[Rezension] T.C. Boyle: Das wilde Kind

In „Das wilde Kind“ greift Boyle die Geschichte um das „Wolfskind“ Victor von Aveyron auf. Im Jahre 1797 greifen Jäger in den Wäldern Südfrankreichs einen verwilderten Jungen auf. Er ist nackt und verdreckt, ernährt sich von Nüssen und Wurzeln und kann nicht sprechen, sondern nur unartikulierte Laute von sich geben.

Man versucht das Kind einzufangen, und nach mehreren Fluchtversuchen des Jungen wird er letztendlich einer Pariser Anstalt für Taubstumme übergeben, wo er quasi sozialisiert werden soll. Der junge, aufstrebende Arzt Jean Itard ist fasziniert von dem Jungen und nimmt sich seiner an. Mit viel Geduld versucht er Victor, wie er den Jungen nennt, zu einem zivilisierten Menschen zu formen.

Doch ist das überhaupt noch möglich?

Das Thema, das Boyle hier aufgreift, interessiert und fasziniert uns schon seit längerem, wie die Popularität von Geschichten wie „Das Dschungelbuch“ deutlich zeigt.

Boyle schildert hier sehr nüchtern, ohne großartige dramatische Ausschmückungen Victors Geschichte, und zieht einen trotz der relativen Einfachheit der Erzählungen recht schnell in seinen Bann. In seiner trockenen Berichterstattung gibt er Einblick in die damalige Gesellschaft, in der das wilde Kind zu einer Kuriosität heranreift.

Mehr noch als Victor hat mich die Figur des Dr. Itard fasziniert, der hin- und hergerissen ist zwischen Ehrgeiz auf der einen, und einer gewissen Sympathie, ja fast schon väterliche Liebe zu Victor auf der anderen Seite. Und doch wird er von den Rückfällen Victors immer wieder enttäuscht und lässt ihn letztendlich fallen.

Ein interessanter, recht kurzer Bericht, den ich jedem empfehlen kann, der sich mit dem Thema beschäftigen möchte.

Boris Aljinovic verleiht den Charakteren in der Hörbuchfassung Tiefe und Persönlichkeit, die einem die Geschichte um Victor noch besser nahe bringt.

bewertung 3 sterne

Das wilde Kind von T.C. Boyle
Wild Child
112 Seiten (Hardcover)
Verlag: Hanser
Erschienen: Februar 2010
ISBN: 978-3446235144
12,90 €

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