[Rezension] James Dashner: Die Auserwählten – Im Labyrinth

Als Thomas in einem dunklen Lift erwacht, ist sein Name das einzige, woran er sich noch erinnern kann. Seine restlichen Erinnerungen erscheinen wie ausradiert.

Doch Thomas ist nicht alleine. Denn als sich die Türen des Lifts öffnen, findet er sich umgeben von Jungen, die ihn auf der Lichtung willkommen heißen. Ganz wie er können sie sich an nichts erinnern. Alles was sie wissen ist, dass sich jeden Morgen das Tor zum Labyrinth öffnet, das die Lichtung umgibt, und sich am Abend wieder schließt. Es gibt regelmäßige Lieferungen mit Nahrungsmitteln… Und alle 30 Tage kommt ein neuer Bewohner auf die Lichtung.

Alles scheint einem festen Plan zu unterliegen. Doch dann ändert sich plötzlich alles. Und eines ist klar: Sie müssen einen Ausweg  finden, und das schnell. Aber das Labyrinth birgt tödliche Gefahren und Geheimnisse – von denen Thomas mehr zu wissen scheint als die Anderen…

Die Auserwählten: Im Labyrinth” ist der erste Band der neuesten Buchreihe des amerikanischen Autors James Dashner, und gleichzeitig das erste Werk des Bestseller-Autors auf dem deutschen Buchmarkt.

Allein das Cover zeigt schon deutlich, dass der Leser es hier nicht mit einer locker-leichten Geschichte zu tun bekommt. Kontrolliert und kalt der Blick des Jungen, der sich regelrecht in den Betrachter hineinzubohren scheint… Und mit seinen labyrinthartigen Strukturen recht gut zur Handlung passt.

Wie Thomas, so wird auch der Leser mitten hinein in eine Welt geworfen, von der er nicht die leiseste Ahnung hat. Fremde Jungen, die mit seltsamen Begriffen wie Strunk, Neppdepp und Klonk um sich werfen und sich selbst Lichter nennen – passend zur Lichtung, auf der die Jungen leben. Eben diese Lichtung scheint der einzige Ort zu sein, an dem man sich sicher fühlen kann. Denn draußen im Labyrinth lauern Gefahren, die man sich nicht einmal in seinen schlimmsten Träumen vorzustellen vermag.

Thomas als Hauptperson ist zwar das perfekte Bindeglied zwischen Leser und Handlung, bleibt jedoch ein Rätsel. Denn zum einen kann er sich an nichts mehr als seinen Namen erinnern – seine Vergangenheit, sein Alter, seine Eltern, alles scheint verloren – zum anderen aber weiß er Dinge über die Lichtung und das Labyrinth, die er gar nicht wissen kann. Und warum kommt Thomas einigen Jungen bekannt vor?

Dashner wählt hier ganz bewusst nicht die Ich-Perspektive als Erzählmittel, sondern bleibt auf Distanz. Und genau das ist einer der Gründe, warum dieses Buch so ungemein faszinierend ist, denn der Leser hat eben nicht den vollkommenen Einblick in die f der Hauptperson, und so bleiben nicht nur das Labyrinth sondern auch Thomas ein Rätsel.

Doch auch die Nebencharaktere weisen allesamt Potential auf, sind entweder sympathisch oder verhasst, und haben doch alle eine ganz eigene Persönlichkeit und wirken keineswegs wie Lückenbüßer. Sie wachsen ans Herz, mit all ihren guten und schlechten Seiten, und gerade Minho hat das Zeug, zum heimlichen Helden der Geschichte aufzusteigen.

Dem Autor gelingt es dank seines klaren und direkten Schreibstils, die bedrückende Atmosphäre dieses Buches perfekt zu vermitteln. Die Geheimnisse des Labyrinths, die teilweise erschreckend-nüchterne Grausamkeit der Jungen, das Gefühl unter Beobachtung zu stehen – all diese Dinge sind greifbar, wirken ungemein real und jagen dem Leser durchaus den ein oder anderen Schauer über den Rücken.

