[Rezension] Olivia Cunning: Backstage Pass – Sinners on Tour 1

Hinweis: Aufgrund der expliziten Erotik-Szenen empfehle ich das Buch erst ab 18 Jahren.

Myrna Evans, Psychologin und Sexualkunde-Professorin, befindet sich auf einer Konferenz, als sie in der Bar des Hotels auf die Mitglieder der bekannten Rockband “The Sinners” trifft. Die Ablenkung kommt ihr gerade recht, und so geht Myrna auf die Avancen der Band ein und nimmt am Gelage in der Hotelbar teil.

Brian Sinclair, seines Zeichens Songwriter und Lead-Gitarrist, hat gerade seine aktuelle Freundin und Muse verloren und befindet sich in einem Schaffenstief. Und obwohl ihm gerade erst sein Herz gebrochen wurde, steht er mitten in der Nacht vor der Tür von Myrnas Hotelzimmer. Nach einigen heißen Stunden ist eines klar: Myrna ist seine neue Muse!

Alles könnte so einfach sein, besonders als Myrna beginnt die Band wegen einer Studie auf ihrer Tour zu begleiten. Doch Myrnas Vergangenheit droht die Beziehung zwischen ihr und Brian zu zerstören…

Bei “Backstage Pass” handelt es sich um den ersten Band der Sinners-on-Tour-Reihe von Olivia Cunning.

Love, Sex and Rock ‘n’ Roll – an sich bin ich relativ unbefangen und ohne großartige Erwartungen an dieses Buch heran gegangen, denn mich hat zunächst nur die Tatsache angesprochen, dass es hier um eine Rockband geht.

Brian “Master” Sinclair ist nach außen hin der harte Rocker, im tiefsten Innern sehnt er sich aber nach der großen Liebe. Er neigt dazu sein Herz sehr schnell an Frauen – meist Groupies – zu verschenken, doch genau so schnell wird es ihm wieder gebrochen. Oft ist daran Sänger Sed Lionhart nicht ganz unschuldig, was unweigerlich immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen den beiden führt.

Myrna Evans ist im Vergleich zu den Rockern ganz Buisnessfrau, wirkt aber nur auf den ersten Blick gesittet. Mit Brian entdeckt Myrna Seiten an sich wieder, die sie eigentlich für immer vergessen wollte. Denn ihr Ex-Mann Jeremy hat maßgeblich dazu beigetragen, dass Myrna an ihrem Selbstwertgefühl zweifelt und sich nicht mit Herz und Seele ganz auf Brian einlassen geht.

Beide Hauptcharaktere haben ihre Stärken und Schwächen, auch wenn Brian manchmal wirklich nichts anderes als Sex im Sinn zu haben scheint. Diese Szenen sind es auch, die einen Großteil des Buches ausmachen, denn Cunning hält sich in Sachen Ausführlichkeit nicht gerade zurück, und setzt ihr Pärchen als sehr experimentierfreudig in Szene. Trotz allem wirken die Erotikparts keinesfalls geschmacklos und die Autorin schafft es, nicht ins vulgäre abzudriften.

Denn trotz allem gelingt es Cunning, die Intensität der Gefühle zwischen Myrna und Brian ohne kitschige Formulierungen zu vermitteln, und gerade die Szenen in denen Brian beginnt Noten niederzuschreiben, die ihm beim Liebesspiel mit Myrna in den Sinn kommen, sind mir positiv im Gedächtnis geblieben.

Backstage Pass” profitiert vor allem auch von seinen Nebencharakteren, allen voran natürlich den anderen Mitgliedern der Sinners: Sed, Eric, Jace und Trey, wobei mir besonders der bisexuelle Trey wirklich sehr ans Herz gewachsen ist, da er besonders zu den humorvollen Momenten im Buch beiträgt. Von Anfang bis Ende musste ich immer wieder kleinere Lachanfälle unterdrücken, denn in Sachen Situationskomik scheint Cunning wirklich eine Meisterin zu sein.

Natürlich, streicht man die Sexszenen bleiben vielleicht gerade einmal 100 Seiten richtige Handlung übrig, dennoch hat “Backstage Pass” durchaus seinen Charme und bietet ein gewisses Lesevergnügen – vorausgesetzt man liest gerne Geschichten dieser Art. Stilistisch drückt sich Cunning sehr klar und direkt auf, verzichtet auf ausschweifende Umschreibungen und macht ihr Werk damit zu einem kurzweiligen Lesevergnügen – ich persönlich hatte das Buch binnen drei Tagen beendet.

Kurzum: Cunning liefert mit “Backstage Pass” einen perfekten Startband ab, voller Erotik, Charma, Witz, Dramatik und Rock ‘n’ Roll, mit sympathischen und glaubhaften Charakteren, die einem mit jeder Zeile immer mehr ans Herz wachsen. In meinen Augen unbedingt einen Blick wert. Ich freue mich schön jetzt auf die nächsten Bände der Reihe.

Backstage Pass: Sinners on Tour 1 von Olivia Cunning
378 Seiten (Broschiert)
Verlag: Sourcebooks Inc.
Erschienen: Oktober 2010
ISBN: 978-1402244421
ca. 11 €

Ein Klick auf das Bild führt zur “Offiziellen” Homepage der Sinners.

[Rezension] Julie Kagawa: The Iron Daughter – Iron Fey 2 (dt. Plötzlich Fee-Winternacht)

Achtung: Für alle die den ersten Teil “The Iron King (dt. Plötzlich Fee – Sommernacht)” noch nicht gelesen haben, könnte diese Rezension Spoiler enthalten!

Meghan’s Leben hat sich für immer verändert. Zwar war sie schon immer in gewisser Weise eine Außenseiterin, doch jetzt fühlt sie sich verlorener den je. Zur Hälfte Mensch, zur Hälfe Feenprinzessin, steht sie zwischen zwei Welten.

Als Gefangene der Winterkönigin Mab kann sie niemandem an diesem eiskalten und trügerischem Hof vertrauen. Und auch ihre Feenkräfte lassen sie immer mehr im Stich.

