[Rezension] Maxime Chattam: Alterra 3 – Der Krieg der Kinder

Achtung: Wer die beiden Vorgänger-Bände “Die Gemeinschaft der Drei” und “Im Reich der Königin” noch nicht gelesen hat, für den könnte diese Rezension Spoiler enthalten.

Ein grauenvoller Orkan hat die bekannte Welt für immer verändert. Malronce, die Königin der Zyniks, wie die überlebenden Erwachsenen nun genannt werden, und ihre Soldaten glauben fest, dass es sich bei diesem Orkan um eine göttliche Strafe für ihre Sünden handelt. Um Erlösung zu erlangen, benötigen die Zyniks eine Karte, die sich auf dem Körper eines Mädchens befinden soll.

Auf ihrer gemeinsamen Reise mussten sich Matt, Ambre und Tobias vielen Gefahren stellen, die letztendlich ein Opfer forderten: Tobias wurde vom Torvaderon aufgesogen, einem unheimlichen Schattenwesen, das Jagd auf Matt zu machen scheint. Matt ist überzeugt, dass Tobias noch am Leben ist, und will ihn retten, doch dieser Plan rückt in weite Ferne.

Denn angekommen in Eden, der Hauptstadt der Pans, müssen sie und die anderen Kinder eine Entscheidung treffen. Denn Malronce rüstet zum Kampf, um das gesuchte Kind zu finden und die Pans ein für alle mal auszulöschen. Gemeinsam entwerfen Matt und seine Freunde einen Angriffsplan, der sie ins Herz des Zynik-Reiches führt, und rüsten sich für einen Krieg, der ein für alle Mal über ihr Schicksal entscheiden wird. Doch wird es den Kindern tatsächlich gelingen, gegen Tausende von Soldaten der Königin zu bestehen? Und schaffen es Matt und Ambre, das Geheimnis der Karte zu entschlüsseln?

Mit “Der Krieg der Kinder” liegt der dritte Teil der Alterra-Reihe aus der Feder des französischen Autors Maxime Chattam, der bereits 2010 in Frankreich erschien, nun endlich auch auf Deutsch vor.

Nahtlos schließt Teil drei an seinen Vorgänger an, und lässt sowohl den Charakteren als auch dem Leser nur wenig Zeit zum Atem holen. Jede Zeile ist förmlich durchdrungen von einer unheilgeschwängerten Atmosphäre, dass ein Krieg bevorsteht ist deutlich zu spüren. Die Stimmung ist ernst, gereizt und nicht unbedingt harmonisch, denn nicht jeder Pan ist für einen Kampf gegen die Zyniks.

Matt und Ambre müssen also zum einen die Pans davon überzeugen, sich gegen die nahenden Armeen der Zyniks zu wehren, als auch eine Möglichkeit finden, die Karte weiterhin vor Malronce zu verbergen, und der Königin bei der Entschlüsselung zuvor zu kommen. Denn obwohl sie sich nicht kampflos ergeben wollen, scheint es doch sehr unwahrscheinlich, dass Kinder gegen die erprobten Soldaten bestehen können.

Chattam schafft es mit seinen Figuren immer wieder zu überraschen. Die Charaktere sind alles andere als eindimensional, alle haben mit ihren eigenen Ängsten und Schattenseiten zu kämpfen, selbst der größte Held oder auch Widersacher weißt Züge auf, die ihm mehr Tiefe und Glaubwürdigkeit verleihen. Der Autor schafft es, selbst seinen Nebencharakteren eine Persönlichkeit einzuhauchen, die der der Hauptpersonen in nichts nachsteht.

Mit seinem sehr klaren und schnörkellosen Schreibstil, der ohne ausschweifende Formulierungen auskommt, schafft Chattam eine Welt, deren dunkle Geheimnisse und Kreaturen einem unzählige Schauer über den Rücken jagen. Eine Welt, in der selbst Disneyworld bedrohlich wirkt, in der es aber immer wieder Lichtblicke und Hoffnung gibt.

Diese Lichtblicke sind es auch, die “Der Krieg der Kinder” so ungemein spannend und fesselnd wirken lassen. Denn trotz all den Bedrohungen, Verlusten und Gefahren, Tod und Blut, dem Abschiednehmen von liebgewonnenen Charakteren zaubert Chattam immer wieder eine überraschende und dramatische Wendung zu Tage, die das gesamte Schicksal der Figuren in seinen Grundfesten erschüttern könnte. Und nebenbei bestätigen sich in diesem Band auch einige meiner Theorien, die mir beim Lesen der beiden Vorgänger in den Sinn gekommen sind.

Zusätzlich bedient sich Chattam hier wieder sehr deutlich der sogenannten Gaia-Theorie bzw. -Hypothese, die von James Lovelock und Lynn Margulis aufgestellt wurde, und in der die Erde selbst als Lebewesen betrachtet wird. Dieser Ansatz zieht sich durch alle drei Bücher der Alterra-Reihe, wird aber in diesem Band noch einmal beleuchtet und wird noch ein sehr wichtige Rolle spielen.

Alterra – Der Krieg der Kinder” ist spannend von der ersten bis zur letzten Seite, voller fantastischer Charaktere, die sich ihren schlimmsten Albträumen stellen müssen, und doch die Hoffnung nie aufgeben. Dieses Buch muss man einfach lesen.

Alterra – Der Krieg der Kinder von Maxime Chattam
Autre-Monde: Le coeur de la terre
432 Seiten (Hardcover)
Verlag: PAN
Erschienen: September 2011
ISBN: 978-3426283073
16,99 €

Ich bedanke mich ganz herzlich beim PAN-Verlag für das so freundlich zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

[Rezension] Christoph Marzi: Heaven – Stadt der Feen

London. Über den Dächern dieser Stadt fühlt sich der siebzehnjährige David Pettyfer am wohlsten. Hier kann den Schatten seiner Vergangenheit entfliehen, oben über allem schwebend.

