[Rezension] Daniela Krien: Irgendwann werden wir uns alles erzählen

“Ein einziger Augenblick kann ein Leben ändern.”

Sommer 1990. Ein kleines Dorf nahe der deutsch-deutschen Grenze, die nun eigentlich keine mehr ist.

Maria wird bald siebzehn und wohnt mit ihrem Freund Johannes auf dem Hof seiner Eltern. Das verträumte Mädchen verkriecht sich lieber mit Dostojewskijs “Die Brüder Karamasow” anstatt zur Schule zu gehen – im Gegensatz zu Johannes, der feste Pläne für seine Zukunft zu haben scheint.

Auf dem Nachbarhof lebt der vierzigjährige Henner. Der alleinstehende Mann wird von den Leuten aus dem Dorf eher argwöhnisch betrachtet. Doch der tragische Hauch, der seine Vergangenheit umgibt, ändert nichts daran, dass der charismatische Mann eine gewisse Wirkung auf Frauen hat.

Ein zufälliger Blick, eine Berührung lösen in Maria eine Sehnsucht aus, die so fremd und übermächtig ist, dass sie sich ihr nicht erwehren kann, und sie daher wie von höherer Gewalt geleitet in Henners Haus und seine Arme treibt…

Irgendwann werden wir uns alles erzählen” ist der Debütroman der deutschen Autorin Daniela Krien, und wurde bereits vor seinem eigentlichen Erscheinen an 13 weitere Länder verkauft.

Von diesem Buch habe ich von Anfang an sehr viel erwartet. Diese Erwartungen wurden mehr als nur übertroffen, und nun suche ich nach Worten, die beschreiben, wie unglaublich fantastisch dieses Werk ist. Allein das Cover unterstreicht die Stimmung des Romans, wirkt in seiner Farbgebung älter, der staubtrockene Feldweg, die Gräser und weiter Felder lassen die Hitze des Sommers fast ganz von alleine lebendig werden.

Maria lebt bei der Familie ihres Freundes, statt bei ihrer Mutter. Was zunächst seltsam erscheint, ist für die Familie Brendel selbstverständlich. Ein typischer Generationenhaushalt – Großmutter Frieda, Vater Siegfried, Mutter Marianne, ihr ältester Sohn Johannes, der zwölfjährige Lukas sowie “Knecht” Alfred leben zusammen unter einem Dach. Und solange sie ihre Aufgaben auf dem Hof erfüllt, so scheint Marias Anwesenheit kein Problem darzustellen.

Das siebzehnjährige Mädchen wirkt verträumt, weiß noch nicht, was sie mit sich und ihrer Zukunft anfangen möchte. Während Johannes seinem Abschluss macht und sich immer mehr in der Fotografie verliert, versinkt Maria zusammen mit den Brüdern Karamasow in einer anderen Welt. Bis diese durch Henner gehörig auf den Kopf gestellt wird.

Henner wirkt eher wie ein Gutsbesitzer aus alten Zeiten, hat mit der Landwirtschaft eher wenig am Hut. Einzig und allein für Pferde scheint er ein Talent zu haben. Als Weiberheld und Trunkenbold verschrien, ist er bei den restlichen Dorfbewohnern eher ungern gesehen. Auch charakterlich erscheint Henner zunächst nicht gerade einfach. Doch mit der Zeit schleicht sich auch dieser Charakter ins Herz des Lesers, trotz seiner Eigenarten.

Die Liebesgeschichte zwischen Maria und Henner verläuft keinesfalls so, wie man es vielleicht erwarten würde. Allein der Beginn dieser “Romanze”, die in meinen Augen gar nicht zufälligen und schon fast unsittlichen Berührungen seitens Henners, zeigt schon früh, dass es sich hier nicht um die Erfüllung einer Kleinmädchen-Fantasie handelt. Stattdessen ist diese Liebe heftig, unberechenbar und wild, fast schon verzweifelt, und doch so real, so echt. Allein der Altersunterschied macht diese Beziehung zu etwas Verbotenem, etwas Geheimen. Eine Beziehung, die das Leben der beiden Hauptcharaktere für immer verändern wird, sollte sie jemals ans Licht kommen.

Maria verstrickt sich immer mehr in Lügen, um Möglichkeiten zu finden Zeit mit Henner zu verbringen. Sie schwankt zwischen Euphorie und schlechtem Gewissen, vergießt Tränen, leidet, liebt und lebt. Henner ist ihre Zuflucht, und während Johannes sich immer mehr von ihr abzuwenden scheint findet sie bei ihm Bestätigung.

“Ich taumele von einem Gefühlszustand zum nächsten, lebe von einem Tag zum anderen, ganz und gar gegenwärtig, ganz im Jetzt, und das Jetzt ist der Henner. Johannes und die Zukunft liegen im Ungewissen.”