Trotz allem sind mir auch ein paar Kleinigkeiten negativ aufgefallen. Zum einen scheint Dashner eine Vorliebe für die Formulierung “Gut, das.” zu haben. Die Häufigkeit dieser beiden Worte ist mir nach etwa einem Drittel des Buches ziemlich sauer aufgestoßen. Und auch das Ende ist leider vorhersehbar, denn dem aufmerksamen Leser werden wahrscheinlich die entsprechenden Details nicht entgehen, die zur Auflösung der Geschichte führen, und leider viel zu früh in die Handlung eingestreut werden.

Die Auserwählten: Im Labyrinth” ist ein mehr als gelungener Auftakt zu einer durchaus vielversprechenden Reihe. Eine spannende Geschichte, voller Rätsel und Gefahren, einer interessanten Hauptperson und liebenswerten und vor allem starken Nebencharakteren. Ein Buch, das positiv aus all den aktuellen Jugendbuchveröffentlichungen heraus sticht und definitiv einen Blick wert ist.

Die Auserwählten: Im Labyrinth von James Dashner
The Maze Runner
496 Seiten (Hardcover)
Verlag: Chicken House (Carlsen)
Erschienen: April 2011
ISBN: 978-3551520197
16,95 €

Vielen herzlichen Dank an Chicken House und Buchbotschafter.de für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

[Rezension] Lauren DeStefano: Wither – The Chemical Garden Trilogy 1

Mit ihren sechszehn Jahren hat Rhine Ellery nur noch vier Jahre zu leben. In ihrem Wahn den perfekten Menschen zu kreieren hat die moderne Wissenschaft eine genetische Zeitbombe geschaffen, die das Leben von Männern auf 25 Jahre und das von Frauen auf 20 Jahre begrenzt. Verzweifelt suchen Wissenschaftler nun nach einem Gegenmittel um die Menschheit wieder zu regenerieren, während Waisenkinder, Verbrechen, Gewalt und Armut die Städte immer mehr überfluten, und junge Mädchen entführt und in die Prostitution oder in polygame Ehen gezwungen werden, um Kinder zu produzieren und das Aussterben der menschlichen Rasse zu verhindern.

Als Rhine entführt und zur Braut gemacht wird, schwört sie sich, alles zu unternehmen um wieder frei zu kommen und zurück zu ihrem Zwillingsbruder zu gelangen. Ihr Mann Linden ist ihr hoffnungslos verfallen, und obwohl sie es versucht, kann Rhine ihn beweiten nicht so sehr hassen, wie sie es gerne würde. Denn er bietet ihr eine Welt voller Wohlstand und  Illusion, die Rhine fast schon die tickende Uhr in ihrem Inneren ignorieren lässt.

Doch schnell muss Rhine lernen, dass nichts in dieser neuen Welt so ist wie es scheint. Ihren Mitfrauen kann sie an einem Tag vertrauen, am nächsten Tag fürchten und ihr Schwiegervater hortet auf seiner Suche nach dem Gegenmittel Leichen in seinem Labor im Keller.

Mit der Hilfe von Gabriel, einem Diener im Haus ihres Mannes, zu dem sich Rhine trotz aller Gefahren immer mehr hingezogen fühlt, will sie versuchen zu fliehen. Doch wird es Rhine gelingen zu entkommen, bevor ihre Zeit abgelaufen ist?

Wither” ist der erste Band der “Chemical-Garden“-Trilogie von Lauren DeStefano und gleichzeitig der Debütroman der Autorin.

Allein das Cover hat schon volle 5 Sterne verdient. Und es sieht nicht nur einfach fantastisch aus, es passt auch absolut perfekt zur Handlung. Durch das Design aus Kreisen und Linien, das sich auch im Buch fortsetzt, werden bestimmte, wichtige Details hervorgehoben: der Ehering am Finger des Mädchens, der kleine Vogel in seinem Käfig, die Laborutensilien sowie die Sanduhr auf der Rückseite… Alles Dinge, die sich in der Geschichte wiederfinden.

Doch nicht nur das Cover hat Lob verdient. Auch die Geschichte selbst ist einfach unbeschreiblich fantastisch. Von der ersten Seite an zieht einen “Wither” hinein in eine mögliche Zukunft, die gar nicht so unwahrscheinlich erscheint. Eine Welt, in der der schöne Schein gewahrt wird, die aber doch so ausweglos erscheint. Du weißt von Beginn an, wann dein Leben vorbei sein wird und dir wird die Chance genommen, so zu leben wie du es möchtest…

An sich ist die Handlung nicht voll von pausenloser Action und Spannung, sondern eher ruhig gehalten. Doch gerade dies bietet der Autorin die Möglichkeit, eine Atmosphäre heraufzubeschwören, die beklemmender nicht sein könnte. Allein schon die ersten paar Seiten lassen erahnen, worauf man sich hier einlässt.