Während ein Krieg zwischen den Sommer- und Winterfeen aufzuziehen beginnt, ist Meghan die Einzige, die erkennt, was dahinter steckt. Doch niemand schenkt ihren Geschichten über die Iron Fey Glauben, magische Geschöpfe, die selbst die Grausamkeit von Mab in den Schatten stellen.

Einzig Winterprinz Ash könnte Megahn’s Geschichte bestätigen, aber seit ihrer Ankunft an Mab’s Hof hat sie ihn nie wieder gesprochen… Hat er sie wirklich verlassen?

Während Meghan versucht den aufziehenden Krieg zu verhindern und das gestohlene Zepter der Jahreszeiten zurückzuholen, begibt sie sich in große Gefahr und muss ihr Leben sogar einem Verräter anvertrauen, wohlwissend, dass dies für sie tödlich enden könnte…

Bei “The Iron Daughter” handelt es sich um den zweiten Teil der “Iron Fey“-Reihe der amerikanischen Autorin Julie Kagawa.

Wie bereits der erste Teil präsentiert sich auch dieser Band  mit einem farblich wirklich sehr schönen Cover, wobei sowohl Schrift als auch das Rankenmuster – welches sich auch innerhalb des Buches fortsetzt – in einer Art Reliefprint aufgedruckt sind.

Doch nicht nur das Cover weißt Ähnlichkeiten zum ersten Band auf, auch in Sachen Handlung erweist sich “The Iron Daughter” als ebenso fesselnd wie sein Vorgänger.

Kagawa gelingt es, den Leser von der ersten Seite an zu begeistern. Ihr sehr leichter, fließender Schreibstil zieht einen unwiderruflich immer tiefer in eine äußerlich wunderschöne, magische Welt, die jedoch, lüftet man den Schleier, voller Dunkelheit und Gefahren steckt.

Gefangen am Hof der Winterfeen, an dem Emotionen und Gefühle als Schwäche gelten, muss Meghan mehr den je darauf achten, sich in Zaum zu halten. Doch die plötzliche Kälte, die ihr von Ash, ihrer großen Liebe, entgegenschlägt, kann sie nur schwer ertragen. Die Gefühle zwischen den beiden, Meghan und Ash, ziehen sich wie ein roter Faden durch das gesamte Buch, ohne sich jedoch allzu sehr in den Vordergrund drängen zu wollen. Der Autorin gelingt es, das zarte Band zwischen ihnen, das noch nicht gänzlich zerrissen ist, sehr einfühlsam und doch glaubhaft darzustellen.

Doch hat diese Beziehung wirklich eine Chance? Bereits im ersten Band hat sich eine Art Dreiecksbeziehung angekündigt, und genau diese führt Kagawa hier gekonnt fort. Und schnell ist klar, dass Meghan sich ihrer Gefühle selbst nicht sicher ist…

Meghan, Ash und Puck – sie alle gewinnen in diesem Band an Tiefe, Einblicke in ihre Vergangenheit und Gefühlswelt machen einige vorangegangene Reaktionen verständlicher, glaubhafter. Alle besitzen sie liebenswerte Seiten, aber auch Eigenschaften, die sie alles andere als perfekt wirken lassen. Und genau dies macht sie so ungemein sympathisch.

Die eigentliche Handlung verläuft spannend, mit dramaturgischen Höhen und Tiefen, und nur ein oder zwei ruhigere Momente geben dem Leser kurz Zeit, wieder zu Atem zu kommen.

The Iron Daughter” ist eine mehr als gelungene Fortsetzung der “Iron Fey“-Reihe, voller Spannung, Dramatik und Gefühl, mit ganz wunderbaren Charakteren und definitiv einen Blick wert.

The Iron Daughter: Iron Fey 2 von Julie Kagawa
304 Seiten (Broschiert)
Verlag: Harlequin
Erschienen: August 2010
ISBN: 978-0373210138
ca. 7 €

[Rezension] Mandy Hubbard: Ripple

Lexi ist verflucht. Vor zwei Jahren, an ihrem sechzehnten Geburtstag, änderte sich ihr Leben plötzlich von Grund auf. Denn an diesem Tag rief zum ersten Mal das Meer nach ihr, brachte sie dazu ein betörendes Lied zu singen und ihren Freund Steven zu ertränken.

Seitdem ist nichts mehr wie es einmal war. In der Schule gilt Lexi als Außenseiterin, all ihre damaligen Freunde haben sich nach dem Vorfall am Strand gegen sie gewendet, allen voran ihre damals beste Freundin Sienna, Steven’s Schwester. Doch sie hat gelernt, damit zu leben. Jede Nacht fährt Lexi hinaus an einen einsamen See, um zu schwimmen. Denn gibt sie dem Ruf des Wassers nicht nach, werden die Schmerzen unerträglich.

Doch auf einmal beginnt Cole, der beste Freund Steven’s, wieder mit Lexi zu reden. Entgegen ihrer eigenen Regeln, beginnt sie sich langsam wieder zu öffnen, und Gefühle zuzulassen. Aber kann eine Liebe zu einem Menschen überhaupt funktionieren? Mit dem Auftauchen von Erik ändert sich plötzlich alles…

Hat Lexi tatsächlich die Chance auf ein normales Leben? Und wenn ja, zu welchem Preis?

Mit “Ripple” wagt sich die amerikanische Autorin Mandy Hubbard, Schöpferin von Werken wie “Prada & Prejudice” und “You Wish“, zum ersten Mal in den Bereich der Romantic Fantasy vor und widmet sich einem zumindest auf dem deutschen Buchmarkt noch nicht allzu sehr präsenten Thema: Meerwesen.

Lexi ist ein wunderbarer Charakter, den ich persönlich von der ersten Zeile an ins Herz geschlossen habe. Geschrieben aus der Perspektive dieses jungen Mädchens, schafft es die Autorin, Lexi’s Gefühlswelt mehr als glaubhaft darzustellen. Gefangen in ihrer eigenen kleinen Hölle, kämpft sie sich seit zwei Jahren durch das Leben, lässt all die Mobbing-Attacken ihrer ehemaligen Freunde klaglos über sich ergehen und muss mit den Schuldgefühlen leben, die sie seit jenem Abend am Strand tagtäglich heimsuchen. Einziger Lichtblick ist ihre Großmutter, die jedoch nicht weiß, dass Lexi seit Jahren keinen Kontakt mehr zu ihren Freunden hat. All dies lässt Lexi zunächst sehr düster erscheinen, sehr traurig, und doch so unglaublich real und greifbar.

