[Rezension] Daniela Krien: Irgendwann werden wir uns alles erzählen

“Ein einziger Augenblick kann ein Leben ändern.”

Sommer 1990. Ein kleines Dorf nahe der deutsch-deutschen Grenze, die nun eigentlich keine mehr ist.

Maria wird bald siebzehn und wohnt mit ihrem Freund Johannes auf dem Hof seiner Eltern. Das verträumte Mädchen verkriecht sich lieber mit Dostojewskijs “Die Brüder Karamasow” anstatt zur Schule zu gehen – im Gegensatz zu Johannes, der feste Pläne für seine Zukunft zu haben scheint.

Auf dem Nachbarhof lebt der vierzigjährige Henner. Der alleinstehende Mann wird von den Leuten aus dem Dorf eher argwöhnisch betrachtet. Doch der tragische Hauch, der seine Vergangenheit umgibt, ändert nichts daran, dass der charismatische Mann eine gewisse Wirkung auf Frauen hat.

Ein zufälliger Blick, eine Berührung lösen in Maria eine Sehnsucht aus, die so fremd und übermächtig ist, dass sie sich ihr nicht erwehren kann, und sie daher wie von höherer Gewalt geleitet in Henners Haus und seine Arme treibt…

Irgendwann werden wir uns alles erzählen” ist der Debütroman der deutschen Autorin Daniela Krien, und wurde bereits vor seinem eigentlichen Erscheinen an 13 weitere Länder verkauft.

Von diesem Buch habe ich von Anfang an sehr viel erwartet. Diese Erwartungen wurden mehr als nur übertroffen, und nun suche ich nach Worten, die beschreiben, wie unglaublich fantastisch dieses Werk ist. Allein das Cover unterstreicht die Stimmung des Romans, wirkt in seiner Farbgebung älter, der staubtrockene Feldweg, die Gräser und weiter Felder lassen die Hitze des Sommers fast ganz von alleine lebendig werden.

Maria lebt bei der Familie ihres Freundes, statt bei ihrer Mutter. Was zunächst seltsam erscheint, ist für die Familie Brendel selbstverständlich. Ein typischer Generationenhaushalt – Großmutter Frieda, Vater Siegfried, Mutter Marianne, ihr ältester Sohn Johannes, der zwölfjährige Lukas sowie “Knecht” Alfred leben zusammen unter einem Dach. Und solange sie ihre Aufgaben auf dem Hof erfüllt, so scheint Marias Anwesenheit kein Problem darzustellen.

Das siebzehnjährige Mädchen wirkt verträumt, weiß noch nicht, was sie mit sich und ihrer Zukunft anfangen möchte. Während Johannes seinem Abschluss macht und sich immer mehr in der Fotografie verliert, versinkt Maria zusammen mit den Brüdern Karamasow in einer anderen Welt. Bis diese durch Henner gehörig auf den Kopf gestellt wird.

Henner wirkt eher wie ein Gutsbesitzer aus alten Zeiten, hat mit der Landwirtschaft eher wenig am Hut. Einzig und allein für Pferde scheint er ein Talent zu haben. Als Weiberheld und Trunkenbold verschrien, ist er bei den restlichen Dorfbewohnern eher ungern gesehen. Auch charakterlich erscheint Henner zunächst nicht gerade einfach. Doch mit der Zeit schleicht sich auch dieser Charakter ins Herz des Lesers, trotz seiner Eigenarten.

Die Liebesgeschichte zwischen Maria und Henner verläuft keinesfalls so, wie man es vielleicht erwarten würde. Allein der Beginn dieser “Romanze”, die in meinen Augen gar nicht zufälligen und schon fast unsittlichen Berührungen seitens Henners, zeigt schon früh, dass es sich hier nicht um die Erfüllung einer Kleinmädchen-Fantasie handelt. Stattdessen ist diese Liebe heftig, unberechenbar und wild, fast schon verzweifelt, und doch so real, so echt. Allein der Altersunterschied macht diese Beziehung zu etwas Verbotenem, etwas Geheimen. Eine Beziehung, die das Leben der beiden Hauptcharaktere für immer verändern wird, sollte sie jemals ans Licht kommen.

Maria verstrickt sich immer mehr in Lügen, um Möglichkeiten zu finden Zeit mit Henner zu verbringen. Sie schwankt zwischen Euphorie und schlechtem Gewissen, vergießt Tränen, leidet, liebt und lebt. Henner ist ihre Zuflucht, und während Johannes sich immer mehr von ihr abzuwenden scheint findet sie bei ihm Bestätigung.

“Ich taumele von einem Gefühlszustand zum nächsten, lebe von einem Tag zum anderen, ganz und gar gegenwärtig, ganz im Jetzt, und das Jetzt ist der Henner. Johannes und die Zukunft liegen im Ungewissen.”

Daniela Krien erzählt auf der einen Seite eine Familiengeschichte. Eine Geschichte, zu der Maria noch nicht ganz dazu gehört, doch ihr Platz bei den Brendels festigt sich immer mehr. Gleichzeitig ist “Irgendwann werden wir uns alles erzählen” eine Liebesgeschichte. All das spielt sich vor dem Hintergrund der sich auflösenden DDR ab, ein Land, das alle Charaktere dieses Buches unweigerlich gezeichnet hat. Die Öffnung dieses Landes in Richtung Westen, die Möglichkeiten, Veränderungen und Ängste bilden den großen historischen Rahmen, sind aber nie direkt Thema. Denn für Maria, die als Ich-Erzählerin fungiert, ist die offene Grenze, die zunächst wie das Tor zur Freiheit erscheint, plötzlich völlig unwichtig.

Der Autorin gelingt es diese Geschichte, die völlig ohne spannende oder atemraubende Elemente auskommt, doch so zu gestalten, dass man sich ihr kaum entziehen kann. Maria und Henner verzaubern den Leser, einwickeln einen Bann, der von der ersten Sekunde an verzaubert. Sprachlich einfach und ohne überschwengliche Formulierungen schafft es Krien jedoch, die Sehnsucht wirklich greifbar zu machen, schreibt sie doch ungemein bildlich, dass jedes Wort eine unglaubliche Lebendigkeit ausstrahlt.