Ganz besonders die Charaktere tragen zum Zauber, zum Sog der Geschichte bei. Rhine ist vom ersten Augenblick an sympathisch und ungemein glaubhaft gestaltet. Sie wird verschleppt, verheiratet, muss sich in eine Welt und ein Schicksal einfügen, um zu überleben, gibt aber die Hoffnung nie auf, zu entkommen. Auch wenn es sie das Leben kosten sollte.

Auch die Nebencharaktere können sich sehen lassen, sind keinesfalls flach und farblos, oder nur schmückendes Beiwerk. Linden bringt Rhine aufrichtige Zuneigung entgegen, tut alles damit sie seine Gefühle erwidert. Cecily und Jenna, Rhine’s Mitfrauen, sind ebenfalls faszinierend Persönlichkeiten, haben ihre eigenen Geschichten zu erzählen, die sich dem Leser nach und nach eröffnen. Zum Teil muss man sogar seine vorgefestigte Meinung revidieren, je weiter man in die Schicksale der einzelnen Personen eintaucht. Und dann natürlich auch noch Gabriel, der Diener, zu dem sich Rhine immer mehr hingezogen fühlt, und was nicht nur für sie gefährlich ist, sondern auch für ihn…

Immer wieder wird dem Leser die Ausweglosigkeit in Erinnerung gerufen, der sich die einzelnen Charaktere gegenüber sehen. Ein Leben auf Zeit, auf den Tag genau steht der Todeszeitpunkt eines jeden fest. Und doch gibt es auch schöne Momente, nicht alles ist traurig und dramatisch, und genau das verzaubert einen noch mehr.

Wither” ist eines der besten Bücher, die ich seit langer Zeit gelesen habe. Glaubhafte Charaktere, eine fantastische Geschichte, und ein so wunderschöner Schreibstil, das man gar nicht will, dass das Buch endet.  Ich kann den zweiten Band “Fever” kaum mehr erwarten, der übrigens im Februar 2012 erscheint, und wie gesagt, schon jetzt ist “Wither” eines der absoluten Highlights des Jahres. Dieses Buch muss man gelesen haben!

Wither: The Chemical Garden Trilogy 1 von Lauren DeStefano
368 Seiten (Hardcover)
Verlag: Simon & Schuster
Erschienen: März 2011
ISBN: 978-1442409057
12,60 €

[Rezension] Sara Grant: Neva

Die 16-jährige Neva Adams lebt in Heimatland. Unter einer mächtigen Energiekuppel, der Protektosphäre, leben die Menschen geschützt vor den Gefahren der Außenwelt. Doch was zunächst klingt als garantiere es die Sicherheit und das Überleben der Bürger, ist doch bei näherem Hinsehen nichts anderes als ein Gefängnis.

Es herrschen strenge Gesetze, die Regierung wacht über jeden Schritt, Personen wie Neva’s Großmutter verschwinden spurlos, ohne das jemand überhaupt einen Gedanken daran verschwendet, nachzufragen. Nach Generationen in Isolation sehen sich die Menschen immer ähnlicher. So ist es nicht verwunderlich, dass viele Jugendliche sich Kennzeichen zulegen, um ihre Individualität zu unterstreichen.

Auch Neva rebelliert gegen die Regierung. Und das nicht nur im Stillen, mit ihren Tätowierung in Form einer Schneeflocke, sondern auch aktiv, mit nächtlichen Protestaktionen. Doch der Regierung entgeht nichts. Neva und ihre Freunde geraten ins Visier der Gesetzeshüter, werden überwacht. Während Neva mit ihren Gefühlen für eonen Jungen kämpft, der eigentlich tabu für sie ist, dringt sie auf der Suche nach Antworten immer tiefer ein in die Geheimnisse der Regierung, und wünscht sich nicht nur einmal, wieder zur alten Unwissenheit zurückkehren zu können…

Neva” handelt es sich um einen Jugendroman der Autorin Sara Grant.