Daniela Krien erzählt auf der einen Seite eine Familiengeschichte. Eine Geschichte, zu der Maria noch nicht ganz dazu gehört, doch ihr Platz bei den Brendels festigt sich immer mehr. Gleichzeitig ist “Irgendwann werden wir uns alles erzählen” eine Liebesgeschichte. All das spielt sich vor dem Hintergrund der sich auflösenden DDR ab, ein Land, das alle Charaktere dieses Buches unweigerlich gezeichnet hat. Die Öffnung dieses Landes in Richtung Westen, die Möglichkeiten, Veränderungen und Ängste bilden den großen historischen Rahmen, sind aber nie direkt Thema. Denn für Maria, die als Ich-Erzählerin fungiert, ist die offene Grenze, die zunächst wie das Tor zur Freiheit erscheint, plötzlich völlig unwichtig.

Der Autorin gelingt es diese Geschichte, die völlig ohne spannende oder atemraubende Elemente auskommt, doch so zu gestalten, dass man sich ihr kaum entziehen kann. Maria und Henner verzaubern den Leser, einwickeln einen Bann, der von der ersten Sekunde an verzaubert. Sprachlich einfach und ohne überschwengliche Formulierungen schafft es Krien jedoch, die Sehnsucht wirklich greifbar zu machen, schreibt sie doch ungemein bildlich, dass jedes Wort eine unglaubliche Lebendigkeit ausstrahlt.

Irgendwann werden wir uns alles erzählen” ist ein wunderbares Buch, voller Sehnsucht und Sinnlichkeit, das die Geschichte einer eigentlich verbotenen Liebe erzählt, ohne dabei jemals kitschig oder unrealistisch zu wirken. Ein Buch, so wunderschön, so voller Zauber, Melancholie und Leben; sprachlich einfach und doch so grandios. Absolut lesenswert.

Irgendwann werden wir uns alles erzählen von Daniela Krien
240 Seiten (Hardcover)
Verlag: Graf
Erschienen: September 2011
ISBN: 978-3862200191
18,00 €

Ich bedanke mich ganz, ganz herzlich beim Graf-Verlag für das so freundlich zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

[Rezension] Olivia Cunning: Backstage Pass – Sinners on Tour 1

Hinweis: Aufgrund der expliziten Erotik-Szenen empfehle ich das Buch erst ab 18 Jahren.

Myrna Evans, Psychologin und Sexualkunde-Professorin, befindet sich auf einer Konferenz, als sie in der Bar des Hotels auf die Mitglieder der bekannten Rockband “The Sinners” trifft. Die Ablenkung kommt ihr gerade recht, und so geht Myrna auf die Avancen der Band ein und nimmt am Gelage in der Hotelbar teil.

Brian Sinclair, seines Zeichens Songwriter und Lead-Gitarrist, hat gerade seine aktuelle Freundin und Muse verloren und befindet sich in einem Schaffenstief. Und obwohl ihm gerade erst sein Herz gebrochen wurde, steht er mitten in der Nacht vor der Tür von Myrnas Hotelzimmer. Nach einigen heißen Stunden ist eines klar: Myrna ist seine neue Muse!

Alles könnte so einfach sein, besonders als Myrna beginnt die Band wegen einer Studie auf ihrer Tour zu begleiten. Doch Myrnas Vergangenheit droht die Beziehung zwischen ihr und Brian zu zerstören…

Bei “Backstage Pass” handelt es sich um den ersten Band der Sinners-on-Tour-Reihe von Olivia Cunning.

Love, Sex and Rock ‘n’ Roll – an sich bin ich relativ unbefangen und ohne großartige Erwartungen an dieses Buch heran gegangen, denn mich hat zunächst nur die Tatsache angesprochen, dass es hier um eine Rockband geht.

Brian “Master” Sinclair ist nach außen hin der harte Rocker, im tiefsten Innern sehnt er sich aber nach der großen Liebe. Er neigt dazu sein Herz sehr schnell an Frauen – meist Groupies – zu verschenken, doch genau so schnell wird es ihm wieder gebrochen. Oft ist daran Sänger Sed Lionhart nicht ganz unschuldig, was unweigerlich immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen den beiden führt.

Myrna Evans ist im Vergleich zu den Rockern ganz Buisnessfrau, wirkt aber nur auf den ersten Blick gesittet. Mit Brian entdeckt Myrna Seiten an sich wieder, die sie eigentlich für immer vergessen wollte. Denn ihr Ex-Mann Jeremy hat maßgeblich dazu beigetragen, dass Myrna an ihrem Selbstwertgefühl zweifelt und sich nicht mit Herz und Seele ganz auf Brian einlassen geht.