Irgendwann werden wir uns alles erzählen” ist ein wunderbares Buch, voller Sehnsucht und Sinnlichkeit, das die Geschichte einer eigentlich verbotenen Liebe erzählt, ohne dabei jemals kitschig oder unrealistisch zu wirken. Ein Buch, so wunderschön, so voller Zauber, Melancholie und Leben; sprachlich einfach und doch so grandios. Absolut lesenswert.

Irgendwann werden wir uns alles erzählen von Daniela Krien
240 Seiten (Hardcover)
Verlag: Graf
Erschienen: September 2011
ISBN: 978-3862200191
18,00 €

Ich bedanke mich ganz, ganz herzlich beim Graf-Verlag für das so freundlich zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

[Rezension] Hermann Stefánsson: Guðjón Ólafssons Zeitreise als Laborratte

Der Schriftsteller Guðjón Ólafsson wacht im Krankenhaus auf, ohne Sprache und ohne Erinnerung daran, wie und warum er dorthin gekommen ist. Sein Vater hilft ihm, den Weg zurück in die Wirklichkeit zu finden, doch um welche Wirklichkeit geht es eigentlich?

 Allmählich gewinnt Guðjón seine Sprache wieder und findet heraus, dass Helena, die ihm sein Vater als seine Freundin vorstellt, und er am europäischen Kernforschungszentrum CERN in der Schweiz einem durch Medikamente unterstützten Experiment unterzogen worden sind, bei dem es um Zeitreisen in die Vergangenheit ging…

“Die Versuche des Menschen, die Welt um sich herum zu verstehen, ist eine der wenigen Dinge, die das Leben aus der Flachheit der Farce zu tragischen Höhen emporhebt.”
- Steven Weinberg -

Guðjón Ólafssons Zeitreise als Laborratte” von Hermann Stefánsson erschien in Island bereits im Jahre 2008, und hat nun endlich auch den Weg auf den deutschen Buchmarkt gefunden.

Ich hatte von Beginn an sehr große Erwartungen an dieses Buch gestellt. Zum einen hat mich bereits der Titel angesprochen, zum anderen natürlich die Erwähnung von CERN. Wenn man, wie ich, selbst eher im Forschungslabor zu Hause ist, dann erscheint ein solches Buch fast schon wie ein Geschenk des Himmels.

Im Vergleich zu anderen aktuellen Veröffentlichungen ist das Cover von “Guðjón Ólafssons Zeitreise als Laborratte” eher schlicht gehalten, aber meiner Meinung nach würde Stefánssons Werk allein aus diesem Grund in einer Buchhandlung auffallen, denn dezent in Grautönen gehaltene Cover sind heutzutage schon eher eine Seltenheit.

Von der ersten Zeile an zieht einen Steffánssons Werk in seinen Bann. Es ist wunderschön zu lesen, bietet wundervolle Formulierungen, ist mal einfach gehalten, und dann plötzlich wieder hoch philosophisch und wissenschaftlich.

“Weiße Welt stürzt ihm ins Bewusstsein, konfus und fremd. Fragmentarisches Erkennen, verschwommene Grenzen zwischen dem einen Gedanken und dem nächsten.”

Es gelingt dem Autor Guðjóns Verwirrtheit direkt nach dem Aufwachen auf faszinierende Weise sprachlich darzustellen. Verdrehte Worte und Buchstaben wechseln sich mit zusammenhanglosen Gedankenfetzen ab, und lassen es dem Leser ähnlich ergehen wie der eigentlichen Hauptperson.

Guðjóns als Charakter erweist sich als ungemein faszinierend, ist er sich doch seiner eigenen Identität oft selbst nicht sicher. Nachdem er aus dem Krankenhaus entlassen wird, sind sowohl sein Langzeit- als auch sein Kurzzeitgedächtnis schwer angegriffen. Er vergisst viele Dinge sofort wieder, stellt ständig die selben Fragen, die ihm sein Vater immer wieder beantworten muss. Vor dieser Vaterfigur hatte ich von der ersten Minute an großen Respekt, stellt er sich doch dieser ungemein schweren Aufgaben, die alles an Geduld und Gemütsruhe fordert, die ein Mensch aufweisen kann.

Wechsel zwischen Ich- und Er-Perspektive zeigen zusätzlich als sprachliche Mittel Guðjóns Schwierigkeiten in Sachen Identitätsfindung auf. Er leidet an Flashbacks; macht oft keinen Unterschied zwischen sich selbst und erfundenen oder historischen Persönlichkeiten, in deren Leben er während seiner Anfälle (Ausfälle?) er episodenhaft Einblick gewinnt.

Neben Guðjón fungiert Helena ebenfalls als wichtiger Charakter, der immer mehr Raum einnimmt und Guðjón zeitweise als Erzähler ablöst. Im Gegensatz zum ihm wirkt sie normal, ihre Textpassagen unterscheiden sich deutlich von Guðjóns, sind klarer, direkter und weniger verworren gehalten. Doch bald schon ereignen sich auch in ihrem Leben Dinge, die Fragen aufwerfen – bei ihr und beim Leser.

Und Fragen stellt sich der Leser bei diesem Roman wohl ständig. Was ist real? Was ist Fiktion? Handelt es sich bei dieser oder jener Szene um etwas, das tatsächlich in der realen Welt geschieht, oder doch nur um eine von Gudjons Episoden? Nach und nach kommt Licht ins Dunkel. Das Voynich-Manuskript, Schrödingers Katze als Symbol für einen zeitlosen Wahrscheinlichkeitsraum, Quantenmechanik, Teilchen – all dies beginnt sich zu einem großen Ganzen zusammenzufügen.

“Traum und Wirklichkeit sind eins geworden, die Zeit legt sich quer, schließlich aber verläuft sie sich.”