Dystopien scheinen derzeit ein wirklich sehr beliebtes Thema im Bereich der Jugendliteratur zu sein, seit dem Erfolg der “Tribute von Panem” tauchen immer mehr Bücher auf, die sich mit dieser Thematik auseinander setzen.

Aufgrund der vielen wirklich positiven Meinungen, hatte ich von Anfang an große Erwartungen in Bezug auf “Neva“, nur leider wurden diese nicht gänzlich erfüllt.

Neva als Hauptperson lernt man im Laufe der Geschichte recht gut kennen, das Erzählmittel der Ich-Perspektive verschafft dem Leser einen guten Einblick in die Gefühlswelt des Mädchens, macht ihre Handlungen und Beweggründe nachvollziehbarer. Trotzdem hatte ich das Gefühl, immer noch auf Distanz gehalten zu werden, konnte mich nie ganz in Neva hineinfühlen, nie ganz mitfiebern.

Besonders in einem Punkt hatte ich mit Neva Schwierigkeiten. Warum sie plötzlich nicht mehr das für Ethan empfindet, das sie zuvor empfand, kann ich noch verstehen, allerdings geht mir die Sache mit Braydon zu schnell. Ein Kuss, und plötzlich ist es die ganz große Liebe? Süß vielleicht, aber nicht gerade glaubhaft.

Vielleicht auch gerade weil die beiden männlichen Parts doch sehr flach gezeichnet sind, ohne allzu viel Tiefe. Bei beiden hätte ich mir einen näheren Einblick in Bezug auf ihre Beweggründe gewünscht, ganz besonders auch nach den Geschehnissen gegen Ende des Buches.

Auch Sanna, Neva’s bester Freundin, mangelt es an Charakter. Ohne deutliche Gründe (Braydon allein ist für mich kein Grund) schwankt sie zu schnell von Revolutionärin hin zu bravem Mädchen.

Wichtig für Neva, ja für die gesamte Geschichte, sind auch ihre Eltern, besonders ihre Mutter, aber auch die Beziehung zu ihrem Vater. Beides kommt zu kurz, ein bisschen mehr im Hinblick auf die beiden hätte schon drin sein können.

Mit knapp 350 Seiten ist “Neva” keinesfalls dick, und dass da wenig Platz bleibt für ausführliche Charakterstudien leuchtet mir ein. Doch leider mussten nicht nur die Figuren Einschnitte hinnehmen, sondern auch die Handlung an sich. Zwar irgendwie spannend und interessant, waren mir manche Dinge einfach zu weit hergeholt. Besonders gegen Ende des Buches war es einfach zu viel des Guten.

Nichtsdestotrotz ist “Neva” ein lesenswertes Buch, und aufgrund von Grant’s flüssigem Schreibstil recht schnell zu bewältigen. Langeweile kommt keine auf, die Geschichte ist ebenfalls interssant, und trotz der fehlenden Charaktertiefen und einiger Übertreibungen würde ich das Buch empfehlen, besonders wenn man sich für Dystopien begeistern kann.

Neva von Sara Grant
352 Seiten (Hardcover)
Verlag: PAN
Erschienen: März 2011
ISBN: 978-3426283486
16,99 €

Ich bedanke mich ganz, ganz herzlich beim PAN-Verlag für das so freundlich zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

[Rezension] Ally Condie: Matched (dt. Die Auswahl)

In der Zukunft besitzt ein machtvolles System die Herrschaft über die Welt. Und über die Menschen. Denn alles wird vom System bestimmt: was du isst, was du lesen darfst, welche Kunstwerke es wert sind erhalten zu werden, welche Musik du hören darfst, wie du dich kleiden sollst, wann du zu sterben hast und auch, wenn du zu lieben hast. Denn den Menschen, den man heiraten will, darf man nicht mehr selbst erwählen. Stattdessen entscheidet die Regierung, wer für einen der passende Partner ist, um den perfekten, krankheitsfreien Status zu erhalten, den die Bevölkerung besitzt.

Auch für Cassie wird kurz nach ihrem siebzehnten Geburtstag ein passender Partner erwählt. Es ist Xander, ihr Freund aus Kindertagen. Seit Jahrzehnten kennt sich ein Paar bereits vor der Wahl. Alles scheint perfekt, und eigentlich benötigt sie den Mikrochip gar nicht, der alle wesentlichen Daten über Xander enthält. Doch die Neugier siegt, und plötzlich wendet sich das Blatt.

