[Rezension] Mervyn Peake: Gormenghast 2 – Im Schloss

Gormenghast – ein unermesslich großes Schloß, umgeben von Gormenberg und Krüppelwald.  Ein dunkler kalter Kasten, durchzogen von engen Gängen, Spinnweben, modrigen Balken und teilweise vollständig in Vergessenheit geratenen Burgflügeln. Geimnissvolle und mystische Rituale durchdringen das Dasein der Burgbewohner und bestimmen den gesamten Ablauf im Leben auf Gormenghast.

Doch das mächtige Gerüst der alltäglichen Routine ist ins Wanken geraten. Während Titus, der junge 77. Graf Groan heranwächst, unternimmt der Inrigant Steerpike alles, um sich zum absoluten Diktator aufzuschwingen. Die Schwestern des ehemaligen Grafen Groan benötigt er nun nicht mehr, und auch Barquentine, der Meister des Rituals ist ihm, nachdem er in die Geheimnisse der Gesetzbücher eingeweiht, nur noch ein Klotz am Bein. Sich ihm zu entledigen kostet Steerpike zwar fast das eigene Leben, macht ihn aber gleichzeitig zum strahlenden Helden.

Einzig Gräfin Gertrude, der Doktor und Titus trauen dem Aufsteiger nicht über den Weg. Doch auch Titus wird in gewisser Weise zum Verräter, den in ihm gährt der Gedanke an Rebellin, ans Ausbrechen aus den alten Ritualen und Traditionen, ans Ausbrechen aus Gormenghast.

Intrigen, Mord und Verrat bestimmen das Leben der Bewohner Gormenghast, Todgeglaubte kehren zurück und alles läuft unweigerlich auf eine Konfrontation zwischen Titus und Steerpike hin – einen finalen Kampf auf Leben und Tod…

Mervyn Peake’s zweiter Band der Gormenghast-Reihe, „Gormenghast – Im Schloss“ hat mich fast noch mehr begeistert als sein Vorgänger.

Titus wird erwachsen (am Ende des ersten Bandes war er gerade einmal zwei Jahre alt), man begleitet ihn durch diverse Erlebnisse bishin zu dem einen Punkt, an dem er sich endgültig von seiner Jugend verabschiedet. Deutlich schwingt in all seinen Handlungen der Hang zur Rebellion mit, er nutzt jede Gelegenheit die Schlossmauern zu verlassen, ob nun erlaubter Weise oder nicht.

Steerpike hingegen tritt im Vergleich zum ersten Band „Der junge Titus“ mehr in den Hintergrund, dominiert und kontrolliert aber das Geschehen aus dem Hintergrund. Für seinen Plan, die Macht über Gormenghast zu erlangen, schreckt er vor nichts zurück.

In beide Hauptcharaktere kann man sich, dank Peake’s wunderbarem Stil, sehr gut hineinversetzen. Beide sind sympathisch, selbst Steerpike, der innerhalb der Geschichte noch mehr zum eiskalten Intriganten wird.

Neben den bereits aus dem ersten Band bekannten, teilweise recht grotesken Charakteren, führt Peake hier zusätzlich die Professoren ein. Mit Namen wie Deadyawn, Cutflower, Perch-Prisma und ähnlichem tragen sie ungemein zur Erheiterung bei, da jeder einzelne von ihnen seine ganz eigenen, skurillen Züge an den Tag legt.

Peake hat hier ein kleines Meisterwerk geschaffen, das man meiner Meinung nach einfach gelesen haben muss. Ein absolut faszinierender Roman!

bewertung 5 sterne

Gormenghast 2 – Im Schloss von Mervyn Peake
634 Seiten (Hardcover)
Verlag: Klett-Cotta
Erschienen: August 2010
ISBN: 978-3608939224
22,95 €

Ich bedanke mich ganz, ganz herzlich beim Verlag Klett-Cotta für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

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