Hermann Stefánsson hat mit “Guðjón Ólafssons Zeitreise als Laborratte” einen Roman geschaffen, der sich an wissenschaftlichen Arbeiten zum Thema Amnesie und den Gesetzmäßigkeiten der kleinsten Teilchen der materiellen Welt orientiert, und daraus eine Geschichte formt, die so anders ist, so besonders, so faszinierend, das es kaum passende Worte zu geben scheint, um dieses Werk wirklich gebührend zu würdigen. Kein einfacher Roman, aber in meinen Augen ein wahrer Diamant, der all jene, die sich die Zeit nehmen um in Guðjóns Welt einzutauchen, mit auf eine unvergessliche Reise nimmt.

Guðjón Ólafssons Zeitreise als Laborratte von Hermann Stefánsson
Algleymi
256 Seiten (Broschiert)
Verlag: litteraturverlag roland hoffmann
Erschienen: September 2011
ISBN: 978-3-940331-07-6
24,90 €
Bezogen werden kann das Buch HIER auf der Verlagswebseite.

Ich bedanke mich ganz, ganz herzlich beim litteraturverlag roland hoffmann und bei Blogg dein Buch für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

[Rezension] Carlos Ruiz Zafón: Marina

“Wir alle haben im Dachgeschoss der Seele ein Geheimnis unter Verschluss.”

Barcelona, am Ende des Jahres 1979. Der fünfzehnjährige Óscar Drai besucht ein Internat, sehnt sich jedoch danach, am pulsierenden und faszinierenden Leben in Barcelona teilzuhaben. So zieht es ihn immer wieder heimlich hinaus in die Gassen der Stadt.

Auf einem seiner Streifzüge durch die alten Villenviertel begegnet Óscar einem jungen Mädchen. Blond und blass scheint Marina so zart, als wäre sie nicht von dieser Welt. Óscar ist sofort von ihr fasziniert.

Zusammen mit Marina nimmt Óscar die Fährte einer geheimnisvollen Dame in Schwarz auf, nicht ahnend, was sie damit ins Rollen bringen. Gemeinsam werden die beiden in eine Geschichte voller Gefahr, Wut und Größenwahn gesogen. Eine höllische Verbindung von vernichtender Kraft, die alles Glück zu zerstören droht.

Doch auch Marina umgibt ein Geheimnis…

Marina” wurde bereits im Jahre 1999 in Spanien veröffentlicht, und hat nun, nach den bahnbrechenden Erfolgen des Autors Carlos Ruiz Zafón, seinen Weg auf den deutschsprachigen Markt gefunden.

Gleich zu Beginn: Sehr schön finde ich, dass der Verlag das Originalcover beibehalten und nur geringfügig bearbeitet hat, gibt es doch die Atmosphäre des Romans in meinen Augen perfekt wieder.

In diesem Roman entführt Zafón zum ersten Mal in sein geliebtes Barcelona, wie wir es aus “Der Schatten des Windes” und “Das Spiel des Engels” kennen und lieben. Nach drei Jugendromanen richtet er sich mit dieser Geschichte zum ersten Mal auch an eine breitere Leserschaft, jedoch lässt sich “Marina” recht schwer einordnen; schwebt eher zwischen Jugendbuch und Roman.

Marina” ist laut eigenen Aussagen der persönliche Liebling des Autors – nachzuvollziehen, gibt es doch deutliche Gemeinsamkeiten zwischen Zafón und seinem Helden Óscar Drai. Beide besuchten eine Jesuitenschule und durchstreiften in ihrer Freizeit die Stadt.

Gemeinsam mit Óscar entdeckt der Leser ein faszinierendes Stück Barcelona, stets schwebend zwischen Fiktion und Realität. Óscar ist ein Charakter, der schnell ans Herz wächst. Aufgrund der Tatsache, dass er diese Geschichte quasi selbst niederschreibt, fühlt man sich sofort mit ihm verbunden. Er ist keinesfalls perfekt, hat Wünsche, Träume und Ängst – und ist genau deshalb so ungemein menschlich und sympathisch.

Marina dagegen wirkt zunächst – vor allem auch aufgrund Óscars Beschreibung – fast schon ätherisch und elfenhaft. Doch schnell erweist sie sich als abenteuerliches Mädchen, das keineswegs auf den Mund gefallen ist und sich liebevoll um ihren Vater kümmert.

Gekonnt entführt Zafón in eine Geschichte, in der jedes Detail von Bedeutung zu sein scheint, eine Mischung aus Grusel- und Kriminalgeschichte, ein modernes Märchen. Oder doch nicht?

Mit dem ihm eigenen wundervollen, fesselnden Schreibstil voller fantastischer Formulierungen schafft es Zafón einen wahren Sog zu entwickeln, dem sich der Leser kaum mehr entziehen kann. Voller Staunen deckt man zusammen mit Óscar und Marina immer mehr Geheimnisse auf – tödliche, gefährliche und doch auch unglaublich berührende und tragische Geheimnisse.

“Vor meinem Fenster ging Barcelona in scharlachroten Schatten auf, ein Wald aus Antennen und Zinnen.”
(Marina, S. 26)

Bücher, bei denen mir allein aufgrund der sprachlichen Schönheit die Tränen in die Augen steigen, sind selten. Doch “Marina” ist es gelungen, genau diese Reaktion bei mir auszulösen. Ein wunderbares Buch. Wer bisher noch kein Werk von Zafón gelesen hat, dem sei dieses Werk ans Herz zu legen. Liebhabern des Autors natürlich ebenso.

Marina von Carlos Ruiz Zafón
Marina
352 Seiten (Hardcover)
Verlag: Fischer
Erschienen: April 2011
ISBN: 978-3100954015
19,95 €

Ich bedanke mich ganz herzlich beim Fischer-Verlag und Vorablesen für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

[Rezension] Kelley Armstrong: Die dunklen Mächte – Höllenglanz

Achtung: Für alle, die die ersten beiden Teile der Reihe “Schattenstunde” und “Seelennacht” noch nicht gelesen haben, enthält diese Rezension eindeutig Spoiler!

