[Rezension] Steve Toltz: Vatermord und andere Familienvergnügen

Meet the Deans!

Jasper Dean sitzt im Gefängnis. Dort schreibt er die Geschichte seiner Familie auf. Er erzählt vom zermürbenden Leben mit seinem Vater Martin, ohne die Dinge zu verschönern. Er erzählt von Martins Kindheit, als dieser feststellen muss, dass sein kleiner Bruder Terry plötzlich vom seltsamen, seinen Bruder verehrenden Kind zur wahren Sportskanone entwickelt und auf einmal von allen vergöttert wird. Selbst dann noch als er auf die schiefe Bahn gerät und vom Sporthelden zum gefürchteten Verbrecher wird, und selbst nach seinem Tod in ganz Australien beliebt und bekannt ist. Martin hingegen stand im Schatten seines kleinen Bruders und verrennt sich stattdessen in diverse verrückte Ideen. Und so begegnet Martin in Paris der mysteriösen Astrid, mit der er, eher zufällig als geplant, Jasper zeugte.

Jasper selbst berichtet über sein eigenes Leben. Seine Kindheit, die erste Liebe, sein Weg zum erwachsenen Mann, der nach seiner Identität sucht und nichts mehr zu fürchten scheint, als genau so zu werden wie sein verrückter Vater. Und das alles teils hochphilosophisch, teils zum schreien komisch, teils sogar etwas vulgär bis zum Ende seines Vaters.

Kann eine Familiengeschichte, die nahezu 800 Seiten füllt, wirklich von Anfang bis Ende begeistern? Sie kann. Definitiv.

Steve Toltz hat hier ein Werk geschaffen, das einfach nur wunderbar ist. Es ist witzig, melancholisch, verrückt, traurig, intelligent, philosophisch… Eben in seiner Art und Weise einfach wunderbar.

Zwar fungiert Jasper als Erzähler der Geschichte, doch durch die Rückblicke auf Martins Vergangenheit, entweder von ihm selbst erzählt oder anhand von seinen Aufzeichnungen rekunstruiert, sind einige Perspektivwechsel und Zeitsprünge gegeben, die einem die Charakatere immer mehr nahe bringen. man leidet mit, fiebert mit, lacht und weint mit den Dean-Männern, die alle nicht unbedingt das sind, was sie af den ersten Blick zu sein scheinen.

„Vatermord und andere Familienvergnügen“ fesselt. Man denkt mit, denkt nach und denkt nach dem Beenden des Buches noch weiter. Das Buch ist eine Hommage an das Leben, das Überleben, die Philosophie und an große Schriftsteller, die mich einfach begeistert hat.

Mehr möchte ich auch gar nicht über das Buch sagen. Wem 800 Seiten nicht zuviel sind, der sollte selbst herausfinden, was sich alles wunderbares hinter dem Einband verbirgt. Ein Leseerlebnis, das man so schnell nicht wieder vergessen wird.

bewertung 5 sterne

Vatermord und andere Familienvergnügen von Steve Toltz
800 Seiten (Hardcover)
Verlag: DVA
Erschienen: März 2010
ISBN: 978-3421043894
22,95 €

Ich bedanke mich ganz herzlich bei der Deutschen Verlags-Anstalt (DVA) für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

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2 Gedanken zu “[Rezension] Steve Toltz: Vatermord und andere Familienvergnügen

  1. Hi Katja

    Danke für deine Rezi, ich hab das Buch ja schon seit langem auf meinem Wunschzettel, also seit ich es entdeckt habe und das ist schon paar Wochen her 😉 Ich mag solche Bücher die Tiefe haben und doch unterhalten und nicht trocken sind. Und ne… je mehr Seiten je besser *lach*

    Ich hab jetzt an nem Gewinnspiel mit gemacht und hoffe das Buch wirklich zu gewinnen, würde mich auf alle Fälle riesig freuen.

    Liebe Grüsse
    Alexandra

  2. Das klingt schon richtig gut! Ich habe vor einer Weile auch die Inhaltsangabe gelesen und fand, dass es sehr interessant klingt! Es wird weiterhin auf meinem Wunschzettel stehen bleiben! 🙂

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