Beide Hauptcharaktere haben ihre Stärken und Schwächen, auch wenn Brian manchmal wirklich nichts anderes als Sex im Sinn zu haben scheint. Diese Szenen sind es auch, die einen Großteil des Buches ausmachen, denn Cunning hält sich in Sachen Ausführlichkeit nicht gerade zurück, und setzt ihr Pärchen als sehr experimentierfreudig in Szene. Trotz allem wirken die Erotikparts keinesfalls geschmacklos und die Autorin schafft es, nicht ins vulgäre abzudriften.

Denn trotz allem gelingt es Cunning, die Intensität der Gefühle zwischen Myrna und Brian ohne kitschige Formulierungen zu vermitteln, und gerade die Szenen in denen Brian beginnt Noten niederzuschreiben, die ihm beim Liebesspiel mit Myrna in den Sinn kommen, sind mir positiv im Gedächtnis geblieben.

Backstage Pass” profitiert vor allem auch von seinen Nebencharakteren, allen voran natürlich den anderen Mitgliedern der Sinners: Sed, Eric, Jace und Trey, wobei mir besonders der bisexuelle Trey wirklich sehr ans Herz gewachsen ist, da er besonders zu den humorvollen Momenten im Buch beiträgt. Von Anfang bis Ende musste ich immer wieder kleinere Lachanfälle unterdrücken, denn in Sachen Situationskomik scheint Cunning wirklich eine Meisterin zu sein.

Natürlich, streicht man die Sexszenen bleiben vielleicht gerade einmal 100 Seiten richtige Handlung übrig, dennoch hat “Backstage Pass” durchaus seinen Charme und bietet ein gewisses Lesevergnügen – vorausgesetzt man liest gerne Geschichten dieser Art. Stilistisch drückt sich Cunning sehr klar und direkt auf, verzichtet auf ausschweifende Umschreibungen und macht ihr Werk damit zu einem kurzweiligen Lesevergnügen – ich persönlich hatte das Buch binnen drei Tagen beendet.

Kurzum: Cunning liefert mit “Backstage Pass” einen perfekten Startband ab, voller Erotik, Charma, Witz, Dramatik und Rock ‘n’ Roll, mit sympathischen und glaubhaften Charakteren, die einem mit jeder Zeile immer mehr ans Herz wachsen. In meinen Augen unbedingt einen Blick wert. Ich freue mich schön jetzt auf die nächsten Bände der Reihe.

Backstage Pass: Sinners on Tour 1 von Olivia Cunning
378 Seiten (Broschiert)
Verlag: Sourcebooks Inc.
Erschienen: Oktober 2010
ISBN: 978-1402244421
ca. 11 €

Ein Klick auf das Bild führt zur “Offiziellen” Homepage der Sinners.

[Rezension] Jessica Trapp: Der Kerker des Königs

England, 1487.

Während einem Besuch in der Abtei nahe ihrer Burg wird Lady Ariana plötzlich von einem dunklen, gefährlichen Mann festgenommen. Verzweifelt versucht sie zu fliehen, und setzt dabei ungewollt sogar die gesamte Kapelle in Brand. Doch all das nützt ihr nicht das Geringste.

Denn Gabriel of Whitestone, der Jäger des Königs, hat sich geschworen, den “Spion der Nacht”, der pikante Details des adeligen Lebens an die Öffentlichkeit bringt, gefangen zu nehmen und vor Gericht zu bringen, um seinen Bruder aus den königlichen Kerkern freizubekommen, der dort fälschlicher Weise als Spion festgehalten wird.

Auf dem Weg erliegt Gabriel Ariana immer mehr, scheint sie doch keineswegs nur eine eingebildete Adelige zu sein. Ihre Vergangenheit und ihre Ängste erwärmen sein Herz, und auch Ariana kann sich nicht gegen die Anziehung wehren, die von dem dunklen Mann ausgeht, der so ganz anders ist als die Männer, mit denen sie bisher Kontakt hatte.

Bald schon entschließt sich Gabriel, Ariana vor dem Kerker zu bewahren und macht ihr einen Antrag. Doch er ahnt nicht, dass Ariana ihm nicht traut. Die junge Frau flieht, und Gabriel gerät in die Fänge von Abt und Bischof, die ihn für die Zerstörung der Abtei durch den Brand verantwortlich machen. Verletzt und verbittert schwört Gabriel, sich an Ariana zu rächen…

Der Kerker des Königs” ist ein historischer Liebesroman aus der Feder von Jessica Trapp.

Ich bin mit einer gewissen Erwartung an dieses Buch herangegangen: Ich wollte eine Romanze mit historischem Setting lesen, die allerdings nicht allzu kitschig daherkommt. Und dazu noch eine glaubhafte Rahmenhandlung.