Denn nicht nur Xander’s Gesicht erscheint auf dem Bildschirm, sondern ebenfalls das von Ky, einem Jungen aus der Nachbarschaft. Ihr wird versichert, dass dies ein Fehler ist, denn Ky ist eine Aberration, er wird und kann niemals in die Auswahl einbezogen werden. Trotz allem sucht Cassia den Kontakt zu Ky. Und bald schon beginnt sie sich fragen zu stellen: Kann das System wirklich entscheiden, wen sie lieben soll? Kann es über ihr gesamtes Leben entscheiden?

In Cassia beginnen Gedanken Gestalt anzunehmen, die eindeutig als Rebellion gegen das System gesehen werden könnten. Und schon bald ruht das Auge der Regierung auf ihr…

Matched” ist der erste Teil einer als Trilogie geplanten Reihe der amerikanischen Autorin Ally Condie.

Die Idee des hier angesprochenen Gesellschaftsystems mag nicht unbedingt neu sein. Jedoch gelingt es Condie, dieses System ungemein glaubhaft darzustellen, es greifbar zu machen und auf faszinierende Art und Weise real wirken zu lassen.

Nach außen hin perfekt, wirkt die Atmosphäre doch sehr düster, blickt man hinter die Kulissen dieser Welt. Diese komplette Kontrolle über die Menschen hat mir an einigen Stellen wahre Schauer über den Rücken gejagt. Gerade die Szenerie um Cassia’s Großvater, und die Dinge, die sie diesbezüglich später noch in Erfahrung bringt, haben mich berührt.

Auch die Liebesgeschichte zwischen Cassia und Ky, so zart, so wundervoll, und doch so gefährlich für alle beide. Die Beziehung zwischen ihnen entspinnt sich sehr langsam, was sie aber umso glaubhafter macht. Besonders die letzten Kapitel haben mir fast schon die Tränen in die Augen getrieben.

Condie’s Schreibstil trägt absolut zum Zauber des Buches bei, allein schon die ersten Zeilen haben mich erschaudern lassen, so schön, so leicht poetisch und doch weder kitschig noch opulent, waren sie formuliert.

Cassia als Hauptperson, aus deren Perspektive erzählt wird, war mir vom ersten Augenblick sympathisch. Keine ihrer Entscheidungen oder Gedanken war für mich ungewöhnlich oder nicht nachvollziehbar, stattdessen wirkte sie ungemein real und greifbar. Auch Ky mochte ich sofort, seine Geschichte berührt, er fasziniert nicht nur Cassia, sondern auch den Leser, eben weil er anders ist als die anderen.

Matched” ist ein wunderbar gelungener Auftakt. Ein Buch, das ohne Action, ohne kitschige Lovestorys, begeistern kann. Mit Liebe zum Detail schafft Condie hier eine faszinierende, drückende Welt, und Charaktere, denen man mit Begeisterung auf ihrem Weg folgen will.

Matched” ist bereits auf Deutsch unter dem Titel “Cassia & Ky – Die Auswahl” erschienen. Der zweite Band “Crossed” erscheint im November 2011 auf Englisch.

Matched von Ally Condie
384 Seiten (Hardcover)
Verlag: Dutton Juvenile
Erschienen: November 2010
ISBN: 978-0525423645
10,95 €

[Rezension] Isaac Marion: Mein fahler Freund

Die Welt, wie wir sie kennen, existiert nicht mehr. Dörfer und Städte sind verlassen, Gebäude verfallen zu Ruinen. Die Lebenden verschanzen sich in Stadien, Türmen; sichern ihre heile Welt und versuchen den Schrecken abzuhalten, der hinter den sicheren Mauern in der Außenwelt lauert. Eine Seuche hat die Menschheit heimgesucht, Tote erwachen und ziehen auf der Suche nach warmen, frischen Fleisch durch die Straßen.

R ist so ein Zombie. Vergessen wie er hieß, wie und wann er starb, fristet er zusammen mit anderen Zombies sein Dasein in einem alten Flughafen. Einziger Lichtblick in dieser sonst so trostlosen Existenz ist der Verzehr menschlichen Hirns, welches es ihm ermöglicht, die Erinnerungen des Opfers nochmals zu durchleben, sich lebendig zu fühlen.

