[Rezension] Carlos Ruiz Zafón: Das Spiel des Engels

Barcelona in der Zeit kurz vor dem spanischen Bürgerkrieg. David Martín träumt davon Schriftsteller zu werden, seitdem er als Junge Charles Dickens „Große Erwartungen“ gelesen hat. Als Laufbursche bei einer Zeitung beschäftigt, bekommt er plötzlich die Chance eine Geschichte für eine leer gebliebene Seite der aktuellen Ausgabe zu verfassen. David nutzt die Gelegenheit und schon bald findet er zwei Verleger, für die er unter einem Pseudonym beginnt, schaurige Fortsetzungsromane zu schreiben. Von seinen ersten Honoraren mietet er sich in ein altes Haus mit einem Turm ein, in welches er von Kindesbeinen an ziehen wollte. Bald schon macht ihm ein französischer Verleger namens Andreas Corelli das Angebot, ein Buch für ihn zu verfassen, für welches Corelli schon im Voraus ein unglaubliches Honorar an David zu zahlen gedenkt. Nach einigem Zögern nimmt dieser das verlockende Angebot an. Ab diesem Moment scheint sein Leben aus den Fugen zu geraten, er droht die Kontrolle zu verlieren. Seine Recherchen, Corelli und den Vorbesitzer des Hauses mit dem Turm betreffend, ziehen eine wahre Spur von mysteriösen Toden hinter sich her. Als Davids große Liebe Cristina plötzlich spurlos verschwindet, beschließt David endgültig das Geheimnis seines Auftrages zu lüften und gerät immer mehr in einen Strudel, aus dem es kein Entrinnen zu geben scheint…

Carlos Ruiz Zafón hat hier wieder ein wunderbares Werk geschaffen, das einen von der ersten bis zur letzten Seite fesselt. Das gesamte Buch ist von einer nahezu greifbaren Spannung durchzogen, die sich langsam und stetig aufbaut, bis einem am Ende eine Lösung präsentiert wird, die man so wahrlich nicht erwartet hat. Das ganze verpackt in Zafóns wundervolle Formulierungskünste.

Das Spiel des Engels“ strotzt nur o von literarischen Anspielung. So finden sich hier Charles Dickens,Jane Austen, Robert Louis Stevenson, sowie Bezüge zu Oscar Wildes „Das Bildnis des Dorian Gray“ und dem Faustschen Motiv. Eine wahre Fundgrube für Literaturbegeisterte. Dazu natürlich der bereits aus „Der Schatten des Windes“ bekannte Friedhof der vergessenen Bücher sowie die Buchhandlung Sempere, die in einem den Wunsch wecken, es möge solch einen Ort auch in unserer Welt geben.

Am Ende liefert Zafón, wie bereits erwähnt, eine Lösung, die jedoch sehr viel Raum für die ganz eigene Interpretation der Geschichte ermöglicht. Gerade das hat mich an dem Buch begeistert. Dass einem eben nicht alles vorgesetzt wird, sondern man sich selbst Gedanken machen muss.

Ein wahrhaft gelungenes Werk, das seinem Vorgänger „Der Schatten des Windes“ in nichts nachsteht.

bewertung 5 sterne

Das Spiel des Engels von Carlos Ruiz Zafón
720 Seiten (Broschiert)
Verlag: Fischer Taschenbuch Verlag
Erschienen: März 2010
ISBN: 978-3596186440
10,95 €

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