Prinzipiell wurden meine Ansprüche erfüllt. Die Romanze zwischen Gabriel und Ariana verläuft zwar in gewisser Weise vorhersehbar, aber weitestgehend frei von typischen Klischees und gewürzt mit ein paar Wendungen und Schwierigkeiten, so dass es dem Leser nicht langweilig wird.

Die beiden Hauptcharaktere sind recht glaubhaft gestaltet, agieren nachvollziehbar, auch wenn Ariana in manchen Dingen charakterisierungstechnisch etwas überzogen wirkt. Gabriel ist ganz der dunkle Held, ein echter Mann eben, nicht zu vergleichen mit den Männern, mit denen Ariana bisher in Berührung kam. Daher passt leider auch das Cover nicht unbedingt zur Geschichte. Ariana mag noch gut getroffen sein, doch Gabriel wirkt wie ein Schönling, und nicht wie der starke Kämpfer.

Die Rahmenhandlung an sich ist vorhanden, aber es wird wirklich ein deutliches Hauptaugenmerk auf die Liebesgeschichte gelegt. Ich persönlich hätte mir eine kleine Vertiefung einiger Handlungsstränge gewünscht, gerade auch weil einige Handlungen der beiden Hauptpersonen durchaus Folgen haben könnten, die aber mit keiner Silbe erwähnt werden. Aber ich will nicht zu viel verraten. Doch gerade das ist für mich Grund, ein paar Punkte in der Wertung abzuziehen. Trapp wollte Spannung mit einbauen, ist aber in Sachen Auflösung den einfachen Weg gegangen und hat vieles unerwähnt gelassen.

Nichtsdestotrotz eignet sich “Der Kerker des Königs” gut zum abschalten, da es sich um eine schöne kleine Geschichte handelt, deren Anspruch sich eher im unteren Mittelfeld bewegt. Ab und an muss es aber auch einmal ein solches Buch sein.

Der Kerker des Königs von Jessica Trapp
320 Seiten (Broschiert)
Verlag: Mira
Erschienen: März 2009
ISBN: 978-3899415780
5,95 €

[Rezension] Nora Roberts: Sommersehnsucht

Bereits als kleines Mädchen war Emmaline Grant eine hoffnungslose Romantikerin, und spielte am allerliebsten “Heiraten” mit ihren besten Freundinnen Parker, Mac und Laurel. Kein Wunder also, dass die vier ihr Lieblingsspiel nun zu ihrem Beruf gemacht haben und zusammen die Hochzeitsagentur Vows leiten, in der Emma als Floristin ihrer Fantasie freien Lauf lassen kann.

Auch in Sachen Liebesleben scheint bei Emma alles wunderbar zu laufen. Die Männer umschwärmen sie wie Motten das Licht. Doch trotz all der vielen Dates ist es ihr noch nicht gelungen, den Richtigen zu finden. Bis ihr die Augen geöffnet werden.

Jack Cooke, seines Zeichens Architekt und bester Freund von Parker’s Bruder Del, was ihn quasi zum Familienmitglied macht, erweist sich für Emma nach einer Autopanne als strahlender Retter in der Not. Schon immer war Jack fasziniert von Emma, als Fast-Schwester allerdings galt sie als absolut tabu. Doch als die beiden sich näher kommen, kann sich Jack seiner Gefühle nicht mehr erwehren. Allerdings wird die beginnende Romanze nicht von allen mit Wohlwollen aufgenommen. Denn während Jack nie der Typ war für richtige Beziehungen, träumt Emma von der Liebe ihres Lebens und ewigem Glück. Ist diese Beziehung früher oder später zum Scheitern verurteilt?

Sommersehnsucht” ist der zweite Band des Jahreszeiten-Zyklus von Nora Roberts.

Wie bereits beim Vorgänger weiß der Leser auch hier sehr schnell, wer denn diesmal füreinander bestimmt ist. Doch anstatt gelangweilt auf der Stelle zu treten, beschreibt Roberts auf wunderbar gefühlvolle Weise den Weg der beiden Hauptfiguren, voller Höhen und Tiefen, voller Romantik, aber keinesfalls voller Kitsch.

Emma ist eine Vollblutromantikerin, träumt davon mit ihrem Mr. Right im Garten bei Mondschein zu tanzen, zu heiraten, eine Familie zu gründen. Jack hingegen ist nicht auf langatmige, ernste Beziehungen aus, vielleicht auch gerade deshalb, weil er schon immer Interesse an Emma hatte?