Doch als R in das Hirn von Perry beißt, verändert sich etwas in ihm. Anstatt das Mädchen Julie ebenfalls zu töten, rettet er ihr das Leben. Zwischen den Beiden entspinnt sich ein zartes Band, und zunehmend lebendiger werdend, mehr sprechen und träumen zu können, beschließt R Julie in der Welt der Lebenden aufzuspüren, stets begleitet von Perry’s Erinnerungen, die ihn einfach nicht loslassen wollen.

Etwas ist im Gange, das die Welt der Lebenden und Zombies in ihren Grundfesten erschüttern könnte…

Mit “Mein fahler Freund” von Isaac Marion ist mir ein wahrer Roman-Schatz in die Hände gefallen.

Fernab vom Handlungverlauf typischer Zombiefilme wie “Dawn of the Dead” schafft Marion hier ein faszinierendes Buch, zwar etwas blutig, aber keinesfalls brutal.

R, aus dessen Perspektive erzählt wird, trägt die Geschichte. In wundervollen Worten und Sätzen wird der Leser in eine Welt entführt, die fremd erscheinen mag, jedoch nicht völlig unwahrscheinlich. Selbstverständlichkeiten wie das Fliegen, Kino- und Konzertbesuche sind jetzt nur noch große Träume, große Kunstwerke von Salvador Dalí und Picasso hängen nun in sonst eher schmucklosen, einfachen Zimmern.

Marion erzählt in einem wunderschönen, poetischem Stil, fast jeder Satz wäre es wert, ihn sich als Zitat zu notieren. Es gelingt ihm auf fantastische Weise, Gefühle so zu erfassen, dass man sich mitten in R hineinversetzt fühlt. Ein trauriger Unterton zieht sich durch das komplette Werk, nach Humor und Komik sucht man hier vergebens.

Die gesamten Charaktere, allen voran R, sind absolut glaubhaft, und selbst Mit-Zombie M, der eher an einen bulligen Schlägertyp erinnert, ist auf seine ganz spezielle Weise sympathisch.

Mein fahler Freund” hat meine Erwartungen schier übertroffen. Ein wundervolles Buch, dessen letzter Absatz zu Tränen rührt. Ein Werk, das zum Nachdenken anregt, das Einblick gibt in die Seele eines ganz besonderen Wesens.

Eine Hommage an das Leben und die Hoffnung und ein absolutes Must-Read.

Mein fahler Freund von Isaac Marion
290 Seiten (Hardcover)
Verlag: Klett-Cotta
Erscheint: 21. Februar 2011
ISBN: 978-3608939149
19,95 €

Vielen herzlichen Dank an Vorablesen und den Klett-Cotta-Verlag für das Leseexemplar.

[Rezension] Suzanne Collins: Die Tribute von Panem – Gefährliche Liebe

Achtung: Für alle die den ersten Teil “Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele” noch nicht gelesen haben, könnte diese Rezension Spoiler enthalten.

Katniss und Peeta sind beide als Sieger aus den letzten Hungerspielen hervorgegangen, einzig und allein deshalb, weil sie dem Kapitol das unsterblich verliebte Paar vorgespielt haben. Im Gegensatz zu Peeta, der Katniss wirklich liebt, ist sich diese ihrer Gefühle nicht ganz so sicher. Denn gleichzeitig schlägt ihr Herz für ihren Jungendfreund Gale, der ihr seit ihrer Rückkehr aus dem Kapitol aus dem Weg geht.

Noch dazu hat Katniss noch viel schlimmere Probleme. Ihr unüberlegter Akt, sich und Peeta mithilfe giftiger Beeren selbst töten zu wollen, sodass keiner der beiden als Sieger der Hungerspiele hervorgehen wird, sorgt in den Distrikten für Unruhen. Präsident Snow persönlich droht Katniss, ihre Lieben zu töten, sollte sie es nicht schaffen auf der Tour der Sieger durch alle Distrikte Panems die Unruhen zu schlichten.

Stattdessen werden Katniss und ihre Spotttölpel-Brosche zu einem Symbol für die Rebellion gegen das Kapitol. Und obwohl keiner damit gerechnet hat, führt Präsident Snow einen mehr als offensichtlichen Schlag gegen die Rebellion…und gegen Katniss. Denn für das Jubiläum, die 75. Hungerspiele, hat er sich etwas ganz besonderes ausgedacht: Die Kandidaten, ein weiblicher und ein männlicher aus jedem Distrikt, werden aus allen Gewinnern der vergangen Hungerspiele ausgelost. Es steht also fest: Katniss muss erneut in die Arena…

Endlich habe ich es geschafft den zweiten Band der “Tribute von Panem” von Suzanne Collins zu lesen.