Nach ihrer gefährlichen Flucht vor den Wissenschaftlern der Edison Group scheinen Chloe Saunders und ihre Freunde endlich aufatmen zu können. Sie haben das Haus einer Widerstandsgruppe erreicht, einer Vereinigung von Paranormalen, die im Geheimen gegen die Edison Group kämpft.

Es scheint, als haben die Jugendlichen endlich die Gelegenheit, zur Ruhe kommen zu können. Doch nach und nach stoßen sie auf Spuren, die sie an der Vertrauenswürdigkeit der Widerstandsgruppe zweifeln lassen.

Die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen zunehmend, und Chloe und ihre Freunde wissen nicht mehr, wem sie tatsächlich noch vertrauen können. In dem Wissen, sich der Edison Group nicht auf ewig entziehen zu können, sind sie gezwungen, eine schwerwiegende Entscheidung zu treffen…

Höllenglanz” ist der finale Teil der Trilogie um “Die dunklen Mächte” aus der Feder von Kelley Armstrong.

Wie bereits beim zweiten Teil, so schließt auch der finale dritte Band der Reihe nahtlos an seinen Vorgänger an. Dank ihres frischen und ungemein fesselnden Schreibstil gelingt es Armstrong, den Leser erneut sehr schnell in die eigentliche Geschichte hineinzuziehen und lässt kaum eine Gelegenheit aufkommen, das Buch auch nur für Sekunden aus der Hand zu legen.

Auch wenn man zunächst glauben könnte, den Figuren sei endlich einmal die Gelegenheit gegeben, zur Ruhe zu kommen, so steht das Rad der Zeit keineswegs still. Der dunkle Schleier, der über den gesamten Geschehnissen liegt und sich nur sehr langsam zu lüften beginnt, ist mehr als greifbar und in nahezu jeder Zeile spürbar.

Erneut gelingt es Armstrong, ihre Figuren glaubhaft darzustellen, die Fehler, die jeder einzelnen hat, machen die  Charaktere umso realistischer. Man fühlt und fiebert mit, so sehr sind sie einem ans Herz gewachsen. Besonders Tori, im ersten Band noch nahezu unerträglich, hat sich jetzt endgültig zu meiner Lieblingsfigur aufgeschwungen.

Höllenglanz” war spannend von der ersten bis zur letzten Seite. Einige Fragen werden geklärt, jedoch auch neue aufgeworfen – ein Grund mehr einen Blick auf die Nachfolgerreihe “The Darkest Rising” zu werfen, bei der es sich zwar nicht direkt um eine Fortsetzung handelt, die jedoch im selben Universum angesiedelt ist.

Gekonnt verknüpft Armstrong actionreiche Szenen mit ruhigen, teils sogar romantischen Momenten, die der Geschichte jedoch keinesfalls ihren Schwung nehmen, sondern sich perfekt und fast unbemerkt in die Handlung einfügen, und so auf keinen Fall störend oder erzwungen wirken.

Höllenglanz” ist der perfekte Abschluss einer wirklich sehr gelungenen Reihe und für mich der beste Band der gesamten Serie. Spannend und mystisch bis zum Schluss, voller überraschender und dramatischer Wendungen, mit glaubhaften Charakteren und einer Prise Gruselatmosphäre. Die passende Lektüre für die langsam wieder länger werdenden Nächte.

Die dunklen Mächte: Höllenglanz von Kelley Armstrong
Darkest Powers: The Reckoning
400 Seiten (Hardcover)
Verlag: PAN
Erschienen: Juni 2011
ISBN: 978-3426283431
14,99 €

Vielen herzlichen Dank an den PAN-Verlag für das so freundlich zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

[Rezension] Lauren DeStefano: Wither – The Chemical Garden Trilogy 1

Mit ihren sechszehn Jahren hat Rhine Ellery nur noch vier Jahre zu leben. In ihrem Wahn den perfekten Menschen zu kreieren hat die moderne Wissenschaft eine genetische Zeitbombe geschaffen, die das Leben von Männern auf 25 Jahre und das von Frauen auf 20 Jahre begrenzt. Verzweifelt suchen Wissenschaftler nun nach einem Gegenmittel um die Menschheit wieder zu regenerieren, während Waisenkinder, Verbrechen, Gewalt und Armut die Städte immer mehr überfluten, und junge Mädchen entführt und in die Prostitution oder in polygame Ehen gezwungen werden, um Kinder zu produzieren und das Aussterben der menschlichen Rasse zu verhindern.

Als Rhine entführt und zur Braut gemacht wird, schwört sie sich, alles zu unternehmen um wieder frei zu kommen und zurück zu ihrem Zwillingsbruder zu gelangen. Ihr Mann Linden ist ihr hoffnungslos verfallen, und obwohl sie es versucht, kann Rhine ihn beweiten nicht so sehr hassen, wie sie es gerne würde. Denn er bietet ihr eine Welt voller Wohlstand und  Illusion, die Rhine fast schon die tickende Uhr in ihrem Inneren ignorieren lässt.

Doch schnell muss Rhine lernen, dass nichts in dieser neuen Welt so ist wie es scheint. Ihren Mitfrauen kann sie an einem Tag vertrauen, am nächsten Tag fürchten und ihr Schwiegervater hortet auf seiner Suche nach dem Gegenmittel Leichen in seinem Labor im Keller.

Mit der Hilfe von Gabriel, einem Diener im Haus ihres Mannes, zu dem sich Rhine trotz aller Gefahren immer mehr hingezogen fühlt, will sie versuchen zu fliehen. Doch wird es Rhine gelingen zu entkommen, bevor ihre Zeit abgelaufen ist?

Wither” ist der erste Band der “Chemical-Garden“-Trilogie von Lauren DeStefano und gleichzeitig der Debütroman der Autorin.