Die beiden Hauptcharaktere sind glaubhaft gestaltet, man fühlt und leidet mit beiden mit, da Roberts immer wieder gekonnt perspektivisch zwischen Emma und Jack wechselt. Auch Parker, Mac und Laurel muss man einfach mögen, genau wie Del, Parker’s Bruder.

Diese Nebencharaktere mit Persönlichkeit tragen ebenso wie all die Geschichten rund um die Hochzeiten, die Vows ausrichtet, dazu bei, dass “Sommersehnsucht” nicht zu einem reinen Schmachtroman wird. Monsterbräute, nervtötende Brautmütter oder schwangere Brautjungfern mit Vorwehen tragen auf ihre ganz eigene Art zum Charme der  Handlung bei. Diese Episoden zaubern einem einfach ein Lächeln auf’s Gesicht. Und nebenbei zeigen sich dem aufmerksamen Leser auf, welche Männer eventuell für die restlichen Vows-Mädels bestimmt sein könnten.

Sommersehnsucht” ist einfach ein wunderbarer Roman, der einem mit einem angenehmen Gefühl der Zufriedenheit zurücklässt. Romantisch, aber ohne peinlich schmalzig zu sein, muss man dieses Buch und seine Charaktere einfach mögen. Ich freue mich schon auf den nächsten Teil.

Sommersehnsucht von Nora Roberts
432 Seiten (Broschiert)
Verlag: Heyne
Erschienen: Juni 2010
ISBN: 978-3453407640
9,95 €

[Rezension] Elisabeth Naughton: Gestohlene Rache

In einer Höhle in Jamaika stößt die Archäologin Lisa Maxwell auf ein Bruchstück eines antiken Figurenreliefs, das Alekto zeigt, eine der drei Furien. Der Fund könnte die Wissenschaftswelt erschüttern, vor allem wenn es Lisa gelingen sollte, auch noch die beiden anderen Rachegöttinnen Megäre und Tisiphone zu finden.

Auf einem Vortrag in Italien trifft Lisa auf den attraktiven Rafe, und obwohl sie überhaupt nicht der Typ Frau ist, der auf One-Night-Stands steht, lässt sie sich von ihm und seinem spanischen Akzent um den Finger wickeln. Als sie am nächsten Morgen aufwacht, ist Rafe verschwunden – und mit ihm Alekto.

Wutentbrannt folgt die Archäologin Rafe nach Florida. Doch statt aufzugeben, schlägt der charmante Dieb ihr schamlos vor, sich mit ihm gemeinsam auf die Suche nach den beiden noch fehlenden Furien zu machen. Notgedrungen willigt Lisa ein, obwohl sie ahnt, dass Rafe ihr nicht die ganze Wahrheit sagt.

Bald schon fällt es den beiden immer schwerer sich auf der gefährlichen Jagd nach den Kunstschätzen der Anziehungskraft des jeweils Anderen zu entziehen. Doch schon bald geraten die beiden in Lebensgefahr, denn sie sind nicht die Einzigen, die Interesse an den Furien haben. Und die Konkurrenz geht dabei über Leichen…

Gestohlene Rache” ist der erste Teil einer auf drei Bände ausgelegten Romantic-Thrill-Reihe und gleichzeitig des Debüt der Autorin Elisabeth Naughton.

Das Thema der Jagd nach archäologischen Schätzen hat mich gleich angesprochen. Die Handlung begann schwungvoll, ohne große Vorrede, was sich sehr positiv auf den Lesefluss auswirkt. Von Anfang an ist man als Leser mittendrin, liest voller Spannung Zeile um Zeile, und kann das Buch wirklich nur schwer zur Seite legen.

Die beiden Hauptcharaktere Rafe und Lisa waren mir sofort sympathisch. Beide haben sie ihre Geheimnisse, eine Vergangenheit, an der sie noch heute, Jahre später zu tragen haben. Der Autorin gelingt es wunderbar, die Interaktionen zwischen diesen beiden Persönlichkeiten glaubhaft zu beschreiben. Die häufigen Wortgefechte von Rafe und Lisa sind es auch, die die Stimmung immer wieder auflockern, und dem Leser ein Lächeln auf das Gesicht zaubern.

Die Beziehung der Beiden beginnt mit einem Knall, und Lisa ist sich lange Zeit nicht sicher, ob sie Rafe, der sie ja bestohlen hat, wirklich vertrauen kann. Trotz allem fühlt sie sich zu ihm hingezogen. Auch Rafe kann sich Lisa’s Reizen nicht erwehren. Durch Perspektivwechsel zwischen ihren Hauptpersonen verschafft Naughton dem Leser gekonnt Einblicke in deren Gefühlswelt.

Das Knistern ist fast greifbar, und entlädt sich natürlich irgendwann auf entsprechende Art und Weise. Diesen erotischen Teil beschreibt Naughton wirklich sehr geschmackvoll, und quasi greifbar.

