Der 13-jährige Michael Ogilvy führt kein Leben, das typisch wäre für einen Jungen seines Alters. Nahezu isoliert von der Welt und den Menschen außerhalb, verbringt er seine Zeit im riesigen Haus seines Vaters, wird unterrichtet von Hauslehrern, hat Haushälterin und Butler. Und er ist einsam, denn nun hat er auch noch seinen einzigen wahren Freund verloren. Sein Zwillingsbruder Rafael starb ein einer seltenen Erbkrankheit, die bereits das Leben von Mike’s Mutter forderte.
Seitdem hat sich sein Vater Brian, Milliardär, Inhaber einer Software-Firma und Computerspezialist, immer mehr zurückgezogen. Zunächst befürchtet der Junge, sein Vater gebe ihm die Schuld an Rafael’s Tod, doch dann kommt er hinter das Geheimnis. Sein Vater hat eine künstliche Intelligenz namens “Rafael 2.0″ erschaffen, gespeist mit Erinnerungen des Verstorbenen, als Ersatz für den verlorenen Bruder. Mike ist entsetzt, freundet sich aber dennoch langsam mit Raf2 an.
Doch dann verschwindet Mike’s Vater plötzlich während einer Dienstreise nach Mexiko spurlos. Mike wird in ein Internat verfrachtet und die Konkurrenz beginnt sich für die Firma seines Vaters zu interessieren. Aber Mike glaubt nicht an die Anschuldigungen, die gegen seinen Vater vorgebracht werden. Mit Hilfe von Raf2 macht er sich auf den Weg, um herauszufinden wohin sein Vater verschwunden ist. Bald schon sieht er sich Gefahren gegenüber, die er sich in seinen kühnsten Träumen nicht hätte vorstellen können…
“Rafael 2.0” ist ein Jugendroman des Autoren Karl Olsberg, der nicht nur zum Thema künstliche Intelligenz promovierte, sondern bereits im Aufbau Verlag Berlin Romane veröffentlichte.
Das Thema künstliche Intelligenz ist nicht nur interessant, sondern auch äußerst aktuell, gerade in einer Zeit, in der die Technik immer mehr Bereich des alltäglichen Lebens zu dominieren beginnt. Oder kann sich jemand noch an Zeiten ohne Handy, Laptop und Internet erinnern?
Der Ansatz des Buches ist also nicht schlecht, und zu Beginn entwickelt sich das ganze auch recht gut. Im Laufe der Geschichte schlägt die Handlung aber eher in die Thriller-/Krimi-Richtung um, was aber keineswegs negativ zu verstehen ist. Dieser Teil der Handlung bringt eher etwas Schwung ins Buch, und das schadet abslout nicht.
Allerdings bin ich doch etwas enttäuscht. Zunächst einmal hatte ich einfach eine etwas intensivere Auseinandersetzung mit dem Thema künstliche Intelligenz erhofft, doch Mike findet sich sehr schnell mit Raf2 ab und damit ist die Sache erledigt. Gegen Ende wird das Thema aber wieder aufgegriffen, allerdings auf eine sehr klischeehafte und belehrende Art und Weise. Zwar durchaus mit interessante Argumenten, jedoch sehr langweilig verpackt.
Mike als Charakter war mir zwar nicht unsympathisch, jedoch einfach unrealistisch. Natürlich könnte man hier den mangelnden Kontakt mit anderen Menschen seines Altersbereiches anbringen, jedoch ist er eben einfach zu perfekt gestaltet, was ihn nicht gerade glaubhaft macht. Auch die Nebencharaktere bleiben flach und steif.
Dazu trägt vielleicht auch der Schreibstil des Autors bei. Nicht gerade schlecht oder anstrengend bzw. schleppend zu lesen, nur die Dialoge wirken sehr gestelzt und eher wie ein notwendiges Übel, das überwunden werden muss. Gerade bei Mike fällt das sehr auf, denn er redet einfach auf eine Art, die ich für einen Jungen sienes Alters unpassend finde. Teilweise hat man das Gefühl, hier wurde eher eine wissenschaftliche Abhandlung in einen Roman verpackt.
“Rafael 2.0” ist keinesfalls schlecht, nur hätte ich mir eine intensivere, auch eher philosophische Auseinandersetzung mit der KI-Thematik gewünscht, und einfach auch glaubhaftere Charaktere. Gegen Ende ziemlich klischeebehaftet, ist der Roman zwar eventuell einen Blick wert, jedoch keine uneingeschränkte Empfehlung meinerseits, da einfach zu viele Schwächen gegeben sind.
Rafael 2.0 von Karl Olsberg
240 Seiten (Hardcover)
Verlag: Thienemann
Erschienen: Januar 2011
ISBN:978-3522201254
13,90 €
Ich bedanke mich ganz herzlich beim Thienemann Verlag für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.