Als Cole plötzlich wieder anfängt mit Lexi zu sprechen, scheinen sich die Schatten, die sie umgeben, etwas zu lichten. Als Leser wird einem schnell klar, das Cole romantische Gefühle für Lexi hegt, und das obwohl Hubbard auf kitschig-romantische Formulierungen verzichtet.

Mit dem Auftreten von Erik entwickelt sich die gesamte Geschichte zu einer Art Dreiecks-Geschichte. Unglaublich gutaussehend ist er sogleich ein wahrer Mädchenschwarm, und auch Lexi kann sich seiner Anziehungskraft nur schwer entziehen.

Obwohl es sich hier eindeutig um Romantic Fantasy handelt, gelingt es Hubbard, die eigentliche Romanze unglaublich real darzustellen. Lexi’s Schicksal als Sirene ist stets präsent, doch Hauptaugenmerk wird ganz klar auf die Beziehung zwischen ihr, Cole und Erik, sowie die erneute Annäherung an Sienna. Über allem schwebt jedoch ständig ein Hauch von Gefahr und Magie.

Hubbard’s wirklich fesselnden Schreibstil, der frei von blumigen und kitschigen Formulierungen ist, gelingt es “Ripple” zu einem ungemein spannenden Buch zu machen. Lexi’s Geschichte fasziniert, vor allem auch, da sie nicht das kleine schwache Mädchen ist, das sich ohne die Dinge zu hinterfragen sofort in die Arme eines gutaussehenden jungen Mannes fallen lässt. Ihre Vergangenheit hat sie über Nacht erwachsen werden lassen, und genau das spürt man deutlich in jeder ihrer Handlungen.

Ripple” ist definitiv eines meiner absoluten Highlights in diesem Jahr. Eine düstere und doch wunderschöne Geschichte, die von der ersten bis zur letzten Seite fesselt und begeistert. Voller Gefühl, gewürzt mit einer Prise Gefahr und versehen mit liebevoll ausgearbeiteten, glaubhaften Charakteren. Ein absolutes Muss!!

Ripple von Mandy Hubbard
260 Seiten (Hardcover)
Verlag: Razorbill
Erschienen: Juli 2011
ISBN: 978-1595144232
ca. 12 €

[Rezension] Aimée Carter: The Goddess Test

“Become immortal or die trying.”

Statt ihren 18. Geburtstag entsprechend zu feiern, fährt Kate 954 Meilen von New York City nach Eden, einer kleinen Stadt in Michigan, um ihrer Mutter einen letzten Wunsch zu erfüllen. Denn hier ist ihre Mutter aufgewachsen, und hier will sie auch sterben. Und so findet sich Kate an einer neuen Schule wieder, an der sie niemanden kennt, und ständig unter der Angst, dass ihre Mutter vielleicht nicht einmal mehr den Herbst überleben wird.

Doch da begegnet Kate Henry.  Dunkel und gutaussehend behauptet er, Hades zu sein, der Gott der Unterwelt. Zunächst hält sie ihn für verrückt, doch als er vor ihren Augen eine Mitschülerin ins Leben zurückholt, beginnt sich Kate zu fragen, ob er nicht doch die Wahrheit sagt.

Als Henry ihr ein Angebot macht, kann sie nicht anders, als es anzunehmen. Denn er verspricht Kate, ihre Mutter am Leben zu halten, während sie selbst sich sieben Prüfungen unterzieht. Sollte sie diese Prüfungen bestehen, wird Kate an der Seite von Henry die Unterwelt regieren und Unsterblichkeit erlangen. Andernfalls wird Henry seine Herrschaft über die Unterwelt aufgeben müssen, was gleichbedeutend mit dem Ende seiner Existenz ist.

Bisher aber ist es keiner einzigen Kandidatin gelungen, die Prüfungen zu bestehen. Und auch Kate zweifelt an sich selbst…

The Goddess Test” ist Aimée Carter’s Debüt im Young-Adult-Bereich und gleichzeitig Auftakt zu einer bisher als Trilogie geplanten Reihe.

Das Buch hat sehr schnell meine Aufmerksamkeit geweckt, vor allem da ich eine Vorliebe für Geschichten habe, die sich mit den verschiedensten Götterwelten beschäftigen. Also war Carter’s Werk, welches sich des griechischen Götterhimmels bedient, eine durchaus logische Wahl, von der ich mir auch einiges versprochen hatte.

Das Cover, nebenbei bemerkt, war diesmal nicht einer der Gründe, weshalb das Buch meine Aufmerksamkeit erregt hat, erinnert es mich doch allzu sehr an diese eine Szene im ersten Twilight-Film, in der Bella mit Edward auf dieser Waldlichtung liegt – die Körperhaltung hier wirkt genau so unbequem.

Die Geschichte beginnt sehr ruhig und langsam. Carter lässt sich Zeit mit dem Aufbau ihrer Welt und mit der Einführung ihrer Figuren. Diese langsame Entwicklung im Fortschreiten der Handlung eröffnet so die Möglichkeit, einen tieferen Einblick in die Gefühlswelt der einzelnen Charaktere zu erhalten.

Kate wirkt sehr ruhig. Sie fügt sich sehr schnell in ihr neues Schicksal, und auch wenn diese Handlungsweise zunächst unglaubwürdig wirkt, im Hinblick auf Kate’s Vergangenheit und die Tatsache, dass sie sich mit dem unausweichlichem Tod ihrer Mutter auseinandersetzen muss, scheint ihre Reaktion logischer. Kate versucht nach außen hin oft stark und gefasst zu wirken, doch gleichzeitig wird sie immer wieder von starken Selbstzweifeln geplagt.