Allein das Cover hat schon volle 5 Sterne verdient. Und es sieht nicht nur einfach fantastisch aus, es passt auch absolut perfekt zur Handlung. Durch das Design aus Kreisen und Linien, das sich auch im Buch fortsetzt, werden bestimmte, wichtige Details hervorgehoben: der Ehering am Finger des Mädchens, der kleine Vogel in seinem Käfig, die Laborutensilien sowie die Sanduhr auf der Rückseite… Alles Dinge, die sich in der Geschichte wiederfinden.

Doch nicht nur das Cover hat Lob verdient. Auch die Geschichte selbst ist einfach unbeschreiblich fantastisch. Von der ersten Seite an zieht einen “Wither” hinein in eine mögliche Zukunft, die gar nicht so unwahrscheinlich erscheint. Eine Welt, in der der schöne Schein gewahrt wird, die aber doch so ausweglos erscheint. Du weißt von Beginn an, wann dein Leben vorbei sein wird und dir wird die Chance genommen, so zu leben wie du es möchtest…

An sich ist die Handlung nicht voll von pausenloser Action und Spannung, sondern eher ruhig gehalten. Doch gerade dies bietet der Autorin die Möglichkeit, eine Atmosphäre heraufzubeschwören, die beklemmender nicht sein könnte. Allein schon die ersten paar Seiten lassen erahnen, worauf man sich hier einlässt.

Ganz besonders die Charaktere tragen zum Zauber, zum Sog der Geschichte bei. Rhine ist vom ersten Augenblick an sympathisch und ungemein glaubhaft gestaltet. Sie wird verschleppt, verheiratet, muss sich in eine Welt und ein Schicksal einfügen, um zu überleben, gibt aber die Hoffnung nie auf, zu entkommen. Auch wenn es sie das Leben kosten sollte.

Auch die Nebencharaktere können sich sehen lassen, sind keinesfalls flach und farblos, oder nur schmückendes Beiwerk. Linden bringt Rhine aufrichtige Zuneigung entgegen, tut alles damit sie seine Gefühle erwidert. Cecily und Jenna, Rhine’s Mitfrauen, sind ebenfalls faszinierend Persönlichkeiten, haben ihre eigenen Geschichten zu erzählen, die sich dem Leser nach und nach eröffnen. Zum Teil muss man sogar seine vorgefestigte Meinung revidieren, je weiter man in die Schicksale der einzelnen Personen eintaucht. Und dann natürlich auch noch Gabriel, der Diener, zu dem sich Rhine immer mehr hingezogen fühlt, und was nicht nur für sie gefährlich ist, sondern auch für ihn…

Immer wieder wird dem Leser die Ausweglosigkeit in Erinnerung gerufen, der sich die einzelnen Charaktere gegenüber sehen. Ein Leben auf Zeit, auf den Tag genau steht der Todeszeitpunkt eines jeden fest. Und doch gibt es auch schöne Momente, nicht alles ist traurig und dramatisch, und genau das verzaubert einen noch mehr.

Wither” ist eines der besten Bücher, die ich seit langer Zeit gelesen habe. Glaubhafte Charaktere, eine fantastische Geschichte, und ein so wunderschöner Schreibstil, das man gar nicht will, dass das Buch endet.  Ich kann den zweiten Band “Fever” kaum mehr erwarten, der übrigens im Februar 2012 erscheint, und wie gesagt, schon jetzt ist “Wither” eines der absoluten Highlights des Jahres. Dieses Buch muss man gelesen haben!

Wither: The Chemical Garden Trilogy 1 von Lauren DeStefano
368 Seiten (Hardcover)
Verlag: Simon & Schuster
Erschienen: März 2011
ISBN: 978-1442409057
12,60 €

[Rezension] Tad Williams: Der Abschiedsstein – Das Geheimnis der Großen Schwerter 2

Über dem einst schönen Land Osten Ard liegen düstere Schatten. Ein nicht enden wollender Winter überzieht das Reich, Vorbote des untoten Sithiprinzen Ineluki und der Nornenkönigin Utuk’ku, die das Land zurückerobern wollen, das einst den Ihren gehörte. Auf dem Hochhorst, dem Königssitz, herrschen Ineluki’s Kreaturen und Verbündeten: Hochkönig Elias und der Priester Pryrates, der unheimliche Ratgeber des Prinzen überblicken das Geschehen, während sich bleiche Nornen ungehindert im Lande bewegen. Nichts mehr scheint den Sturmkönig Ineluki aufhalten zu können, doch es regt sich Widerstand.

Prinz Josua, der Bruder des Königs, konnte mit einigen Getreuen dem Angriff auf Naglimund durch die Nornenheere entkommen. Auf der Flucht begegnen sie der weisen Frau Geloe, die sie zum Abschiedsstein schickt, einem alten Ort der Sithi. Doch der Weg dorthin ist beschwerlich und voller Gefahren.

Auch Simon, Binabik und ihre Gefährten sind auf dem Weg dorthin. In den hohen Bergen des Nordens gelang es ihnen, das Schwert Dorn in ihren Besitz zu bringen, eines der drei großen Schwerter, und eine kleine Flamme der Hoffnung im Kampf gegen Ineluki. Aber die Gefährten werden auf ihrem Weg Richtung Süden getrennt, und schon bald bewegt sich Simon am Rande des Todes…

Werden sich Simon und seine Gefährten lebend wiedersehen? Wird Josua den Abschiedsstein erreichen? Oder ist alle Hoffnung, gegen die dunklen Heere des Sturmkönig zu bestehen, vergebens?

Der Abschiedsstein” ist der zweite Teil des Fantasy-Epos “Das Geheimnis der Großen Schwerter” von Tad Williams.

Wo man als Leser von “Der Drachenbeinthron” noch eine gewisse Anlaufphase überwinden musste, befindet man sich bei “Der Abschiedsstein” von der ersten Seite an mitten im Geschehen.

Simon ist gewachsen, zwar immer noch in manchen Dingen etwas naiv, aber doch auf dem besten Weg zum Mann. Gezeichnet durch seine Abenteuer und Kämpfe, sieht er die Dinge nun mit anderen Augen, ist nicht mehr allein der tagträumende Küchenjunge von einst. Simon als Hauptcharaketer reift heran, und wir als Leser begleiten ihn, reisen und wachsen mit ihm.