Die Jagd nach den Furien und die Flucht vor den Verfolgern bietet die Rahmenhandlung für die Lovestory, tritt aber nicht allzu sehr in den Hintergrund, sondern sorgt durchweg für Spannung, auch wenn es ruhig noch ein bisschen mehr hätte sein dürfen.

Naughton schreibt wunderbar flüssig und klar, was es einem leicht macht, in der Geschichte zu versinken.

Gestohlene Rache” ist ein sehr gelungener Roman, voller Spannung, gewürzt mit einer heißen Liebesgeschichte. Es muss eben nicht immer Paranormal Romance sein. Dieser Serienauftakt ist es definitiv wert, dass man ihm seine Aufmerksamkeit schenkt. Ich zumindest freue mich schon auf den zweiten Band “Gestohlene Liebe“, der im Juni 2011 bei Egmont Lyx erscheint.

Gestohlene Rache von Elisabeth Naughton
431 Seiten (Broschiert)
Verlag: Egmont Lyx
Erschienen: November 2010
ISBN: 978-3802583261
9,95 €

[Rezension] Ally Condie: Matched (dt. Die Auswahl)

In der Zukunft besitzt ein machtvolles System die Herrschaft über die Welt. Und über die Menschen. Denn alles wird vom System bestimmt: was du isst, was du lesen darfst, welche Kunstwerke es wert sind erhalten zu werden, welche Musik du hören darfst, wie du dich kleiden sollst, wann du zu sterben hast und auch, wenn du zu lieben hast. Denn den Menschen, den man heiraten will, darf man nicht mehr selbst erwählen. Stattdessen entscheidet die Regierung, wer für einen der passende Partner ist, um den perfekten, krankheitsfreien Status zu erhalten, den die Bevölkerung besitzt.

Auch für Cassie wird kurz nach ihrem siebzehnten Geburtstag ein passender Partner erwählt. Es ist Xander, ihr Freund aus Kindertagen. Seit Jahrzehnten kennt sich ein Paar bereits vor der Wahl. Alles scheint perfekt, und eigentlich benötigt sie den Mikrochip gar nicht, der alle wesentlichen Daten über Xander enthält. Doch die Neugier siegt, und plötzlich wendet sich das Blatt.

Denn nicht nur Xander’s Gesicht erscheint auf dem Bildschirm, sondern ebenfalls das von Ky, einem Jungen aus der Nachbarschaft. Ihr wird versichert, dass dies ein Fehler ist, denn Ky ist eine Aberration, er wird und kann niemals in die Auswahl einbezogen werden. Trotz allem sucht Cassia den Kontakt zu Ky. Und bald schon beginnt sie sich fragen zu stellen: Kann das System wirklich entscheiden, wen sie lieben soll? Kann es über ihr gesamtes Leben entscheiden?

In Cassia beginnen Gedanken Gestalt anzunehmen, die eindeutig als Rebellion gegen das System gesehen werden könnten. Und schon bald ruht das Auge der Regierung auf ihr…

Matched” ist der erste Teil einer als Trilogie geplanten Reihe der amerikanischen Autorin Ally Condie.

Die Idee des hier angesprochenen Gesellschaftsystems mag nicht unbedingt neu sein. Jedoch gelingt es Condie, dieses System ungemein glaubhaft darzustellen, es greifbar zu machen und auf faszinierende Art und Weise real wirken zu lassen.

Nach außen hin perfekt, wirkt die Atmosphäre doch sehr düster, blickt man hinter die Kulissen dieser Welt. Diese komplette Kontrolle über die Menschen hat mir an einigen Stellen wahre Schauer über den Rücken gejagt. Gerade die Szenerie um Cassia’s Großvater, und die Dinge, die sie diesbezüglich später noch in Erfahrung bringt, haben mich berührt.

Auch die Liebesgeschichte zwischen Cassia und Ky, so zart, so wundervoll, und doch so gefährlich für alle beide. Die Beziehung zwischen ihnen entspinnt sich sehr langsam, was sie aber umso glaubhafter macht. Besonders die letzten Kapitel haben mir fast schon die Tränen in die Augen getrieben.

Condie’s Schreibstil trägt absolut zum Zauber des Buches bei, allein schon die ersten Zeilen haben mich erschaudern lassen, so schön, so leicht poetisch und doch weder kitschig noch opulent, waren sie formuliert.

Cassia als Hauptperson, aus deren Perspektive erzählt wird, war mir vom ersten Augenblick sympathisch. Keine ihrer Entscheidungen oder Gedanken war für mich ungewöhnlich oder nicht nachvollziehbar, stattdessen wirkte sie ungemein real und greifbar. Auch Ky mochte ich sofort, seine Geschichte berührt, er fasziniert nicht nur Cassia, sondern auch den Leser, eben weil er anders ist als die anderen.