Henry dagegen tritt in keinster Weise so auf, wie man sich den Gott der Unterwelt eigentlich vorstellen würde. Seine Beziehung zu Persephone, die früher an seiner Seite in der Unterwelt regierte, hat ihn gezeichnet. Er macht sich Vorwürfe, Schuld am Tod der vorangegangenen Kandidatinnen zu sein, obwohl sie sich alle freiwillig den Prüfungen stellten.

Beide Charaktere weisen gewisse Facetten auf, und besonders Henry erweist sich aufgrund seiner Vergangenheit und der Tatsache, dass es sich bei ihm um Hades höchstselbst handelt, als eine durchaus interessante Persönlichkeit. Leider gelingt es der Autorin nicht, eine solche Tiefe aufkommen zu lassen, die es einem unmöglich macht, nicht mit den Figuren zu lachen und zu leiden. Stattdessen wahrt sie Distanz – ob gewollt oder ungewollt ist schwer zu sagen.

Und auch wenn actiongeladene Szenen und atemlose Spannung absolut nicht vorhanden sind, so schafft es Carter wohl auch gerade wegen ihres flüssigen, ruhigen und klaren Schreibstils, den Leser bei Laune zu halten.

The Goddess Test” ist ein gelungener Auftaktband, der zwar keinesfalls schlecht ist, mich aber auch nicht in Begeisterungsstürme ausbrechen lässt. Dazu passiert einfach zu wenig, gerade auch was den Bereich der zu absolvierenden Prüfungen betrifft, den ich mir komplett anders vorgestellt habe. Nichtsdestotrotz werde ich einen Blick auf die Fortsetzung werfen, die unter dem Titel “Goddess Interrupted” im Januar 2012 erscheinen soll.

Zuletzt sei noch gesagt: Wer Spoiler vermeiden will, der lasse bitte unbedingt die Finger von der Götternamensliste am Ende des Buches. Ein zu genauer Blick hierauf könnte das Lesevergnügen enorm schmälern!

The Goddess Test von Aimée Carter
304 Seiten (Broschiert)
Verlag: Harlequin
Erschienen: April 2011
ISBN: 978-0373210268
ca. 7,50 €

[Rezension] Julie Kagawa: Winter’s Passage – Iron Fey 1.5

Achtung: Für alle die den ersten Teil “The Iron King” noch nicht gelesen haben, könnte diese Rezension Spoiler enthalten!

Vor kurzem noch war Meghan Chase ein normales Mädchen – bis sie erkennen musste, dass sie Feenblut in sich trägt, und die Tochter von Oberon ist, dem Herrscher des Sommerhofes im Reich der Feen.

Nach der Konfrontation mit Machina und der Rettung ihres ins Feenreich entführten Bruders Ethan, muss Meghan ihr Versprechen einlösen, dass sie dem Winterprinzen Ash gab. Für seine Hilfe bei der Suche nach ihrem Bruder würde sie ihm zurück ins Feenreich an den Hof der Winterkönigin Mab folgen.

Doch bevor sie ihre Pflicht erfüllt, hat Meghan noch eine Bitte. Sie möchte Puck wiedersehen, ihren besten Freund und Diener ihres Vaters Oberon, der auf ihrer gemeinsamen Reise schwer verletzt wurde.

Während ihrer Reise müssen Ash und Meghan feststellen, dass sie nicht unbeobachtet geblieben sind. Ein gefährlicher Jäger ist ihnen auf der Spur, eine Kreatur, der nicht einmal Ash gewachsen ist…

Winter’s Passage” ist eine kurze Novelle aus dem Universum der “Iron Fey“-Reihe von Julie Kagawa, die zwischen “The Iron King” und “The Iron Daughter” spielt.

So schließt die Erzählung nahtlos an die Geschehnisse des ersten Bandes an.

Die im ersten Band in nur wenigen Szenen angedeutete Beziehung zwischen Meghan und Ash steht hier ganz klar im Mittelpunkt. Doch die Handlung ist keineswegs romantisch. Stattdessen schwebt über allem an tragischer Unterton, der einem immer wieder vor Augen führt, dass diese Liebe unter keinem guten Stern steht.

Ash ist gebunden durch sein Versprechen, der Tochter Oberon’s an den Hof seiner Mutter zu bringen. Diesen einmal gegebenen Schwur kann er nicht brechen, so sehr er es denn auch wollte. So versucht er Meghan zu warnen, beißt jedoch auf Granit, denn das Mädchen ist davon überzeugt, dass Ash ihr zur Seite stehen wird, wenn sie seine Hilfe braucht.

So spürt man als Leser zum einen dieses zarte Band zwischen den beiden immer wieder, doch gleichzeitig wird deutlich, dass Sommer und Winter nicht dazu gedacht sind, sich ineinander zu verlieben.

Der Jäger, der die Spur der Reisenden aufgenommen hat, sorgt zusätzlich für Spannung, da niemand weiß, wer ihn geschickt hat und was sein Auftrag ist.

Eine wunderschöne kleine Episode, die einen zusätzlichen Einblick in die Beziehung zwischen Ash und Meghan gibt. Zwar nur wenige Seiten lang, ist die Novelle zwar schnell gelesen, aber definitiv einen Blick wert, wenn man sich für die Buchreihe an sich bereits begeistern kann. Julie Kagawa’s angenehmer, flüssiger Schreibstil tut sein übriges, den Leser erneut in die Welt der Feen zu entführen, die nicht nur schön, sondern auch gefährlich ist.

Winter’s Passage: Iron Fey 1.5 von Julie Kagawa
68 Seiten (eBook)
Verlag: Harlequin
Erschienen: Juni 2010

Das eBook war für einen kurzen Zeitraum als kostenloser Download auf der Homepage zur Buchreihe verfügbar.

[Rezension] Julie Kagawa: The Iron King – Iron Fey 1 (dt. Plötzlich Fee-Sommernacht)

Mit sechs Jahren verlor Meghan Chase ihren Vater. Während eines Ausflugs in den Park verschwand er spurlos, ließ aber alle persönlichen Dinge zurück. In Luke hat Meghan’s Mutter eine neue Liebe gefunden. Gemeinsam leben sie etwas abseits im ländlichen Louisiana.