Unterwegs, um eine nächtliche Lieferung zu einem Kunden der Buchhandlung “The Owl and the Pussycat”, für die er als Gehilfe arbeitet, begegnet David einem jungen Mädchen. Ihr Name ist Heaven und sie behauptet, kein Herz mehr zu haben. Aber ohne Herz, wie kann man da leben? Und doch steht sie hier vor David, atmet und spricht… und hat doch keinen Puls mehr.

Auch wenn er Heaven zunächst nicht wirklich Glauben schenkt, verspricht David, ihr zu helfen, nichtsahnend, worauf er sich da einlässt. Denn derjenige, der Heaven’s Herz gestohlen hat, ist nun hinter dem Mädchen her, und geht dabei im wahrsten Sinne über Leichen.

Gemeinsam machen sich Heaven und David auf die Suche nach dem Geheimnis, das Heaven umgibt, den Grund, warum sie noch lebt, obwohl kein Herz mehr in ihrer Brust schlägt. Und dieses Geheimnis stellt alles auf den Kopf, woran die beiden jemals geglaubt haben…

Heaven – Stadt der Feen” stammt aus der Feder des deutschen Autors Christoph Marzi, und erschien bereits im Jahre 2009, wurde aber nun im Mai 2011 als Taschenbuch neu aufgelegt.

Allein das Cover der gebundenen Ausgabe zählt dank seiner wunderschönen Aufmachung zu meinen absoluten Favoriten und veranlasste mich letztendlich auch dazu, das Buch zu kaufen und zu lesen.

Marzi entführt uns in das London, das wir als Leser zu kennen glauben – jedoch nicht wirklich kennen. Denn dieses London besitzt keinen Sternenhimmel. Vor Jahren verschwand mit dem Auftreten eines Kometen plötzlich das Leuchten der Sterne über der Stadt. Zwar kehrte ein Teil des Himmelszeltes wieder zurück, doch die Hälfte des Nachthimmels blieb seitem sternenlos.

Genau dieses Thema fasziniert das Mädchen Heaven, das eigentlich Freema Mirrless heißt, und bringt sie dazu, nachts mit ihrem Teleskop den Himmel von den Dächern Londons aus zu beobachten. Und genau hier begegnet sie David. Siebzehn, von zu Hause fortgelaufen um in London sein Glück zu finden.

Beide Charaktere sind auf ihre Art wunderbar bezaubernd. Heaven ist ein Mädchen voller Geheimnisse, und nur langsam findet der Leser an der Seite von David heraus, was es mit ihr auf sich hat. David selbst hat ebenfalls eine Geschichte vorzuweisen, die er am liebsten ein für alle Mal verdrängen möchte. So zeigen beide Figuren Tiefe, faszinieren und bieten viel Raum, sich mit ihnen zu identifizieren und anzufreunden.

Dass hier eine magische Geschichte vorliegt, ist schnell klar. Und leider ahnt man schon aufgrund des Untertitel “Stadt der Feen” worauf die Erzählung am Ende hinauslaufen wird, und was das Geheimnis des Mädchens Heaven ist.

Trotz dieser Vorhersehbarkeit schafft es Marzi aber, den Leser bei Laune zu halten, interessante Nebencharaktere sowie einige Wendungen einzuführen, die der Geschichte noch mehr Zauber und Spannung verleihen. Der sehr flüssige Schreibstil, mit all seinen wunderbaren Formulierungen, und Anspielungen auf Bücher und Musik, fesselt und begeistert gleichermaßen.

Heaven – Stadt der Feen” ist ein wundervoller Roman, der einem durchaus den ein oder anderen Leseabend versüßen kann. Ein Buch voller Zauber, Magie und liebevoller Charaktere, zwar mit einigen kleinen Schwächen ausgestattet, jedoch bereue ich es keinesfalls, dieses Buch gelesen zu haben.

Heaven – Stadt der Feen von Christoph Marzi
358 Seiten (Hardcover)
Verlag: Arena
Erschienen: August 2009
ISBN: 978-3401063829
14,95 €

[Rezension] Julie Kagawa: Winter’s Passage – Iron Fey 1.5

Achtung: Für alle die den ersten Teil “The Iron King” noch nicht gelesen haben, könnte diese Rezension Spoiler enthalten!

Vor kurzem noch war Meghan Chase ein normales Mädchen – bis sie erkennen musste, dass sie Feenblut in sich trägt, und die Tochter von Oberon ist, dem Herrscher des Sommerhofes im Reich der Feen.

Nach der Konfrontation mit Machina und der Rettung ihres ins Feenreich entführten Bruders Ethan, muss Meghan ihr Versprechen einlösen, dass sie dem Winterprinzen Ash gab. Für seine Hilfe bei der Suche nach ihrem Bruder würde sie ihm zurück ins Feenreich an den Hof der Winterkönigin Mab folgen.

Doch bevor sie ihre Pflicht erfüllt, hat Meghan noch eine Bitte. Sie möchte Puck wiedersehen, ihren besten Freund und Diener ihres Vaters Oberon, der auf ihrer gemeinsamen Reise schwer verletzt wurde.

Während ihrer Reise müssen Ash und Meghan feststellen, dass sie nicht unbeobachtet geblieben sind. Ein gefährlicher Jäger ist ihnen auf der Spur, eine Kreatur, der nicht einmal Ash gewachsen ist…

Winter’s Passage” ist eine kurze Novelle aus dem Universum der “Iron Fey“-Reihe von Julie Kagawa, die zwischen “The Iron King” und “The Iron Daughter” spielt.

So schließt die Erzählung nahtlos an die Geschehnisse des ersten Bandes an.