Matched” ist ein wunderbar gelungener Auftakt. Ein Buch, das ohne Action, ohne kitschige Lovestorys, begeistern kann. Mit Liebe zum Detail schafft Condie hier eine faszinierende, drückende Welt, und Charaktere, denen man mit Begeisterung auf ihrem Weg folgen will.

Matched” ist bereits auf Deutsch unter dem Titel “Cassia & Ky – Die Auswahl” erschienen. Der zweite Band “Crossed” erscheint im November 2011 auf Englisch.

Matched von Ally Condie
384 Seiten (Hardcover)
Verlag: Dutton Juvenile
Erschienen: November 2010
ISBN: 978-0525423645
10,95 €

[Rezension] Serpil & Peter Prange: Der verliebte Zylinder

Felix, ein stattlicher Zylinder, lebt in einem kleinen altmodischen Hutgeschäft. Er ist hoffnungslos in Julia verliebt, einen wunderhübschen Brautschleier.

Aber seine Liebe scheint aussichtslos, findet Felix, denn alle halten ihn für einen Trauerhut. So ist er in der bunten Hutgesellschaft ein Außenseiter und seine heiß verehrte Julia ist der Star, um den sich alle reißen. Und weil Julia so schön ist verwundert es besonders, dass sie nach keiner Anprobe gekauft wird und auf dem Kopf einer Braut landet.

Was niemand ahnt: auch Julia ist verliebt, und zwar in Felix, und sie kämpft mit allem Mitteln für die Verwirklichung ihrer Liebe.

Doch eines Tages wird Felix verkauft…

Der verliebte Zylinder” ist ein wundervolles Bilderbuch mit Illustrationen von Martina Matos, und einer Geschichte aus der Feder von Serpil und Peter Prange.

Mit einer zuckersüßen Geschichte und ebenso süßen Bildern wird auf 48 Seiten die Liebesgeschichte von Felix und Julia erzählt.

Auf wundervolle Weise gelingt es nicht nur dem Zylinder und dem Brautschleier Leben einzuhauchen. Auch die anderen Bewohner des Hutladens von Herrn Friedlich haben ihre ganz eigene Persönlichkeit: die würdevolle Melone Sir Winston, die vorlaute Kreissäge Karl, die kleine Sissy… Alle sind sie sympathisch und glaubhaft in Szene gesetzt.

Und auch wenn die Geschichte eigentlich vorhersehbar ist, so ist sie doch wunderschön zu lesen und anzuschauen.

Ein wirklich sehr liebevoll gestaltetes Bilderbuch für jede Altersklasse. Ich kann es mit gutem Gewissen jedem ans Herz legen, der sich für solche Buchschätzchen erwärmen kann.

Der verliebte Zylinder von Serpil und Peter Prange
48 Seiten (Hardcover)
Verlag: Baumhaus
Erschienen: Januar 2011
ISBN: 978-3833905230
12,99 €

[Rezension] Ali Shaw: The Girl with Glass Feet

Ida McLairds Füße verwandeln sich in Glas. Beginnend an den Zehen breitet es sich nun immer weiter aus. Sie kehrt zurück nach St. Hauda’s Island, denn dort hat die Transformation ihrer Meinung nach begonnen. Ihre letzte Hoffnung ist Henry Fuwa, ein eher seltsamer Inselbewohner, der ihr nicht nur notgedrungen sein größtes Geheimnis offenbarte, sondern auch ein Heilmittel besitzen könnte…

Auf der Suche nach Henry begegnet sie Midas Crook, einem äußerst schüchternen jungen Mann, der noch nach Jahren im Schatten seines längst verstorbenen Vaters lebt. Leicht widerwillig wird Midas zu ihrem Vertrauten und Weggefährten.

Zwischen den Beiden entspinnt sich eine feine Beziehung, doch ihnen bleibt kaum Zeit sich ihrer Gefühle füreinander klar zu werden, denn Ida’s Verwandlung schreitet mit großen Schritten voran.

Doch gibt es überhaupt eine Möglichkeit, Ida zu heilen?

Mit “The Girl with Glass Feet” von Ali Shaw ist mir ein wahrer Buchschatz in die Hände gefallen.

Die Geschichte berührt den Leser auf eine seltsame Weise. Shaw nimmt sich enorm viel Zeit, seine Figuren zu charakterisieren. Er schafft ein dichtes Geflecht an zwischenmenschlichen Beziehungen: Henry Fuwa, der heimlich in Midas Mutter verliebt war; Carl, der in Ida ihre Mutter sieht, in die er Jahre lang unglücklich verliebt und der ebenfalls der Forschungspartner von Midas verstorbenen Vater war…

Alle Charaktere weisen eine unglaubliche Tiefe auf, und Shaw gelingt es meisterhaft, diese doch schwierigen Figuren glaubhaft darzustellen. So erschafft er eigenwillige, komische, und doch absolut liebenswerte und menschliche Charaktere, die alle ihr eigenes Kreuz zu tragen haben.