In den nächsten Jahren führt Meghan ein eher unscheinbares Teenagerleben, bis sich an ihrem sechszehnten Geburtstag plötzlich alles verändert. Ihr kleiner Bruder Ethan wird durch ein Wechselbalg ersetzt und ihr bester Freund Robbie entpuppt sich als Puck, bekannt aus Shakespeare’s Sommernachtstraum.

Gemeinsam mit Puck begibt sie sich ins Feenreich Nevernever, nichtsahnend worauf sie sich einlässt. Denn statt sich ohne Umschweife auf die Suche nach Ethan zu begeben, findet sich Meghan plötzlich in Arcadia wieder, dem Reich des Feenkönigs Oberon – Erlkönig und Herr des Sommerhofes. Meghan muss erfahren, dass Oberon ihr leiblicher Vater ist, und sie selbst zur Hälfe eine Fee!

Während Oberon seine Tochter an seinem Hof behalten will, kann Meghan aber Ethan nicht einfach seinem Schicksal überlassen. Gemeinsam mit der Katze Grimalkin flieht sie aus Arcadia, mitten hinein ins Reich Tir Na Nog, dem Territorium der Winterkönigin Mab… und mitten hinein in die Arme ihres Sohnes Ash, der geschworen hat, Meghan an den Hof seiner Mutter zu bringen. Doch alles kommt anders…

The Iron King” ist der erste Teil der “Iron-Fey“-Reihe aus der Feder der Autorin Julie Kagawa, und die englische Orignalausgabe zu “Plötzlich Fee – Sommernacht“, das vor kurzem auf Deutsch erschienen ist.

Gerade das Erscheinen der deutschen Übersetzung hat mich dazu gebracht, dieses Buch, das schon seit einer gefühlten Ewigkeit ungelesen in meinem Regal stand, endlich einmal zu lesen. Und nun frage ich mich: Warum habe ich damit nur so lange gewartet?

Dank ihres flüssigen, klaren Schreibstils gelingt es Kagawa, den Leser von der ersten Seite an zu fesseln. Mit Leichtigkeit entführt sie uns in eine zauberhafte, und doch tödliche Welt voller Feen, Kobolde, Trolle und anderer Fabelwesen.

Aus Sicht von Meghan erzählt, fällt es leicht, sich mit der Hauptperson der Geschichte zu identifizieren. Ein normaler Teenager, etwas naiv,  in der Schule eher die graue Maus, und dank der Abgeschiedenheit ihres Elternhauses kann sie nur ihren Nachbarn Robbie zu ihren Freunden zählen. Dass dieser nicht der ist der er zu sein vorgibt, erschüttert Meghan zutiefst, und lässt sie an Robbies Freundschaft zweifeln.

Puck mag zwar ein glaubhafter Charakter sein, doch alles in allem habe ich persönlich mit ihm und seiner Art ein paar Schwierigkeiten. Winterprinz Ash dagegen ist um einiges faszinierender. Nach außen hin kalt und desinteressiert, hat er trotz allem ein Herz, und anhand einschlägiger Inhaltsangaben auf dem Buchrücken oder im Netz ist, denke ich, jedem klar, dass sich zwischen ihm und Meghan etwas anbahnt. Dass diese Beziehung unter keinem guten Stern steht, macht das ganze um einiges tragischer, stehen sich die beiden doch ähnlich wie Romeo und Julia in verschiedenen Lagern gegenüber.

Kagawa hat sich für ihr Werk einige bekannte Charaktere entliehen, die sich seit Shakespeare’s Sommernachttraum durch diverse Erzählungen und Geschichten ziehen. Doch neben Puck, Oberon und Titania, so sind auch Mab und ihre Heimstatt Tir Na Nog, welches aus der irisch-keltischen Mythologie stammt, keineswegs unbekannt. Gerade dieses Vermischen von diversen Mythen und Legenden mit einer gänzlich neunen Geschichte geben dem Leser das Gefühl, immer wieder auf alte Bekannte zu treffen.

Und auch wenn Grimalkin an die Grinsekatze aus “Alice im Wunderland” erinnert, und Meghan’s Suche nach ihrem Bruder stark an den Film “Labyrinth” mit David Bowie erinnert, so ist “The Iron King” auf keinen Fall eine Kopie. Stattdessen erschafft Kagawa eine ganz eigene Geschichte, basierend auf einer Welt, über die schon so viele Legenden erzählt wurden, dass man sie gar nicht mehr zählen kann.

The Iron King” ist ein mehr als gelungener Auftakt zu einer hoffentlich genau so gelungenen Reihe, voller Magie, Dramatik und Zauber, mit sympathischen, interessanten und faszinierenden Charakteren, deren Geschicht man unbedint weiter verfolgen muss. Dieses Buch ist definitiv einen Blick wert, und hat allein schon (bei der englischen Ausgabe zumindest) wegen des wunderschönen Covers einen Platz im Bücherregal verdient.

The Iron King: Iron Fey 1 von Julie Kagawa
368 Seiten (Broschiert)
Verlag: Harlequin
Erschienen: Februar 2010
ISBN: 978-0373210084
ca. 7 €

[Rezension] Angie Sage: Magyk – Septimus Heap 1

Für die Zaubererfamilie Heap scheint das Glück perfekt, sind Silas und Sarah doch zum siebten Mal Eltern geworden. Und dem jungen Septimus steht eine große Zukunft bevor, ist er doch der siebte Sohn eines siebten Sohnes, eine Tatsache, die dem Jungen große magische Kräfte voraussagt. Doch die anfängliche Freude ist nur von kurzer Dauer. Kurz nach seiner Geburt verstirbt der kleine Septimus und wird von der Hebamme fortgebracht. Sarah ist todunglücklich, doch da legt ihr ihr Mann Silas ein Neugeborenes in den Arm, ein kleines Mädchen, dass er außerhalb der Stadtmauern im Schnee gefunden hat. Sie taufen die Kleine Jenna und geben sie seitdem als ihre eigene Tochter aus.