Die im ersten Band in nur wenigen Szenen angedeutete Beziehung zwischen Meghan und Ash steht hier ganz klar im Mittelpunkt. Doch die Handlung ist keineswegs romantisch. Stattdessen schwebt über allem an tragischer Unterton, der einem immer wieder vor Augen führt, dass diese Liebe unter keinem guten Stern steht.

Ash ist gebunden durch sein Versprechen, der Tochter Oberon’s an den Hof seiner Mutter zu bringen. Diesen einmal gegebenen Schwur kann er nicht brechen, so sehr er es denn auch wollte. So versucht er Meghan zu warnen, beißt jedoch auf Granit, denn das Mädchen ist davon überzeugt, dass Ash ihr zur Seite stehen wird, wenn sie seine Hilfe braucht.

So spürt man als Leser zum einen dieses zarte Band zwischen den beiden immer wieder, doch gleichzeitig wird deutlich, dass Sommer und Winter nicht dazu gedacht sind, sich ineinander zu verlieben.

Der Jäger, der die Spur der Reisenden aufgenommen hat, sorgt zusätzlich für Spannung, da niemand weiß, wer ihn geschickt hat und was sein Auftrag ist.

Eine wunderschöne kleine Episode, die einen zusätzlichen Einblick in die Beziehung zwischen Ash und Meghan gibt. Zwar nur wenige Seiten lang, ist die Novelle zwar schnell gelesen, aber definitiv einen Blick wert, wenn man sich für die Buchreihe an sich bereits begeistern kann. Julie Kagawa’s angenehmer, flüssiger Schreibstil tut sein übriges, den Leser erneut in die Welt der Feen zu entführen, die nicht nur schön, sondern auch gefährlich ist.

Winter’s Passage: Iron Fey 1.5 von Julie Kagawa
68 Seiten (eBook)
Verlag: Harlequin
Erschienen: Juni 2010

Das eBook war für einen kurzen Zeitraum als kostenloser Download auf der Homepage zur Buchreihe verfügbar.

[Rezension] Julie Kagawa: The Iron King – Iron Fey 1 (dt. Plötzlich Fee-Sommernacht)

Mit sechs Jahren verlor Meghan Chase ihren Vater. Während eines Ausflugs in den Park verschwand er spurlos, ließ aber alle persönlichen Dinge zurück. In Luke hat Meghan’s Mutter eine neue Liebe gefunden. Gemeinsam leben sie etwas abseits im ländlichen Louisiana.

In den nächsten Jahren führt Meghan ein eher unscheinbares Teenagerleben, bis sich an ihrem sechszehnten Geburtstag plötzlich alles verändert. Ihr kleiner Bruder Ethan wird durch ein Wechselbalg ersetzt und ihr bester Freund Robbie entpuppt sich als Puck, bekannt aus Shakespeare’s Sommernachtstraum.

Gemeinsam mit Puck begibt sie sich ins Feenreich Nevernever, nichtsahnend worauf sie sich einlässt. Denn statt sich ohne Umschweife auf die Suche nach Ethan zu begeben, findet sich Meghan plötzlich in Arcadia wieder, dem Reich des Feenkönigs Oberon – Erlkönig und Herr des Sommerhofes. Meghan muss erfahren, dass Oberon ihr leiblicher Vater ist, und sie selbst zur Hälfe eine Fee!

Während Oberon seine Tochter an seinem Hof behalten will, kann Meghan aber Ethan nicht einfach seinem Schicksal überlassen. Gemeinsam mit der Katze Grimalkin flieht sie aus Arcadia, mitten hinein ins Reich Tir Na Nog, dem Territorium der Winterkönigin Mab… und mitten hinein in die Arme ihres Sohnes Ash, der geschworen hat, Meghan an den Hof seiner Mutter zu bringen. Doch alles kommt anders…

The Iron King” ist der erste Teil der “Iron-Fey“-Reihe aus der Feder der Autorin Julie Kagawa, und die englische Orignalausgabe zu “Plötzlich Fee – Sommernacht“, das vor kurzem auf Deutsch erschienen ist.

Gerade das Erscheinen der deutschen Übersetzung hat mich dazu gebracht, dieses Buch, das schon seit einer gefühlten Ewigkeit ungelesen in meinem Regal stand, endlich einmal zu lesen. Und nun frage ich mich: Warum habe ich damit nur so lange gewartet?

Dank ihres flüssigen, klaren Schreibstils gelingt es Kagawa, den Leser von der ersten Seite an zu fesseln. Mit Leichtigkeit entführt sie uns in eine zauberhafte, und doch tödliche Welt voller Feen, Kobolde, Trolle und anderer Fabelwesen.

Aus Sicht von Meghan erzählt, fällt es leicht, sich mit der Hauptperson der Geschichte zu identifizieren. Ein normaler Teenager, etwas naiv,  in der Schule eher die graue Maus, und dank der Abgeschiedenheit ihres Elternhauses kann sie nur ihren Nachbarn Robbie zu ihren Freunden zählen. Dass dieser nicht der ist der er zu sein vorgibt, erschüttert Meghan zutiefst, und lässt sie an Robbies Freundschaft zweifeln.

Puck mag zwar ein glaubhafter Charakter sein, doch alles in allem habe ich persönlich mit ihm und seiner Art ein paar Schwierigkeiten. Winterprinz Ash dagegen ist um einiges faszinierender. Nach außen hin kalt und desinteressiert, hat er trotz allem ein Herz, und anhand einschlägiger Inhaltsangaben auf dem Buchrücken oder im Netz ist, denke ich, jedem klar, dass sich zwischen ihm und Meghan etwas anbahnt. Dass diese Beziehung unter keinem guten Stern steht, macht das ganze um einiges tragischer, stehen sich die beiden doch ähnlich wie Romeo und Julia in verschiedenen Lagern gegenüber.