Die Fülle an Charakteren, die William’s Werk zu bieten hat, verschafft ihm die Möglichkeit, seine Geschichte ungemein abwechslungsreich zu erzählen. So begleiten wir nicht nur Simon, sondern auch Josua und seine Getreuen auf ihrer beschwerlichen Flucht und der Reise zum Stein des Abschieds; Prinzessin Miriamel und ihren Begleiter Cadrach auf ihrem Weg nach Nabban; Herzog Isgrimmur, der Miriamel nachfolgt; Hernystiri-Prinzessin Meagwin und Graf Eolair, die sich gegen Eroberer zur Wehr setzen müssen und gewinnen Einblicke in das Leben auf dem Hochhorst, wo nicht alle Bewohner dem König treu ergeben sind.

Auch die Haupthandlung schreitet weiter fort. Die Bedrohung durch Sturmkönig und Nornenkönigin wird immer deutlicher, ist fast schon greifbar, so fantastisch gelingt es William’s das Geschehen durch seinen gekonnten, fesselnden Schreibstil heraufzubeschwören.

Und auch wenn der Leser aufgrund der vielen verschiedenen Handlungsstränge wichtige Dinge oft vor den betreffenden Personen erfährt, so wirkt sich dies keinesfalls negativ auf die Spannung aus. Stattdessen hält man das Buch kramfhaft in den Händen, möchte den Figuren fast schon verzweifelt zuschreien was doch so ungemein wichtig wäre zu wissen.

Der Abschiedsstein” ist eine absolut gelungene Fortsetzung; ein Fantasy-Epos der Extraklasse, voller Spannung, unerwarteter Wendungen, glaubhafter und liebeswerter Charaktere, deren Geschichte man mit Freuden verfolgt und voller Begeisterung mitfiebert… und mitleidet. Wer den ersten Teil gelesen hat, für den ist auch dieses Buch ein Muss.

Der Abschiedsstein: Das Geheimnis der Großen Schwerter 2 von Tad Williams
890 Seiten (Hardcover)
Verlag: Klett-Cotta
Erschienen: 2010 (dt. EVÖ: 1993)
ISBN: 978-3608938678
24,95 €

Ich bedanke mich ganz, ganz herzlich beim Verlag Klett-Cotta für das so freundlich zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

[Rezension] Tad Williams: Der Drachenbeinthron – Das Geheimnis der Großen Schwerter 1

Simon, seines Zeichens Küchenjunge, wächst auf dem Hochhorst auf, dem Königssitz von Osten Ard. Von vielen oft Mondkalb genannt, ist Simon eher ein Träumer und Tollpatsch, der gern versucht, sich vor unliebsamer Arbeit zu drücken. Als er von dem etwas seltsamen Doktor Morgenes als Lehrling angenommen wird, ändert sich sein bisheriges Dasein. Er lernt Lesen und Schreiben, und saugt wissbegierig jede Episoder der Landesgeschichte auf, die Morgenes zu erzählen weiß.

Doch Veränderung liegt in der Luft. Der sagenumwobene König Johan Presbyter, der einst den Drachen Shurakai erschlug und sich als dessen Gebeinen einen Thron erbauen ließ, liegt im Sterben. Sein ältester Sohn Elias wird sein Nachfolger. Allerdings gerät der neue König immer mehr unter den Einfluss des Zauberpriesters Pryrates, der mit dunklen Mächten im Bunde zu sein scheint. Als Simon bei einem seiner vielen Streifzüge durch den Hochhorst auf den gefangenen Josua trifft, den Bruder des neuen Königs, wird Morgenes klar, dass Pryrates hier Schreckliches plant. Es gelingt ihnen, den Prinzen zu befreien, doch Simon ist gezwungen zu fliehen. Auf seiner Reise nach Naglimund trifft er nicht nur auf interessante Reisegefährten, sondern muss stets darum fürchten, von Pryrates Häschern gefasst zu werden.

Etwas größeres scheint hier am Werk ist als nur ein Herrschaftwechsel auf dem Königsthron. Dunkle, rachsüchtige Mächte erheben sich, jahrhundertelang tot geglaubt. Der dunkle Sturmkönig Ineluki streckt seine Finger aus nach Osten Ard. Noch ahnt Simon nicht welche Rolle ihm in dieser Geschichte zu teil werden wird…

Der Drachenbeinthron” ist der erste Teil des opulenten Fantasy-Werkes “Das Geheimnis der Großen Schwerter” von Tad Williams.

Die Geschichte beginnt sehr, sehr langsam, was es mir zu Beginn etwas erschwert hat, mit dem Lesen am Ball zu bleiben. Es wird sich viel Zeit genommen den Hochhorst vorzustellen, und durch die detailreichen Beschreibungen ein klares Bild im Kopf des Lesers heranwachsen zu lassen.

Auch Simon, dem Hauptcharakter, wird entsprechende Aufmerksamkeit geschenkt. Man begleitet ihn auf seinen Streifzügen durch den Hochhorst, schüttelt ab und an den Kopf über sein unglaubliches Talent, sich in Dinge und Geschichten hineinzumanövrieren, die eigentlich nicht gut für ihn sind. Und genau diese Dinge sind es letztendlich, die ihn dazu zwingen, seine Heimat fluchtartig zu verlassen.

Die charakterliche Entwicklung des Jungen stellt Williams ungemein glaubhaft dar. So wandelt sich Simon vom naiven Träumer zum Tatmenschen, der sich wohlwissend in Gefahr begibt, manchmal freiwillig, manchmal eher gezwungenermaßen. Zwar ist Simon auch weiterhin etwas trotzig, eben typisch für sein Alter, jedoch merkt man deutlich, dass er erwachsener wird.

Neben diesem sympathischen Hauptcharakter, bietet William’s Werk eine Fülle an Persönlichkeiten. Jede auf ihre Art wichtig und bedeutend, und nicht immer ist zu erkennen, auf welcher Seite die betreffende Figur steht. Doch alle haben sie ihre Geschichte, ihre Geheimnisse, und mit Freuden folgt man ihnen als Leser auf ihrem Weg.