Kurz vor Jenna’s zehntem Geburtstag taucht plötzlich die Außergewöhnliche Zauberin Marcia Overstrand bei den Heap’s auf und eröffnet ihnen, dass Jenna in tödlicher Gefahr schwebt. Denn der momentanen Regierung im Castle ist das wahre Geheimnis um Jenna’s Herkunft zu Ohren gekommen – und diese ist dem dunklen Magier DomDaniel ein Dorn im Auge.

Knapp gelingt Jenna, Marcia, Silas und Jenna’s Bruder Nicko die Flucht hinaus aus dem Castle, eher unfreiwillig begleitet von Junge 412, einem Jungsoldat, der eigentlich der Regierung und DomDaniel dient.

Gemeinsam müssen sie sich dunklen Gefahren stellen, stets mit der Gewissheit lebend, von DomDaniel’s Häschern gefunden werden zu können. Und noch ein Geheimnis beginnt sich zu enthüllen, dass das Leben aller auf den Kopf stellen wird…

Magyk” ist der erste Band der Buchreihe um “Septimus Heap” aus der Feder von Angie Sage.

Es mag verwirrend sein, dass der Titelgeber der Reihe, Septimus, bereits auf den ersten paar Seiten aus dem Leben scheidet. Tatsache, der geneigte Leser glaubt natürlich nicht an das komplette Verschwinden der eigentlichen Hauptperson, doch das Geheimnis um Septimus’ Verbleib wird erst am Ende des Buches gelüftet – auch wenn man, achtet man ein klein wenige auf Details, bereits schon vorher auf den richtigen Pfad gelockt wird.

Eigentliche Hauptperson ist also nicht Septimus, sondern Jenna. Ein Mädchen, das erfahren muss dass ihre Eltern und Geschwister eigentlich gar nicht ihr leiblichen Eltern und Geschwister sind. Auch wenn sie schon immer wusste: Sie ist anders als die restlichen Heaps. Deutlichstes Merkmal sind wohl ihre Augen, die gar nicht das typische Grün zeigen, welches Zauberer und deren Familien aufweisen. Ist Jenna denn völlig ohne Magie im Blut? Und wenn ja, warum?

Jenna ist wunderbar in Szene gesetzt, von der ersten Minute gräbt sie sich immer mehr in das Herz des Lesers und nistet sich darin ein. Sie trägt die Geschichte, ihre Herkunft und die daraus resultierenden Folgen für sie und die Heap’s sind Haupthandlungsstrang und absoluter Spannungsfaktor.

Die gesamte Geschichte ist fesselnd erzählt. Sage schreibt ohne große Schnörkel, fließend und einfach, schafft eine Welt die den Leser begeistert und festhält. Man kann und möchte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen.

Magyk” hält nicht nur eine wunderbar durchdachte Handlung und eine sympathische Hauptperson bereit, sondern auch eine Fülle an liebenswerten Nebencharakteren: sprechende Ratten, Geister, Drachenboote, Marcia Overstrand, Tante Zelda und natürlich eine Menge Magie.

Angie Sage’s Reihe wird sehr oft mit Harry Potter verglichen, und obwohl es auch hier letztendlich um Zauberer und einen dunklen, bösen, machthungrigen Nekromanten geht, ist Septimus Heap gänzlich anders, erfrischend und neu… und begeistert mich doch schon nach dem ersten Band fast genau so wie die eben erwähnt andere Reihe um einen jungen Zauberer.

Magyk” ist definitiv ein gelungener Auftakt für eine bisher vielversprechend wirkende Reihe, voller Spannung, Magie, Humor und wunderbarer Charaktere, die, ob gut oder böse, alle faszinieren und auf ihre ganz spezielle Art und Weise sympathisch sind. Ein Muss, und wirklich keine Potter-Kopie, sondern etwas gänzlich Frisches und Eigenständiges. Ich freue mich schon auf die Folgebände, und halte mir für den nächsten Band einfach noch einen Bewertungspunkt nach oben frei.

Magyk – Septimus Heap 1 von Angie Sage
592 Seiten (Broschiert)
Verlag: Bloomsbury
Erschienen: 2005 (Taschenbuch 2006)
ISBN: 978-0747579267
9,90 €

[Rezension] Lauren DeStefano: Wither – The Chemical Garden Trilogy 1

Mit ihren sechszehn Jahren hat Rhine Ellery nur noch vier Jahre zu leben. In ihrem Wahn den perfekten Menschen zu kreieren hat die moderne Wissenschaft eine genetische Zeitbombe geschaffen, die das Leben von Männern auf 25 Jahre und das von Frauen auf 20 Jahre begrenzt. Verzweifelt suchen Wissenschaftler nun nach einem Gegenmittel um die Menschheit wieder zu regenerieren, während Waisenkinder, Verbrechen, Gewalt und Armut die Städte immer mehr überfluten, und junge Mädchen entführt und in die Prostitution oder in polygame Ehen gezwungen werden, um Kinder zu produzieren und das Aussterben der menschlichen Rasse zu verhindern.

Als Rhine entführt und zur Braut gemacht wird, schwört sie sich, alles zu unternehmen um wieder frei zu kommen und zurück zu ihrem Zwillingsbruder zu gelangen. Ihr Mann Linden ist ihr hoffnungslos verfallen, und obwohl sie es versucht, kann Rhine ihn beweiten nicht so sehr hassen, wie sie es gerne würde. Denn er bietet ihr eine Welt voller Wohlstand und  Illusion, die Rhine fast schon die tickende Uhr in ihrem Inneren ignorieren lässt.

Doch schnell muss Rhine lernen, dass nichts in dieser neuen Welt so ist wie es scheint. Ihren Mitfrauen kann sie an einem Tag vertrauen, am nächsten Tag fürchten und ihr Schwiegervater hortet auf seiner Suche nach dem Gegenmittel Leichen in seinem Labor im Keller.

Mit der Hilfe von Gabriel, einem Diener im Haus ihres Mannes, zu dem sich Rhine trotz aller Gefahren immer mehr hingezogen fühlt, will sie versuchen zu fliehen. Doch wird es Rhine gelingen zu entkommen, bevor ihre Zeit abgelaufen ist?

Wither” ist der erste Band der “Chemical-Garden“-Trilogie von Lauren DeStefano und gleichzeitig der Debütroman der Autorin.