Kagawa hat sich für ihr Werk einige bekannte Charaktere entliehen, die sich seit Shakespeare’s Sommernachttraum durch diverse Erzählungen und Geschichten ziehen. Doch neben Puck, Oberon und Titania, so sind auch Mab und ihre Heimstatt Tir Na Nog, welches aus der irisch-keltischen Mythologie stammt, keineswegs unbekannt. Gerade dieses Vermischen von diversen Mythen und Legenden mit einer gänzlich neunen Geschichte geben dem Leser das Gefühl, immer wieder auf alte Bekannte zu treffen.

Und auch wenn Grimalkin an die Grinsekatze aus “Alice im Wunderland” erinnert, und Meghan’s Suche nach ihrem Bruder stark an den Film “Labyrinth” mit David Bowie erinnert, so ist “The Iron King” auf keinen Fall eine Kopie. Stattdessen erschafft Kagawa eine ganz eigene Geschichte, basierend auf einer Welt, über die schon so viele Legenden erzählt wurden, dass man sie gar nicht mehr zählen kann.

The Iron King” ist ein mehr als gelungener Auftakt zu einer hoffentlich genau so gelungenen Reihe, voller Magie, Dramatik und Zauber, mit sympathischen, interessanten und faszinierenden Charakteren, deren Geschicht man unbedint weiter verfolgen muss. Dieses Buch ist definitiv einen Blick wert, und hat allein schon (bei der englischen Ausgabe zumindest) wegen des wunderschönen Covers einen Platz im Bücherregal verdient.

The Iron King: Iron Fey 1 von Julie Kagawa
368 Seiten (Broschiert)
Verlag: Harlequin
Erschienen: Februar 2010
ISBN: 978-0373210084
ca. 7 €

[Rezension] Tanya Huff: Blutspur – Blood Ties 2

Die ehemalige Polizistin Victoria “Vicki” Nelson arbeitet nun als Privatdetektivin in Toronto und ist dank ihres neuen Bekannten, den Liebesromanschriftsteller Henry Fitzroy – seines Zeichens Vampir und unehelicher Sohn von Henry VIII. – inzwischen an eher ungewöhnliche Fälle gewöhnt. So verwundert es sie nicht allzu sehr, dass sie und Henry von einer Familie von Werwölfen um Hilfe gebeten werden.

Die bei ihren Nachbarn eher als nudistisch veranlagt bekannten Heerkens leben auf einem Hof auf dem Land in der Nähe von Toronto und sind seit dem zweiten Weltkrieg mit Henry bekannt. Vor kurzem wurden zwei Mitglieder der Familie getötet. In ihrer Wolfsgestalt und unter zu Hilfenahme von Silberkugeln!

Vicki und Henry nehmen die Ermittlungen auf. Während es zwischen den beiden immer deutlicher zu Knistern beginnt, und ihnen auch noch Vickis Ex-Kollege und -Geliebter Mike Celluci in die Quere zu kommen droht, stoßen sie auf immer mehr Hinweise. Doch die verwirrenden Spuren lüften nur langsam ihr Geheimnis, und als es endlich sicher ist, bei wem es sich um den Täter handelt, schweben sie bereits alle in tödlicher Gefahr.

Blutspur” ist der zweite Teil der Buchreihe “Blood Ties” um Vicki Nelson aus der Feder von Tanya Huff. Bereits in den 90ern geschrieben, erschien die Reihe 2004 zum ersten Mal in Deutschland (beim Verlag Feder & Schwert), und wurde zum Start der TV-Serie “Blood Ties” von Egmont Lyx mit entsprechenden Titelbildern neu aufgelegt.

Wieder einmal bin ich sehr begeistert von Huff’s Art zu Schreiben. Fesselnd, spannend, locker, leicht und witzig merkt man dem Werk sein Alter – ignoriert man die Abwesenheit von Mobiltelefonen – absolut nicht an. Es gelingt der Autorin eine Atmosphäre zu schaffen, die den Leser einfach nicht mehr loslässt.

Zum einen ist da die wirklich gute Hintergrundgeschichte. Der Fall ist interessant und spannend, zumindest bis zu dem Punkt, an dem kurz nach der Hälfte des Buches der Täter für den Leser enthüllt wird. Schade, aber trotzdem wird die Geschichte keinesfalls langweilig, es macht immer noch Spaß, Vicki und die Heerkens auf ihrer Suche nach dem Täter zu begleiten. Vor allem ist einfach angenehm ein Werk zu lesen, das vor dem großen Vampir-Hype entstanden ist, und sich vornehmlich auf seine Krimi- und Mysteryelemente konzentriert, und nicht auf eine mögliche Lovestory zwischen Vampir und Mensch.

So knistert es zwar zwischen Henry und Vicki, was aber vor allem auch mit dem Hormonrausch zu tun hat, den beide erleben, wenn Henry Vicki’s Blut trinkt, jedoch werden diese Szenen stets nur angedeutet, und die Details bleiben der Fantasie des Lesers überlassen. Dank Mike entspinnt sich das Ganze zu eine Art Dreiecksbeziehung, denn auch er hat etwas mit Vicki, dass man aber nur schwer in Worte fassen kann. Ein Freundschaft mit Extras, wenn man der Sache denn einen Namen geben möchte.

Die drei Hauptcharaktere sind allesamt auf ihre Art und Weise sympathisch, haben Geschichten zu erzählen, Ecken und Kanten aufzuweisen, und schaffen sich sehr schnell einen Platz im Herzen des Lesers.

Wer gerne Bücher aus dem Mystery-Bereich liest, der sollte definitiv einen Blick auf “Blutspur” werfen. Das Buch bietet sympathische Charaktere, Spannung und eine ganze Menge wunderbaren, trockenen Humor, der mich mehr als einmal zum Auflachen brachte. Huff ist einfach eine wirklich fantastische Schriftstellerin, deren Werke es wert sind, beachtet zu werden.

