[Rezension] Isaac Marion: Mein fahler Freund

Die Welt, wie wir sie kennen, existiert nicht mehr. Dörfer und Städte sind verlassen, Gebäude verfallen zu Ruinen. Die Lebenden verschanzen sich in Stadien, Türmen; sichern ihre heile Welt und versuchen den Schrecken abzuhalten, der hinter den sicheren Mauern in der Außenwelt lauert. Eine Seuche hat die Menschheit heimgesucht, Tote erwachen und ziehen auf der Suche nach warmen, frischen Fleisch durch die Straßen.

R ist so ein Zombie. Vergessen wie er hieß, wie und wann er starb, fristet er zusammen mit anderen Zombies sein Dasein in einem alten Flughafen. Einziger Lichtblick in dieser sonst so trostlosen Existenz ist der Verzehr menschlichen Hirns, welches es ihm ermöglicht, die Erinnerungen des Opfers nochmals zu durchleben, sich lebendig zu fühlen.

Doch als R in das Hirn von Perry beißt, verändert sich etwas in ihm. Anstatt das Mädchen Julie ebenfalls zu töten, rettet er ihr das Leben. Zwischen den Beiden entspinnt sich ein zartes Band, und zunehmend lebendiger werdend, mehr sprechen und träumen zu können, beschließt R Julie in der Welt der Lebenden aufzuspüren, stets begleitet von Perry’s Erinnerungen, die ihn einfach nicht loslassen wollen.

Etwas ist im Gange, das die Welt der Lebenden und Zombies in ihren Grundfesten erschüttern könnte…

Mit „Mein fahler Freund“ von Isaac Marion ist mir ein wahrer Roman-Schatz in die Hände gefallen.

Fernab vom Handlungverlauf typischer Zombiefilme wie „Dawn of the Dead“ schafft Marion hier ein faszinierendes Buch, zwar etwas blutig, aber keinesfalls brutal.

R, aus dessen Perspektive erzählt wird, trägt die Geschichte. In wundervollen Worten und Sätzen wird der Leser in eine Welt entführt, die fremd erscheinen mag, jedoch nicht völlig unwahrscheinlich. Selbstverständlichkeiten wie das Fliegen, Kino- und Konzertbesuche sind jetzt nur noch große Träume, große Kunstwerke von Salvador Dalí und Picasso hängen nun in sonst eher schmucklosen, einfachen Zimmern.

Marion erzählt in einem wunderschönen, poetischem Stil, fast jeder Satz wäre es wert, ihn sich als Zitat zu notieren. Es gelingt ihm auf fantastische Weise, Gefühle so zu erfassen, dass man sich mitten in R hineinversetzt fühlt. Ein trauriger Unterton zieht sich durch das komplette Werk, nach Humor und Komik sucht man hier vergebens.

Die gesamten Charaktere, allen voran R, sind absolut glaubhaft, und selbst Mit-Zombie M, der eher an einen bulligen Schlägertyp erinnert, ist auf seine ganz spezielle Weise sympathisch.

Mein fahler Freund“ hat meine Erwartungen schier übertroffen. Ein wundervolles Buch, dessen letzter Absatz zu Tränen rührt. Ein Werk, das zum Nachdenken anregt, das Einblick gibt in die Seele eines ganz besonderen Wesens.

Eine Hommage an das Leben und die Hoffnung und ein absolutes Must-Read.

bewertung 5 sterne

Mein fahler Freund von Isaac Marion
290 Seiten (Hardcover)
Verlag: Klett-Cotta
Erscheint: 21. Februar 2011
ISBN: 978-3608939149
19,95 €

Vielen herzlichen Dank an Vorablesen und den Klett-Cotta-Verlag für das Leseexemplar.

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Ein Gedanke zu “[Rezension] Isaac Marion: Mein fahler Freund

  1. Ich lese es gerade und irgendwie reißt es mich richtig mit. Ich habe nicht alles Deiner Rezi gelesen (Lesespaß und so), aber dem Fazitsatz stimme ich jetzt schon zu!

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