Auch die eigentliche Handlung überzeugt auf ganzer Linie. Hat man die längere Anlaufphase überstanden, eröffnet sich einem eine schier unglaubliche, facettenreiche Geschichte, eingebettet in eine fantastische Welt, mit seltsamen Völkern, Religionen und Legenden. Voller Spannung und unerwarteter Wendungen zieht “Der Drachenbeinthron” den Leser in seinen Bann. Williams gelingt es, die aufziehende Düsternis greifbar zu machen, die fast schon ausweglos erscheint, bis auf einen kleinen Funken Hoffnung.

Der Drachenbeinthron” ist ein absolut fantastischer Reihen-Auftakt, spannend, dramatisch, voller Magie, Gefahr und versehen mit Charakteren, an die man sich noch lange nach dem Lesen erinnern wird. Ein Muss für jeden Fantasy-Fan.

Der Drachenbeinthron: Das Geheimnis der Großen Schwerter 1 von Tad Williams
975 Seiten (Hardcover)
Verlag: Klett-Cotta
Erschienen: November 2010 (dt. EVÖ 1991)
ISBN: 978-3608938661
24,95 €

Ich bedanke mich ganz, ganz herzlich beim Verlag Klett-Cotta für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

[Rezension] Frances G. Hill: Sturm im Elfenland

Im Elfenland herrscht Unruhe. Nach einem schlimmen Schicksalsschlag hat König Auberon beschlossen, die Ausübung von Magie zu verbieten. Doch diese Entscheidung schürt den Widerstand, denn Magie ist für Elfen ebenso natürlich wie das atmen.

Auch die Eltern von Ivaylo werden als Rebellen überführt, die sich gegen den König zur Wehr setzen wollen. Als Verräter verurteilt verschwinden sie in den Kerkern des Königs, und Ivaylo wird zur Familie seiner Tante geschickt.

Alana, Ivaylo’s Cousine, ist von der Ankunft des Gastes keineswegs begeistert. Nicht nur, dass er aus dem Schattenwald stammt, einem mystischen Ort voller magischer Wesen, er bekommt auch noch das Zimmer des Hauses, welches eigentlich Alana versprochen war. Und seine stille, verschlossene Art macht ihr den jungen Elf auch nicht unbedingt sympathischer. Doch bald schon muss Alana feststellen, dass Ivaylo in den alten magischen Künsten bewandert ist. Und was hat es mit dem geheimnisvollen Sternenstein auf sich, denn er immer bei sich trägt?

Während sich überall im Elfenland gefährliche Dämonentore öffnen, gerät Alana immer tiefer in einen Strudel voller mysteriöser Ereignisse. Bald schon weiß sie nicht nur mehr, wem sie noch trauen kann, sondern steht auch der wohl größten Herausforderung ihres Lebens gegenüber…

Sturm im Elfenland” ist ein Fantasy-Roman aus der Feder der Autorin Frances G. Hill.

Schon die Gestaltung des Umschlages macht dieses Buch zu einem absoluten Highlight. Es schimmert und glitzert und wirkt trotzdem keinesfalls kitschig. Ansehen zumindest könnte ich dieses Werk schon einmal eine gefühlte Ewigkeit.

Die eigentliche Geschichte beginnt ohne große Einleitung. Man findet sich sofort mitten in der Verhaftung von Ivaylos Eltern wieder, und erfährt schnell immer mehr Gründe hierfür. Erzählt wird in zwei Sichtweisen, auseinander gehalten mittels verschiedener Schriftstile. Zunächst mag dies verwirrend wirken, vor allem da die Person des aus der Ich-Perspektive erzählenden Kursivschreibers nicht sofort enthüllt wird, im späteren Verlauf der Handlung festigt sich aber alles zu einem klaren Bild.

Dieser erzählerische Aufbau, sowie der wirklich sehr angenehme Schreibstil der Autorin, machen einen großen Reiz der Geschichte aus, bietet sich so doch genügend Raum für eigene Spekulationen und Theorien.

Auch die Charaktere sind durchweg sympathisch und glaubhaft gezeichnet, und wachsen einem schnell ans Herz. Sowohl Ivaylo als auch Alana agieren realistisch und nachvollziehbar; treten keineswegs auf der Stelle, sondern machen beide eine enorme Entwicklung durch.

Sturm im Elfenland” spielt nebenbei auch noch ganz wunderbar mit dem typischen Konflikt zwischen Elfen und Zwergen, den wir schon seit Tolkien kennen…und lieben.

Ein wundervoll gestalteter Fantasy-Roman, mit einer ebenso wundervollen Geschichte, voller Intrigen, Verrat, Liebe und Magie, und sympathischen Charakteren. “Sturm im Elfenland” wird meiner Meinung nach Fans als auch Skeptiker in Sachen Elfen überzeugen, und ist es definitiv wert, dass man ihm seine Aufmerksamkeit schenkt. Ein wirklich ganz fantastisches Buch.

Sturm im Elfenland von Frances G. Hill
464 Seiten (Hardcover)
Verlag: arsEdition
Erschienen: Februar 2011
ISBN: 978-3760763736
19,95 €

Ich bedanke mich ganz, ganz herzlich beim Verlag arsEdition für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

 

[Rezension] Kathleen Weise: Blutrote Lilien

Paris 1609: Schon immer hat der Duft von Reichtum und Macht viele verschiedene Menschen an den französischen Königshof gelockt.

Auch die fünfzehnjährige Charlotte de Montmorency ist auf dem Weg zum Louvre, dem Sitz des Hofes. Es ist an der Zeit sie dort einzuführen, denn ihre Hochzeit mit dem Marquis de Bassompierre steht kurz bevor. Doch schon bald muss die feststellen, dass eine arrangierte Ehe nicht gleichbedeutend mit der Liebe ist.