Gefährliche Liebe” hat einen viel dunkleren Unterton als sein Vorgängerband. Die Bedrohung durch das Kapitol sowie das Leid der Menschen in den einzelnen Distrikten sind um einiges greifbarer, gleichzeitig aber spürt man regelrecht, dass es in den Herzen der Menschen brodelt und kocht, denn immer mehr Distrikte beginnen eine Rebellion, lehnen sich offen gegen das Kapitol und die Friedenswächter auf. Und Katniss wird dabei eher ungewollt zum Symbol für den Wiederstand und damit in den Augen von Präsident Snow zur absoluten Bedrohung für das Kapitol und ihn selbst. Und das, obwohl oder gerade weil die Bewohner des Kapitols Katniss immer noch regelrecht vergöttern.

Die Charaktere, besonders Katniss, wirken reifer und irgendwie glaubhafter, und auch mit Peeta kann ich inzwischen mehr anfangen als noch im ersten Band.

Gefährliche Liebe” bleibt spannend von der ersten bis zur letzten Seite, es erwarten den Leser einige ungeahnte Wendungen, und der wirklich ziemlich gemeine (aber strategisch bestimmt sehr gut gesetzte) Cliffhanger am Ende macht einfach nur neugierig auf den dritten Band.

Wer den ersten Teil mochte, wird von diesem Band ebenfalls begeistert sein. Ich zumindest war es und kann das Erscheinen des dritten Bandes “Flammender Zorn“, der im März 2011 auf Deutsch herauskommen soll, kaum mehr erwarten.

Die Tribute von Panem – Gefährliche Liebe von Suzanne Collins
Catching Fire
431 Seiten (Hardcover)
Verlag: Oetinger
Erschienen: Mai 2010
ISBN: 978-3789132193
17,95 €

[Rezension] Douglas Coupland: Generation A

In der nahen Zukunft. Die Bienen sind ausgestorben, Honig und Obst wurde zur teuren Mangelware und die Menschen sind gezwungen, sich alternative Nahrungsmittel zu suchen. Drogen sind an der Tagesordnung, um der Realität entfliehen zu können.

Doch dann werden fünf Menschen aus heiterem Himmel von Bienen gestochen. Sie werden eingesperrt, verhört und untersucht, und sind gleichzeitig weltberühmt: Ein Hoffnungsschimmer, ob die Bienen denn nicht doch zurückkehren.

Wieder aus den Forschungseinrichtungen entlassen, stehen Zack, Sam, Julien, Diana und Harj quasi vor dem Nichts. Ihr Hab und Gut wurde in seine Einzelteile zerlegt, und ihre Mitmenschen sehen sie als Trophäen und Stars. So gehen alle Fünf auf das Angebot des Wissenschaftlers Serge ein, der sie bittet mit ihm für ein weiterführendes Projekt auf eine kleine Insel zu ziehen. Dort erzählen sie sich Geschichten, bis alles eine unerwartete Wendung nimmt…

Zunächst war ich von Coupland’s neustem Werk “Generation A” sehr angetan, die Leseprobe war wunderbar ironisch und amüsant zugleich. So verhielt es sich auch mit der ersten Hälfte des Buches. Die Charaktere wurden eingeführt, man erfährt wie sie gestochen wurden, was sie in der Forschungseinrichtung erlebten und wie sie wieder an die frische Luft gesetzt wurden. Leider beginnt sich schon hier einiges zu wiederholen, denn die Charaktere erzählen nacheinander immer wieder recht ähnliche Geschehnisse.

Die zweite Hälfte, ihre Rückkehr und die Reise zur Insel zusammen mit dem Wissenschaftler Serge zieht sich ziemlich dahin und vermag es nicht, einen wirklich zu fesseln. Auch wirkten die Geschichten, die sich die Hauptcharaktere immer wieder nacheinander erzählen, und die fast die komplette zweite Büchhälfte füllen, auf mich eher wie Lückenfüller. Mag sein dass man dadurch Einblicke sowohl in die Psyche der Charaktere als auch in die Gesellschaft bekommt, jedoch trägt dieser Punkt meiner Meinung nach nichts zur eigentlichen Handlung bei.

