[Rezension] Jeffery Deaver: Allwissend

Nachts auf einem Parkplatz überfällt ein Unbekannter einer Schülerin und sperrt sie in den Kofferraum eines Autos. Er stellt das Fahrzeug am Strand ab, wo das Mädchen in den steigenden Fluten ertrinken soll. Nur durch Zufall wird die Entführte rechtzeitig entdeckt und kommt mit dem Leben davon. Erst polizeiliche Ermittlungen ergeben, wie akribisch der Täter seine Tat inszeniert hat. Denn unter anderem stellte er bereits vor der Tat ein Gedenkkreuz mit dem Datum des nächsten Tages am Straßenrand auf – dem vorgesehenen Todesdatum seines Opfers.

Kathryn Dance, Ermittlerin und Kinesik-Expertin beim California Bureau of Investigation, nimmt bald schon den Hauptverdächtigen ins Visier: Travis, ein verhasster Mitschüler des Mädchens, soll die Tat begangen haben. In einem Blog im Internet wird er deswegen bereits offen als der „Kreuz-Killer“ bezeichnet, eine wahre Hetzjagd auf den Jungen beginnt. Da verschwindet Travis plötzlich – bewaffnet mit einer Pistole. Ab jetzt scheint jeder in Gefahr zu sein, der den jungen Mann im Internet je beleidigt oder angegriffen hat. Kathryn Dance bleiben nur wenige Stunden, um weitere Bluttaten zu verhindern. Und nicht nur der Fall hält sie in Atem: Gleichzeitig soll ihre Mutter Edie vor Gericht gebracht werden, da sie aktive Sterbehilfe geleistet haben soll…

Jeffery Deaver ist vielleicht vor allem bekannt aufgrund seines Romans „Die Assistentin„, der die literarische Vorlage zum Kinoerfolg „Der Knochenjäger“ mit Angelina Jolie und Denzel Washington bot. „Allwissend“ ist der zweite Band seiner neuen Reihe um die charismatische Ermittlerin und Kinesik-Expertin Kathryn Dance.

Allwissend“ hat mich von der ersten Seite an in seinen Bann gezogen. Deaver’s Schreibstil ist sehr klar und flüssig, und passt so perfekt zum Ton der Geschichte. Und auch ohne Kenntnisse des ersten Teils der Reihe findet man sich wunderbar in das Buch hinein.

Ganz klar getragen wird die Handlung von der Heldin Kathryn Dance. Sie verlässt sich bei der Befragung und Ermittlung auf ihre Fähigkeiten als Menschenleserin – in Gesten und Verhalten einer Person kann sie erkennen, ob jemand die Wahrheit sagt. Gerade diese Ausflüge in die Theorie der Kinesik machen das Buch interessant, da man einiges an Hintergrundwissen geboten bekommt. Eine durchaus sympathische und vor allem menschliche Hauptperson, die sich positiv aus den Massen von Gerichtsmedizinerinnen und ähnlichem abhebt.

Selbst für Laien verständlich erläutert Deaver in seinem Buch die Vor- und Nachteile der in der Internetwelt weit verbreiteten Blogs und Onlinerollenspiele, und betrachtet kritisch das immer häufiger auftretende Cybermobbing, ohne dabei allzu sehr den Moralapostel zu spielen.

Insgesamt bietet das Buch eine spannende Story, deren Ausgang keinesfalls vorhersehbar ist, auch wenn es zu Beginn den Anschein hat. Und selbst für mich als eine eher Nicht-Thriller-Leserin war „Allwissend“ absolut lesenswert.

Ich werde mich demnächst, denke ich, auch noch anderen Büchern von Jeffery Deaver widmen, unter anderem dem ersten Teil der Kathryn Dance-Reihe „Die Menschenleserin„.

Wer spannende, flüssig zu lesende Thriller mit charismatischen Ermittlerinnen mag, dem ist „Allwissend“ wirklich zu empfehlen.

bewertung 4 sterne

Allwissend von Jeffery Deaver
Roadside Crosses
544 Seiten (Hardcover)
Verlag: Blanvalet
Erschienen: Februar 2010
ISBN: 978-3764503369
21,95 €

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