Blutspur: Blood Ties 2 von Tanya Huff
358 Seiten (Broschiert)
Verlag: Egmont Lyx
Erschienen: Oktober 2008
ISBN: 978-3802536496
9,95 €

[Rezension] Angie Sage: Magyk – Septimus Heap 1

Für die Zaubererfamilie Heap scheint das Glück perfekt, sind Silas und Sarah doch zum siebten Mal Eltern geworden. Und dem jungen Septimus steht eine große Zukunft bevor, ist er doch der siebte Sohn eines siebten Sohnes, eine Tatsache, die dem Jungen große magische Kräfte voraussagt. Doch die anfängliche Freude ist nur von kurzer Dauer. Kurz nach seiner Geburt verstirbt der kleine Septimus und wird von der Hebamme fortgebracht. Sarah ist todunglücklich, doch da legt ihr ihr Mann Silas ein Neugeborenes in den Arm, ein kleines Mädchen, dass er außerhalb der Stadtmauern im Schnee gefunden hat. Sie taufen die Kleine Jenna und geben sie seitdem als ihre eigene Tochter aus.

Kurz vor Jenna’s zehntem Geburtstag taucht plötzlich die Außergewöhnliche Zauberin Marcia Overstrand bei den Heap’s auf und eröffnet ihnen, dass Jenna in tödlicher Gefahr schwebt. Denn der momentanen Regierung im Castle ist das wahre Geheimnis um Jenna’s Herkunft zu Ohren gekommen – und diese ist dem dunklen Magier DomDaniel ein Dorn im Auge.

Knapp gelingt Jenna, Marcia, Silas und Jenna’s Bruder Nicko die Flucht hinaus aus dem Castle, eher unfreiwillig begleitet von Junge 412, einem Jungsoldat, der eigentlich der Regierung und DomDaniel dient.

Gemeinsam müssen sie sich dunklen Gefahren stellen, stets mit der Gewissheit lebend, von DomDaniel’s Häschern gefunden werden zu können. Und noch ein Geheimnis beginnt sich zu enthüllen, dass das Leben aller auf den Kopf stellen wird…

Magyk” ist der erste Band der Buchreihe um “Septimus Heap” aus der Feder von Angie Sage.

Es mag verwirrend sein, dass der Titelgeber der Reihe, Septimus, bereits auf den ersten paar Seiten aus dem Leben scheidet. Tatsache, der geneigte Leser glaubt natürlich nicht an das komplette Verschwinden der eigentlichen Hauptperson, doch das Geheimnis um Septimus’ Verbleib wird erst am Ende des Buches gelüftet – auch wenn man, achtet man ein klein wenige auf Details, bereits schon vorher auf den richtigen Pfad gelockt wird.

Eigentliche Hauptperson ist also nicht Septimus, sondern Jenna. Ein Mädchen, das erfahren muss dass ihre Eltern und Geschwister eigentlich gar nicht ihr leiblichen Eltern und Geschwister sind. Auch wenn sie schon immer wusste: Sie ist anders als die restlichen Heaps. Deutlichstes Merkmal sind wohl ihre Augen, die gar nicht das typische Grün zeigen, welches Zauberer und deren Familien aufweisen. Ist Jenna denn völlig ohne Magie im Blut? Und wenn ja, warum?

Jenna ist wunderbar in Szene gesetzt, von der ersten Minute gräbt sie sich immer mehr in das Herz des Lesers und nistet sich darin ein. Sie trägt die Geschichte, ihre Herkunft und die daraus resultierenden Folgen für sie und die Heap’s sind Haupthandlungsstrang und absoluter Spannungsfaktor.

Die gesamte Geschichte ist fesselnd erzählt. Sage schreibt ohne große Schnörkel, fließend und einfach, schafft eine Welt die den Leser begeistert und festhält. Man kann und möchte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen.

Magyk” hält nicht nur eine wunderbar durchdachte Handlung und eine sympathische Hauptperson bereit, sondern auch eine Fülle an liebenswerten Nebencharakteren: sprechende Ratten, Geister, Drachenboote, Marcia Overstrand, Tante Zelda und natürlich eine Menge Magie.

Angie Sage’s Reihe wird sehr oft mit Harry Potter verglichen, und obwohl es auch hier letztendlich um Zauberer und einen dunklen, bösen, machthungrigen Nekromanten geht, ist Septimus Heap gänzlich anders, erfrischend und neu… und begeistert mich doch schon nach dem ersten Band fast genau so wie die eben erwähnt andere Reihe um einen jungen Zauberer.

Magyk” ist definitiv ein gelungener Auftakt für eine bisher vielversprechend wirkende Reihe, voller Spannung, Magie, Humor und wunderbarer Charaktere, die, ob gut oder böse, alle faszinieren und auf ihre ganz spezielle Art und Weise sympathisch sind. Ein Muss, und wirklich keine Potter-Kopie, sondern etwas gänzlich Frisches und Eigenständiges. Ich freue mich schon auf die Folgebände, und halte mir für den nächsten Band einfach noch einen Bewertungspunkt nach oben frei.

Magyk – Septimus Heap 1 von Angie Sage
592 Seiten (Broschiert)
Verlag: Bloomsbury
Erschienen: 2005 (Taschenbuch 2006)
ISBN: 978-0747579267
9,90 €

[Rezension] Erin Hunter: Geheimnis des Waldes – Warrior Cats 3

Zwar ist der große Kampf im Lager des WindClans ohne Verluste für den DonnerClan verlaufen, doch der Mangel an Nahrung während der Blattleere macht allen schwer zu schaffen. Währendessen versucht Feuerherz mehr über die Geschehnisse der Vergangenheit zu erfahren, um endlich Beweise für Tigerkralles Verrat zu finden, von dem Feuerherz und Graustreif immer noch überzeugt sind. Doch Blaustern schenkt ihm keinen Glauben, ist sie doch der festen Überzeugung, ihrem zweiten Anführer vertrauen zu können.

