[Rezension] Brom: Der Kinderdieb

Die Anzahl der Jungen auf der Insel variiert natürlich, je nachdem, wie viele getötet werden und derlei. Und wenn sie den Eindruck machen, dass sie erwachsen werden, was gegen die Regeln verstößt, jätet Peter sie aus.

Dieses Zitat aus James Matthew Barries „Peter Pan“ inspirierte den Autoren Brom zu seiner eigenen Interpretation des Mythos rund um Peter und seine verlorenen Jungs.

Peter hat seine Heimat in Avalon gefunden, der Insel der Feen und Fabelwesen. Durch den Nebel der Dame Modron vor den Augen der uns bekannten Welt verborgen, stirbt Avalon, bedroht durch die Fleischfresser, die rücksichtslos die Bewohner der magischen Insel töten und vernichten. Einzig die Teufel, eine Gruppe von Kindern, die Peter anführt, stellt sich der Bedrohung aktiv entgegen. Dies fordert allerdings seinen Tribut. Stets muss Peter, der als einziger in der Lage ist gefahrlos den Nebel der Dame zu durchqueren, zurück in die Menschenwelt, um neue Kämpfer zu rekrutieren. Diese findet er in den verlorenen Kindern. Den misshandelten, missbrauchten, verlassenen Kindern. Peter freundet sich mit ihnen an und lockt sie unter Vorspielung falscher Tatsachen nach Avalon. Dabei trifft er auf Nick, einen Jungen der von zu Hause ausgerissen ist, um einer Bande Kleinkrimineller zu entkommen, die sich im Haus seiner Mutter einquartiert haben. In Avalon wird Nick vor die Wahl gestellt: Kämpfe mit den Teufeln, oder du bist auf dich alleine gestellt. Er muss sich in dieser Welt zurechtfinden und schließt sich den Teufeln im Kampf gegen die Fleischfresser an.

Der Kinderdieb“ ist überraschend blutig. In seinem nüchternen Tonfall beschreibt Brom den Tod der Teufel, die im Kampf gegen die Fleischfresser fallen, umherfliegende Innereien, das Sterben der Natur und der Bäume, deren Todesschreie durch Mark und Bein gehen. Er beschönigt nichts, und das würde auch nicht zum Ton der Geschichte passen. Gekonnt verknüpft er den Mythos der Insel Avalon mit Barries Geschichte von Peter Pan, die er aber in keinem Fall nur nacherzählt. Stattdessen schafft Brom auf der Basis dieser Mythen eine eigene Welt, eine eigene Geschichte, einen eigenen Peter. Und dieser ist keineswegs der liebenswerte Junge den wir kennen, sondern er ist auch rücksichtslos und unberechenbar.

Das Buch hat mich unglaublich gefesselt. Die Figuren wirken sehr realistisch, was das gesamte Werk sehr glaubwürdig macht. Besonders die letzte Hälfte hat mich fasziniert, die einzelnen Beweggründe der Charaktere, sowie die Fronten von Gut und Böse, die zu Beginn recht klar zu sein schienen und nun zu verschwimmen scheinen. Die Selbstzweifel, die einzelne Figuren plagen, gehen in die Tiefe und regen einen beim Lesen selbst zum Nachdenken an.

Übrigens muss ich auch nocheinmal die Gestaltung des Buches erwähnen. Nicht nur die Umschlaggestaltung finden ich sehr gelungen, weiterhin befinden sich in der Mitte des Buches farbige Bilder der Hauptpersonen und jedes einzelne Kapitel wird von einer passenden Schwarz-Weiß-Zeichnung eingeleitet. Dies macht das Buch meiner Meinung nach zu einem wahren Schmückstück.

Ich kann nur wirklich jeden empfehlen, dieses unglaublich vielschichtige Werk zu lesen. Die Brutalität sollte man allerdings verkraften können, ein allzu schwacher Magen wäre also eher ungünstig.

bewertung 5 sterne

Der Kinderdieb von Brom
The Child Thief
655 Seiten (Hardcover)
Verlag: PAN
Erschienen: Februar 2010
ISBN: 978-3426283295
16,95 €

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