Shaw erzählt langsam und ruhig, mit einem ganz wundervollen Schreibstil und passend zur Handlung. Viele Rückblenden geben einem die Erklärung für das jetzige Verhalten der Figuren. Gleichzeitig schwingt immer ein trauriger Unterton mit, denn zum Lachen ist Ida’s Schicksal und die daraus resultierende Dramatik um die Beziehung zwischen ihr und Midas keinesfalls. Alles umgeben von der fast schon märchenhaften Atmosphäre der Insel: kleine Kühe mit Schmetterlingsflügeln, ein Tier das alles und jedem die Farbe entzieht, der es anschaut, ein Quallenfriedhof und Menschen die zu Glas werden.

The Girl with Glass Feet” ist eine melancholische Geschichte, ein fast schon modernes, trauriges Märchen, über ein Mädchen das zu Glas wird und einen jungen Mann der das Leben kennenlernt, versehen mit einem wunderschönen, passendem Ende. Absolut lesenswert. Eine Geschichte, die im Kopf des Lesers nachklingt.

The Girl with Glass Feet von Ali Shaw
304 Seiten (Broschiert)
Verlag: Atlantic Books
Erschienen: Januar 2010
ISBN: 978-1843549208
9,20 €

[Rezension] Nora Roberts: Frühlingsträume

Die Ehe vom Mackensie Elliot’s Eltern hält nicht sonderlich lange. Ihr Vater ist schon nach kurzer Zeit in der Weltgeschichte verschwunden und ihre Mutter glänzt mit immer neuen Beziehungen…und Ehen. Einzige Konstante in Mac’s Leben sind ihre besten Freundinnen seit Kindertagen: Parker, Emmaline und Laurel. Zusammen mit ihnen führt sie die Hochzeitsagentur “Vows”, in der sie ihrer Leidenschaft als Fotografin nachgehen kann.

Dann tritt plötzlich Carter in ihr Leben, Lehrer für englische Literatur und schon seit Schulzeiten in Mac verknallt. Er ist süß, fürsorglich und eigentlich der Traummann schlechthin. Doch gibt es für die beiden eine Zukunft? Denn Mac ist der Meinung, sie sei nicht der Typ für feste Beziehungen und macht Rückzieher, je näher sie und Carter sich kommen. Kann Mac sich darüber klar werden was sie für sich und ihr Leben wirklich will, und sich der Liebe öffnen?

Frühlingsträume” ist einer der wenigen Schmachtfetzen, die ich bisher gelesen habe und zugleich mein erster Roman von Nora Roberts.

Natürlich weiß man schon recht früh wer hier denn füreinander bestimmt ist und wartet förmlich auf das Happy End, doch Nora Roberts schafft es, den Weg dahin sehr gefühlvoll zu beschreiben. Teils humorvoll, teils traurig, teils einfach nur hoffnungslos romantisch begleiten wir Mac und Carter in ihrem Auf und Ab zur festen Beziehung.

Die Charaktere sind durchweg sympathisch gestaltet, was es dem Leser unglaublich leicht macht, innerhalb der Geschichte mit ihnen mitzufiebern.

Doch die Aufmerksamkeit der Handlung liegt nicht nur bei Mac und Carter. So wird Alles immer wieder aufgelockert doch die diversen Hochzeiten, die die Freundinnen zusammen organisieren. Von überfürsorglichen Brautmüttern bishin zu untreuen Trauzeugen, die die EBJ (Erste Brautjungfer) mit einer Geschäftpartnerin betrügen und so für das absolute Chaos sorgen, wird alles geboten. Und gerade diese kleinen Episoden haben mir immer wieder ein Lächeln auf die Lippen gezaubert. Und natürlich Carter’s Art. Einfach nur süß.

Frühlingsträume” ist ein wirklich wundervoller Roman, der einen mit einem wohligen Glücksgefühl zurücklässt. Wer Romantik mag, die nicht peinlich schnulzig ist, wird dieses Buch lieben. Den zweiten Teil “Sommersehnsucht” habe ich schon auf meinem Lesestapel liegen, und auch die restlichen Bände dieser Reihe werden definitiv noch folgen.

Frühlingsträume von Nora Roberts
448 Seiten (Broschiert)
Verlag: Heyne
Erschienen: März 2010
ISBN: 978-3453407428
8,95 €

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