Als das Tauwetter eintritt, sehen sich die Katzen einer neuen Gefahr gegenüber. Der Fluss tritt über seine Ufer, überschwemmt ganze Clangebiete und zwingt sogar den FlussClan, sein Lager zu verlassen. Dass Feuerherz und Graustreif dem FlussClan Hilfe anbieten, stößt beim DonnerClan nicht gerade auf Begeisterung.

Allgemein scheint es innerhalb des DonnerClans zu brodeln. Als Graustreifs wohlgehütetes Geheimnis ans Tageslicht kommt, droht ein schwerer Konflikt. Doch dem DonnerClan droht eine viel größere Gefahr als Graustreifs vermeintlicher Verrat…

Geheimnis des Waldes” ist der dritte Teil der “Warrior Cats“-Reihe des Autorinnen-Trios Erin Hunter, bestehend aus Victoria Holmes, Cherith Baldry und Kate Cary.

Gleich zu Beginn wird klar, dass in diesem Band einige Geheimnisse ans Tageslicht kommen, von dem der Leser bisher noch nichts geahnt hat – und auch die Katzen nicht.

Feuerherz’ Vorurteile gegenüber Tigerkralle stoßen bei Blaustern nicht gerade auf offene Ohren, will und kann sie ihm doch nicht glauben, dass es sich bei ihrem zweiten Anführer um einen Verräter handelt. Unser junger Kater eckt immer öfter an, deutlich zeigt sich wer ihn akzeptiert, und wer in ihm immer noch ein Hauskätzchen sieht.

Deutlich zieht sich ein düsterer Ton durch den gesamten Roman, Intrigen, Lügen und Verrat sind an der Tagesordnung. Förmlich greifbar ist die dunkle Bedrohung, die kurz davor ist, sich zu entladen, und gespannt fiebert man auf den Höhepunkt hin.

Die Autorinnen haben mit “Geheimnis des Waldes” ganze Arbeit geleistet. Spannend von der ersten bis zur letzten Seite, man kann gar nicht anders, als das Buch schnellstmöglich durchzulesen. Die Handlung ist ernster, erwachsener, und wirklich sehr dicht gehalten, aber nichts wirkt überladen. Gekonnt wurde hier viel gewollt, viel erzählt, aber nicht zu viel.

Die Charaktere entwickeln sich, liebgewonne Katzen werden erwachsener, reifer, was die Reihe gerade bei jüngeren Lesern beliebt macht, da man gemeinsam mit seinen lieben Katzen wachsen kann. Alle Katzen sind wie immer liebevoll in Szene gesetzt, einige bekommen um einiges mehr Tiefe, da in diesem Band Dinge ans Licht kommen, die man sich nie hätte träumen lassen.

Dramaturgisch ist dieser Band wohl der beste der Reihe bisher, hat mich doch eine ganz spezielle Szene zu Tränen gerührt. Die Autorinnen fangen die Gefühle der betreffenden Figuren gekonnt ein, geben sie glaubhaft wieder und fassen sie in einfache, doch wundervolle Worte, die das Herz erweichen.

Geheimnis des Waldes” steht seinen Vorgängern in nichts nach, ist voller Spannung, Verrat und Intrigen und hält einen Höhepunkt bereit, der einige überraschen wird. Ein Muss.

Warrior Cats 3: Geheimnis des Waldes von Erin Hunter
335 Seiten (Hardcover)
Verlag: Beltz
Erschienen: 2009
ISBN: 978-3407810502
14,95 €

[Rezension] Erin Hunter: Feuer und Eis – Warrior Cats 2

Nachdem sie sich im Kampf für den DonnerClan bewährt haben, sind Feuerherz und Graustreif nun endlich Krieger. Gemeinsam werden die beiden Freunde von der Anführerin Blaustern losgeschickt, um den WindClan zurück in sein Territorium zu bringen, der damals vom SchattenClan vertrieben wurde. Denn laut Blaustern hat es immer vier Clans gegeben, genau wie es auch vier Jahreszeiten gibt. Ist dies nicht der Fall, so könnte das Gleichgewicht im Wald auf Dauer gestört sein.

Doch genau dies scheint zu geschehen, denn bei einer Versammlung aller Clans zeichnet sich ein Bündnis zwischen SchattenClan und FlussClan ab, das Blaustern mit Sorge betrachtet. Aber auch innerhalb des DonnerClans kommt es zu Unstimmigkeiten. Noch immer trauen Feuerherz und Graustreif dem zweiten Anführer Tigerkralle einen Verrat zu, und auch die Freundschaft der Beiden wird auf eine harte Probe gestellt, denn Graustreif verstrickt sich in eine Bindung, die seine Treue zum Clan in Frage stellt. Auch Feuerherz wird von seiner Vergangenheit eingeholt, als er seine Hauskätzchenschwester Prinzessin wiedertrifft.

Der beginnende Winter macht den Clankatzen schwer zu schaffen, und bald beginnt sich etwas Dunkles zusammenzubrauen…

Feuer und Eis” ist der zweite Band der ersten Staffel der Reihe “Warrior Cats” des Autorentrios Erin Hunter, bestehend aus Victoria Holmes, Cherith Baldry und Kate Cary.

Der zweite Band schließt nahtlos an seinen Vorgänger an. Nach dem schweren Kampf ist Feuerherz und seinem Clan keine Zeit zum Aufatmen gegönnt. Zwischen den einzelnen Clans brodelt es, deutlich ist zu spüren, dass die Notwendigkeit, Nahrung zu finden und den Winter zu überstehen, Bündnisse schmiedet, die gefährlich werden können.