Allein das Cover hat schon volle 5 Sterne verdient. Und es sieht nicht nur einfach fantastisch aus, es passt auch absolut perfekt zur Handlung. Durch das Design aus Kreisen und Linien, das sich auch im Buch fortsetzt, werden bestimmte, wichtige Details hervorgehoben: der Ehering am Finger des Mädchens, der kleine Vogel in seinem Käfig, die Laborutensilien sowie die Sanduhr auf der Rückseite… Alles Dinge, die sich in der Geschichte wiederfinden.

Doch nicht nur das Cover hat Lob verdient. Auch die Geschichte selbst ist einfach unbeschreiblich fantastisch. Von der ersten Seite an zieht einen “Wither” hinein in eine mögliche Zukunft, die gar nicht so unwahrscheinlich erscheint. Eine Welt, in der der schöne Schein gewahrt wird, die aber doch so ausweglos erscheint. Du weißt von Beginn an, wann dein Leben vorbei sein wird und dir wird die Chance genommen, so zu leben wie du es möchtest…

An sich ist die Handlung nicht voll von pausenloser Action und Spannung, sondern eher ruhig gehalten. Doch gerade dies bietet der Autorin die Möglichkeit, eine Atmosphäre heraufzubeschwören, die beklemmender nicht sein könnte. Allein schon die ersten paar Seiten lassen erahnen, worauf man sich hier einlässt.

Ganz besonders die Charaktere tragen zum Zauber, zum Sog der Geschichte bei. Rhine ist vom ersten Augenblick an sympathisch und ungemein glaubhaft gestaltet. Sie wird verschleppt, verheiratet, muss sich in eine Welt und ein Schicksal einfügen, um zu überleben, gibt aber die Hoffnung nie auf, zu entkommen. Auch wenn es sie das Leben kosten sollte.

Auch die Nebencharaktere können sich sehen lassen, sind keinesfalls flach und farblos, oder nur schmückendes Beiwerk. Linden bringt Rhine aufrichtige Zuneigung entgegen, tut alles damit sie seine Gefühle erwidert. Cecily und Jenna, Rhine’s Mitfrauen, sind ebenfalls faszinierend Persönlichkeiten, haben ihre eigenen Geschichten zu erzählen, die sich dem Leser nach und nach eröffnen. Zum Teil muss man sogar seine vorgefestigte Meinung revidieren, je weiter man in die Schicksale der einzelnen Personen eintaucht. Und dann natürlich auch noch Gabriel, der Diener, zu dem sich Rhine immer mehr hingezogen fühlt, und was nicht nur für sie gefährlich ist, sondern auch für ihn…

Immer wieder wird dem Leser die Ausweglosigkeit in Erinnerung gerufen, der sich die einzelnen Charaktere gegenüber sehen. Ein Leben auf Zeit, auf den Tag genau steht der Todeszeitpunkt eines jeden fest. Und doch gibt es auch schöne Momente, nicht alles ist traurig und dramatisch, und genau das verzaubert einen noch mehr.

Wither” ist eines der besten Bücher, die ich seit langer Zeit gelesen habe. Glaubhafte Charaktere, eine fantastische Geschichte, und ein so wunderschöner Schreibstil, das man gar nicht will, dass das Buch endet.  Ich kann den zweiten Band “Fever” kaum mehr erwarten, der übrigens im Februar 2012 erscheint, und wie gesagt, schon jetzt ist “Wither” eines der absoluten Highlights des Jahres. Dieses Buch muss man gelesen haben!

Wither: The Chemical Garden Trilogy 1 von Lauren DeStefano
368 Seiten (Hardcover)
Verlag: Simon & Schuster
Erschienen: März 2011
ISBN: 978-1442409057
12,60 €

[Rezension] Ally Condie: Matched (dt. Die Auswahl)

In der Zukunft besitzt ein machtvolles System die Herrschaft über die Welt. Und über die Menschen. Denn alles wird vom System bestimmt: was du isst, was du lesen darfst, welche Kunstwerke es wert sind erhalten zu werden, welche Musik du hören darfst, wie du dich kleiden sollst, wann du zu sterben hast und auch, wenn du zu lieben hast. Denn den Menschen, den man heiraten will, darf man nicht mehr selbst erwählen. Stattdessen entscheidet die Regierung, wer für einen der passende Partner ist, um den perfekten, krankheitsfreien Status zu erhalten, den die Bevölkerung besitzt.

Auch für Cassie wird kurz nach ihrem siebzehnten Geburtstag ein passender Partner erwählt. Es ist Xander, ihr Freund aus Kindertagen. Seit Jahrzehnten kennt sich ein Paar bereits vor der Wahl. Alles scheint perfekt, und eigentlich benötigt sie den Mikrochip gar nicht, der alle wesentlichen Daten über Xander enthält. Doch die Neugier siegt, und plötzlich wendet sich das Blatt.

Denn nicht nur Xander’s Gesicht erscheint auf dem Bildschirm, sondern ebenfalls das von Ky, einem Jungen aus der Nachbarschaft. Ihr wird versichert, dass dies ein Fehler ist, denn Ky ist eine Aberration, er wird und kann niemals in die Auswahl einbezogen werden. Trotz allem sucht Cassia den Kontakt zu Ky. Und bald schon beginnt sie sich fragen zu stellen: Kann das System wirklich entscheiden, wen sie lieben soll? Kann es über ihr gesamtes Leben entscheiden?

In Cassia beginnen Gedanken Gestalt anzunehmen, die eindeutig als Rebellion gegen das System gesehen werden könnten. Und schon bald ruht das Auge der Regierung auf ihr…

Matched” ist der erste Teil einer als Trilogie geplanten Reihe der amerikanischen Autorin Ally Condie.

Die Idee des hier angesprochenen Gesellschaftsystems mag nicht unbedingt neu sein. Jedoch gelingt es Condie, dieses System ungemein glaubhaft darzustellen, es greifbar zu machen und auf faszinierende Art und Weise real wirken zu lassen.

