, mitten in den Angriff der Venezianer auf Illyrien. Ein Sog, der bis zum Ende des Buches anhält.

Shakespeare ist einer meiner liebsten Dichter, und „Was ihr wollt“ gehört abslout zu meinen Lieblingsstücken. Doch nicht nur aus diesem Grund hat mich das Buch begeistert. Rees gelingt es auf wunderbare Weise, die Handlung des Stückes weiterzuführen, schafft Charaktere mit Persönlichkeit.

Der Narr Feste ist eine besonders außergewöhnliche Figur, schwer zu durchschauen, manchmal auch schwer greifbar, jedoch Violetta treu ergeben. Violetta, obwohl noch jung, hält an ihrem Zielen fest, lässt sich von nichts beirren, und bleibt trotzdem glaubhaft und wirkt keinesfalls überzogen.

Eine historisch belegte Person in einem Roman auftreten zu lassen, birgt zwar immer Schwierigkeiten, allerdings ist über Shakespeare selbst ja recht wenig tatsächlich belegt. Ich fand die Art und Weise wie Rees Will darstellte glaubhaft und fernab des Bildes, das dem ein oder anderen vielleicht durch den Film „Shakespeare in Love“ im Kopf herumschwirrt – bei dem übrigens auch eine Möglichkeit der Entstehung des Stückes „Was ihr wollt“ gegeben wird.

Die Geschichte ist durchweg spannend, und die Autorin hat einen wirklich sehr fesselnden, angenehmen Schreibstil, der es einem schwer macht, das Buch aus der Hand zu legen.

Der Narr und das Mädchen“ entführt in die Welt der Theater, der Intrigen und des Verrates, und begeistert mit wunderbar glaubhaften Charakteren und einer fesselnden Geschichte. Absolut empfehlenswert, auch für Leser die sonst mit dem Genre des historischen Romans nicht allzu viel anfangen können. Ein wahrer Buchschatz, und aufgrund der wunderschönen Umschlaggestaltung ein wahres Schmuckstück für jedes Regal.

bewertung 5 sterne

Der Narr und das Mädchen von Celia Rees
363 Seiten (Hardcover)
Verlag: Bloomsbury Kinder- & Jugendbücher
Erschienen: Januar 2011
ISBN: 978-3827054258
17,90 €

Ich bedanke mich ganz herzlich beim Verlag Bloomsbury K & J für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

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Ein Gedanke zu “[Rezension] Celia Rees: Der Narr und das Mädchen

  1. Das Buch hat es mir schon vor einer Weile angetan, aber irgendwie habe ich es bisher geschafft, dran vorbei zu gehen. Nach Deiner Rezi hab‘ ich wieder richtig Lust drauf!

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