Freundschaft und Vertrauen sind die Hauptthemen dieses Bandes, aber auch Familienbande, denn Feuerherz trifft seine Hauskätzchenschwester wieder, und kann nicht anders als mit ihr in Kontakt zu treten. Dass dies Fragen aufwirft in Bezug auf seine uneingeschränkte Treue zum Clan, ist ihm zunächst nicht ganz klar. Obwohl nun Krieger, hat er immer wieder mit Vorurteilen zu kämpfen, er sei zu weich, und keine Clankatze.

Feuerherz muss sich einigen Widrigkeiten stellen, Entscheidungen treffen, und mit deren Folgen leben. Er wird mit Schuldgefühlen konfrontiert, obwohl er nur versucht, das Richtige zu tun.

Den Autorinnen gelingt es, ihren Katzen ein solches Leben einzuhauchen, dass man sie beim Lesen bildlich vor sich sieht. Jede Einzelne hat ihre Eigenarten, einen speziellen Charakter, ein unverwechselbares Äußeres. Alle sind die auf ihre Art sympathisch und glaubhaft, und schnell kommen einen Verständigungsformen wie Schwanzschnippen, Schnurren und das Zunge geben nicht mehr ungewöhnlich vor.

Die Clankatzen sind etwas ganz Besonderes, etwas Neues und irgendwie etwas völlig Anderes, was die Faszination erklärt, die diese Reihe gerade auf jüngere Leser ausübt. Doch auch Ältere werden ihre Freude an den Katzen haben.

Feuer und Eis” ist eine gelungene Fortsetzung, mit zauberhaften Charakteren, voller Spannung; eine Geschichte über Freundschaft, Familie und Vertrauen. Nicht nur für Katzenliebhaber ein Muss.

Warrior Cats 2: Feuer und Eis von Erin Hunter
344 Seiten (Hardcover)
Verlag: Beltz
Erschienen: 2008
ISBN: 978-3407810427
14,95 €

[Rezension] Tad Williams: Der Abschiedsstein – Das Geheimnis der Großen Schwerter 2

Über dem einst schönen Land Osten Ard liegen düstere Schatten. Ein nicht enden wollender Winter überzieht das Reich, Vorbote des untoten Sithiprinzen Ineluki und der Nornenkönigin Utuk’ku, die das Land zurückerobern wollen, das einst den Ihren gehörte. Auf dem Hochhorst, dem Königssitz, herrschen Ineluki’s Kreaturen und Verbündeten: Hochkönig Elias und der Priester Pryrates, der unheimliche Ratgeber des Prinzen überblicken das Geschehen, während sich bleiche Nornen ungehindert im Lande bewegen. Nichts mehr scheint den Sturmkönig Ineluki aufhalten zu können, doch es regt sich Widerstand.

Prinz Josua, der Bruder des Königs, konnte mit einigen Getreuen dem Angriff auf Naglimund durch die Nornenheere entkommen. Auf der Flucht begegnen sie der weisen Frau Geloe, die sie zum Abschiedsstein schickt, einem alten Ort der Sithi. Doch der Weg dorthin ist beschwerlich und voller Gefahren.

Auch Simon, Binabik und ihre Gefährten sind auf dem Weg dorthin. In den hohen Bergen des Nordens gelang es ihnen, das Schwert Dorn in ihren Besitz zu bringen, eines der drei großen Schwerter, und eine kleine Flamme der Hoffnung im Kampf gegen Ineluki. Aber die Gefährten werden auf ihrem Weg Richtung Süden getrennt, und schon bald bewegt sich Simon am Rande des Todes…

Werden sich Simon und seine Gefährten lebend wiedersehen? Wird Josua den Abschiedsstein erreichen? Oder ist alle Hoffnung, gegen die dunklen Heere des Sturmkönig zu bestehen, vergebens?

Der Abschiedsstein” ist der zweite Teil des Fantasy-Epos “Das Geheimnis der Großen Schwerter” von Tad Williams.

Wo man als Leser von “Der Drachenbeinthron” noch eine gewisse Anlaufphase überwinden musste, befindet man sich bei “Der Abschiedsstein” von der ersten Seite an mitten im Geschehen.

Simon ist gewachsen, zwar immer noch in manchen Dingen etwas naiv, aber doch auf dem besten Weg zum Mann. Gezeichnet durch seine Abenteuer und Kämpfe, sieht er die Dinge nun mit anderen Augen, ist nicht mehr allein der tagträumende Küchenjunge von einst. Simon als Hauptcharaketer reift heran, und wir als Leser begleiten ihn, reisen und wachsen mit ihm.

Die Fülle an Charakteren, die William’s Werk zu bieten hat, verschafft ihm die Möglichkeit, seine Geschichte ungemein abwechslungsreich zu erzählen. So begleiten wir nicht nur Simon, sondern auch Josua und seine Getreuen auf ihrer beschwerlichen Flucht und der Reise zum Stein des Abschieds; Prinzessin Miriamel und ihren Begleiter Cadrach auf ihrem Weg nach Nabban; Herzog Isgrimmur, der Miriamel nachfolgt; Hernystiri-Prinzessin Meagwin und Graf Eolair, die sich gegen Eroberer zur Wehr setzen müssen und gewinnen Einblicke in das Leben auf dem Hochhorst, wo nicht alle Bewohner dem König treu ergeben sind.

Auch die Haupthandlung schreitet weiter fort. Die Bedrohung durch Sturmkönig und Nornenkönigin wird immer deutlicher, ist fast schon greifbar, so fantastisch gelingt es William’s das Geschehen durch seinen gekonnten, fesselnden Schreibstil heraufzubeschwören.

Und auch wenn der Leser aufgrund der vielen verschiedenen Handlungsstränge wichtige Dinge oft vor den betreffenden Personen erfährt, so wirkt sich dies keinesfalls negativ auf die Spannung aus. Stattdessen hält man das Buch kramfhaft in den Händen, möchte den Figuren fast schon verzweifelt zuschreien was doch so ungemein wichtig wäre zu wissen.