Nach außen hin perfekt, wirkt die Atmosphäre doch sehr düster, blickt man hinter die Kulissen dieser Welt. Diese komplette Kontrolle über die Menschen hat mir an einigen Stellen wahre Schauer über den Rücken gejagt. Gerade die Szenerie um Cassia’s Großvater, und die Dinge, die sie diesbezüglich später noch in Erfahrung bringt, haben mich berührt.

Auch die Liebesgeschichte zwischen Cassia und Ky, so zart, so wundervoll, und doch so gefährlich für alle beide. Die Beziehung zwischen ihnen entspinnt sich sehr langsam, was sie aber umso glaubhafter macht. Besonders die letzten Kapitel haben mir fast schon die Tränen in die Augen getrieben.

Condie’s Schreibstil trägt absolut zum Zauber des Buches bei, allein schon die ersten Zeilen haben mich erschaudern lassen, so schön, so leicht poetisch und doch weder kitschig noch opulent, waren sie formuliert.

Cassia als Hauptperson, aus deren Perspektive erzählt wird, war mir vom ersten Augenblick sympathisch. Keine ihrer Entscheidungen oder Gedanken war für mich ungewöhnlich oder nicht nachvollziehbar, stattdessen wirkte sie ungemein real und greifbar. Auch Ky mochte ich sofort, seine Geschichte berührt, er fasziniert nicht nur Cassia, sondern auch den Leser, eben weil er anders ist als die anderen.

Matched” ist ein wunderbar gelungener Auftakt. Ein Buch, das ohne Action, ohne kitschige Lovestorys, begeistern kann. Mit Liebe zum Detail schafft Condie hier eine faszinierende, drückende Welt, und Charaktere, denen man mit Begeisterung auf ihrem Weg folgen will.

Matched” ist bereits auf Deutsch unter dem Titel “Cassia & Ky – Die Auswahl” erschienen. Der zweite Band “Crossed” erscheint im November 2011 auf Englisch.

Matched von Ally Condie
384 Seiten (Hardcover)
Verlag: Dutton Juvenile
Erschienen: November 2010
ISBN: 978-0525423645
10,95 €

[Rezension] Melissa Marr: Fragile Eternity – Wicked Lovely 3

Aislinn hat ihr Leben als Sterbliche hinter sich gelassen und regiert nun als Königin des Sommerhofes an der Seite von Keenan. Sie akzeptiert das Herrschertum als eine Notwendigkeit um den Sommerhof wieder zu seiner alten Stärke zu verhelfen, kann und will Keenan aber nicht lieben, da ihr Herz immer noch Seth gehört – einem Menschen.

Doch zwischen Keenan und Ash herrscht eine ungemein große Anziehungskraft und beiden fällt es schwer, dieser zu widerstehen. Auch da Keenan so mit seiner wahren Liebe Donia zusammensein kann, der Königin des Winterhofes. Allerdings lässt er nichts unversucht, Ash’s Herz für sich zu gewinnen…

Damit hat vor allem Seth seine Probleme. Alles was er sich wünscht ist, für alle Ewigkeit bei Ash sein zu können. Doch als Sterblicher wird er irgendwann aus ihrem Leben verschwinden, und sie wird sich unweigerlich Keenan zuwenden. Als er Niall, seinen Freund und Herr des Hofes der Finsternis, um Hilfe bittet, lehnt dieser ab. Stattdessen begegnet Seth Bananach, Herrin von Krieg und Chaos, die regelmäßig die Herrscher der Höfe mit Schreckensvisionen heimsucht, um einen Krieg heraufzubeschwören.

Sie bietet Seth eine Möglichkeit, Unsterblichkeit zu erlangen, die er ohne zu zögern annimmt. Doch er ahnt nicht welchen Stein er damit ins rollen bringt…

Fragile Eternity” ist der dritte Teil der Wicked-Lovely-Reihe von Melissa Marr.

Die Autorin präsentiert hier in ihrem gewohnt modernen und locker-leicht zu lesendem Schreibstil die Dramatik um die Beziehung zwischen Ash und Seth. Zweifel und nicht zu kontrollierende Anziehung bestimmen das Geschehen und schaffen daher einen eher ernsten Unterton, der sich duch das gesamte Buch zieht.

Und obwohl die Handlung an sich vielversprechend erscheint und Potential bietet, tritt Marr größtenteils auf der Stelle. Die wenigen Wendungen sind vorhersehbar, genau wie eigentlich die komplette Geschichte, was das Lesevergnügen enorm schmälert.

Auch mit den Charakteren hatte ich so meine Probleme. Mit Ash bin ich immer noch nicht warm geworden, sie bleibt in ihren Interaktionen für mich unnatürlich und wenig glaubhaft. Keenan ist eine Sache für sich, eine Figur, die mir schon unsympathisch ist, bevor sie quasi den Mund aufmacht. Und Seth, der eigentliche Hauptcharakter dieses Bandes, bleibt von der ersten bis zur letzten Seite farblos und flach.

Einzige Lichtblicke für mich sind Donia, Niall und Bananach – Charaktere, die Potential haben und obwohl sie nur kurze Auftritte haben, stärker im Kopf bleiben als die Hauptpersonen.

Alles in allem ist “Fragile Eternity” eher enttäuschend. Marr nutzt das Potential und die Möglichkeiten, die die Geschichte bietet nicht aus und lässt jeden Moment, ein bisschen Spannung aufzubauen, ungenutzt verstreichen.

Die zwei Sterne erhält dieses Buch nur aufgrund der Kurzgeschichte um Niall, Irial und Leslie, die in dieser Ausgabe enthalten ist. Denn diese knapp 50 Seiten bieten mehr Handlung und Gefühl, als die fast 400 Seiten lange Hauptstory überhaupt ansatzweise erreicht.

Weiterempfeheln will ich dieses Buch gar nicht wirklich. Fans der Reihe werden es denke ich lesen, aber für mich wird es wahrscheinlich das letzte Buch der Wicked-Lovely-Reihe gewesen sein.

Fragile Eternity (Wicked Lovely 3) von Melissa Marr
448 Seiten (Broschiert)
Verlag: HarperCollins
Erschienen: 2009; Reprint März 2010
ISBN: 978-0061214738
6,99 €

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