[Rezension] Marina Lewycka: Das Leben kleben

Georgie Sinclair hat quasi alles was man sich wünschen könnte: einen Mann, zwei Kinder, einen Job, ein kleines Häuschen… Und doch ist sie unzufrieden. Zum einen würde sie viel lieber Liebesromane schreiben anstatt Artikel für eine Klebstoffe-Fachzeitschrift. Zum anderen ist ihr Mann Rip viel zu sehr auf seine enorm wichtige Arbeit fixiert und hört ihr kaum noch zu. Und dann sind da noch ihre Kinder. Ihr Sohn Ben steckt mitten in der Pubertät, verbringt eindeutig zuviel Zeit im Internet und beschäftigt sich neuerdings mit Weltuntergangstheorien, Tochter Stella dagegen lässt seit ihrem Auszug nur noch selten von sich hören.

Nach einem Streit wegen eines Zahnbürstenhalters zieht Rip kurzerhand aus. Und Georgie ordert einen Container und entsorgt Rip’s Sachen. An eben diesem Container lernt Georgie ihre Nachbarin Mrs. Naomi Shapiro kennen, welche diverse Schallplatten und Bücher aus dem „Müllberg“ fischt. Die beiden Damen freunden sich ein klein wenig an, auch wenn die chaotischen Zustände in Mrs. Shapiro’s Haus Georgie zu Beginn fast zum sofortigen Rückzug zwingen.

Als Mrs. Shapiro ins Krankenhaus kommt, kümmert sich Georgie um die alte Dame, das Haus, und um ihre Katzen, und muss sich plötzlich gegen Immobilienmakler und korrupte Sozialamtsmitarbeiter zur Wehr setzen. Denn Mrs. Shapiro soll ins Heim verfrachtet werden, um anschließend das Haus verkaufen zu können. Kurzerhand organisiert Georgie mit Mr. Ali einen Handwerker und quartiert zwei junge Palästinenser im Haus ein, die ein Auge auf alles haben sollen. Noch dazu ist sie sich sicher, dass Mrs. Shapiro ein Geheimnis hat, das Georgie nur zu gerne lüften würde…

Das Leben kleben“ ist nach „Eine kurze Geschichte des Traktors auf Ukrainisch“ das zweite Buch von Marina Lewycka, das ich lese. Und auch hier bietet sich wieder ein wunderbarer Roman über Familie, Freundschaft und Liebe.

Lewycka schafft es, die vielen Charaktere äußert realistisch und sympathisch wirken zu lassen, man schließt sie ins Herz und fiebert und fühlt mit. Besonders Mrs. Shapiro faszinierte mich mehr als Georgie, die eigentliche Erzählerin der Geschichte. Das Geheimnis, das sich um die alte Dame rankt, zieht sich durch den gesamten Roman und man wartet immer wieder gespannt auf neue Details, die Georgie mit ihrer Detektivarbeit ans Licht bringt.

Ein bisschen peinlich fand ich persönlich Lewycka’s Ausflug in die erotische Literatur, der allerdings (Gott sei Dank) nur ein kurzes Intermezzo blieb.

Ein unterhaltsamer Roman, mit fast schon zu vielen Handlungssträngen, von denen sich einzig die Thematik rund um Mrs. Shapiro und ihr Haus konsequent durch das gesamte Buch zieht. Trotzdem verliert man keinesfalls den Überblick, stattdessen bleibt das Buch aufgrund der vielen Ebenen spannend.

Ein Buch über die verschiedensten Menschen, zusammengehalten – „verklebt“ – durch eine geheimnisvolle Kraft. Perfekt für den Sommer; ein Buch das einen zum Schmunzeln und Lachen bringt, und vielleicht sogar ein bisschen zum Nachdenken.

bewertung 3 sterne

Das Leben kleben von Marina Lewycka
460 Seiten (Broschiert)
Verlag: dtv
Erschienen: April 2010
ISBN: 978-3423247801
14,90 €

Ich bedanke mich ganz herzlich beim dtv für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

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