An sich verspricht das Buch zu Beginn viel, kann aber nicht alles halten. Mich hat es doch etwas enttäuscht. Vielleicht lag es auch an der Einfarbigkeit der fünf Hauptakteure, denn obwohl die einzelnen Parts aus der Ich-Perspektive geschrieben sind, unterschieden sie sich in ihrer Art des Denkens und Artikulierens kaum.

Coupland’s Schreibstil, zu Beginn locker, ironisch und amüsant, ließ mit der Zeit nach und machte es mir schwer, bis zum Ende durchzuhalten. Das Ende des Buches an sich kommt viel zu überraschend und ist mir persönlich zu sehr aus der Luft gegriffen.

Kurz: Zu Beginn vielversprechend, jedoch letztendlich etwas enttäuschend.

Generation A von Douglas Coupland
330 Seiten (Hardcover)
Verlag: Tropen (bei Klett-Cotta)
Erschienen: August 2010
ISBN: 978-3608501100
19,95 €

Ich bedanke mich ganz herzlich beim Tropen-Verlag für des zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

[Rezension] Suzanne Collins: Die Tribute von Panem-Tödliche Spiele

Panem ist auf dem Gebiet des ehemaligen Nordamerikas enstanden. Allein das Kapitol herrscht über das in 13 Distrikte aufgeteilte Land und lebt in seiner von den Felsen der Rockies umgebenen Stadt in Luxus und Überfluss. Seitdem sich die Distrikte in einer Rebellion erhoben, die das Kapitol niederschlug und dabei Distrikt 13 komplett auslöschte, finden alljährlich die Hungerspiele statt. Innerhalb einer “Ernte” werden in jeden Distrikt per Los zwei Tribute, Junge und Mädchen, ausgewählt, um in den Spielen gegeneinander anzutreten und sich vor laufenden Kameras so lange bekämpfen, bis nur noch ein Tribut am Leben bleibt und als Sieger hervorgeht. Als der Name von Katniss Everdeens kleiner Schwester Prim verkündet wird, meldet sich Katniss freiwillig, um an Stelle ihrer Schwester an den Hungerspielen teilzunehmen. Zusammen mit Peeta Mellark, dem zweiten Tribute aus ihrem Distrikt, bricht sie ins Kapitol auf, wird vorbereitet uns letztendlich in die Arena geworfen. Der Kampf ums Überleben beginnt, wobei Katniss stets schwankt zwischen ihrer Sympathie für Peeta und andere ihrer Mitstreiter und dem Willen, lebendig nach Hause zurückzukehren, dafür aber Menschen töten zu müssen, die ihr ans Herz gewachsen sind. Und dann rettet Peeta ihr auch noch das Leben…

Mit “Die Tribute von Panem” schafft Suzanne Collins eine recht düstere Zukunftversion, die auf erschreckende Weise den Gedanken der Reality-Shows im TV wie Big Brother oder das Dschungelcamp weiterspinnt allerdings bei genauererem Nachdenken gar nicht so unwahrscheinlich wirkt.

Das Buch ist im Präsens gehalten, was ich anfangs etwas gewöhnungsbedürftig fand, das aber das Gefühl vertieft mitten drin zu sein. Erzählt wird nur aus der Sicht von Katniss, die in Ich-Perspektive teilhaben lässt am Grauen dieser Hungerspiele. Auch der schnörkellose und gerade Stil trägt zur Atmosphäre der Geschichte bei.

Da als Jugendbuch gedacht, sind die Kämpfe der Tribute hier keinesfalls auf detailreiche Weise beschrieben, trotz allem haben die Tode der einzelnen Tribute etwas Beklemmendes an sich, wie auch das gesamte Werk an sich. Ein wirklich sehr gelungenes Buch und mehr als nur zu empfehlen.

Der zweite Band “Die Tribute von Panem – Gefährliche Liebe” erscheint am 19.Mai 2010.

Die Tribute von Panem - Tödliche Spiele von Suzanne Collins
Hunger Games
414 Seiten (Hardcover)
Verlag: Oetinger
Erschienen: Juli 2009
ISBN: 978-3789132186
17,90 €

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