[Rezension] David Lozano Garbala: Puerta Oscura – Totenreise

Pascal wartet seit Tagen auf eine Antwort von Michelle, der er gestanden hat, dass er in sie verliebt ist. Um Zeit mit ihr zu verbringen, und auch um ihr zu imponieren, begleiten Pascal und sein Freund Dominique Michelle zu einer Halloween-Party, die ein Bekannter der Gothic-Begeisterten Michelle ausrichtet.

Eigentlich soll sich Pascal in der alten Kleidertruhe auf dem Dachboden nur ein passendes Kostüm aussuchen, doch als er in die riesige Kiste fällt und sich deren Deckel über ihm schließt, findet er sich plötzlich in einer völlig anderen Welt wieder. In dieser Zwischenwelt, direkt an den Grenzen zur Hölle, warten die Seelen der Verstorbenen darauf, entweder in die Welt des Guten oder des Bösen einziehen zu können.

Alle hundert Jahre ist es einem menschlichen Wesen, dem Wanderer, gestattet, die Grenze zwischen der Welt der Lebenden und der Toten zu überschreiten. Doch diese Rolle bringt Gefahren mit sich, denn zum einen unterliegt die Reise des Wanderes strengen zeitlichen Richtlinien, zum anderen kann ein Bewohner des Totenreiches in die Welt gelangen, wenn der Wanderer den Weg durch die Pforte geht.

Und genau dies geschieht. Ein mächtiger Vampir gelangt ins Menschenreich, und hat nur ein Ziel. Er will die Pforte finden und vernichten. Und den Wanderer gleich dazu! Zu diesem Zweck entführt er Michelle in die Tiefen des Totenreiches, und zwingt Pascal zum Handeln. Dieser begibt sich auf eine gefährliche Reise hinein in die Dunkelheit, ins Reich der verdammten Seelen, nicht wissend, ob er Michelle finden und zurück kehren kann. Denn gleichzeitig ist der Vampir auf dem Weg, die Pforte zu zerstören und Pascals Rückkehr zu verhindern…

Das Buch hat mich wirklich überrascht. Garbala, der Dank diesem Werk zu einer Ikone der spanischen Jugendliteratur geworden ist, bringt hier eine spannende Heldenreise auf das Papier, die auch ältere Leser in ihren Bann ziehen wird.

Natürlich darf ein bisschen Romantik nicht fehlen, diese wirkt aber keinesfalls übertrieben kitschig, sondern integriert sich sehr stimmig in die gesamte Geschichte. Und auch der Vampir, auch wenn man langsam genug haben könnte von ständig neuen Vampirfiguren in der Literatur, passt perfekt, denn es handelt sich hier um die wundervolle, klassische Variante. Fangzähne, Wolfsgestalt, Krallenfinger, lichtempfindlich… Ich könnte die Liste noch weiter fortführen, aber der geneigte Leser soll sich selbst ein Bild machen.

Die einzelnen Etappen auf Pascals Reise werden interessant beschrieben und bald schon hat man sich seine Vorstellung des Totenreiches zurechtgelegt und fiebert bis zum Ende mit. Gleichzeitig wird dieser Haupthandlungsstrang immer wieder abgelöst von den Nebensträngen um Pascals Freunde, die versuchen die Pforte zu beschützen, und von der Suche der Polizei nach dem brutalen Mörder, der seinen Opfer alles Blut abzapft und sie verstümmelt…

Ein bisschen erinnerte mich der Grundgedanke der Geschichte an Orpheus und Eurydike, auch weil Klassiker des Totenreiches, wie der Fluss Styx, der Fährmann Charon und der dreiköpfige Höllenhund Cerberus nicht fehlen.

Kurz, „Totenreise“ ist erfrischend anderes, und trotz ein paar kleiner Längen sehr empfehlenswert. Ich hoffe, dass wir bald noch mehr von Garbala zu lesen bekommen.

bewertung 4 sterne

Puerta Oscura – Totenreise von David Lozano Garbala
607 Seiten (Hardcover)
Verlag: Loewe
Erschienen: Juni 2010
ISBN: 978-3785568637
19,95 €

Ich bedanke mich ganz herzlich beim Loewe-Verlag für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

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