[Rezension] Xinran: Himmelsbegräbnis

Shu Wen und ihr Mann Kejun sind geprägt von den chinesischen Idealen der damaligen Zeit, als sie sich während ihres Medizinstudiums kennenlernen und 1958 heiraten. Kurz darauf bricht Kejun mit der chinesischen Armee nach Tibet auf. Wenige Wochen später erhält Wen die Nachricht, ihr Mann wäre in Tibet ums Leben gekommen. Für die junge Frau bricht eine Welt zusammen, doch die mehr als ungenaue Mitteilung des Militärs lässt sie hoffen, dass alles nur ein Missverständis sei und ihr geliebter Kejun noch lebt. Und so macht sie sich auf die Suche nach ihm.

Gleichzeitig ist „Himmelsbegräbnis“ die Geschichte von Zhouma, einer tibetischen Landadligen, die sich in ihren Diener Tiananmen verliebt, ihre Familie und ihren Besitz verliert und von ihrem Geliebten in einem schweren Sturm getrennt wird. Wen und Zhouma treffen aufeinander und beschließen, sich gemeinsam auf die Suche nach ihren Geliebten zu machen.

Dreißig Jahre soll es dauern, bis Wen die Wahrheit erfährt. Jahre voller Entbehrungen und Einsamkeit, aber auch Jahre, in denen sie tief in die Seele Tibets blickt, Freunde findet, Hoffnung schöpft und sich innerlich wie äußerlich verändert.

Die Autorin Xinran, eine inzwischen in England lebende chinesische Radiojournalistin, die mit ihrem Buch „Verborgene Stimmen: Chinesische Frauen erzählen ihr Schicksal“ auch international bekannt wurde, behauptet, Shu Wen persönlich getroffen zu haben. Ob dies der Wahrheit entspricht, bleibt ungewiss, doch der Brief an Shu Wen am Ende des Buches, mit der Bitte sich beim Verlag zu melden, lässt annehmen dass die Geschichte möglicherweise vielleicht doch auf Tatsachen beruht.

An sich handelt es sich bei „Himmelsbegräbnis“ um ein sehr dünnes Büchlein, in dem aber verusucht wird auf berührende Weise Wens Geschichte zu erzählen. Wen verbringt viele Jahre zusammen mit einer Nomadenfamilie, was sowohl ihr als auch dem Leser einen Einblick in das Leben und die Seele Tibets ermöglicht, die so sehr von tiefer Spriritualität geprägt sind, wie man es heute kaum mehr kennt. Trotz allem kommt mir vor allem der spirituelle Part etwas zu kurz. Durch etwas mehr Recherche hätte man diese Stellen noch zusätzlich mit etwas Informationen für den Leser füllen können. Religiöse Zeremonien und Feste werden zwar beschrieben, aber der Hintergrund und die Bedeutung dieser bleibt einem leider verborgen.

Großen Raum allerdings nimmt das Leben Wens mit den Nomanden ein. Hier erfährt man einiges über die damaligen Lebensverhältnisse, die Arbeitsteilung innerhalb der Familie und die enorme Abgeschiedenheit, in der diese Familien leben. Denn innerhalb ihrer Zeit dort hat Wen nicht einmal erfahren, dass der Krieg zwischen China und Tibet inzwischen ein Ende gefunden hat.

Alles in allem eine schöne, vielleicht wahre, Geschichte, die einen kurzen Einblick in die Kultur Tibets ermöglicht, und einen eventuell dazu anregt, sich näher mit diesem Land zu beschäftigen. Denn sonst bleibt das Buch eher flach, was auch an Xinran’s nüchternem Schreibstil liegen könnte, ohne viel Tiefe, die ich mir bei einer solchen Thematik einfach mehr gewünscht hätte.

bewertung 3 sterne

Himmelsbegräbnis von Xinran
176 Seiten (Broschiert)
Verlag: Droemer Knaur
Erschienen: August 2006
ISBN: 978-3426778784
7,95 €

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s