Charlotte gerät in einen Strudel aus Gerüchten und Intrigen, mitten hinein in eine Welt, in der sie sich nicht sicher sein kann, wem sie trauen kann. Denn hinter der prunkvollen Kulisse des Hofes kämpfen unterschiedliche Lager um die Gunst von König und Königin. Die Zugehörigkeit zu einem falschen Glauben kann einem in dieser Zeit schnell das Leben kosten.

Als Charlotte plötzlich zur Favoritin des Königs wird, treten mächtige Feinde auf den Plan, die dem Aufstieg der Familie de Montmorency nicht wohlgesonnen sind. Schon bald schwebt sie in Lebensgefahr, und auch die Tatsache, dass ihr Herz einem anderen als de Bassompierre zugetan ist, trägt nicht zur Besserung bei…

Blutrote Lilien” ist ein historischer Roman der in Leipzig lebenden Autorin Kathleen Weise.

Zunächst einmal: Ich liebe Frankreich, seine Geschichte, seine Königs- und Adelsfamilien. Daher war es für mich einfach unausweichlich, einen Roman zu lesen, der am französischen Königshof spielt.

Die Familie de Montmorency gehörte zu den einflussreichsten Adelsfamilien ihrer Zeit, die Kinder heirateten nicht nur in Königsfamilien ein, sondern zum Beispiel auch in die Linien der Kardinäle Richelieu und Marzarin.

Es ist stets schwierig, historische Persönlichkeiten so darzustellen, dass sie sich nicht gänzlich von der aus Geschichtsbüchern bekannten Person abheben. Dieser Punkt ist der Autorin wirklich gut gelungen. Die Charaktere sind glaubhaft gezeichnet, und besonders Charlotte, aus deren Perspektive die Geschichte erzählt wird, wächst einem schnell ans Herz mit ihrer teils aufbrausenden Art, die so gar nicht zu dem lieben, schweigsamen Frauenzimmer passen will, in dessen Form man sie pressen möchte.

Die Nebencharaktere müssen aber den Vergleich mit der doch sehr starken Hauptperson nicht scheuen, entsprechend ihrer jeweiligen Rolle treten sie durchaus glaubhaft auf und wirken keinesfalls nur wie flaches, farbloses Beiwerk.

Der Schreibstil der Autorin passt perfekt, liest sich klar und fließend und ist keinesfalls blumig-überladen, wie das bei manch anderen Romanen der Fall ist, die am französischen Hof spielen. Sie baut nicht gewollt Spannung auf und beschränkt sich auf einen großen Haupthandlungsstrang, den sie aber so gekonnt nutzt, dass keinesfalls Langeweile aufkommt.

Blutrote Lilien” hat genau die Erwartungen erfüllt, die ich an e gestellt hatte. Ein gelungener Einblick in den französischen Hof, Intrigen, Verrat und Gefahr, gewürzt mit einem kleinen bisschen Romantik. Und obwohl das Cover recht untypisch für einen solchen Roman ist, so hält die restliche Gestaltungen einige Highlights bereits, wie zum Beispiel diesen versiegelten Brief gleich zu Beginn des Buches, dessen Bedeutung sich im weiteren Verlauf erklären wird.

Ein Roman, der einen so schnell nicht mehr loslässt, wenn man einmal in diese Welt eintaucht – ich zumindest konnte mich erst losreißen, nachdem ich auf der letzten Seite angekommen war. Und auch wenn die Geschichte in sich abgeschlossen scheint, so könnte man auf eine Fortsetzung hoffen, denn geschichtlich gesehen ist dafür genügend Material vorhanden.

Blutrote Lilien von Kathleen Weise
336 Seiten (Hardcover)
Verlag: Planet Girl
Erschienen: Januar 2011
ISBN: 978-3522502184
14,90 €

Ich bedanke mich ganz, ganz herzlich beim Planet-Girl-Verlag für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

[Rezension] Serpil & Peter Prange: Der verliebte Zylinder

Felix, ein stattlicher Zylinder, lebt in einem kleinen altmodischen Hutgeschäft. Er ist hoffnungslos in Julia verliebt, einen wunderhübschen Brautschleier.

Aber seine Liebe scheint aussichtslos, findet Felix, denn alle halten ihn für einen Trauerhut. So ist er in der bunten Hutgesellschaft ein Außenseiter und seine heiß verehrte Julia ist der Star, um den sich alle reißen. Und weil Julia so schön ist verwundert es besonders, dass sie nach keiner Anprobe gekauft wird und auf dem Kopf einer Braut landet.

Was niemand ahnt: auch Julia ist verliebt, und zwar in Felix, und sie kämpft mit allem Mitteln für die Verwirklichung ihrer Liebe.

Doch eines Tages wird Felix verkauft…

Der verliebte Zylinder” ist ein wundervolles Bilderbuch mit Illustrationen von Martina Matos, und einer Geschichte aus der Feder von Serpil und Peter Prange.

Mit einer zuckersüßen Geschichte und ebenso süßen Bildern wird auf 48 Seiten die Liebesgeschichte von Felix und Julia erzählt.

Auf wundervolle Weise gelingt es nicht nur dem Zylinder und dem Brautschleier Leben einzuhauchen. Auch die anderen Bewohner des Hutladens von Herrn Friedlich haben ihre ganz eigene Persönlichkeit: die würdevolle Melone Sir Winston, die vorlaute Kreissäge Karl, die kleine Sissy… Alle sind sie sympathisch und glaubhaft in Szene gesetzt.

Und auch wenn die Geschichte eigentlich vorhersehbar ist, so ist sie doch wunderschön zu lesen und anzuschauen.

Ein wirklich sehr liebevoll gestaltetes Bilderbuch für jede Altersklasse. Ich kann es mit gutem Gewissen jedem ans Herz legen, der sich für solche Buchschätzchen erwärmen kann.

Der verliebte Zylinder von Serpil und Peter Prange
48 Seiten (Hardcover)
Verlag: Baumhaus
Erschienen: Januar 2011
ISBN: 978-3833905230
12,99 €

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