[Rezension] Terry Pratchett: Der Winterschmied

Tiffany Weh, fast dreizehn, ist eine Junghexe in Ausbildung und Schülerin von Fräulein Verrat. Soweit scheint alles recht gut zu laufen, doch dann kann Tiffany beim Dunklen Morriskentanz ihre Füße nicht in Zaum halten und gerät mitten unter die Tänzer, an einen Platz, der eigentlich gar nicht für sie bestimmt ist. Und zieht so die Aufmerksamkeit des Winterschmieds auf sich.

Eigentlich sind ja Rosen aus Eis und Schneeflocken in Tiffany-Gestalt an sich schmeichelhaft…aber Eisberge mit der eigenen Gestalt, die über den Ozean gleiten und Schiffe versenken, sind dann doch eher erschreckend. Und dann ist da auch noch der ewige Winter, der allem Lebenden droht, seitdem die Sommerfrau verschwunden ist. Deren Kräfte gehen langsam aber sicher auf Tiffany über – ein Mädchen, dass im Gegensatz zur Sommerfrau überaus erreichbar ist für den Winterschmied, der alles daran setzt, sie zu sich zu holen…

Mit „Der Winterschmied“ lieferte Terry Pratchett das nun inzwischen dritte „Märchen von der Scheibenwelt“ mit Tiffany Weh in der Hauptrolle.

Ein typischer Scheibenwelt-Roman. Gekonnt spielt Pratchett mit bekannten Mythen und Geschichten rund um Orpheus, Eurydike, und der alten heidnischen Götter. Denn so funktioniert eben die Scheibenwelt, die alten Riten müssen geschehen. Ohne den Schneevater geht die Sonne nicht auf (Anspielung auf „Schweinsgalopp„), oder es können sich Winter und Sommer nicht abwechseln.

So arbeiten auch die Hexen der Scheibenwelt. Sie erschaffen Mythen von und über sich, und verzichten auf Magie, denn diese löst keine Probleme. Und schließlich geht es hier ja um Hexen, und nicht um Zauberer.

Als Leser begleiten wir Tiffany zum einen etwas in ihrer Ausbildung als Hexe, und dem Konflikt zwischen alter, traditioneller Hexerei und die modernen Magie-Variante. Dieser Handlungsstrang nimmt neben der Auseinandersetzung mit dem Winterschmied einen großen Teil des Buches ein.

Und natürlich trifft man auch hier wieder auf alte Bekannte: Oma Wetterwachs, Nanny Ogg, Roland und auch mein persönlicher Lieblingscharakter, der TOD, hat einen Auftritt.

Stilistisch ist „Der Winterschmied“ ein typischer Pratchett, mit Wortwitz und diversen Fußnoten, auch wenn dieses Werk keinesfalls einer der besten Scheibenwelt-Romane ist. Denn prinzipiell liefert Pratchett hier nicht allzu viel Neues, und einige Erläuterung können gerade den Lesern auf die Nerven gehen, die schon ein paar Scheibenwelt-Geschichten gelesen haben.

Trotz allem ist „Der Winterschmied“ kein schlechtes Buch. Mir persönlich hat es trotz allem gefallen, voller Witz, Spannung und Mythen, eben wie man es kennt und mag. Allerdings muss ich immer wieder feststellen, dass Pratchett’s Stil nicht jedermanns Sache ist. Aber wer ihn und die Scheibenwelt mag, der sollte sich dieses Buch nicht entgehen lassen.

bewertung 4 sterne

Der Winterschmied von Terry Pratchett
384 Seiten (Broschiert)
Erschienen: Oktober 2008
Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3442468393
8,95 €

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