[Rezension] Bettina Belitz: Scherbenmond

Achtung: Für alle, die den Vorgänger „Splitterherz“ noch nicht gelesen haben, könnte diese Rezension Spoiler enthalten.

Längst ist der Sommer vergangen, der Elisabeth Sturm die Augen öffnete für die gefährliche Welt der Mahre. Der Sommer, in dem sie sich in einen von ihnen verliebte. Seit Monaten ist Colin nun verschwunden, und Ellie quält sich durch einen scheinbar nicht enden wollenden Winter. Die Tage tröpfeln gleichförmig vor sich hin, in den Nächten dagegen wird Ellie von Albträumen heimgesucht, die sie verstört zurücklassen. Teilweise ist sie sich nicht einmal mehr sicher, ob Colin nicht eher eine Ausgeburt ihrer Phantasie ist.

Doch nicht nur Colin macht Ellie Sorgen. Ihr Vater, der Welt der Mahre näher als sie es sich jemals in ihrer kühnsten Träumen erdacht hätte, ist ebenfalls verschwunden. Die Vermutung, er könnte anderen Mahren in die Hände gefallen sein, scheint sich immer mehr zu bestätigen, den seit einer gefühlten Ewigkeiten haben weder Ellie noch ihre Mutter ein Lebenszeichen von Leo erhalten.

Ein Brief ihres Vater, für eben diese Situation hinterlegt, führt Ellie nach Hamburg zu ihrem Bruder Paul, um diesen wieder nach Hause zu holen. Doch sie erkennt Paul kaum wieder: Er hat nicht nur sein Medizinstudium abgebrochen und legt einige Gewohnheiten an den Tag, die Ellie ungewöhnlich erscheinen, er ist auch stets erschöpft, wirkt gehetzt und scheint vor seiner Schwester etwas verbergen zu wollen. Je mehr sie in Pauls Welt eintaucht, desto deutlicher überkommt Ellie ein Gefühl der Bedrohung und plötzlich weiß sie nicht mehr, wem sie noch trauen kann. Sie ahnt nicht, dass ihre Sorge um Paul und ihre Liebe zu Colin sie tiefer verletzen könnten als der abgründigste Traum, denn ihr aller Leben ist in Gefahr…

Endlich ist sie da, die lang erwartete Fortsetzung von „Splitterherz„: Bettina Belitz „Scherbenmond„.

Nicht nur das in grau getauchte Cover erscheint düsterer als sein Vorgänger, auch innerhalb der Geschichte ist dies der Fall. Die dunkle Kälte des Winters erscheint greifbar, und auch Ellies Gedankenwelt ist keinesfalls in wattige, rosa Verliebtheitsfantasien gepackt. Dies geht sogar so weit, dass ihr eigener Bruder ihr empfiehlt, sich einen Therapeuten zu suchen.

Der Schreibstil von Bettina Belitz macht „Scherbenmond“ zu einem absoluten Page-Turner. Man fiebert, bangt und leidet mit. Die Charaktere ist allesamt keine glorreichen Heiligenerscheinungen, sondern besitzen alle ihre ganz eigenen Schattenseiten, was sie unglaublich glaubhaft und sympathisch macht.

Gerade auch Ellies Bruder Paul, den man als Leser bisher kaum wirklich kennenlernen konnte, fasziniert. Zusammen mit Ellie fragt man sich, was ihn wohl so stark verändert hat, dass er das heißgeliebte Medizinstudium abbrach und Charaktereigenschaften an den Tag legt, die ihn in Ellies Augen zu einem fast völlig fremden Menschen machen.

Ebenfalls gibt es ein Wiedersehen mit Tillmann, der düsterer und erwachsener erscheint, und Ellie auf seine ganz eigene Art und Weise unterstützt.

Trotz all der Düsternis gibt es immer wieder helle, lichte Momente. Die Begegnungen zwischen Ellie und Colin sind auf ihre ganz besondere Weise romantisch, die ganze Beziehung wird erwachsener, ernster und steht teilweise sogar auf Messers Schneide. Und auch der Humor kommt nicht so kurz. Es gab einige Stellen, an denen ich ehrlich herzhaft lachen musste.

Scherbenmond“ ist ein wundervolles Buch, eine mehr als gelungene Fortsetzung und definitiv schon jetzt eines meiner Highlights des Jahres 2011. Einfach fantastisch und absolut lesenswert!

bewertung 5 sterne

Scherbenmond von Bettina Belitz
688 Seiten (Hardcover)
Verlag: script5
Erscheint: 15. Januar 2011
ISBN: 978-3839001226
19,95 €

Ich bedanke mich ganz herzlich beim Verlag script5 für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

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2 Gedanken zu “[Rezension] Bettina Belitz: Scherbenmond

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