Der Abschiedsstein” ist eine absolut gelungene Fortsetzung; ein Fantasy-Epos der Extraklasse, voller Spannung, unerwarteter Wendungen, glaubhafter und liebeswerter Charaktere, deren Geschichte man mit Freuden verfolgt und voller Begeisterung mitfiebert… und mitleidet. Wer den ersten Teil gelesen hat, für den ist auch dieses Buch ein Muss.

Der Abschiedsstein: Das Geheimnis der Großen Schwerter 2 von Tad Williams
890 Seiten (Hardcover)
Verlag: Klett-Cotta
Erschienen: 2010 (dt. EVÖ: 1993)
ISBN: 978-3608938678
24,95 €

Ich bedanke mich ganz, ganz herzlich beim Verlag Klett-Cotta für das so freundlich zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

[Rezension] Tad Williams: Der Drachenbeinthron – Das Geheimnis der Großen Schwerter 1

Simon, seines Zeichens Küchenjunge, wächst auf dem Hochhorst auf, dem Königssitz von Osten Ard. Von vielen oft Mondkalb genannt, ist Simon eher ein Träumer und Tollpatsch, der gern versucht, sich vor unliebsamer Arbeit zu drücken. Als er von dem etwas seltsamen Doktor Morgenes als Lehrling angenommen wird, ändert sich sein bisheriges Dasein. Er lernt Lesen und Schreiben, und saugt wissbegierig jede Episoder der Landesgeschichte auf, die Morgenes zu erzählen weiß.

Doch Veränderung liegt in der Luft. Der sagenumwobene König Johan Presbyter, der einst den Drachen Shurakai erschlug und sich als dessen Gebeinen einen Thron erbauen ließ, liegt im Sterben. Sein ältester Sohn Elias wird sein Nachfolger. Allerdings gerät der neue König immer mehr unter den Einfluss des Zauberpriesters Pryrates, der mit dunklen Mächten im Bunde zu sein scheint. Als Simon bei einem seiner vielen Streifzüge durch den Hochhorst auf den gefangenen Josua trifft, den Bruder des neuen Königs, wird Morgenes klar, dass Pryrates hier Schreckliches plant. Es gelingt ihnen, den Prinzen zu befreien, doch Simon ist gezwungen zu fliehen. Auf seiner Reise nach Naglimund trifft er nicht nur auf interessante Reisegefährten, sondern muss stets darum fürchten, von Pryrates Häschern gefasst zu werden.

Etwas größeres scheint hier am Werk ist als nur ein Herrschaftwechsel auf dem Königsthron. Dunkle, rachsüchtige Mächte erheben sich, jahrhundertelang tot geglaubt. Der dunkle Sturmkönig Ineluki streckt seine Finger aus nach Osten Ard. Noch ahnt Simon nicht welche Rolle ihm in dieser Geschichte zu teil werden wird…

Der Drachenbeinthron” ist der erste Teil des opulenten Fantasy-Werkes “Das Geheimnis der Großen Schwerter” von Tad Williams.

Die Geschichte beginnt sehr, sehr langsam, was es mir zu Beginn etwas erschwert hat, mit dem Lesen am Ball zu bleiben. Es wird sich viel Zeit genommen den Hochhorst vorzustellen, und durch die detailreichen Beschreibungen ein klares Bild im Kopf des Lesers heranwachsen zu lassen.

Auch Simon, dem Hauptcharakter, wird entsprechende Aufmerksamkeit geschenkt. Man begleitet ihn auf seinen Streifzügen durch den Hochhorst, schüttelt ab und an den Kopf über sein unglaubliches Talent, sich in Dinge und Geschichten hineinzumanövrieren, die eigentlich nicht gut für ihn sind. Und genau diese Dinge sind es letztendlich, die ihn dazu zwingen, seine Heimat fluchtartig zu verlassen.

Die charakterliche Entwicklung des Jungen stellt Williams ungemein glaubhaft dar. So wandelt sich Simon vom naiven Träumer zum Tatmenschen, der sich wohlwissend in Gefahr begibt, manchmal freiwillig, manchmal eher gezwungenermaßen. Zwar ist Simon auch weiterhin etwas trotzig, eben typisch für sein Alter, jedoch merkt man deutlich, dass er erwachsener wird.

Neben diesem sympathischen Hauptcharakter, bietet William’s Werk eine Fülle an Persönlichkeiten. Jede auf ihre Art wichtig und bedeutend, und nicht immer ist zu erkennen, auf welcher Seite die betreffende Figur steht. Doch alle haben sie ihre Geschichte, ihre Geheimnisse, und mit Freuden folgt man ihnen als Leser auf ihrem Weg.

Auch die eigentliche Handlung überzeugt auf ganzer Linie. Hat man die längere Anlaufphase überstanden, eröffnet sich einem eine schier unglaubliche, facettenreiche Geschichte, eingebettet in eine fantastische Welt, mit seltsamen Völkern, Religionen und Legenden. Voller Spannung und unerwarteter Wendungen zieht “Der Drachenbeinthron” den Leser in seinen Bann. Williams gelingt es, die aufziehende Düsternis greifbar zu machen, die fast schon ausweglos erscheint, bis auf einen kleinen Funken Hoffnung.

Der Drachenbeinthron” ist ein absolut fantastischer Reihen-Auftakt, spannend, dramatisch, voller Magie, Gefahr und versehen mit Charakteren, an die man sich noch lange nach dem Lesen erinnern wird. Ein Muss für jeden Fantasy-Fan.

Der Drachenbeinthron: Das Geheimnis der Großen Schwerter 1 von Tad Williams
975 Seiten (Hardcover)
Verlag: Klett-Cotta
Erschienen: November 2010 (dt. EVÖ 1991)
ISBN: 978-3608938661
24,95 €

Ich bedanke mich ganz, ganz herzlich beim Verlag Klett-Cotta für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

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